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26.04.2017 - THEOLOGIEGESCHICHTE

Von Schweden bis Tansania, von Pennsylvania bis Korea

Berliner Ausstellung über den weltweiten "Luther-Effekt"

In der Mitte sitzt Martin Luther, zu seiner Linken sein engster Mitstreiter, Philipp Melanchthon. Zu seiner Rechten sind zwei Vertreter der Reformation in der Schweiz zu sehen, denen Luther freilich nie begegnet ist, Johannes Calvin und Théodore de Bèze. Um sie herum stehen und sitzen ein Dutzend weitere Reformatoren, darunter auch solche, die zu Luthers Zeiten längst verstorben waren, John Wyclif und Jan Hus. Sie alle bilden eine geschlossene Front gegen die Vertreter der katholischen Kirche, die am unteren Bildrand versammelt sind und sich nach Kräften bemühen, die Kerze, die vor Luther auf dem Tisch steht, auszupusten – das Licht der göttlichen Offenbarung. Das Bild, das um 1630 oder 1640 entstand, bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung über „500 Jahre Protestantismus in der Welt“, die jetzt im Berliner Gropius-Bau zu sehen ist. > mehr

24.04.2017 - POLITISCHE ÖKONOMIE

Aus der sozialen Struktur herausgefallen

Zwei Jahrtausende Versuche, das Phänomen Armut zu erfassen

Als der Londoner Pfarrer Andrew Mearns in den frühen 1880er Jahren eine Schrift über die Ärmsten der Armen in der britischen Hauptstadt vorbereitete, traf er in einer Hinterhofwohnung eine alte, halb betrunkene Irin an. Sie war gerade dabei, Lumpen durchzusehen, in der Hoffnung, einige davon beim Pfandleiher versetzen zu können „Als sie gefragte wurde“, berichtet Mearns, „ob sie das mache, weil sie arm sei, antwortete sie entrüstet: ‚Mich arm nennen! Ich besitze einen halben Laib Brot und etwas Milch!‘ Und dann, aus einem Müllberg aus der Ecke des Zimmers, zog sie einen halb verwesten Truthahn heraus, vollkommen ungeeignet für den menschlichen Verzehr, um ihn zum Abendessen vorzubereiten.“ „Arm“ ist eine Bezeichnung, die niemand gern auf sich selbst anwenden möchte, egal wie schlecht es ihm wirklich geht. Was ist das überhaupt, „Armut“? Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies von der Freien Universität Berlin hat jetzt einen historischen Abriss zum Thema Armut vorgelegt, vom Altertum bis in die Gegenwart. Oder genauer: zu den wechselnden Konzepten, mit denen über die Jahrhunderte versucht wurde, dieses Phänomen zu erfassen. > mehr

18.04.2017 - ZEITGESCHICHTE

"Da jitt et nix zu kriesche"

Vor 50 Jahren starb Konrad Adenauer

Was hatten Konrad Adenauer und Wolfgang Amadeus Mozart, Giacomo Casanova und Schah Reza Pahlavi gemeinsam? Sie hätten zu Pferd in eine Kirche einreiten dürfen. Dieses Privileg gehört zu den Rechten, die mit dem päpstlichen Orden „Ritter vom Goldenen Sporn“ verbunden sind. Adenauer erhielt den Titel 1955 von Papst Pius XII. Eine der vielen Dutzend Ehrungen, die dem ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland im Laufe seines langen Lebens zuteil wurden, vom Eisernen Kreuz des Königreichs Preußen bis zum japanischen Orden der aufgehenden Sonne, von der Ritterwürde des Souveränen Malteserordens bis zur französischen Ehrenlegion. Und im Gedächtnis der Nachwelt, nach seinem Tod, setzte sich die Reihe fort. Als das ZDF 2003, mehr als ein Dritteljahrhundert nach Adenauers Tod am 19. April 1967, eine Fernsehshow zum Thema „Die größten Deutschen“ veranstaltete, wurde er in einer Umfrage, freilich ohne Anspruch auf Repräsentativität, auf Platz 1 gewählt. > mehr

