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14.08.2017 - RELIGIONSGESCHICHTE

Verheissung und Erfuellung

Die Berliner Arabistin Angelika Neuwirth ueber die Entstehung des Korans

„Folget dem Weg Abrahams“, heißt es in der 2. Sure des Korans, „denn er war keiner der Götzendiener.“ Darin lag das zentrale Anliegen Mohammeds: Er wollte die Religion des Patriarchen Abraham, wie er sie sah, getreu wiederherstellen, ähnlich wie neun Jahrhunderte später im Christentum Martin Luther sich zum Vorsatz nahm, die Lehre Jesu Christi von allem, was er als spätere Verfremdung betrachtete, zu „reinigen“. Dabei stellte die biblische Tradition aber nur einen Faktor des Spannungsfeldes dar, in dem die „koranische Verkündigung“ sich entfaltete. Daneben, betont die Berliner Arabistin und Islamwissenschaftlerin Angelika Neuwirth, wirkten die traditionelle Kultur der arabischen Halbinsel und – im Laufe von Mohammeds Leben immer mehr hervortretend – das Projekt einer eigenen „Gemeindebildung“. > mehr

09.08.2017 - KULTURGESCHICHTE

Vom militaerischen Training zum Event

1000 Jahre Ritterspiele

Als sich die westeuropäischen Ritter im Jahr 1096 zum Ersten Kreuzzug sammelten, da führten viele von ihnen außer ihren Waffen und ihrer Entschlossenheit, das Heilige Land von den Ungläubigen zu „befreien“, noch etwas anderes im „Gepäck“ mit. Einige Jahrzehnte zuvor war in Nordfrankreich die Gewohnheit aufgekommen, dass ganze Rittergruppen in voller Rüstung und mit eingelegter Lanze zu Pferde gegeneinander antraten, um Kampf und Krieg einzuüben. Binnen weniger Jahre verbreitete sich das „Turnier“ von Nordfrankreich aus über das ganze westliche Europa. Bald bildete sich eine „elitäre“ Nebenform heraus, der Kampf einzelner großer Helden, der dem eigentlichen Turnier zunächst voranging, es dann oft aber auch verdrängte. > mehr

04.08.2017 - ANTIKE

Das Imperium Romanum auf dem Hoehepunkt seiner Macht

Vor 1.900 Jahren starb Kaiser Trajan

Viele Jahrhunderte nach seinem Tod rief sein Name heftige theologische Debatten hervor. Irgendwann im frühen Mittelalter kam die Legende auf, Papst Gregor der Große sei von den Berichten über die große Gerechtigkeit des Kaisers Trajan derart beeindruckt gewesen, dass er Gott darum bat, seine Seele von der ewigen Verdammnis zu befreien. Am Fall Trajan erörterte das christliche Mittelalter die Frage, ob alle Heiden zur Hölle verdammt sein müssten oder ob der eine oder andere Gerechte darunter nicht doch der göttlichen Gnade teilhaftig werden könnte. Als Kaiser Marcus Ulpius Traianus am 8. August 117 n. Chr., vor 1.900 Jahren, in Selinus in Kilikien verstarb, stand das Imperium Romanum auf dem Gipfel seiner Macht. > mehr

30.07.2017 - WISSENSCHAFTSTHEORIE

Paradigmenwechsel in den Geisteswissenschaften

Inter-, multi-, universaldisziplinar - die Konjunktur des Kulturbegriffs seit den 1980er Jahren

