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10.10.2019 - RECHT

Wertentscheidung oder Leeerformel?

Die Menschenwuerde im Streit um die Bioethik

Mit ihrem „Framing-Manual“, in welchem sie der ARD empfahl, sich der Öffentlichkeit in Zukunft unter Sprachformeln wie „unser gemeinsamer freier Rundfunk“ zu präsentieren, rief die Linguistin Elisabeth Wehling zwar viel Kopfschütteln hervor, erwarb sich aber auch ein Verdienst: Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wurde darauf gelenkt, dass es nicht erst ganze Sätze sind, die unser Denken prägen. Bereits einzelne Wörter und Begriffe sind geeignet, uns in bestimmte Richtungen zu lenken: „Wann immer Sie ein Wort hören, wird in Ihrem Kopf ein ‚Frame‘ aktiviert.“ An sich keine neue Erkenntnis, nur dass wir uns eben selten die Zeit nehmen, unser Denken sozusagen von außen zu beobachten. Die Mainzer Kulturwissenschaftlerin Theresia Theuke zeigt in ihrer Dissertation zum Begriff der „Menschenwürde“, die an der Universität Mainz erstellt wurde, dass die Debatte über das Thema Abtreibung, wie sie seit den 1960er Jahren in Deutschland geführt wurde, von solchen „Frames“ geprägt war. > mehr

03.10.2019 - MALEREI

Als die Kunst sich von gesellschaftlichen Zwecken frei machte

Vor 350 Jahren starb Rembrandt van Rijn

Glücklich die Gemäldegalerie, die ihren Besuchern einen „Rembrandt“ präsentieren kann! Möchte man jedenfalls meinen. Seit 1968 bereiteten die Bilder des holländischen Malers den Museumsdirektoren oft genug Schweißausbrüche. Immer wieder kam das „Rembrandt Research Project“ in Amsterdam zu dem Schluss, dieses oder jenes dem Meister zugeschriebene Werk sei in Wirklichkeit von einem Schüler oder Angestellten in seiner Werkstatt gemalt. Oder von einem Nachahmer, der Rembrandts Stil imitierte. Zum Beispiel von jenem bislang unbekannten Maler, der um 1650 oder 1655 den „Mann mit dem Goldhelm“ schuf, den weltberühmten „Ex-Rembrandt“ in der Berliner Gemäldegalerie. Er muss vom Stil seines Vorbilds derart fasziniert gewesen sein, dass er dessen Kunstgriffe nicht nur imitierte, sondern noch steigerte, vor allem den dicken, beinahe reliefartigen Auftrag der Farben. Er ist es vor allem, der dem Bild seinen geheimnisvollen Glanz verleiht, den Eindruck, dass in der sinnlichen Oberfläche etwas Hintergründiges durchscheint. > mehr

27.09.2019 - WIRTSCHAFT

Ein ganz besonderes Metall

Zur Weltgeschichte des Goldes

1324 brach der König von Mali, Musa Keita I., von Timbuktu aus zu einer Pilgerfahrt nach Mekka auf. Angeblich hatte er 60.000 Menschen in seinem Gefolge, jeder von ihnen soll Goldbarren von 1,8 Kilogramm Gewicht getragen haben. 80 Kamele, die jeweils mit 150 Kilogramm Gold beladen waren, wurden mitgeführt. Unterwegs verteilte Musa freigebig Almosen, so reichlich, dass in Ägypten der Goldpreis abstürzte. Die Folgen bekam der König auf der Rückreise selbst zu spüren: Mit dem Gold, das er noch übrig hatte, konnte er kaum die Reisekosten decken und musste bei Kaufleuten in Kairo Kredit aufnehmen. Die Zahlen werden übertrieben sein. Dass sich die ägyptische Währung noch zehn Jahre später von dem Überfluss an Edelmetall nicht erholt hatte, ist jedoch belegt. König Musa, meint der Tübinger Historiker Bernd-Stefan Grewe in seiner „Weltgeschichte des Goldes“, war vermutlich „der einzige Mensch, der jemals für sich allein den Goldpreis in weiten Teilen der bekannten Welt bestimmte“. > mehr

21.09.2019 - ZEITGESCHICHTE

Die Grenzen einer Friedensmacht zu vergroessern

Acht Jahrzehnte nach der Aufteilung Osteuropas zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion

