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Einsteinturm
 

Impressionen vom Potsdamer Einsteinturm

 
Foto: Christian Gottschalk

Der Einsteinturm auf dem Telegrafenberg in Potsdam hat sich neben den Schlössern und Gärten des Parkes Sanssouci zu einem der stärksten Magneten für Besucher aus aller Welt entwickelt: Das berühmte Bauwerk Erich Mendelsohns gilt als bedeutendste architektonische Leistung des deutschen Expressionismus, und seine Abbildung fehlt in keiner Publikation, die sich mit der Kunst und Architektur der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts beschäftigt. Mendelsohn einen Zweckbau für ein wissenschaftliches Instrument zu errichten, zugleich ein Monument der modernen Wissenschaft geschaffen.

Der Einsteinturm bildet die Schutzhülle um eine damals, vor 70 Jahren, einzigartige Forschungsanlage für die Sonnenphysik. Erwin Finlay-Freundlich, Astronom und Mitarbeiter Albert Einsteins, hatte das Instrumentarium konzipiert und damit das erste Turmteleskop Europas mit einem der größten Spektrographen seiner Zeit geschaffen. Am 6. Dezember 1924 wurde die Sonnenforschungs-anlage des Einsteinturmes in einer von Albert Einstein geleiteten Sitzung des Kuratoriums des "Einstein-Instituts" offiziell in Betrieb genommen.

Die primäre wissenschaftliche Aufgabenstellung bestand im Nachweis der Gravitationsrotverschiebung, einer winzigen, von Einstein vorhergesagten Verschiebung von Spektrallinien im Schwerefeld der Sonne, die als Beweis für die Richtigkeit der Allgemeinen Relativitäts-theorie dienen sollte. Die Initiative Freundlichs und die Unterstützung durch den damals bereits weltberühmten Einstein sicherten in der ökonomisch schwierigen Situation (Nachkriegszeit und beginnende Inflation!) die finanzielle Basis für das anspruchsvolle Vorhaben, und zwar je zur Hälfte aus Mitteln des preußischen Staates und einer Albert-Einstein-Stiftung der deutschen Industrie.

In den 20er Jahren war der Einsteinturm das erste Turmteleskop in Europa; Teleskop und Spektrograph gehörten lange zu den größten derartigen Instrumenten auf der Welt. Seit Beginn der 40er Jahre wurden hier von H. von Klüber erstmalig in Europa kosmische Magnetfelder gemessen, und zwar in Sonnenflecken. Die Mess-methode wurde später von W. Grotrian und anderen Potsdamer Mitarbeitern weiter verbessert. Selbst heute noch ist der Einsteinturm eines der größten, weiterhin für Messungen genutzten Sonnenteles-kope in Europa; dabei haben wir von den großen modernen Sonnen-teleskopen auf den Kanarischen Inseln abgesehen, an denen die Potsdamer Sonnenphysiker heute die meisten ihrer Präzisions-messungen durchführen.

Text von Jürgen Staude 

 

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Mehr im Internet:
Besuch des Einsteinturms

 

 

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