Ob der Soziologe Niklas Luhmann geahnt hat, dass er später ausgerechnet mit diesem Satz so oft zitiert werden würde? „Kultur“ sei „einer der schlimmsten Begriffe, die jemals gebildet“ wurden, schrieb er 1997 in seinem Buch „Die Kunst der Gesellschaft“. Und lastete es vor allem diesem Begriff an, dass frühere Soziologenkollegen die „Ausdifferenzierung“ der Sozialsysteme nur unzureichend in den Blick genommen hätten. Die heterogensten Phänomene hätten umstandslos unter „Kultur“ subsumiert werden können, mit „verheerenden“ Folgen“. Mit seiner zornig dahingeworfenen Bemerkung traf Luhmann mitten in einen wissenschaftshistorischen „Paradigmenwechsel“. Seit den späten 1980er, frühen 1990er Jahren ist der „cultural turn“ in den Geistes- und Sozialwissenschaften allgegenwärtig. > mehr

25.07.2017 - REISEN

Musik, Gedraenge und Geschrei

Mit Goethe und Fontane, Heine und Thomas Mann durch Italien

Wenn Sie einmal in Venedig waren, dann kennen Sie natürlich auch das Viertel an der Rialtobrücke. Vielleicht haben Sie ja im Ristorante „Al Buso“ gespeist, am östlichen Brückenaufgang, in Richtung des Fondaco dei Tedeschi, an einem der Tische, die beinahe schon im Wasser stehen. In dem Trubel, der das Viertel durchzieht, ist Ihnen womöglich entgangen, dass hier eines der berühmtesten Gedichte deutscher Sprache entstand, Friedrich Nietzsches „Gondellied“: „An der Brücke stand jüngst ich in brauner Nacht. Fernher kam Gesang: goldener Tropfen quoll‘s über die zitternde Fläche weg ...“ In den gängigen Reiseführern ist über all den Kirchen und Palästen und Museen für dergleichen Hinweise oft wenig Platz. Dabei sind es doch gerade solche Erinnerungssplitter, die im Bewusstsein des Reisenden Atmosphäre stiften – und zwar schon lange, bevor er dann wirklich an den Ort kommt. Der Stuttgarter Physiker Werner Huber hat jetzt ein unterhaltsames Reisebuch über Italien herausgebracht, halb Bericht von einer eigenen Tour vom Brenner bis nach Sizilien, halb Zitatenlese aus der Weltliteratur. > mehr

21.07.2017 - GEGENWARTSLITERATUR

Maerchen mit gebrochenen Charakteren

George R. R. Martins Roman "Song of Ice and Fire" und die TV-Serie "Game of Thrones"

Kann man heute noch so schreiben, in einer derart traditionellen Erzählweise? Heute noch, fragt der Konstanzer Kulturwissenschaftler Jan Söffner, fast ein Jahrhundert nach James Joyces „Ulysses“ und Thomas Manns „Zauberberg“ und Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“? Ja, offenbar kann man, und das viele tausend Seiten lang; niemand weiß, wieviel der amerikanische Autor George R. R. Martin bei seinem „Song of Ice and Fire“ noch folgen lässt. „Es gibt Bücher, die sollten Intellektuelle gar nicht erst anrühren.“ „Entweder man behält eine kritische Distanz bei“ - was sich über Tausende von Seiten hinweg aber kaum durchhalten lässt - „oder oder man lässt sich auf alles ein und leint das eigene Intellektuellendasein draußen vor der Tür an“. > mehr

17.07.2017 - ENGLISCHE LITERATUR

Eine leichte Hand, die Alltagsdingen den Reiz des Besonderen abgewinnt

Vor 200 Jahren verstarb die Schriftstellerin Jane Austen

Keiner ihrer Romane erschien mit ihrem Namen auf dem Titelblatt. Die englische Schriftstellerin Jane Austen scheute die Öffentlichkeit. Wenn Besucher kamen, pflegte sie die Manuskripte rasch zu verdecken. So wusste außerhalb des Familienkreises kaum jemand vom poetischen Werk der Autorin, als sie am 18. Juli 1817, vor 200 Jahren, im Alter von nur 41 Jahren in Winchester verstarb. Heute können zumindest in England ein oder zwei ihrer Bücher nicht fehlen, wenn nach den bedeutendsten Romanen der Weltliteratur gefragt wird. Eine Reihe von Verfilmungen für Kino und Fernsehen haben Romane wie „Vernunft und Gefühl“ oder „Stolz und Vorurteil“ inzwischen auch bei einem literarisch weniger interessierten Publikum bekannt gemacht. > mehr

