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23.05.2020 - TIMBROLOGIE

Was die Staaten zur Schau tragen wollen

Geschichtskultur und Politik ueber Briefmarken

1980 wollte die Deutsche Bundespost die Einführung des Weinbaus hierzulande würdigen. Die drei Bilder auf der 50-Pfennig-Briefmarke zeigten die Arbeit im Weinberg, in der Kelter und im Keller. „Zwei Jahrtausende Weinbau in Mitteleuropa“ besagte die Aufschrift. „Zwei Jahrtausende“ – das würde etwa 20 v. Chr. bedeuten, ein Vierteljahrhundert, nachdem Caesars Truppen die Gebiete an Rhein und Mosel erreicht hatten. Dass die ersten römischen Siedler gleich damit begannen, Wein anzubauen, ist aber ganz unwahrscheinlich, meint der Mittelalter-Historiker Achim Thomas Hack von der Universität Jena im neu erschienen Sammelband zur Kulturgeschichte der deutschen Briefmarke. Sicherlich wurde der Rebensaft einige Jahrzehnte lang noch aus dem Süden importiert. Mit dem großen Jubiläum hätte man, streng genommen, also noch eine Weile warten müssen. Ein bisschen zu spät kam dagegen 1998 die Briefmarke „Über 1.100 Jahre Hopfenanbau in Deutschland“. > mehr

18.05.2020 - PHILOSOPHIE

Passt nicht auf weite Teile der Welt

Die Saekularisierung im Abendland - und die Schwierigkeiten eines Exports

Nach dem 11. September 2001 befragte die Regierung der USA die RAND Corporation, wie potentiell terroristischen Strömungen im Islam entgegenzuwirken sei. Die Forscher des Think Tanks betonten in ihrer Antwort, problematischer als die Gewaltbereitschaft einzelner extremistischer Gruppen sei das Verhältnis vieler Muslime zu ihrer religiösen Tradition. Anders als im Christentum habe es im Islam bislang so etwas wie Reformation und Aufklärung nicht gegeben. Die „natürlichen Verbündeten“ des „Westens“ seien deshalb jene Muslime, die sich für eine „liberale“ Interpretation des Islams geöffnet hätten. Gedanken, die in Nordamerika und Europa viel Zustimmung fanden. In Teilen der islamischen Welt dagegen, berichtet die Anthropologin Saba Mahmood von der University of California, Berkeley, in ihrem Beitrag zum neu erschienenen Sammelband zum Thema „Säkularisierung“, wurden sie als herabwürdigende Pädagogik wahrgenommen, als „paternalistischer Gestus“. > mehr

13.05.2020 - MALEREI

Was nach dem Goldgrund kam

Sechs Jahrhunderte Welt- und Naturbilder in der Malerei

Links im Bild sitzt mit gefalteten Händen der Kanzler des Herzogtums Burgund, Nicolas Rolin. Der Blick des mächtigen Staatsmanns wirkt seltsam abwesend. Vielleicht, meinen die Kunsthistoriker, weil er die Madonna mit Kind, die vor ihm thront, nicht mit seinen irdischen Augen „sieht“; sie erscheint vielmehr seiner inneren Vorstellungskraft. Im Hintergrund, durch eine Säulenreihe hindurch, ist dagegen eine sehr real wirkende Flusslandschaft zu sehen. Drei Generationen vor dieser „Madonna des Kanzlers Rolin“, die der flämische Maler Jan van Eyck um 1435 schuf, wäre eine solche Landschaft noch unvorstellbar gewesen. Heiligenbilder hatten einen Goldgrund, der das göttliche Licht vertrat. Es weist auf einen Wandel im Verhältnis zur sinnlich wahrnehmbaren Welt hin, erklärt die Münchner Kunsthistorikerin Barbara Eschenburg in ihrer Studie über „Naturbilder – Weltbilder“, dass dieses Gold nach und nach durch die Landschaftsmalerei abgelöst wurde. In van Eycks gelbgolden glänzenden Himmel wirkt der alte Goldgrund noch nach. > mehr

08.08.2020 - DEUTSCHE LITERATUR

So wahr ich luege!

Vor 300 Jahren wurde Hieronymus Carl Friedrich von Muenchhausen, der Luegenbaron, geboren

Alles begann mit „Jägerlatein“. Im Alter von gerade einmal 17 Jahren hatte es den Freiherrn Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen ins Zarenreich verschlagen. Dort nahm er an Russlands Kriegen gegen die Osmanen und gegen Schweden teil. In Ruhepausen ging er gemeinsam mit einem Freund, dem wenige Jahre älteren baltischen Landadligen Georg Gustav von Dunten, auf dessen Gut im heutigen Lettland der Entenjagd nach. Und selbstverständlich wurde nach der Jagd in geselliger Runde geflunkert, was das Zeug hielt. Der junge Münchhausen muss ein wahrhaft begnadeter „Jägerlateiner“ gewesen sein. Am 11. Mai 1720, vor nunmehr 300 Jahren, war der „Lügenbaron“ in Bodenwerder bei Holzminden geboren worden. Nachdem er 1750 seinen Abschied aus der russischen Armee genommen hatte und in die Heimat zurückgekehrt war, widmete er sich der Verwaltung seines ererbten Landgutes. Und seinen Passionen, also der Jagd und dem Erzählen unglaublicher Geschichten. > mehr