13.04.2017 - THEOLOGIE

Übertragungen, Eroberungen, feindliche Übernahmen

Zweieinhalb Jahrtausende Bibeluebersetzung

„Wir sind der Überzeugung“, gibt die sogenannte „Einheitsübersetzung“ der Bibel Kapitel 3, Vers 28 aus dem Römerbrief wider, „dass der Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes.“ Den protestantischen Theologen, die vor einem halben Jahrhundert gemeinsam mit ihren katholischen Theologen die Einheitsübersetzung erstellten, wird es an dieser Stelle gar nicht so leicht gefallen sein, vom Wortlaut Martin Luthers abzuweichen. Vor fast 500 Jahren hatte Luther übersetzt: „Wir sind überzeugt, dass der Mensch gerecht wird ohne die Werke des Gesetzes, allein durch den Glauben.“ Bei oberflächlicher Lektüre besagen beide Fassungen ein und dasselbe. Das Wörtchen „allein“ bei Luther erscheint bloß als Verdeutlichung; man kann aus dem Zusammenhang interpretieren, dass der Satz so gemeint sein muss. Aber „allein“ steht im griechischen Original eben nicht. Luther hat nicht bloß übersetzt, sondern interpretiert, im Sinne seiner eigenen Theologie einer Rechtfertigung „allein durch den Glauben“. > mehr

08.04.2017 - PHILOSOPHIE

Wege zum Glück

Stoiker, Epikureer, Skeptiker - Vorbilder für eine moderne Lebenskunst?

„Lebenskunst“ und „Lebenshilfe“ boomen, wie jeder Gang in eine Buchhandlung belegt. Seelsorger und Therapeuten bieten Rat, wie wir die Probleme unseres Alltags bewältigen könnten, Experten für gesundes Leben zeigen, wie wir solche Probleme von vornherein vermeiden, auch die Esoteriker haben sich des Themas bemächtigt. Der wachsende Spielraum für individuelle Lebensgestaltung, den uns die modernen pluralistischen Gesellschaften bieten, weckt eben auch den Bedarf nach Orientierung. Wenn es immer weniger Vorschriften gibt, wie man leben muss, stellt der Philosoph Gerhard Ernst von der Universität Erlangen-Nürnberg in dem neu erschienenen Sammelband zum Thema „Philosophie als Lebenskunst“ fest, wird die Frage um so dringender, wie man, im Sinne individueller Klugheit, vielleicht leben sollte. Eine historisch ganz neuartige Situation? Der Würzburger Altphilologe Michael Erler hat überraschende Ähnlichkeiten zwischen unserer Gegenwart und dem Griechenland nach Alexander dem Großen, also um 300 v. Chr., festgestellt: Manches damals „mag an Probleme erinnern, die aus der heutigen Globalisierung erwachsen“. > mehr

03.04.2017 - FILMKUNST

"Es war einmal" liegt in der Zukunft

Science Fiction - Träume und Alpträume von möglichen Welten

„Es war einmal“, beginnen alle Märchen, „es war einmal ...“ Was ändert sich eigentlich, wenn wir einen halben Satz später erfahren, dass die Geschichte „in einer weit, weit entfernten Galaxie“ spielt, in einem hochtechnisierten Sternenreich von phantastischen Dimensionen in Raum und Zeit? Der strahlende Held rettet die wunderschöne Prinzessin aus der Gewalt des bösen Herrschers, er wird dabei von einem dunklen Ritter bekämpft, der sich dem Bösen ergeben hat – der Plot von „Krieg der Sterne“ unterscheidet sich kaum von dem, was uns „in alten maeren wunders vil geseit“ ist. Eins hat sich bei diesen modernen Märchen und Sagen aber doch geändert: Ihr „Es war einmal“ liegt in der Zukunft. Und das ist keine bloße Äußerlichkeit, es zeigt ein radikal verändertes Verhäl > mehr

28.03.2017 - RELIGION

Wie entkommt man der Zweiteilung?

