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22.08.2019 - FRUEHGESCHICHTE

Als die Menschen das Knie noch nicht zu beugen wussten

Aus der Fruehgeschichte der Zivilisation

Der Name Jean-Jacques Rousseau kommt in dem neuen Buch des amerikanischen Politikwissenschaftlers James S. Scott nicht vor. Aber tatsächlich hat Scott so etwas wie eine Neubearbeitung von Rousseaus Traktat „Über die Wissenschaften und die Künste“ vorgelegt. 1749 provozierte Rousseau die europäischen Intellektuellen mit der Behauptung, alles in allem habe der „Fortschritt“ die Lage der Menschen keineswegs verbessert: In der modernen Gesellschaft sei der Mensch durch die Konventionen gefesselt, im Naturzustand habe er frei gelebt. In den letzten zweieinhalb Jahrhunderten hat die Archäologie unser Wissen um die Frühgeschichte enorm erweitert, Die Bewertung des Forschers von der Yale University, der nun ein Buch über die Entstehung der ersten Staaten im Mesopotamien des 4. und 3. Jahrtausends v. Chr., fällt jedoch wiederum „rousseauistisch“ aus: Das Leben außerhalb des Staates, „das Leben als Barbar“, sei „materiell gesehen, häufig leichter, freier und gesünder gewesen als das Leben innerhalb der Zivilisation“. > mehr

17.08.2019 LITERATURGESCHICHTE

Wenn Kuenstler scheitern

Ueber verhinderte Projekte in Literatur- und Filmgeschichte

„Habent sua fata libelli“, heißt es in einem römischen Lehrgedicht über die Poesie aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., „Bücher haben ihre Schicksale“. Nämlich je nachdem, was das Publikum daraus macht, wollte der Verfasser, der Grammatiker Terentianus Maurus, sagen: Hat der Schriftsteller sein Werk erst einmal aus der Hand gegeben und veröffentlicht, entzieht sich das „Schicksal“ des Buches in der Öffentlichkeit seinem Einfluss. Der Satz gilt aber bereits vor der Publikation, zeigt der Sammelband über „Verhinderte Meisterwerke“ in Literatur und Film, den die Literaturwissenschaftler der Universität Bamberg jetzt herausgebracht haben. Ziemlich oft entfaltet das „Werk“ einen Eigenwillen, während es noch gar nicht geschrieben ist, sondern lediglich als Projekt im Kopf seines Autors existiert. Das ist besonders auffällig, wenn das geplante Buch sich gegen seine Realisierung hartnäckig sperrt. > mehr

12.08.2019 - NEUERE GESCHICHTE

Der groesste Mann aller Jahrhunderte oder des Satans aeltester Sohn?

Napoleon und die Deutschen

Als Ende Oktober 1813, wenige Tage nach der „Völkerschlacht“ von Leipzig, der österreichische Feldzeugmeister Graf Colloredo den großherzoglichen Hof in Weimar besuchte, ließ er sich im Haus des Ministers Johann Wolfgang von Goethe einquartieren. Um seinen Gast zu ehren, trat Goethe ihm mit dem höchsten Orden auf der Brust entgegen, den er zur Verfügung hatte, dem Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion. Colloredo war außer sich. „Pfui, Teufel“, rief er aus, „wie kann man so etwas tragen?“ Am Weimarer Hof hatte man dem Dichter seine Bewunderung für Napoleon als eine Marotte durchgehen lassen. Aber gerade unter den Literaten stand er damit allein auf weiter Flur. „Schlagt ihn tot, das Weltgericht/ fragt euch nach den Gründen nicht“, dichtete Heinrich von Kleist 1809 in seiner Ode „Germania an ihre Kinder“ – nämlich den „Wolf“, wie Kleist den Kaiser titulierte. Ernst Moritz Arndt nannte ihn „des Satans ältesten Sohn“. > mehr

