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16.12.2017 - DEUTSCHE LITERATUR

"Repraesentativ fuer die deutsche Nachkriegsliteratur"

Vor 100 Jahren wurde Heinrich Boell geboren

Auch so kann man in die Literaturgeschichte eingehen, wenigstens als Randnotiz. „Ich fordere die ganze Bevölkerung auf“, sagte der spätere Bundespräsident Karl Carstens im Oktober 1974, „sich von der Terrortätigkeit zu distanzieren, insbesondere dem Dichter Heinrich Böll, der noch vor wenigen Monaten unter dem Pseudonym Katharina Blüm [!] ein Buch geschrieben hat, das eine Rechtfertigung von Gewalt dargestellt.“ Nun, dass Politiker sich zu Büchern äußern, die sie nicht gelesen haben, ist vielleicht nicht so ungewöhnlich. Offenbar hatte Carstens nicht einmal das Titelblatt von Heinrich Bölls „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ zur Kenntnis genommen. > mehr

13.12.2017 - TOURISMUS

"In der Geschichte geht nichts verloren"

Deutschlandreisen - von Caesars Feldzug am Rhein bis zu "Germany in one week"

Die Deutschen seien „den Elefanten vergleichbar“, notierte der französische Philosoph Charles de Montesquieu in seinem Tagebuch, während er 1728/30 die Territorien des Heiligen Römischen Reiches bereiste. Warum den Elefanten? „Die Deutschen sind gute Leute […] Zunächst wirken sie schrecklich, doch sobald man sie gestreichelt hat und ihnen schmeichelt, werden sie sanftmütig.“ Montesquieu, der fast zwanzig Jahre später sein großes Werk über den „Geist der Gesetze“ veröffentlichte, interessierte sich für die politischen Strukturen, die er in den Ländern seiner Reise vorfand – aber eben auch für die Soziologie und Psychologie der Bevölkerung. > mehr

10.12.2017 - RELIGIONSGESCHICHTE

Auf der Suche nach dem Zusammenhang zwischen Historie und Glauben

Ein Jesus-Handbuch bilanziert den Stand der Forschung

Jesus und die Politik, Jesus im Lichte der Qumran-Texte, Jesus aus der Sicht der modernen Archäologie, die apokryphen Evangelien über Jesus, Jesus und die Frauen … Auf dem Büchermarkt und in den Fernsehmagazinen ist die Gestalt des Jesus von Nazareth allgegenwärtig. Inwieweit das, was dort unter dem Stichwort „Jesus“ angeboten wird, mit historischer Erkenntnis zu tun hat oder mehr mit den aktuellen Moden unserer Gegenwartskultur, ist eine andere Frage. Die beiden Theologen Jens Schröter und Christine Jacobi von der Berliner Humboldt-Universität haben jetzt ein umfangreiches Handbuch herausgebracht, das den aktuellen Stand der Forschung zum „historischen Jesus“ zusammenfasst. > mehr

05.12.2017 - IDEENGESCHICHTE

Die Sehnsucht nach den reinsten Quellen

Vor 300 Jahren wurde Johann Joachim Winckelmann geboren

Das Verdammungsurteil hat Egon Friedell 1927 in seiner „Kulturgeschichte der Neuzeit“ gesprochen: Johann Joachim Winckelmann sei „Ausgangspunkt einer der verhängnisvollsten Verirrungen des deutschen Geistes" gewesen. Friedell lieferte auch gleich eine psychologische Erklärung für diesen „Irrweg“. Die Kulturepoche des Klassizismus, die Winckelmann begründete, sei auf dessen erotische Vorlieben zurückzuführen: „Das homosexuelle Auge sieht vorwiegend Kontur, Plastik, ist ohne Empfindung für rein malerische Eindrücke." Nun ja, ob die großen Linien der Geschichte derart einfach auf Individuelles zu reduzieren sind, darf man bezweifeln. Dass Winckelmann, der am 9. Dezember 1717, vor 300 Jahren, als Sohn eines Schuhmachers in Stendal in der Altmark geboren wurde, sowohl die Kulturepoche des Klassizismus als auch die Wissenschaft der Kunstgeschichte begründen würde, war ihm jedenfalls nicht in die Wiege gelegt. > mehr

02.12.2017 - LITERATURGESCHICHTE

"Zugang zu Sachverhalten, die geistig Gesunden verschlossen sind"

