The Berlin Brain - Foster-Neubau der Philo-
logischen Bibliothek der neue Kontrapunkt
des Ensembles - Bild: Ernst Fesseler
(kso) Der Campus der Freien Universität Berlin ist um ein architektonisches Wahrzeichen reicher: die Philologische Bibliothek des renommierten englischen Architekten Lord Norman Foster. Der Neubau gleicht der Form eines Gehirns und ist deshalb schon im Vorfeld "The Berlin Brain" getauft worden. In der neuen Bibliothek finden 700.000 Bücher aus insgesamt elf verschiedenen philologischen Teilbibliotheken ein neues Zuhause.
Die Philologische Bibliothek ist mit einer sphärisch gekrümmten Hüllfläche in das bereits bestehende geisteswissenschaftliche Zentrum der FU implantiert worden. Der "alte", mit Corten-Stahl verkleidete Gebäudekomplex, der als "Rostlaube" bekannt geworden ist, wurde 1963 von den Architekten Georges Candilis, Alexis Josic, Shadrach Woods und Manfred Schiedhelm entworfen und von 1967 bis 1973 erbaut.
Das Büro "Foster and Partners" entwarf nun einen innerhalb des Innenhofes frei stehenden Baukörper, der nur mit zwei leichten, leuchtend melonengelb-farbenen Übergängen an die Straßen "K" und "L" - zwei parallel verlaufende Hauptflure in der "Rostlaube" - angebunden ist.
Ebenfalls gelb ist das Gitterwerk, das sich zwischen der doppel- schaligen Gebäudehülle befindet und sie trägt. Es leuchtet durch einzelne transparent gehaltene Segmente der aus weißen Stoffbahnen gebildeten Membran, die die Innenhaut der Bibliothek darstellt. Die Außenschale ist mit Aluminium- und Glaspaneelen bestückt.
Die zweischalige Hülle regelt alle Belange des Wetter-, Kälte- und Sonnenschutzes, die natürliche Belichtung und die Belüftung. Bei Wind öffnen sich an den Luv- und Leeseiten computergesteuerte Klappen, so dass das Klima in der Bibliothek drei Viertel des Jahres natürlich geregelt werden kann: An kalten Tagen brauchen die Bibliothekare die Heizkörper nicht aufzudrehen, die Betonkern- aktivierung - eine Art Fußbodenheizung in Gummischläuchen - macht die Bauteile zu Wärme abstrahlenden Flächen. Nach demselben Prinzip funktioniert die Kühlung.
Der Innenraum besteht aus fünf Nutzebenen, auf denen etwa 700.000 Bücher stehen. Drei Emporen treppen sich von unten nach oben zurück, ihre Außenränder sind wellenförmig ausgeformt und von Ebene zu Ebene gegenläufig geschwungen.
Die Bibliothek verfügt auf der knapp 6.300 Quadratmeter großen Nutzfläche über insgesamt 636 WLAN-fähige Lese- und Arbeitsplätze, darunter etwa hundert Internet-Rechercheterminals und 14 Workstations. Die Hälfte dieser, die sich an den Randzonen der Flächen befinden, ist mit einem festen Internet-Anschluss ausgestattet und verfügt über eine Sicherungsmöglichkeit für persönliche Laptops. In der Bibliothek befindet sich zudem ein EDV-Schulungsraum mit 13 PC-Arbeitsplätzen.
Der Einbau der Philologischen Bibliothek an der Habelschwerdter Allee ist nur eine Teilmaßnahme der umfänglichen Sanierung der Rostlaube, bei der 1990 eine hohe Asbestbelastung festgestellt wurde. Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf etwa 59,3 Millionen Euro, die zur Hälfte vom Land und zur Hälfte vom Bund getragen werden. Die Kosten beinhalten den Neubau der Philologischen Bibliothek in Höhe von etwa 18,5 Millionen Euro und die Asbestsanierung von rund vier Millionen Euro.
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