07.08.2019 - WIRTSCHAFT

Als der Fahrstuhl nach oben den Dienst versagte

Der Trierer Historiker Lutz Raphael ueber den Abschied vom Malocher

Die Zahlen sind frappant. 1960 lag der Anteil der Industrie an der wirtschaftlichen Wertschöpfung in Deutschland noch bei 53 Prozent. Stahlwerke, Kohlezechen, Schiffswerften und Textilfabriken bildeten das „Rückgrat der Volkswirtschaft“. Bis 2012 sank dieser Satz auf 30 Prozent, ganze Betriebe und Produktionszweige verschwanden. In Frankreich vollzog sich parallel eine ähnliche Entwicklung. In Großbritannien, dem Ursprungsland der industriellen Revolution, hatte sich der Trend bereits einige Jahre früher bemerkbar gemacht. Bereits seit den 1960ern gingen industrielle Arbeitsplätze verloren. Vor einem halben Jahrhundert war der „typische“ Bewohner Westeuropas Industriearbeiter, heute sind die meisten Menschen in Dienstleistungsberufen tätigt. Ein „Abschied vom Malocher“ bringt der der Historiker Lutz Raphael von der Universität Trier die Entwicklung auf den Punkt: Die Länder Westeuropas wurden partiell „deindustrialisiert“. > mehr

02.08.2019 - LITERATURGESCHICHTE

Boese Buecher, boese Buben

Toxisches in der Literatur- und Ideengeschichte

Im Dezember 2016 erschien in der „Zeit“ eine Karikatur, auf der Trump, Putin und Berlusconi Zigaretten rauchend beieinander sitzen und diskutieren. Auf dem Tisch, unter dem Aschenbecher, liegt das Buch „Agonie des Realen“ von dem französischen Philosophen Jean Baudrillard. In dem aufgeschlagenen Band auf Trumps Oberschenkel ist „Anything Goes“zu lesen, jener Satz, der in den 1970er Jahren als Fazit des Traktats „Wider den Methodenzwang“ von dem österreichischen Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend um die Welt ging. Die beiden „klassischen“ Abhandlungen, sollte die Zeichnung wohl suggerieren, hätten den drei Herren – und womöglich der populistischen Bewegung insgesamt – als Vorlagen für die Ausrufung eines „postfaktischen“ Zeitalters gedient. Nun ist zu unterstellen, dass Baudrillard und Feyerabend bei ihren Reflexionen über die Schwierigkeiten unseres Realitätsverständnisses dergleichen keineswegs im Sinn hatten. Aber ihre Bücher, einmal auf dem Markt, entfalteten ein Eigenleben, unabhängig von den Absichten ihrer Verfasser. > mehr

28.07.2019 - AMERIKANISCHE LITERATUR

Ein Walfaenger war mein Yale und mein Harvard

Vor 200 Jahren wurde Herman Melville geboren, der Verfasser von Moby Dick

Man kann sich eben auf gar nichts verlassen, nicht einmal auf die renommierten Lexika. In seiner vierten Auflage aus dem Jahr 1889 behauptete „Meyers Konversationslexikon“, Herman Melville, der Autor der beliebten Südsee-Romane „Taipi“ und „Omu“, sei 1874 verstorben. Als Melville 1891 dann wirklich starb, war er beim Publikum in einem Maße vergessen, wie es sonst zu Lebzeiten kaum einem anderen großen Autor geschah. 1883 hatte Robert Stevenson 1883 seine „Schatzinsel“ geschrieben. Nach dem Bibelspruch, dass gestohlenes Wasser süß schmeckt, bediente er sich freizügig bei den Werken anderer Autoren, angefangen bei Defoes „Robinson Crusoe“, und räumte diese Entlehnungen bald danach auch freimütig ein. Melvilles „Moby Dick“ zu erwähnen, hielt er offenbar für unnötig, in der Voraussetzung, meinte später Rolf Hochhuth, dass den ohnehin niemand sonst gelesen hätte. Heute werden Melvilles Südsee-Romane immer noch gelesen. „Moby Dick“ dagegen gehört wie einige der späten Erzählungen unbestritten zur Weltliteratur. > mehr

23.07.2019 - RELIGIONSGESCHICHTE

"Wenn es um die Ehre Gottes geht, gibt es keine Grausamkeit"