Der Wahnsinn in Literatur und Kuensten

„Hörst du nicht das Wiehern der Rosse“, fragt Don Quijote seinen Knappen, „das Blasen der Trompeten, das Rollen der Trommeln?“ „Ich höre nichts anderes“, antwortet Sancho, „als vielfaches Blöken von Schafen und Hammeln.“ Doch Don Quijote lässt sich nicht beirren. Er gibt seinem Pferd die Sporen, stürmt mit eingelegtem Speer auf die Schafherde los und richtet ein Blutbad an. Kein Zweifel, Don Quijote ist ein Narr, ein Verrückter, ein Wahnsinniger. Ist es ein Widerspruch, dass dieser Narr immer wieder auch Anzeichen einer höheren Vernunft erkennen lässt? > mehr

27.11.2017 - ENGLISCHE LITERATUR

Die Welt zu aergern - und zu unterhalten

Vor 350 Jahren wurde Jonathan Swift geboren, der Autor von "Gullivers Reisen"

Abenteuerlicher hat wahrscheinlich selten ein Manuskript seinen Verleger erreicht. An einem Augustabend des Jahres 1726 fuhr eine Droschke in London am Haus von Benjamin Motte vorbei. Eine Hand reckte sich aus dem Fenster und warf ein Paket vor die Haustür. Dann verschwand die Droschke wieder im Dunkel. Zwei Monate später kam eines der meistgelesenen Bücher der Weltliteratur auf den Markt, betitelt „Reisen in verschiedene ferne Länder der Erde“. Als Verfasser war „Lemuel Gulliver“ angegeben, „erst Wundarzt, später Kapitän mehrerer Schiffe“. Der Autor, Jonathan Swift, würde am 30. November seinen 350. Geburtstag feiern. > mehr

22.11.2017 - FILM

Sehnsucht nach einem heilen Familienleben - und nach einer "landesmuetterlichen" Politik

Ein Jahrhundert Filmkunst rund um Kaiserin Sissi

Was macht ein „typisch“ deutsches Weihnachtsfest aus, nicht in der angeblich „guten, alten Zeit“, sondern in unserer Gegenwart? In vielen Familien behauptet natürlich weiterhin der geschmückte Weihnachtsbaum sein Recht, oft mit der Krippe darunter, mit dem Absingen von Weihnachtsliedern und dem Verzehren des zu Weihnachten passenden Gebäcks. Aber in unserer von Massenmedien geprägten Welt ziemlich oft wohl auch das Anschauen von TV-Programmen, die zu Weihnachten seit Jahrzehnten irgendwie dazugehören. Da kommt am Heiligen Abend, wie es sich versteht, Loriots „Familie Hoppenstedt“. Und an den folgenden Feiertagen, alle Jahre wieder, Romy Schneider als Kaiserin Sissi, 312 Minuten lang. > mehr

17.11.2017 - KARTOGRAPHIE

Atlantis und das Paradies, die Insel des hl. Brendan und das Reich des Priesterkoenigs

Irrtuemer und Luegen auf Landkarten

Vielleicht war es ja wirklich die CIA. Im späten 20. Jahrhundert stritten sich Mexiko und die USA um die Ölförderrechte im Golf von Mexiko. Da war jede kleine Insel, wie winzig auch immer, geeignet, einen Anspruch auf Hoheit über die umliegende Wasserfläche zu begründen. So verzeichnete der offizielle Atlas der Mexikanischen Republik von 1921 etwa 200 Kilometer nordwestlich der Halbinsel Yucatán eine unbewohnte Insel mit Namen „Bermeja“ oder „Vermeja“. Im Jahr 1997 schickte die mexikanische Regierung ein Schiff aus, um die genaue Lage dieser Insel festzustellen. Gefunden wurde – nichts, außer eben Wasser. 2000 musste Mexiko einen Teilungsvertrag mit den Vereinigten Staaten unterschreiben, in dem die Insel nicht berücksichtigt war. Aber man gab die Hoffnung noch nicht auf. 2009 suchten Forscher der Universität Mexiko erneut mit Schiff und Flugzeug den Golf ab. Die Insel blieb verschwunden. > mehr

14.11.2017 - KUNST- UND LITERATURGESCHICHTE

"Der Jugend erste Bluete"