Eine Ausstellung zum Thema "Islam" in der Schallaburg

Im Ausstellungskatalog ist ein Comic des deutsch-tunesischen Illustrators „tuffix“ wiedergegeben. Sagt ein Mädchen mit Kopftuch zu ihrer Freundin: „Kannst du bitte einen Blick hinter mich werfen?“ Und dann, als Antwort auf deren verständnislose Reaktion: „Ich weiß nicht, wie es aussieht, aber die Leute nennen es … Migrationshintergrund.“ Ja, so schnell kann ein Wort, das zunächst, vor etwa 15 Jahren, für die nüchternen Zwecke der Bevölkerungsstatistik erfunden wurde, sich mit emotionalen Bedeutungen aufladen, zur „Schublade“ werden. „Wie entkommt man der Zweiteilung?“, fragen Lisa Noggler-Gürtler und Maria Prantl. Die beiden Kuratorinnen haben im Renaissanceschloss Schallaburg in Niederösterreich, wenige Kilometer südlich von Kloster Melk an der Donau, eine große Ausstellung zum Thema „Islam“ organisiert, genauer: zum Islam in Österreich, also in einem Land, in dem diese Religion bis vor wenigen Jahrzehnten so gut wie keine Rolle spielte. > mehr

23.03.2017 - ZEITGESCHICHTE

"Der politische Egoismus einer sich als Schicksalsgemeinschaft verstehenden sozialen Gruppe"

Glanz und Elend des nationalen Prinzips - 60 Jahre nach den "Römischen Verträgen"

1861, nach der Gründung des Königreichs Italien, soll der italienische Schriftsteller Massimo d‘Azeglio, der einige Jahre lang Ministerpräsident von Sardinien-Piemont gewesen war, gesagt haben: „Wir haben Italien geschaffen, nun müssen wir Italiener schaffen.“ Der italienische Nationalstaat, da machte sich d‘Azeglio keine Illusionen, war das Werk einer dünnen Elitenschicht. Eine italienische Nation, im Sinne eines gemeinsamen „Nationalbewusstseins“ breiter Bevölkerungsschichten, entstand erst sekundär, nach dem Nationalstaat. Ähnlich war es in Deutschland. Nach der Reichsgründung 1871, schreibt der Zeithistoriker Peter Alter, der frühere Direktor des Deutschen Historischen Instituts in London, in seinem neuen Buch zum Thema „Nationalismus“, machte das Wort die Runde, die „innere Reichsgründung“ stehe nun erst an. > mehr

19.03.2017 - KULTURGESCHICHTE

Für die Wahrheit Zeugnis ablegen

Das Phänomen Zeugenschaft in Jurisprudenz und Religion, Bildender Kunst und Geschichtskultur

In der Juristenausbildung ist es ein ebenso schlichtes wie beliebtes Experiment: Die Nachwuchskandidaten sollen sich ans Fenster stellen und auf die Straße blicken. Nachher dürfen sie „bezeugen“, was sie gesehen haben. Heraus kommen dabei völlig verschiedene Schilderungen dessen, was sich dort zugetragen hat. Wie mag das erst sein, wenn wir einen Vorgang bloß zufällig und beiläufig mitbekommen haben? „Als Zeuge ist der Mensch eine ‚Fehlkonstruktion‘“, zitiert der Bielefelder Strafrechtswissenschaftler Stephan Barton ein Lehrbuch zur „Tatsachenfeststellung vor Gericht“. Barton selbst drückt es etwas weniger lapidar aus: Der Richter darf sich bei Zeugenaussagen auf gar nichts verlassen - außer auf die beiden Grundsätze „Lüge ist nicht ausgeschlossen“ und „Irren ist menschlich“. Seit einigen Jahren arbeitet bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein Projekt „Zeugenschaft“; eine Auswahl der Beiträge ist jetzt als Sammelband erschienen. > mehr

14.03.2017 - THEOLOGIEGESCHICHTE

Vom Menschen Jesus zur zweiten Person der göttlichen Trinität

Der Religionshistoriker Geza Vermes über die Entwicklung des christlichen Dogmas

Moses, erzählt eine Legende im Babylonischen Talmud, hörte bei seiner Ankunft im Himmel Gott die Weisheit des Rabbi Akiba preisen, der erst lange nach seiner eigenen Zeit geboren wurde. Neugierig geworden, bat er um die Erlaubnis, einer Vorlesung dieses Rabbi beizuwohnen. Tatsächlich erhielt er die Gelegenheit, verstand von dem Ganzen jedoch kein Wort – bis Akiba auf die Frage eines seiner Schüler erklärte, genau das sei doch der Inhalt der Lehre, die Moses einst von Gott am Berg Sinai empfangen hatte. Der 2013 verstorbene ungarisch-britische Religionswissenschaftler Geza Vermes, der die Legende in seinem letzten Buch wiedergibt, lenkt die Perspektive auf die Entwicklung der christlichen Glaubenslehre: Wäre der historische Jesus, würde er die christlichen Glaubensbekenntnisse hören, wie sie heute gebetet werden, ähnlich verblüfft wie dieser Moses? > mehr