Die fruehen Christen und die antike Kultur

Traten die Besucher aus dem grellen Sonnenlicht in das Halbdunkel des Athene-Tempels, sahen sie vor sich die überlebensgroße Göttin aus weißlichem Marmor. Die Bauherren hatten weder Kosten noch Mühen gescheut, um ein Stück griechisch-römischer Kultur in die Wüste zu verpflanzen. Wahrscheinlich, meint die englische Historikerin und Journalistin Catherine Nixey, ließ sich der Künstler durch die berühmte Statue im Athener Parthenon inspirieren, als er den Auftrag erhielt, eine Athene-Statue für die syrische Oasenstadt Palmyra zu schaffen. Um 385 n. Chr. wurde die Statue enthauptet und vom Sockel gestürzt. Verantwortlich waren militante Christen, die ihrem Glauben, zwei Generationen, nachdem die Kaiser Galerius und Konstantin, zur Alleingeltung verhelfen wollten. Nach der Restauration wurde die Statue durch islamistische Fanatiker 2015 erneut zerstört > mehr

18.07.2019 - POLITISCHE KULTUR

"Kommunikationsabbruch gegenueber den orthodoxen Unwahrheitsglaeubigen"

Vom Umgang mit Verschwoerungstheoretikern

Umfragen zufolge glauben etwa 17 Prozent der Deutschen, dass die Anschläge auf das World Trade Center 2001 von der CIA durchgeführt wurden, um eine Rechtfertigung für den nächsten Krieg zu schaffen. Über 10 Prozent sehen im Impfen nicht eine Gesundheitsvorsorge, sondern einen Geschäftstrick der Pharmafirmen. Mehr als 10.000 Bürger halten die Bundesrepublik Deutschland nicht für einen Staat, sondern für eine „GmbH“, manche ziehen daraus den Schluss, „sich wehren“ zu müssen. Und ein halbes Jahrhundert nach der Mondlandung im Juli 1969 glauben nach wie vor viele Menschen, dass die ganze Aktion gar nicht stattgefunden hat, sondern ein „Fake“ war, inszeniert in den Filmstudios von Hollywood. „Verschwörungstheorien“ sind en vogue. Offenbar bietet ihnen das Internet einen besseren Nährboden, als es die gedruckten Medien früher taten. > mehr

13.07.2019 - DEUTSCHE LITERATUR

"Das Naheliegende darstellen, ohne jedoch gewoehnlich und langweilig zu sein"

Vor 200 Jahren wurde Gottfried Keller geboren

Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg hat einmal bemerkt, dass die Autoren der meisten deutschen Entwicklungsromane seit Goethe den Erfolg ihrer Helden nur so zu sichern wussten, dass sie für ihn ein Leben abseits der sozialen und ökonomischen Realität arrangierten, mit poetischen „Residenzen und Rosenhäusern“. Die große Ausnahme bildet Gottfried Kellers Roman „Der grüne Heinrich“. Als Gottfried Keller die Lebensgeschichte seines Heinrich Lee konzipierte, zählte er 23 Jahre. Am 19. Juli 1819, vor nunmehr 200 Jahren, in Zürich geboren, hatte er zunächst eine Karriere als Landschaftsmaler ins Auge gefasst. Ausgestattet mit einer kleinen Erbschaft, zog er nach München, das damals die große Kunstmetropole Mitteleuropas war. Doch der Erfolg blieb aus, das ideale Selbstbild eines großen Künstlers, das Keller von sich selbst gepflegt hatte, ließ sich auf dem Kunstmarkt nicht verwerten. > mehr

08.07.2019 - POLITISCHE KULTUR

Geringe Schwerkraft auf dem Mond und die Belastbarkeit von Baustahl

Naturwissenschaftliche Argumente gegen Verschwoerungstheorien

21. Juli 1969, vor 50 Jahren. Punkt 3 Uhr 56 MEZ betrat der amerikanische Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Nachdem auch sein Kollege Buzz Aldrin die Landefähre verlassen hatte, rammten die beiden einen Fahnenmast in den Boden. Hunderte Millionen Menschen auf der Erde konnten live beobachten, wie die amerikanische Flagge auf dem Erdtrabanten hin und her schwang. Moment mal: Auf dem Mond gibt es keine Atmosphäre, da kann die Flagge doch gar nicht im Wind geflattert sein? Seit 50 Jahren hält sich die Theorie, die ganze Mondlandung wäre bloß ein Fake, gedreht in den Hollywood-Studios. Mit kleinen Fehlern, wie sie Fälschern nun einmal unterlaufen, zum Beispiel mit einer wehenden Flagge, obwohl die dargestellte Geschichte doch an einem Ort spielen soll, an dem kein Wind die Flagge in Bewegung setzen könnte. > mehr