Das Motiv der Entjungferung in Kunst und Literatur

Ein blondes Mädchen, vielleicht 15 oder 16 Jahre alt, beugt sich weinend über sein totes Vögelchen. Mit Myrtenzweigen geschmückt, liegt der kleine Liebling wie aufgebahrt auf der Oberseite eines hölzernen Käfigs. „Welch reizende Elegie“, begeisterte sich der Schriftsteller Denis de Diderot 1765 in seiner Kritik dieses Gemäldes von Jean-Baptiste Greuze, das gerade im Pariser „Salon“ ausgestellt war. „Bald ertappt man [der Betrachter] sich dabei, wie man mit dieser Kleinen plaudert und sie tröstet.“ Man dürfe allerdings nicht glauben, schrieb Diderot einige Sätze später, „dieses kleine Mädchen beweine nur seinen Kanarienvogel“. Doch mit keinem Wort sagte der Kritiker, worum es seiner Meinung nach wirklich ging, er begnügte sich mit Andeutungen. „Nun ja, ich verstehe“, sagte er in einem fiktiven Dialog mit dem Mädchen, „er liebte Sie, er schwor es Ihnen […] Er litt so sehr. Wie kann man denn leiden sehen, was man liebt?“ > mehr

10.11.2017 - IDEENGESCHICHTE

Persil und der Sarotti-Mohr

Genese und Gegenwart des Rassismus in Deutschland

Es ist eine der meistillustrierten Szenen der biblischen Geschichte: Jesus betete mit dreien seiner Jünger im Garten Gethsemane. Da „kam Judas, einer der Zwölf, mit einer Schar von Männern […], sie waren von den Hohenpriestern, den Schriftgelehrten und den Ältesten geschickt worden. Der Verräter hatte mit ihnen ein Zeichen vereinbart und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist es.“ Der Künstler des sogenannten Chichester-Psalters aus dem 13. Jahrhundert ließ sich neben den Heiligenscheinen für Jesus und seinen Jünger Petrus einerseits, den kappenförmigen „Judenhüten“ für die Häscher andererseits noch einen weiteren Kunstgriff einfallen, um in das Menschengewirr in seiner Miniatur Ordnung zu bringen: Er gab Jesus und dem Jünger eine helle Hautfarbe, den Häschern eine dunkle. > mehr

06.11.2017 - ZEITGESCHICHTE

100 Jahre Mythos Oktoberrevolution

Ein Sturm, der nicht stattfand - und dennoch die Weltgeschichte veraenderte

Auf einen Kanonenschuss des Panzerkreuzers "Aurora" hin stürmten frühmorgens am 7. November 1917 (es war der 25. Oktober des gregorianischen Kalenders) opferbereite Rotgardisten den ehemaligen Zarenpalast in Petrograd, in dem inzwischen die provisorische Regierung Russlands ihren Sitz hatte. Nach verlustreichen Kämpfen konnten sie das "Winterpalais" erobern. So hat sich die "Oktoberrevolution" in das kollektive Gedächtnis von Millionen und Abermillionen Menschen eingeprägt. Den Kanonenschuss gab es tatsächlich. Was allerdings den "Sturm" betrifft … Selbst die Sieger taten sich später schwer damit, das Geschehen heroisch zu verklären. Josef Stalin sprach in einem Buchvorwort etwas vage von der "verhältnismäßigen Leichtigkeit", mit der es der "proletarischen Revolution" in Russland gelungen sei, "die Ketten des Imperialismus zu sprengen und so die Macht der Bourgeoisie zu stürzen". > mehr

03.11.2017 - MALEREI

Kreativitaet als Aneignung und Verwandlung

In Wien ist Peter Paul Rubens' Umgang mit seinen Vorbildern zu studieren

Wenn man die großen Meisterwerke der Kunst doch gleich nebeneinander betrachten könnte, in einem einzigen Museumssaal … Welche Verwandtschaften über die Jahrhunderte hinweg da zu entdecken wären! Zum Beispiel ein Gemälde von Peter Paul Rubens‘ über die Ankunft der französischen Königin Maria de‘ Medici in Marseille aus den 1620er Jahren, heute im Pariser Louvre zu sehen: Die liebenswürdigen Najaden unten im Bild ähneln verdächtig einem mehr als anderthalb Jahrtausende älteren Werk, der Laokoon-Gruppe in den Vatikanischen Museen – der Darstellung des trojanischen Priester Laokoon und seiner beiden Söhnen, die von den Schlangen bedroht und getötet werden. So unwahrscheinlich uns eine Beziehung beider Werke zunächst einmal vorkommen will - Rubens wird sich tatsächlich bei dem Laokoon-Meister bedient haben. > mehr