13.07.2017 - POLITIK

Links und rechts, lechts und rinks

Schwierigkeiten, das politische Spektrum auf den Begriff zu bringen

"manche meinen // lechts und rinks // kann man nicht //velwechsern. // werch ein illtum!" So dichtete 1966 der große Sprachexperimentator Ernst Jandl. Kann man wirklich nicht „velwechsern“? Jandl hat sich wohlweislich gehütet, seinem Gedicht einen Kommentar beizugeben. So kann der Leser wahlweise an die Annäherung der beiden großen deutschen Volksparteien in der damaligen großen Koalition oder an eine Austauschbarkeit totalitärer Positionen „rechts“ und „links“ denken. Aber vielleicht hatte der Dichter ja auch ganz unpolitisch im Sinn, welche fatalen Folgen eine solche Verwechslung in Kulturen haben kann, in denen einerseits traditionell mit der Hand aus einer gemeinsamen Schüssel gegessen wird, andererseits aber fließendes Wasser und Seife rar sind. Da empfiehlt sich in der Tat eine strenge Arbeitsteilung zwischen rechter und linker Hand. > mehr

10.07.2017 - KULTURGESCHICHTE

Wie man "richtig" Spaghetti isst

Klassische Texte ueber die Kultur des Essens

Als in den 1930er Jahren die Daten für den „Atlas der deutschen Volkskunde“ erhoben wurden, lautete Frage 237c: „Isst man noch gemeinsam aus einer Schüssel, die in der Mitte des Tisches steht?“ Die Forscher wurden fündig, aus einer mecklenburgischen Kleinstadt wurde berichtet: „Erst vor kurzer Zeit bekam eine junge Frau zur Hochzeit ein halbes Dutzend Porzellan-Speiseteller geschenkt. Einige Tage später kam die Mutter der jungen Frau in das Geschäft und tauschte die Teller gegen eine Schüssel ein, damit aus der gemeinsam gegessen werden kann.“ Da obsiegte die tradierte Symbolik der Hausgemeinschaft über moderne Vorstellungen von dem, was hygienisch ist und individuell sein sollte. > mehr

05.07.2017 - RECHT

Ewige Vernunftwahrheiten im sozialen Wandel

Das Verstaendnis von Ehe durch die Jahrhunderte

Wenn man der „Duden“-Redaktion folgen will, ist die „Ehe für alle“ in der deutschen Öffentlichkeit bereits seit etwa zwei Jahrzehnten weitgehend anerkannt. Das Duden-Großwörterbuch von 1999 definiert, „Ehe“ sei a) eine „gesetzlich (und kirchlich) anerkannte Lebensgemeinschaft von Mann und Frau“ und b) eine „gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft, die sich an der Ehe (a) orientiert“. Der Zusatz in Klammern „und kirchlich“ macht deutlich, dass da, streng genommen, nicht nur zwei, sondern gleich drei verschiedene Phänomene unter den Begriff „Ehe“ gefasst werden. 1876 wurde in Deutschland die „Zivilehe“ eingeführt, also die Regelung, dass eine Ehe – damals war wie selbstverständlich an Mann und Frau gedacht – durch das Ja-Wort vor einem staatlichen Standesbeamten zustande kommt. Blickt man auf die Berichterstattung über das Leben der Schönen und der Reichen und der Mächtigen in der Presse, drängt sich dagegen der Eindruck auf, die Trauung vor dem Altar, möglichst aufwendig inszeniert, wäre „eigentlich“ doch viel entscheidender. > mehr

02.07.2017 - ALTE GESCHICHTE

"Eine neue Stufe der Zivilisation"