„Die herrschenden Kreise haben Bankrott gemacht“, erklärte der sowjetische Außenminister Molotow am 17. September 1939 im Rundfunk. „Die Ereignisse, die durch den polnisch-deutschen Krieg hervorgerufen wurden, haben die innere Haltlosigkeit des polnischen Staates bewiesen.“ Der „polnisch-deutsche Krieg“ - damit war der deutsche Überfall auf Polen gemeint, für den die Sowjetunion mit dem Nichtangriffspakt vom 24. August dem Deutschen Reich Rückendeckung gegeben hatte. Die Sowjetregierung habe „dem Oberkommando der Roten Armee die Verfügung erteilt“, „die Grenze zu überschreiten und das Eigentum der Bevölkerung der Westukraine und Westweißrusslands unter ihren Schutz zu nehmen.“ Mehr als zwei Wochen lang hatte die Sowjetunion nach dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September damit gewartet, die ihr im „Pakt“ zugesprochenen ostpolnischen Gebiete zu besetzen. > mehr

14.09.2019 - WISSENSCHAFTSGESCHICHTE

Ein Aristoteles der Moderne

Vor 250 Jahren wurde Alexander von Humboldt geboren

Einen „Brunnen mit vielen Röhren“ nannte ihn Goethe, „wo man überall nur Gefäße unterzuhalten braucht und wo es uns immer erquickend und unerschöpflich entgegenströmt“. Alexander von Humboldt, der am 14. September 1769, vor 250 Jahren, in Berlin geboren wurde, war ein Universalgenie wie Aristoteles oder Leibniz. In einer Universität hätte er ohne weiteres in gut einem Dutzend verschiedener Fächer einen Lehrstuhl besetzen können, von Geologie und Mineralogie über Botanik und Zoologie bis zur Staatslehre und Nationalökonomie, von den Bergbauwissenschaften bis zur Astronomie. Auf seiner Amerikareise untersuchte er die Ruinenstätten, die die Völker vor Columbus hinterlassen hatten; in einem Aufsatz aus den späten Berliner Jahren befasste er sich mit der Geschichte der Naturbeschreibung in der schönen Literatur. Die Pariser Akademie der Wissenschaften wollte ihn schon zu Lebzeiten auf einer Münze als „Aristoteles unseres Zeitalters“ würdigen. > mehr

08.09.2019 - KULTURGESCHICHTE

Orientalischer Viktorianismus?

Die Abkehr des modernen Islams von seinen erotischen Traditionen

Wenn irgendwann um 1200 oder 1300 ein Reisender von einem fernen Stern die Erde besucht und seinen Auftraggebern dann hätte berichten sollen, in welchen Kulturen auf diesem Globus das größte wissenschaftliche und technische, damit vielleicht auch größte ökonomische und politische Potential zu vermuten sei – in Frage gekommen wären einerseits China, andererseits die islamische Welt. Und auch wenn wir unserem Reisenden einiges über das private Leben im Europa der Gegenwart erzählen würden, über das, was man „erotische Kultur“ oder „Sexualmoral“ nennt – er würde wohl kaum auf die Idee verfallen, ausgerechnet das mittelalterliche Abendland hätte sich in diese Richtung entwickeln können. Der gebürtiger Marokkaner Ali Ghandour, islamischer Theologe an der Universität Münster, hat jetzt ein Buch über die erotische Kultur im „klassischen“ Zeitalter des Islams vorgelegt. > mehr

02.09.2019 - ZEITGESCHICHTE

Louisiana, Alaska - und Groenland?

Immobiliengeschaefte in der Weltgeschichte

Als sich die Regierung des Zarenreiches 1867 entschloss, ihr Territorium im Nordwesten Amerikas zu veräußern, wandte sie sich zunächst an Johann II., Fürst von und zu Liechtenstein. Die Liechtensteiner Dynastie war für ihre Finanzkraft bekannt. Sie könnte doch daran interessiert sein, wird man sich in Sankt Petersburg gedacht haben, ein großes Territorium zu erwerben, gegen eine kräftige Zahlung an den klammen russischen Staatshaushalt, versteht sich. Doch Johann lehnte ab, weil eine Erschließung Alaskas das Ländchen womöglich doch überfordert hätte. Im Hause Liechtenstein sei die Offerte noch lange danach diskutiert worden, teilte sein Nachfolger Hans-Adam II. 2018 der Presse mit. Wer weiß, vielleicht hätten sich die Fürsten mit Alaska sogar einen Königstitel zulegen können. Ein Dokument, mit dem sich das Kaufangebot beweisen ließe, wurde bislang allerdings nicht gefunden; große Teile des Liechtensteiner Familienarchivs gingen im Zweiten Weltkrieg verloren. > mehr