30.10.2017 - THEOLOGIE

Vom Gnadenschatz der Heiligen zum modernen Pluralismus

500 Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag

Rom-Besucher werden sich erinnern: Nordöstlich des Kolosseums, auf dem „Colle Oppio“ (einem der römischen Hügel, die nicht zu den klassischen „Sieben“ gezählt werden), ist die „Domus Aurea“  zu sehen, der Palast des Kaisers Nero. In seinen Gärten ließ der Herrscher die Christen, denen er den Brand Roms anlastete, als lebende Fackeln leuchten. Die jüngere Vergangenheit findet sich im Oppius-Park durch ein Straßenschild repräsentiert. An seinem östlichen Rand entdecken die Touristen eine „Piazza Martin Lutero“. 2015, im Vorfeld des anstehenden Jubiläums von Luthers Thesenanschlag in Wittenberg, würdigte Roms Bürgermeister Ignazio Marino mit dieser Benennung den Reformator. Die evangelisch-lutherische Gemeinde der Stadt hätte einen anderen Ort bevorzugt, etwa eine Straße nahe der Piazza del Popolo im Norden der Altstadt, dort wo Martin Luther der Überlieferung zufolge 1510 oder 1511 im Augustinerkloster Quartier nahm. > mehr

29.10.2017 - IDEENGESCHICHTE

"Die gemeinsame Wiedergeburt der Herrschaft der Gerechtigkeit"

Eine Universalgeschichte des Kommunismus

Im Chinesischen, berichtet der Historiker Gerd Koenen in seinem neuen Buch über die „Farbe Rot“, wird der Begriff „Kommunismus“ mit einer Umschreibung wiedergegeben, die etwa „die gemeinsame Wiedergeburt der Herrschaft der Gerechtigkeit“ bedeutet. Sollte diese Umschreibung tatsächlich das treffen, was wir in der Zeitgeschichte „Kommunismus“ nennen, wäre der viel kolportierte Satz, wer als junger Mensch kein Kommunist gewesen sei, könne kein Herz haben, eine pure Banalität. Koenen engagierte sich in den 1970er Jahren im maoistischen KBW, dem „Kommunistischen Bund Westdeutschland“. > mehr

18.10.2017 - JURISPRUDENZ

"Was die ganze Welt weiss, was die ganze Welt fuehlt"

Das Rechtsgefuehl in der Jurisprudenz und im Theater

„Bestraft wird“, verordnete 1935 die nationalsozialistische Reichsregierung in ihrem „Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches“, „bestraft wird, wer eine Tat begeht, die das Gesetz für strafbar erklärt oder die nach dem Grundgedanken eines Strafgesetzes und nach gesundem Volksempfinden Strafe verdient.“ Für den Richter, so erläuterte der Rechtsgelehrte Heinrich Lange, stelle sich die „hohe Aufgabe, das Recht nicht nur verstandesmäßig zu erfassen und anzuwenden, sondern aus der Gemeinschaftsverbundenheit heraus das deutsche Recht zu erfühlen und zu erfassen.“ Seitdem steht jede Reflexion über die Bedeutung von Gefühl oder Empfinden für die Juristerei unter einem Anfangsverdacht. > mehr

14.10.2017 - DEUTSCHE LITERATUR

"Bisschen schneller sein als die Schnecke"

Zum 90. Geburtstag von Guenter Grass

Für große Teile der Literaturszene damals in Deutschland muss es eine Art von Weltuntergang gewesen sein. „Ich denke, dass ich keine Helden mehr habe“, schrieb der Journalist Franz Josef Wagner am 14. August 2006 in der „Bild“-Zeitung. Ob es Wagner mit seinem Ausrufen einer Heldendämmerung ganz ernst war, ist nicht so wichtig. Er wird gespürt haben, dass er vielen Lesern aus dem Herzen sprach: Ich denke, „dass ich traurig bin, weil es Günter Grass nicht mehr gibt“. Grass‘ Buch „Beim Häuten der Zwiebel“ war noch gar nicht auf dem Markt. Doch wenige Tage zuvor war in der „FAZ“ ein Interview von Franz Schirrmacher und Hubert Spiegel mit dem Nobelpreisträger erschienen, überschrieben „Warum ich nach sechzig Jahren mein Schweigen breche“, „Günter Grass spricht zum ersten Mal über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS“. > mehr