10.03.2017 - GESCHICHTE

Ein dunkler Schatten lässt sich nicht vertreiben

Die "Österreich-Idee" - vom Heiligen Römischen Reich zur modernen Nation

„An des Kaisers Seite waltet, Ihm verwandt durch Stamm und Sinn, Reich an Reiz, der nie veraltet, Uns’re holde Kaiserin.“ Fans der „Sissi“-Filme mit Romy Schneider ahnen es vermutlich schon: Wer da besungen wurde, war Elisabeth, Kaiserin von Österreich. 1854, zur bevorstehenden Vermählung von Kaiser Franz Joseph I. mit der bayerischen Prinzessin, hatte der Schriftsteller Johann Gabriel Seidl eine neue Fassung der österreichischen „Volkshymne“ gedichtet. Seit Joseph Haydn 1797 sein „Gott erhalte Franz, den Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz!“ komponiert hatte, wurde der Text immer wieder den wechselnden Personen und Namen im Kaiserhaus angepasst. Das alte Österreich war ein Staat, der sich in der Hauptsache über die Bindung der Untertanen an das Herrscherhaus definierte. > mehr

06.03.2017 - KUNSTGESCHICHTE

"Reiten zwischen Tod und Teufel"

Albrecht Dürer und die deutsche Ideologie

In einer zerklüfteten Landschaft bewegt sich, die Lanze geschultert und das Schwert um die Hüfte gegürtet, ein Reiter. Er begegnet gerade dem Tod, der ihm vielleicht den Weg abschneiden will. Hinter dem Reiter steht eine Teufelsgestalt; der Betrachter gewinnt den Eindruck, dass sie den Reiter gleich an sich reißen könnte. Auf dem Berg in der Ferne ist eine Stadt oder ein Schloss zu erkennen. In der Ecke links unten liegt auf einem Baumstumpf ein Totenschädel, davor lehnt ein Schild mit dem Datum „1513“ und dem Monogramm des Künstlers: „AD“. Es wird kaum ein anderes Werk der Kunstgeschichte geben, das über die Jahrhunderte derart unterschiedliche und gegensätzliche Interpretationen herausgefordert hat wie Albrecht Dürers Kupferstich „Ritter, Tod und Teufel“. > mehr

23.02.2017 - BRAUCHTUM

"Spuren alten Heidentums"?

Wie der Karneval immer wieder auf vorchristliche Ursprünge hin befragt wurde

Jedes Jahr am 17. Dezember stand das alte Rom Kopf. Die Herren verkleideten sich als Sklaven, die Sklaven als Herren. Niemand tat noch etwas Ernsthaftes, der ganze Tag wurde mit Würfelspiel und Trinkgelage verbracht. Und wenn der Alkohol genügend Wirkung gezeigt hatte, waren die vornehmen Herrschaften auch bereit, vor ihrem Gesinde nackt zu singen oder sich, mit Ruß bestrichen, in einen kalten Brunnen tauchen zu lassen. So jedenfalls schilderte im 3. Jahrhundert n. Chr. der Schriftsteller Lukian die „Saturnalien“. Die Ähnlichkeiten mit dem, was heutzutage in vielen Regionen jedes Jahr vor Aschermittwoch abläuft, sind nicht zu übersehen. Kein Wunder, dass der eine oder andere humanistische Gelehrte im 16. Jahrhundert auf die Idee verfiel, in diesen „heidnischen“ Gebräuchen müsse der Ursprung des Karnevals liegen. > mehr

20.02.2017 - ZEITGESCHICHTE

Kein Mitleid mit der Mikrobe

Ein französische Zeithistoriker rekonstruiert "Logik" und "Ethik" des Nationalsozialismus