27.08.2019 - RITUALFORSCHUNG

Die grosse Lehrmeisterin der Festumzuege und Prozessionen

Religioese Elemente in der saekularisierten Moderne

„Hic inter monachos quiescit, qui nunquam contra monachos quievit", ersann 1778, nach dem Tod Voltaires, ein witziger Verehrer als Grabschrift: „Unter Mönchen ruht hier einer, der den Mönchen niemals Ruhe gönnte.“ Da zu befürchten war, dass die Geistlichkeit ein ordentliches Begräbnis des Spötters verhindern würde, hatte sein Neffe, der Abbé Mignot, den einbalsamierten Leichnam heimlich aus Paris in die Abtei Scellières in der Champagne schaffen lassen. 13 Jahre später wurde Voltaires Mumie exhumiert und am 11. Juli 1791 in einem feierlichen Triumphzug ins Pariser Pantheon überführt. Es gab heftige Diskussionen: „Während die Voltaire-Anhänger die Unversehrtheit der Mumie als symbolischen Ausdruck der moralischen Überlegenheit des Philosophen priesen, agitierten die Gegner umgekehrt, indem sie auf die stinkenden und nicht mehr intakten Überreste schimpften.“ Der Nationalversammlung wurde eine Petition vorgelegt, die gegen solche „heidnischen“ Zeremonien protestierte. > mehr

22.08.2019 - FRUEHGESCHICHTE

Als die Menschen das Knie noch nicht zu beugen wussten

Aus der Fruehgeschichte der Zivilisation

Der Name Jean-Jacques Rousseau kommt in dem neuen Buch des amerikanischen Politikwissenschaftlers James S. Scott nicht vor. Aber tatsächlich hat Scott so etwas wie eine Neubearbeitung von Rousseaus Traktat „Über die Wissenschaften und die Künste“ vorgelegt. 1749 provozierte Rousseau die europäischen Intellektuellen mit der Behauptung, alles in allem habe der „Fortschritt“ die Lage der Menschen keineswegs verbessert: In der modernen Gesellschaft sei der Mensch durch die Konventionen gefesselt, im Naturzustand habe er frei gelebt. In den letzten zweieinhalb Jahrhunderten hat die Archäologie unser Wissen um die Frühgeschichte enorm erweitert, Die Bewertung des Forschers von der Yale University, der nun ein Buch über die Entstehung der ersten Staaten im Mesopotamien des 4. und 3. Jahrtausends v. Chr., fällt jedoch wiederum „rousseauistisch“ aus: Das Leben außerhalb des Staates, „das Leben als Barbar“, sei „materiell gesehen, häufig leichter, freier und gesünder gewesen als das Leben innerhalb der Zivilisation“. > mehr

17.08.2019 LITERATURGESCHICHTE

Wenn Kuenstler scheitern

Ueber verhinderte Projekte in Literatur- und Filmgeschichte

„Habent sua fata libelli“, heißt es in einem römischen Lehrgedicht über die Poesie aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., „Bücher haben ihre Schicksale“. Nämlich je nachdem, was das Publikum daraus macht, wollte der Verfasser, der Grammatiker Terentianus Maurus, sagen: Hat der Schriftsteller sein Werk erst einmal aus der Hand gegeben und veröffentlicht, entzieht sich das „Schicksal“ des Buches in der Öffentlichkeit seinem Einfluss. Der Satz gilt aber bereits vor der Publikation, zeigt der Sammelband über „Verhinderte Meisterwerke“ in Literatur und Film, den die Literaturwissenschaftler der Universität Bamberg jetzt herausgebracht haben. Ziemlich oft entfaltet das „Werk“ einen Eigenwillen, während es noch gar nicht geschrieben ist, sondern lediglich als Projekt im Kopf seines Autors existiert. Das ist besonders auffällig, wenn das geplante Buch sich gegen seine Realisierung hartnäckig sperrt. > mehr

12.08.2019 - NEUERE GESCHICHTE

Der groesste Mann aller Jahrhunderte oder des Satans aeltester Sohn?