09.10.2017 - PRAEHISTORISCHE KUNST

Die Erfindung von Kunst und Musik

Vor 40.000 Jahren entstanden auf der Schwaebischen Alb die ersten Menschen- und Tierfiguren

Es war vor etwa 40.000 Jahren. Im spanischen Kantabrien und in der französischen Ardèche entstanden die frühesten Höhlenmalereien, etwa gleichzeitig in Südwestdeutschland die ersten plastischen Kunstwerke, kleine geschnitzte Figuren aus Mammutelfenbein. „Als der Mensch die Kunst erfand“, haben die beiden Archäologen Nichola J. Conard von der Universität Tübingen und Claus-Joachim Kind vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg ihren neuen Bildband über die Ausgrabungen auf der Schwäbischen Alb überschrieben. Und auch die Musik, wäre zu ergänzen. Einige Musikinstrumente, Flöten aus Vogelknochen oder Elfenbein, die auf der Alb gefunden wurden, sind sogar noch älter, stammen aus der Zeit vor 43.000 Jahren. > mehr

05.10.2017 - STRAFVOLLZUG

"Gott ist es, der meinen Arm lenkt"

Eine Geschichte der Todesstrafe

Wissen Sie, was in Art. 21 der hessischen Landesverfassung steht? „Ist jemand einer strafbaren Handlung für schuldig befunden […], kann er zum Tode verurteilt werden.“ Angewandt wurde diese Regelung allerdings niemals, seit 1949 ist sie auch kein geltendes Recht mehr. Art. 102 des Grundgesetzes geht vor: „Die Todesstrafe ist abgeschafft.“ In 104 Staaten, berichtet der Darmstädter Journalist Helmut Ortner in seiner „Geschichte der Todesstrafe“, ist das legale Töten, das Töten nach Gerichtsurteil, heute vollständig abgeschafft. In 37 weiteren Staaten wird die Todesstrafe de facto nicht mehr verhängt und erst recht nicht vollstreckt. In Europa ist zur Zeit Weißrussland der einzige Staat, in dem die Todesstrafe praktiziert wird. In der Türkei wurde sie 2002 abgeschafft, inzwischen wird erwogen, sie wieder einzuführen. > mehr

01.10.2017 - KULTURGESCHICHTE

"Konsumgesellschaft ohne ideelle Ansprueche"

Die "Vielen" und die "Wenigen" in der deutschen Kultur- und Literaturgeschichte

Gelegentlich bricht Zorn durch. Es habe ehedem, schreibt der Literaturwissenschaftler Jost Hermand in seinem neuen Buch, Zeitalter gegeben, in denen die Künstler und Wissenschaftler in ihren Werken Möglichkeiten eines Lebens jenseits der aktuell gegebenen Zustände aufzeigten. An die Gegenwart appelliert Hermand, dieses „soziokulturelle Erbe zu erhalten und vor allem zu interpretieren“. Offenbar ist Hermand mit der Gegenwart sehr unzufrieden, sowohl was das Kulturleben selbst als auch was die wissenschaftliche Analyse angeht. In den 1970er oder 1980er Jahren waren Hermands „Epochen der deutschen Kultur von 1870 bis zur Gegenwart“ beim geisteswissenschaftlichen Nachwuchs ein Kultbuch. Aus der Feder des 87-Jährigen ist jetzt eine große Sozialgeschichte der deutschen Literatur und Kultur, ein Überblick über 1.200 Jahre hinweg. > mehr

27.09.2017 - ARCHAEOLOGIE

Bronzeplastiken, Goldschmuck und Waffen

Etruskische Kunst im Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen

Bronzeplastiken und Goldschmuck, Waffen und Hausrat, Keramiken und Weihgaben – im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen ist etruskische Kunst aus der Sammlung Ebnöther ausgestellt. Ein Volk im Schatten zunächst der Griechen, die mit ihrer Literatur und Philosophie in der Mittelmeerwelt größere Ausstrahlungskraft zeigten, und dann im Schatten der politisch erfolgreicheren Römer. Im Vergleich mit den großen Museen in Rom und Florenz oder den Totenstädten von Tarquinia und Cerveteri tritt in dieser ehemaligen Privatsammlung die Kleinkunst in den Vordergrund. > mehr



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