28.06.2019 - ZEITGESCHICHTE

"Das groesste Verbrechen gegen die Menschheit und die Freiheit der Voelker"

Deutschlands Schuld oder Unschuld am Ersten Weltkrieg

Die Sieger schreiben die Geschichte, so behauptet der Volksmund. Es gibt Fälle aus der Geschichte der Historiographie, die diese These zu bestätigen scheinen. Das älteste Werk der europäischen Geschichtsschreibung, Herodots „Perserkrieg“, wurde von einem Griechen geschrieben, einem Angehörigen des Volkes, das den Angriff des persischen Großreiches siegreich abgewehrt hatte. Doch gleich das zweitälteste Werk bietet ein Gegenbeispiel. Thukydides, der Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. seine Geschichte des Peloponnesischen Krieges schrieb, war Athener, und Athen hatte diesen Krieg gegen Sparta katastrophal verloren. „Der Besiegte schreibt die Geschichte“, stellte der Historiker Reinhard Koselleck den Spruch 1988 auf den Kopf. Die Sieger würden sich im Gefühl ihres Triumphes allenfalls eine Art von „Teleologie“ zimmern, den Schein eines langfristigen Trends, der mit historischer Notwendigkeit auf ihren Sieg hin geführt hätte. „Anders die Besiegten. Deren Primärerfahrung ist zunächst, dass alles anders gekommen ist als geplant oder erhofft. Sie geraten, wenn sie überhaupt methodisch reflektieren, in eine größere Beweisnot.“ > mehr

25.06.2019 - SPORT

Helden im postheroischen Zeitalter

Der Spitzensport und sein Publikum

„Unglücklich das Land, das keine Helden hat!“, ruft Galileo Galileis Schüler Andrea in Bertolt Brechts Stück aus. Sein Lehrer berichtigt ihn: „Nein. Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.“ Eine Stelle, die jedes Mal Szenenapplaus hervorruft. Im Beifall zum Dichterwort bekräftigt das Publikum seine, wie der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler es 2015 ausdrückte, „postheroische“ Einstellung. Gerade auf dem klassischen Feld von „Helden“ und „Heldentaten“, im Militärischen, ist uns der Gedanke, da sei irgendetwas verehrungswürdig, abhanden gekommen. Wenn es allerdings darum geht, Menschenleben zu retten – zum Beispiel nach dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 – sprechen wir eben doch von Helden. Und auf einem Gebiet ist von „Helden“ geradezu inflationär die Rede: im Sport. > mehr

18.06.2019 - GESCHICHTE

Bewundert viel und viel gescholten

Vor 500 Jahren starb Lucrezia Borgia, Papsttochter und Herzogin von Ferrara

Eine blonde Frau mit braunen Augen. In der rechten Hand trägt sie einen kleinen Blumenstrauß, die Kopfbedeckung ist von Buchsbaumzweigen umfasst. Der Schmuck um den Hals und auf der Stirn lässt vermuten, dass eine vermögende Dame dargestellt ist. Die linke Brust ist entblößt. „Weibliches Idealbildnis“, vermerkt der Katalog des Städelschen Kunstinstituts in Frankfurt am Main zum Gemälde des italienischen Renaissancemalers Bartolomeo Veneto, das vielleicht 1517 oder 1518 entstand, „gekleidet als Frühlingsgöttin Flora“. Andere Erläuterungen werden deutlicher: „Idealbildnis einer Kurtisane“. Das hat nicht daran gehindert, dass Venetos „Kurtisane“ gern als Portrait der Papsttochter Lucrezia Borgia gehandelt wurde, die zu dieser Zeit längst Herzogin von Ferrara war und dort als Muster eines sittsamen Lebenswandels gepriesen wurde. > mehr

13.06.2019 - MUSIKTHEATER

"Sie koennte Tote erwecken, diese Musik"