Napoleon und die Deutschen

Als Ende Oktober 1813, wenige Tage nach der „Völkerschlacht“ von Leipzig, der österreichische Feldzeugmeister Graf Colloredo den großherzoglichen Hof in Weimar besuchte, ließ er sich im Haus des Ministers Johann Wolfgang von Goethe einquartieren. Um seinen Gast zu ehren, trat Goethe ihm mit dem höchsten Orden auf der Brust entgegen, den er zur Verfügung hatte, dem Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion. Colloredo war außer sich. „Pfui, Teufel“, rief er aus, „wie kann man so etwas tragen?“ Am Weimarer Hof hatte man dem Dichter seine Bewunderung für Napoleon als eine Marotte durchgehen lassen. Aber gerade unter den Literaten stand er damit allein auf weiter Flur. „Schlagt ihn tot, das Weltgericht/ fragt euch nach den Gründen nicht“, dichtete Heinrich von Kleist 1809 in seiner Ode „Germania an ihre Kinder“ – nämlich den „Wolf“, wie Kleist den Kaiser titulierte. Ernst Moritz Arndt nannte ihn „des Satans ältesten Sohn“. > mehr

07.08.2019 - WIRTSCHAFT

Als der Fahrstuhl nach oben den Dienst versagte

Der Trierer Historiker Lutz Raphael ueber den Abschied vom Malocher

Die Zahlen sind frappant. 1960 lag der Anteil der Industrie an der wirtschaftlichen Wertschöpfung in Deutschland noch bei 53 Prozent. Stahlwerke, Kohlezechen, Schiffswerften und Textilfabriken bildeten das „Rückgrat der Volkswirtschaft“. Bis 2012 sank dieser Satz auf 30 Prozent, ganze Betriebe und Produktionszweige verschwanden. In Frankreich vollzog sich parallel eine ähnliche Entwicklung. In Großbritannien, dem Ursprungsland der industriellen Revolution, hatte sich der Trend bereits einige Jahre früher bemerkbar gemacht. Bereits seit den 1960ern gingen industrielle Arbeitsplätze verloren. Vor einem halben Jahrhundert war der „typische“ Bewohner Westeuropas Industriearbeiter, heute sind die meisten Menschen in Dienstleistungsberufen tätigt. Ein „Abschied vom Malocher“ bringt der der Historiker Lutz Raphael von der Universität Trier die Entwicklung auf den Punkt: Die Länder Westeuropas wurden partiell „deindustrialisiert“. > mehr

02.08.2019 - LITERATURGESCHICHTE

Boese Buecher, boese Buben

Toxisches in der Literatur- und Ideengeschichte

Im Dezember 2016 erschien in der „Zeit“ eine Karikatur, auf der Trump, Putin und Berlusconi Zigaretten rauchend beieinander sitzen und diskutieren. Auf dem Tisch, unter dem Aschenbecher, liegt das Buch „Agonie des Realen“ von dem französischen Philosophen Jean Baudrillard. In dem aufgeschlagenen Band auf Trumps Oberschenkel ist „Anything Goes“zu lesen, jener Satz, der in den 1970er Jahren als Fazit des Traktats „Wider den Methodenzwang“ von dem österreichischen Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend um die Welt ging. Die beiden „klassischen“ Abhandlungen, sollte die Zeichnung wohl suggerieren, hätten den drei Herren – und womöglich der populistischen Bewegung insgesamt – als Vorlagen für die Ausrufung eines „postfaktischen“ Zeitalters gedient. Nun ist zu unterstellen, dass Baudrillard und Feyerabend bei ihren Reflexionen über die Schwierigkeiten unseres Realitätsverständnisses dergleichen keineswegs im Sinn hatten. Aber ihre Bücher, einmal auf dem Markt, entfalteten ein Eigenleben, unabhängig von den Absichten ihrer Verfasser. > mehr