Als der SS-Gruppenführer Otto Ohlendorf 1946 im Nürnberg Kriegsverbrecherprozess seine Zeugenaussage machte, verbreitete sich unter den Angeklagten und ihren Verteidigern allgemeines Entsetzen. Ohlendorf versuchte gar nicht erst, irgendetwas an den Verbrechen des Nationalsozialismus zu bestreiten, im Gegenteil, er bot dem Gericht eine Menge Details des staatlich organisierten Massenmordes – wohl wissend, dass er damit auch die Grundlage für sein eigenes Verfahren lieferte. Im sogenannten „Einsatzgruppen-Prozess“ 1947/48, wo Ohlendorf selbst Angeklagter war, ließ er seinen Verteidiger darauf plädieren, die Erschießung Unschuldiger in Russland und der Ukraine sei eine Art Putativnotwehr gewesen, eine staatliche Selbstverteidigung gegen den Bolschewismus und „die Juden“. Die innere „Logik“ des Nationalsozialismus, die Einstellung, die dem Handeln seiner Repräsentanten zugrundelag, gehört bis heute zu den eher vernachlässigten Fragestellungen der Zeitgeschichte. > mehr

14.02.2017 - MUSIK

"Ein entschiedener Schlager"

Vor 150 Jahren wurde der Strauss-Walzer "An der schönen blauen Donau" uraufgeführt

„Wiener, seid froh“, sangen die Bassisten des Wiener Männer-Gesangvereins am Abend des 15. Februar 1867 im Saal des Dianabades in der Leopoldstadt. Die Reaktion der Tenöre gab sicherlich treffend wieder, was viele Musikfreunde in der kaiserlichen Residenzstadt an der Donau angesichts dieser Aufforderung empfanden: „Oho, wieso?“ Ja, wieso eigentlich? Im Jahr zuvor hatte das Kaisertum Österreich einen beispiellosen politischen Absturz erlebt. Nach der militärischen Niederlage im „Deutschen Krieg“ gegen Preußen musste die Habsburgermonarchie die Schmach akzeptieren, dass sie in der deutschen Politik fortan keine Rolle mehr spielte. Ein halbes Jahrhundert nach dem Wiener Kongress war Metternichs politisches Konzept, Österreich die Kontrolle sowohl über Deutschland als auch über Italien zu sichern, endgültig gescheitert. Doch am 15. Februar 1867, vor 150 Jahren, erklang zum ersten Mal der Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss (Sohn). > mehr

03.02.2017 - KRIEGSSPIELE

Wenn das Kinderzimmer zum Schlachtfeld wird

Aus der Kulturgeschichte der Kriegsspiele

Was sollten sich brave Kinder „zur Belohnung für Fleiß und gute Sitten“ wünschen? Für den Lehrer Zehetbauer in Karl Kraus‘ Drama „Die letzten Tage der Menschheit“ war das keine Frage. Er empfahl das Spiel „Russentod oder Wir spielen Weltkrieg“. Eine böse Erfindung? Keineswegs 1914 war in Wien tatsächlich der Band „Wir spielen Weltkrieg! Ein zeitgemäßes Bilderbuch für unsere Kleinen“ von Ernst Kutzer und Armin Brunner herausgekommen. „Mir ein Gewehr!“, sagt eines der drei Kinder, die als „Helden“ dargestellt sind. „Und dir ein Schwert zur Hand! Klein Schwesterchen – du lass die Fahne fliegen! Caro ist Kriegshund. Auf ins Feindesland! Wir spielen Weltkrieg! Und – wir werden siegen!“ > mehr

30.01.2017 - KULTURGESCHICHTE

Der "gefühlte" Winter

Erinnerungen und Erwartungen rund um eine Jahreszeit

„Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer“, sang einst Rudi Carrell. Blickt man auf die Klimaentwicklung der letzten Jahrzehnte, kommt man zu dem Schluss, dass die Frage, wann es mal wieder „richtig“ Winter wird, doch viel näher liegen müsste. Doch selbst, wenn man von der Diskussion um den Klimawandel absieht - jedes Jahr Mitte Dezember geht die Frage groß durch die Presse: Gibt es eine „weiße Weihnacht“, wenigstens dieses Jahr? Auch in Zeiten, als von Erderwärmung noch niemand sprach, war eine weiße Weihnacht eher die Ausnahme als die Regel, vermerkt der Sachbuchautor Bernd Brunner in seinem neuen Buch „Als die Winter noch Winter waren“. Wirklich kalt ist es im Dezember in Mitteleuropa meistens noch gar nicht, das steht in aller Regel erst im Januar an. > mehr

25.01.2017 - DEUTSCHE LITERATUR

"Sitz still, mein Sohn - du musst deine Lektion lernen!"