Die Faszination der alten Griechen - heute

Kein moderner Mensch hätte es im alten Athen aushalten wollen, hat der Schweizer Historiker Jacob Burckhardt einmal bemerkt. Und Burckhardts Freund Friedrich Nietzsche sprach voller Hohn „von der jämmerlichen Schönfärberei der Griechen ins Ideal, die der ‚klassisch gebildete‘ Jüngling als Lohn für seine Gymnasial-Dressur ins Leben davonträgt“. Burckhardt und Nietzsche waren nach Kräften bemüht, das Griechenbild des deutschen „Neuhumanismus“ als Träumerei zu entlarven. „Da ihr noch die schöne Welt regiertet, an der Freude leichtem Gängelband glücklichere Menschenalter führtet“, dichtete Friedrich Schiller über die „Götter Griechenlands“. „Unter allen Völkerschaften haben die Griechen den Traum des Lebens am schönsten geträumt“, schrieb Goethe. Aber es war eben auch der Traum, den - halb und halb wider Willen - Burckhardt und Nietzsche noch träumten. > mehr

28.06.2017 - GESCHICHTE

Wenn zwei Familien sich verbinden

Die Landshuter Hochzeit und die Heiratspolitik europaeischer Dynastien

Als die polnische Prinzessin Hedwig am 14. November des Jahres 1475 in der Landshuter Martinskirche ihren Verlobten Georg heiratete, den Sohn von Herzog Ludwig von Bayern, soll sie heftig geweint haben. Tränen der Rührung? Oder war Hedwig erschreckt, weil sie sich ihren Zukünftigen nicht derart hässlich vorgestellt hatte? Mag sein, dass die 18-jährige Braut, bevor sie ihre Einwilligung zur Heirat gab und in Krakau auf die Reise ins ferne Landshut geschickt wurde, wenigstens ein – mehr oder weniger geschmeicheltes – Portrait ihres zwei Jahre älteren Bräutigams zu sehen bekam. Sie wolle alles tun, was ihrem Gemahl lieb wäre, ganz so, wie ihre Eltern es befohlen hätten, sagte sie bei der Übergabe der Hochzeitsgeschenke. Eine „Zwangsehe“? Hedwig gab in einer öffentlichen Zeremonie ihr Ja-Wort, und niemand stand hinter ihr, der sie an Leib und Leben bedroht hätte. Aber ist es vorstellbar, dass sie hätte „Nein“ sagen können? > mehr

24.06.2017 - KULTURGESCHICHTE

Fuer Arbeit habe ich keine Zeit

Der Dandy im Zeitalter von Massenkonsum und Massenmedien

Sagt der Name Eugen Gottlob Winkler heute noch jemandem etwas? In den 1930er Jahren schrieb er Prosa und Gedichte im Stil von Paul Valéry und Stefan George. Im November 1933 wurde er für einige Tage verhaftet, weil er in Verdacht geraten war, ein Plakat der NSDAP zur Reichstagswahl abgerissen zu haben. Nach der Haft unternahm er einen Suizidversuch, überlebte jedoch und verwandte dann das Geld, das eigentlich für den Druck seiner Dissertationsschrift bestimmt war, für eine Reise durch Italien. Als der 24-jährige am 23. Oktober 1936 bei einem nächtlichen Spaziergang durch den Münchner Vorort Bogenhausen von einem Gestapo-Beamten kontrolliert worden war, nahm er, in seine Pension zurückgekehrt, aus Angst vor neuer Verhaftung eine Überdosis Schlaftabletten. Zwei Tage später starb er in einem Schwabinger Krankenhaus. „Alles in allem hatte er etwas vom Dandy, dem vollkommen einsamen und ästhetischen Menschen im Sinn Baudelaires“, schrieb der Literaturkritiker Hans Egon Holthusen nach dem Zweiten Weltkrieg über Winkler. > mehr