28.07.2019 - AMERIKANISCHE LITERATUR

Ein Walfaenger war mein Yale und mein Harvard

Vor 200 Jahren wurde Herman Melville geboren, der Verfasser von Moby Dick

Man kann sich eben auf gar nichts verlassen, nicht einmal auf die renommierten Lexika. In seiner vierten Auflage aus dem Jahr 1889 behauptete „Meyers Konversationslexikon“, Herman Melville, der Autor der beliebten Südsee-Romane „Taipi“ und „Omu“, sei 1874 verstorben. Als Melville 1891 dann wirklich starb, war er beim Publikum in einem Maße vergessen, wie es sonst zu Lebzeiten kaum einem anderen großen Autor geschah. 1883 hatte Robert Stevenson 1883 seine „Schatzinsel“ geschrieben. Nach dem Bibelspruch, dass gestohlenes Wasser süß schmeckt, bediente er sich freizügig bei den Werken anderer Autoren, angefangen bei Defoes „Robinson Crusoe“, und räumte diese Entlehnungen bald danach auch freimütig ein. Melvilles „Moby Dick“ zu erwähnen, hielt er offenbar für unnötig, in der Voraussetzung, meinte später Rolf Hochhuth, dass den ohnehin niemand sonst gelesen hätte. Heute werden Melvilles Südsee-Romane immer noch gelesen. „Moby Dick“ dagegen gehört wie einige der späten Erzählungen unbestritten zur Weltliteratur. > mehr

23.07.2019 - RELIGIONSGESCHICHTE

"Wenn es um die Ehre Gottes geht, gibt es keine Grausamkeit"

Die fruehen Christen und die antike Kultur

Traten die Besucher aus dem grellen Sonnenlicht in das Halbdunkel des Athene-Tempels, sahen sie vor sich die überlebensgroße Göttin aus weißlichem Marmor. Die Bauherren hatten weder Kosten noch Mühen gescheut, um ein Stück griechisch-römischer Kultur in die Wüste zu verpflanzen. Wahrscheinlich, meint die englische Historikerin und Journalistin Catherine Nixey, ließ sich der Künstler durch die berühmte Statue im Athener Parthenon inspirieren, als er den Auftrag erhielt, eine Athene-Statue für die syrische Oasenstadt Palmyra zu schaffen. Um 385 n. Chr. wurde die Statue enthauptet und vom Sockel gestürzt. Verantwortlich waren militante Christen, die ihrem Glauben, zwei Generationen, nachdem die Kaiser Galerius und Konstantin, zur Alleingeltung verhelfen wollten. Nach der Restauration wurde die Statue durch islamistische Fanatiker 2015 erneut zerstört > mehr

18.07.2019 - POLITISCHE KULTUR

"Kommunikationsabbruch gegenueber den orthodoxen Unwahrheitsglaeubigen"

Vom Umgang mit Verschwoerungstheoretikern

Umfragen zufolge glauben etwa 17 Prozent der Deutschen, dass die Anschläge auf das World Trade Center 2001 von der CIA durchgeführt wurden, um eine Rechtfertigung für den nächsten Krieg zu schaffen. Über 10 Prozent sehen im Impfen nicht eine Gesundheitsvorsorge, sondern einen Geschäftstrick der Pharmafirmen. Mehr als 10.000 Bürger halten die Bundesrepublik Deutschland nicht für einen Staat, sondern für eine „GmbH“, manche ziehen daraus den Schluss, „sich wehren“ zu müssen. Und ein halbes Jahrhundert nach der Mondlandung im Juli 1969 glauben nach wie vor viele Menschen, dass die ganze Aktion gar nicht stattgefunden hat, sondern ein „Fake“ war, inszeniert in den Filmstudios von Hollywood. „Verschwörungstheorien“ sind en vogue. Offenbar bietet ihnen das Internet einen besseren Nährboden, als es die gedruckten Medien früher taten. > mehr

13.07.2019 - DEUTSCHE LITERATUR

"Das Naheliegende darstellen, ohne jedoch gewoehnlich und langweilig zu sein"