Vor 200 Jahren wurde Jacques Offenbach geboren

Es war am 8. Dezember 1881. Im Wiener Ringtheater sollte „Hoffmanns Erzählungen“ gegeben werden, das letzte Werk von Jacques Offenbach, der im Jahr zuvor in Paris verstorben war. Als zu Beginn der Vorstellung der Gasbrenner auf der Hinterbühne angezündet wurde, gerieten Teile der Dekoration in Brand. Ein heftiger Luftstoß trieb Hitze und Rauch in den vollbesetzten Zuschauerraum. Etwa 400 Menschen fielen den Flammen zum Opfer. Die Musikwelt war erschüttert. Nein, nicht die ganze Musikwelt. „Wer in einem solchen Theater beisammensitzt, ist das nichtsnutzigste Volk“, kommentierte Richard Wagner. Wenn so und so viele aus dieser Gesellschaft umkommen, während sie einer Offenbachschen Operette beiwohnen, worin sich auch nicht ein Zug von moralischer Größe zeigt, das lässt mich gleichgültig, das berührt mich kaum.“ > mehr

06.06.2019 - RELIGIONSGESCHICHTE

"Bis an die Grenzen der Erde"

Der Missionsgedanke in der Religionsgeschichte

Wenn der amerikanische Erweckungsprediger Jonathan Edwards Recht behalten hätte, müssten wir seit einigen Jahren in einem irdischen Paradies leben. 1749 entwickelte er einen Plan für die folgenden zweieinhalb Jahrhunderte: „Bis 1800 könnte in dem protestantischen Teil der Welt die wahre Religion die Oberhand gewonnen haben.“ „Im nächsten halben Jahrhundert müsste dann das päpstliche Reich des Antichristen überwältigt und in den folgenden 50 Jahren die mohammedanische Welt unterworfen und die jüdische Welt bekehrt werden.“ „Dann stünde noch ein ganzes Jahrhundert zur Verfügung, um die gesamte Heidenwelt zu erleuchten“, „sowie alle Häresien, Schismen, Schwärmereien, Laster und Immoralitäten auf der ganzen Welt auszurotten.“ „Hernach“ - Edwards‘ Rechnung zufolge also etwa seit dem Jahr 2000 – „wird die Welt die heilige Ruhe des Sabbats genießen.“ Ob diese Vision dem amerikanischen Politikwissenschaftler Francis Fukuyama wohl bekannt war, als er 1992 das „Ende der Geschichte“ ausrief und die weltweite Durchsetzung der „liberalen Demokratie“ mit Grundrechten und Rechtsstaatsprinzip und Marktwirtschaft prophezeite? > mehr

02.06.2019 - KULTURGESCHICHTE

Hering, Findlinge und Backsteingotik

Eine Kulturgeschichte der Ostsee, von der Eiszeit bis zur Digitalisierung

Als im Sommer 1956 schwedische Archäologen auf der kleinen Insel Helgö westlich von Stockholm Reste eines Handelsplatzes aus dem frühen Mittelalter ausgruben, da fanden sie unter anderem eine zehn Zentimeter hohe Bronzeskulptur: einen meditierenden Buddha, der auf einer Lotusblüte sitzt. Stilvergleiche zeigten, dass er etwa im 6. Jahrhundert in Nordindien angefertigt wurde, im Grenzgebiet zum heutigen Afghanistan. Etwa 200 Jahre später gelangte er in den schwedischen Boden. Ein Stück Indien an der Ostsee, im frühen Mittelalter … Man braucht nicht anzunehmen, meint der Kieler Nordeuropa-Historiker Martin Krieger in seiner neu erschienenen Kulturgeschichte des Ostseeraums, dass indische Kaufleute bis nach Schweden hin Geschäfte getätigt hätten. Wahrscheinlicher ist, dass der Buddha auf seinem Weg einige Male den Besitzer wechselte. > mehr

27.05.2019 - KUECHE

"Die gebratenen Gaense fuehlen sich geschmeichelt, wenn man sie verzehrt"

Eine Kulturgeschichte der franzoesischen Kueche

„Wie wollen Sie ein Land regieren, in dem es 246 verschiedene Käsesorten gibt?“, soll Charles de Gaulle einmal geseufzt haben. Vielleicht sind es auch ein paar Sorten mehr. Maurice Edmond Sailland alias Curnonsky, der Begründer des „Guide Michelin“, zählte in seinem „Trésor gastronomique“ von 1933 nicht weniger als 456 „fromages“ auf. Der Käse und der Champagner, die pralinés und die berühmt-berüchtigte Stopfleber – es war ein stolzer Moment für die „grande nation“, als die UNESCO am 19. 11. 2010 den „repas gastronomique des Français“ auf die Liste des immateriellen Weltkulturerbes setzte, gleichrangig mit der Kathedrale von Chartres.Der Kulturhistoriker und Restaurantkritiker Peter Peter zitiert in seiner neuen „Kulturgeschichte der französischen Küche“ eine Äußerung des Naturforschers Pierre Belon aus dem Jahr 1555: „Wir glauben, dass die anderen Nationen nicht so viele Gerichte in ihrer Sprache aufzuzählen wüssten wie die Franzosen.“ > mehr