20.06.2017 - WISSENSCHAFTSGESCHICHTE

Jenseits des Brotstudiums

Vor 250 Jahren wurde Wilhelm von Humboldt geboren

„Es kann niemand unvorbereiteter in einen Posten kommen als ich in den meinen“, schrieb Wilhelm von Humboldt an einen zukünftigen Mitarbeiter, als er sich Anfang April 1809 auf den Weg nach Königsberg machte, um im preußischen Innenministerium die Sektion für Kultus und Unterricht zu übernehmen. Anscheinend wusste der 42-jährige Gelehrte und Diplomat selbst nicht so recht, wie Staatsminister Freiherr vom Stein und König Friedrich Wilhelm III. eigentlich auf die Idee gekommen waren, ausgerechnet er könnte der geeignete Mann für diesen Posten sein. Es wurde ein recht kurzes Gastspiel, kaum anderthalb Jahre nach seiner Ernennung reichte er dem König seinen Rücktritt ein. Doch in diese Zeit fiel ein Ereignis, das Geschichte machen sollte. > mehr

16.06.2017 - MITTELALTER

Ein Koenig als Papst in seinem Reich

Die Vernichtung des Templerordens unter Philipp dem Schoenen von Frankreich

Unendlicher Reichtum, dunkle Gerüchte um geheimnisvolle Rituale und Sexpraktiken, grausame Hinrichtungen – das Ende des Templerordens vor mehr als 700 Jahren hat alles, was die Phantasie in Bewegung setzt, noch heute. Immer wieder kommen neue Sensationsbücher auf den Markt, die nun endlich enthüllen wollen, was in diesem geistlichen Ritteroden wirklich vorgefallen sei und am Ende den Anlass zu ihrer Vernichtung gegeben haben soll. Und welche bemerkenswerten Erkenntnisse die Templer ihrer Zeit vielleicht voraus hatten, einschließlich alchemistischer Geheimnisse und der Entdeckung Amerikas. Und wo der sagenhafte Templerschatz geblieben sein könnte. Ein Lieblingssujet moderner Verschwörungstheoretiker. Unter diesen Phantasien ist das, was die Historiker zuverlässig sagen können, längst begraben. > mehr

12.06.2017 - KULTURGESCHCHTE

Als der Mund sich oeffnete

Eine Geschichte des Laechelns im 18. Jahrhundert

Eine junge Mutter wiegt ihre Tochter auf dem Schoß, dabei zeigt sie ein charmantes Lächeln, der Mund ist leicht geöffnet. Nach unseren heutigen Vorstellungen ist an dem Selbstportrait, das die Malerin Élisabeth-Louise Vigée Le Brun 1787 im Pariser Salon ausstellte, nichts Aufsehenerregendes, außer eben, dass es brillant gemalt ist. Aber damals erregte es Skandal. „Dass Madame Vigée Le Brun beim Lächeln ihre Zähne zeigt“, zitiert der Londoner Historiker Colin Jones einen Journalisten, „ist eine Affektiertheit, die Künstler, Kenner und Leute mit gutem Geschmack einhellig verurteilen.“ Der Kritiker berief sich auf eine Jahrtausende alte Tradition: Für eine solche Darstellung würde sich in der Antike, der vorbildlichen Epoche für den guten Geschmack, kein Beispiel finden. > mehr