Vor 200 Jahren wurde Gottfried Keller geboren

Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg hat einmal bemerkt, dass die Autoren der meisten deutschen Entwicklungsromane seit Goethe den Erfolg ihrer Helden nur so zu sichern wussten, dass sie für ihn ein Leben abseits der sozialen und ökonomischen Realität arrangierten, mit poetischen „Residenzen und Rosenhäusern“. Die große Ausnahme bildet Gottfried Kellers Roman „Der grüne Heinrich“. Als Gottfried Keller die Lebensgeschichte seines Heinrich Lee konzipierte, zählte er 23 Jahre. Am 19. Juli 1819, vor nunmehr 200 Jahren, in Zürich geboren, hatte er zunächst eine Karriere als Landschaftsmaler ins Auge gefasst. Ausgestattet mit einer kleinen Erbschaft, zog er nach München, das damals die große Kunstmetropole Mitteleuropas war. Doch der Erfolg blieb aus, das ideale Selbstbild eines großen Künstlers, das Keller von sich selbst gepflegt hatte, ließ sich auf dem Kunstmarkt nicht verwerten. > mehr

08.07.2019 - POLITISCHE KULTUR

Geringe Schwerkraft auf dem Mond und die Belastbarkeit von Baustahl

Naturwissenschaftliche Argumente gegen Verschwoerungstheorien

21. Juli 1969, vor 50 Jahren. Punkt 3 Uhr 56 MEZ betrat der amerikanische Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Nachdem auch sein Kollege Buzz Aldrin die Landefähre verlassen hatte, rammten die beiden einen Fahnenmast in den Boden. Hunderte Millionen Menschen auf der Erde konnten live beobachten, wie die amerikanische Flagge auf dem Erdtrabanten hin und her schwang. Moment mal: Auf dem Mond gibt es keine Atmosphäre, da kann die Flagge doch gar nicht im Wind geflattert sein? Seit 50 Jahren hält sich die Theorie, die ganze Mondlandung wäre bloß ein Fake, gedreht in den Hollywood-Studios. Mit kleinen Fehlern, wie sie Fälschern nun einmal unterlaufen, zum Beispiel mit einer wehenden Flagge, obwohl die dargestellte Geschichte doch an einem Ort spielen soll, an dem kein Wind die Flagge in Bewegung setzen könnte. > mehr

28.06.2019 - ZEITGESCHICHTE

"Das groesste Verbrechen gegen die Menschheit und die Freiheit der Voelker"

Deutschlands Schuld oder Unschuld am Ersten Weltkrieg

Die Sieger schreiben die Geschichte, so behauptet der Volksmund. Es gibt Fälle aus der Geschichte der Historiographie, die diese These zu bestätigen scheinen. Das älteste Werk der europäischen Geschichtsschreibung, Herodots „Perserkrieg“, wurde von einem Griechen geschrieben, einem Angehörigen des Volkes, das den Angriff des persischen Großreiches siegreich abgewehrt hatte. Doch gleich das zweitälteste Werk bietet ein Gegenbeispiel. Thukydides, der Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. seine Geschichte des Peloponnesischen Krieges schrieb, war Athener, und Athen hatte diesen Krieg gegen Sparta katastrophal verloren. „Der Besiegte schreibt die Geschichte“, stellte der Historiker Reinhard Koselleck den Spruch 1988 auf den Kopf. Die Sieger würden sich im Gefühl ihres Triumphes allenfalls eine Art von „Teleologie“ zimmern, den Schein eines langfristigen Trends, der mit historischer Notwendigkeit auf ihren Sieg hin geführt hätte. „Anders die Besiegten. Deren Primärerfahrung ist zunächst, dass alles anders gekommen ist als geplant oder erhofft. Sie geraten, wenn sie überhaupt methodisch reflektieren, in eine größere Beweisnot.“ > mehr

25.06.2019 - SPORT

Helden im postheroischen Zeitalter

Der Spitzensport und sein Publikum

„Unglücklich das Land, das keine Helden hat!“, ruft Galileo Galileis Schüler Andrea in Bertolt Brechts Stück aus. Sein Lehrer berichtigt ihn: „Nein. Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.“ Eine Stelle, die jedes Mal Szenenapplaus hervorruft. Im Beifall zum Dichterwort bekräftigt das Publikum seine, wie der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler es 2015 ausdrückte, „postheroische“ Einstellung. Gerade auf dem klassischen Feld von „Helden“ und „Heldentaten“, im Militärischen, ist uns der Gedanke, da sei irgendetwas verehrungswürdig, abhanden gekommen. Wenn es allerdings darum geht, Menschenleben zu retten – zum Beispiel nach dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 – sprechen wir eben doch von Helden. Und auf einem Gebiet ist von „Helden“ geradezu inflationär die Rede: im Sport. > mehr



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