20.05.2019 - PHILOSOPHIE

Bildhauerarbeit an sich selbst

Diskussionen um die Lebenskunst in Antike und Gegenwart

„Lebenskunst ist die Kunst des Weglassens“, sagte einmal Coco Chanel. „Das fängt beim Reden an und endet beim Décolleté“. Ob die Modedesignerin wohl ahnte, wie intensiv sie sich mit ihrem leicht dahingeworfenen Bonmot an die philosophischen Reflexionen zum Thema „Glückseligkeit“ seit der Antike anschloss? Im Zeitalter des Hellenismus hatten die Vertreter der stoischen wie der epikureischen Schule gelehrt, der geeignete Weg zur Ausgeglichenheit und zum inneren Frieden bestehe in einem „Weglassen“, nämlich in der Kunst, seine Bedürfnisse zu reduzieren. Es sei nicht ein Zuwenig an Sinnerfüllung, das uns unglücklich mache, sondern ein Zuviel an Sinnerwartung. Der Kölner Erziehungswissenschaftler Jörg Zirfas und der Berliner Psychotherapeut Günter Gödde haben einen umfangreichen Sammelband mit fast 50 Artikeln zum Thema „Lebenskunst“ erstellt. > mehr

12.05.2019 - DEUTSCHE GESCHICHTE

Die Geburtsstunde Deutschlands?

Vor 1.100 Jahren wurde der Sachsenherzog Heinrich zum Koenig des Ostfraenkischen Reiches gewaehlt

„Herr Heinrich saß am Vogelherd“, dichtete 1835 der österreichische Schriftsteller Johann Nepomuk Vogl, „recht froh und wohlgemut“, „Herr Heinrich schaut so fröhlich drein; wie schön ist heut‘ die Welt!“ Doch die Idylle hat keinen Bestand. „Der Staub wallt auf, der Hufschlag dröhnt“, „es hält der Tross vor‘m Herzog plötzlich an.“ „Hoch lebe Kaiser Heinrich, hoch!“, „s‘ist deutschen Reiches Will‘.“ In der Vertonung, die der pommersche Komponist Carl Loewe dem Gedicht gab, hat sich die Schilderung dem kollektiven Gedächtnis eingeprägt: So, ja so muss es abgelaufen sein, als im Frühjahr 919 das „Kaiserreich der Deutschen“ entstand. Wenn es jemand nicht glauben will: In Quedlinburg ist heute noch der „Finkenherd“ zu sehen, ein Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert, das präzise an der Stelle stehen soll, wo einer Legende aus dem hohen Mittelalter zufolge der Sachsenherzog Heinrich bei der Vogeljagd von der Nachricht überrascht wurde, er sei zum König des Ostfränkischen Reiches gewählt worden. > mehr

07.05.2019 - POPULAERKULTUR

Scheppernde Musik, lange Haare, ekstatische Gliederverrenkungen

Die "Pop Society" in den 1950ern und 1960ern

Die Rolling Stones waren noch gar nicht aufgetreten, als bereits Feuerwerkskörper gezündet wurden, Schuhe und Unterwäsche flogen auf die Bühne. Nur mit viel Mühe konnten Ordner die Bühne für die Musiker freihalten. Zehn Minuten, nachdem Mick Jagger & Co. zu spielen begonnen hatten, stürmten einige Dutzend Fans das Podium, sie wollten unbedingt gleich neben ihren Idolen stehen. Polizisten räumten die Bühne mit dem Knüppel, damit das Programm fortgesetzt werden konnte. Viele der Zuschauer stiegen auf die Bänke und hüpften rhythmisch, bis die ersten Bretter splitterten. Das Konzert der Rolling Stones 1965 in Berlin war einer der Höhepunkte der „Jugendkultur“ der 60er Jahre. > mehr



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