Alter und Weisheit in der deutschen Literatur seit dem 19. Jahrhundert

2013 war von den Einwohnern der Bundesrepublik Deutschland etwa ein Fünftel über 65 Jahre alt; 2060, schätzte vor zwei Jahren das Statistische Bundesamt, wird es ein Drittel sein. Nun weiß niemand, ob und inwieweit sich diese Zahl durch Zuwanderung vielleicht noch verändert. Aber die kulturellen Folgen dieser Entwicklung sind längst unübersehbar. Noch nie zuvor, stellt die Germanistin Marie Gunreben von der Universität Bamberg in ihrem Buch „Das Alter und die Weisheit“ fest, „haben Altern und Alter für das Selbstverständnis und die Selbstwahrnehmung einer Gesellschaft – das gilt für die deutsche ebenso wie für die anderen westlich-kapitalistischen Nationen – eine so große Rolle gespielt wie zu Beginn des 21. Jahrhunderts.“ Gunreben hat den Wandel der Bilder von Alter und Weisheit in der deutschen Literatur seit Mitte des 19. Jahrhunderts untersucht. > mehr

19.01.2017 - DEUTSCHE LITERATUR

Wenn Regierung auf göttliche Eingebungen wartet

Vor 150 Jahren wurde der Schrifsteller Ludwig Thoma geboren

„Er war Jurist und auch sonst von mäßigem Verstand.“ Nein, es war nicht, wie oft zu lesen ist, der Journalist Kurt Tucholsky, der diesen etwas unfreundlichen Spruch prägte, es war der Schriftsteller Ludwig Thoma, selbst ausgebildeter Jurist und einige Jahre als Rechtsanwalt tätig. 1916 brachte er eine kleine Erzählung vom königlichen Landgerichtsrat Alois Eschenberger heraus. Mit unverhohlener Schadenfreude wird darin geschildert, wie dieser „gute Jurist“ sich durch seinen allzu gründlichen Formalismus selbst hereinlegt. Glücklich scheint Thoma mit seinem Rechtsanwaltsberuf in der Tat nicht geworden zu sein. Die Juristerei lief wohl auch einem Grundzug seines Charakters, seiner Aufmüpfigkeit, zuwider. Es wäre sicherlich verfehlt, wollte man das populärste seiner Werke, die „Lausbubengeschichten“ von 1905, als getreuen autobiographischen Bericht lesen. Aber ein wenig von einem Lausbuben war doch in ihm. > mehr

15.01.2017 - KULTURGESCHICHTE

"Flower Power" - die Sprache der Blumen

Zwischen Vampirismus und Revolutions- oder Friedenssymbol

„Grimmig in fürchterlicher Stille auf der öden Heide thront der grausame Upas, der Hydrabaum des Todes“, dichtete 1791 Erasmus Darwin, der Großvater des Begründers der Evolutionslehre, in einem umfangreichen Poem über das Leben der Pflanzen. „Sehet! Aus einer einzigen Wurzel wachsen im von ihm vergifteten Boden tausend pflanzliche Schlangen […] Tausend Zungen, durchdrungen von schrecklichem Gift, schießen rasch vibrierend hervor, ergreifen den stolzen Adler, der sich über die Heide erhebt, oder stürzen sich auf den Löwen, der unter der Krone pirscht, oder verstreuen menschliche Skelette über die geweißte Steppe.“ Man möchte glauben, da wäre die Phantasie mit dem Dichter durchgegangen. Aber Erasmus Darwin, der eigentlich Arzt und Botaniker war, durfte annehmen, dass es einen solchen pflanzlichen Vampir wirklich gab. > mehr



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