08.06.2017 - PHILOSOPHIE

Als Zunge und Gehirn sich trennten

Die Entstehung von Philosophie und Rhetorik im antiken Griechenland

Wissen Sie, wer Isokrates war? Im 4. Jahrhundert v. Chr. betrieb er in Athen eine Rhetorikschule, die den Politikernachwuchs ausbildete. Für die heute so viel berühmtere Akademie des Platon muss sie eine ernsthafte Konkurrenz gewesen sein. Wenn Platon in seinen Dialogen gegen die ältere Generation der „Sophisten“ wie zum Beispiel Protagoras oder Gorgias polemisierte, dann meinte er unter seinen Zeitgenossen vor allem Isokrates. Das scheinbar so bescheidene Wort von den „Philosophen“, den „Weisheitsliebenden“, wurde zum Kampfbegriff gegen die sogenannten „Sophisten“. Ihnen - und im Grunde der Gesamtheit von Rednern und Politikern in Athen - sprach Platon die wahre Liebe zur „Weisheit“ rundweg ab. Im Gedächtnis der Nachwelt hatte Platon damit Erfolg. Die Sophisten gerieten in Verruf, außer in Gräzistenkreisen ist sogar der Name Isokrates heute wenig bekannt. Platon und sein Lehrer Sokrates dagegen gelten bis heute als Gründungsheroen der philosophischen Theorie und Praxis. > mehr

04.06.2017 - RELIGIONSGESCHICHTE

Ich werde meinen Geist ausgiessen

Die Urspruenge des Pfingstfestes

„Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen“, beginnt Goethes Epos „Reineke Fuchs“, das er 1794 erstmals veröffentlichte. „Es grünten und blühten Feld und Wald“, „jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen, Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.“ Vom christlichen Ursprung des Festes ist mit keinem Wort die Rede. Als Goethe einige Jahre später seinen „Osterspaziergang“ für „Faust I“ schrieb, hielt er es anders. Auch hier geht es zunächst um den Frühling: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche Durch des Frühlings holden, belebenden Blick.“ Doch einige Verse später kommt der Dichter – oder vielmehr sein „Held“, eben Faust - auch auf den religiösen Anlass des Festes zu sprechen: „die Auferstehung des Herrn“. Es ist nicht zu leugnen: Verglichen mit Ostern oder Weihnachten hat das Pfingstfest auch für unsere Gegenwart keine große religiöse Bedeutung. Die Erfüllung der Apostel durch den Heiligen Geist – das ist, verglichen mit Tod und Auferstehung des Erlösers, ein sehr unanschaulicher Vorgang. > mehr

31.05.2017 - SOZIALGESCHICHTE

Reichtum, Armut und Geschmack

Soziale Ungleichheit in Europa seit 1900

Als der Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel 1951 aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrte, erlebte er eine Überraschung: Nach seinem Eindruck waren die „Klassenunterschiede“ in der Bundesrepublik „in stärkerem Maße ausgeglichen“, als er das aus anderen westlichen Ländern kannte. Eine Wirkung von NS-Diktatur und Weltkrieg? In der Tat, stellt der Sozialhistoriker Hartmut Kaelble in seiner neuen Studie über die Entwicklung sozialer Ungleichheit fest, hatten die nationalsozialistischen Parteiorganisationen mit ihrem „Führerprinzip“ nach Kräften daran gearbeitet, die alten „Netzwerke“ sowohl im Proletariat als auch in Adel und Bürgertum zurückzudrängen, wenn nicht zu eliminieren. > mehr

27.05.2017 - DEUTSCHE LITERATUR

500 Jahre protestantisches Pfarrhaus

Von Luther bis heute

Gottsched, Bodmer, Gellert, Lessing, Wieland, Schubart, Claudius, Lichtenberg, Bürger, Hölty, Lenz, Gotthelf, Jean Paul, die Brüder Schlegel – die Liste der deutschen oder deutschsprachigen Schriftsteller des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, die einem protestantischen Pfarrhaus entstammten, ist endlos. Würde man jene hinzuzählen, deren Väter protestantische Geistliche, wenngleich keine Pfarrer waren, kämen weitere hinzu, etwa Herder und Hölderlin. Die deutsche Literatur von der Aufklärung bis zur Romantik entstand großenteils als Werk von Pfarrerssöhnen, man darf vermuten: als Frucht der Bildung in protestantischen Pfarrhäusern. > mehr



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