05.05.2020 - LINGUISTIK

Haare auf den Zaehnen und ein Brett vorm Kopf

Redewendungen rund um den menschlichen Koerper

Warum haben manche Menschen eigentlich „Haare auf den Zähnen“? In Schillers „Räubern“ vor fast 240 Jahren war noch vom „Haar auf der Zunge“ die Rede. Aber ob nun auf der Zunge oder auf den Zähnen – jedenfalls an einer Körperstelle, wo keine Haare wachsen. Der Ursprung der Wendung, meint der Autor Rolf-Bernhard Essig, der bereits mehrere Bücher über Sprichwörter und Redensarten veröffentlicht hat, liegt im Umstand, dass Männern mit der Pubertät überall oder fast überall am Körper Haare wachsen, Frauen dagegen nicht. Aufgrund der früher üblichen Aufgabenteilung, dass Männer und nur Männer für den Kampf zuständig waren, wurden Haare mit Mut assoziiert. Und Haare an Stellen, wo sie eigentlich nicht wachsen, mit ungehöriger Streitlust, vor allem bei Frauen. Essig hat in seinem neuen Buch etwa 500 Redewendungen rund um den menschlichen Körper unter die Lupe genommen, „von Kopf bis Fuß“. > mehr

01.05.2020 - ALTE GESCHICHTE

Ein Opfer des eigenen Erfolgs - und einer Laune der Umwelt

Klimawandel und Seuchen beim Untergang Roms

Wäre die deutsche Übersetzung von Kyle Harpers Studie zur Spätantike ein paar Wochen später konzipiert worden – auf dem Einband wäre vielleicht eine etwas andere Formulierung zu lesen. „Das Klima und der Untergang des Römischen Reiches“ lautet jetzt der Untertitel. Im englischen Original, das 2017 herauskam, ist nicht nur von „climate“, sondern auch von „disease“ die Rede. Warum auch immer – die Übersetzer haben, kurz vor dem Ausbruch von Corona, die „Krankheiten“ wegfallen lassen. Der Untergang des Römischen Reiches gehört seit zweieinhalb Jahrhunderten zu den meistdiskutierten Fragen der historischen Wissenschaft. Mittlerweile soll es dazu mehr als 200 Theorien geben. „Manche halten der Prüfung besser stand als andere“, konstatiert der Altertumswissenschaftler Kyle Harper von der University of Oklahoma. Harper arbeitet in seiner Studie die Bedeutung zweier „natürlicher“ Faktoren heraus: erstens des Klimas, zweitens der Pandemien. > mehr

26.04.2020 - DEUTSCHE GESCHICHTE

Keine Sizilianisierung Deutschlands

Vor 800 Jahre wurde die Foederalisierung Deutschlands erstmals rechtlich festgeschrieben

Im historischen Rückblick betrachtet, war es eine der meist gescholtenen Maßnahmen, die jemals von einem deutschen Staatsoberhaupt getroffen wurden. Als Gegenleistung für die Hilfe, die ihm die geistlichen Fürsten bei der Wahl seines Sohnes Heinrich zum deutschen König gewährt hatten, trat Kaiser Friedrich II. ihnen einige wichtige „Regalien“, also Königsrechte, ab. Für die Zukunft verzichtete er darauf, in den Gebieten der Bischöfe Burgen und Städte zu errichten sowie Münzen und Zölle einzurichten. Die Urteile der Gerichte in diesen Territorien sollten unmittelbar als Reichsrecht gelten. Die „Confoederatio cum principibus ecclestiacis“ die vom 26. April 1220, vor 800 Jahren, gilt heute als wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des deutschen Föderalismus. Erstmals wurde in dieser Vereinbarung zwischen dem Kaiser und den „Fürsten der Kirche“ ein Eigenrecht der „Landesherren“ gegenüber der kaiserlichen und königlichen Zentralgewalt rechtlich festgeschrieben. > mehr

23.04.2020 - RECHT

Furcht vor der Aufklaerung, Furcht um die Aufklaerung

Das umkaempfte Menschenrecht der Religionsfreiheit

2006 klagte im kanadischen Québec ein Jugendlicher aus der Gemeinschaft der Sihks gegen die Schulbehörde. Die Schule hatte ihm verbieten wollen, im Unterricht seinen „Kirpan“, den rituellen Dolch seiner Religionsgemeinschaft, mit zu führen. Ein Verstoß gegen die durch Verfassung und Völkerrecht garantierte Religionsfreiheit? Der kanadische Supreme Court gab dem Schüler Recht, verlangte jedoch eine Sicherheitsvorkehrung: Die Waffe müsse in eine Jacke eingenäht werden, dürfe also nicht zugänglich sein. Es liegt im Begriff der Religionsfreiheit, betonen der Philosoph Heiner Bielefeldt von der Universität Erlangen-Nürnberg und Michael Wiener vom UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte in Genf in ihrem neuen Buch über dieses „umkämpfte Menschenrecht“, dass der geforderte Pluralismus „über das hinausreicht, was man in liberalen Kreisen gewöhnt ist“. Mit der Folge, dass der Religionsfreiheit „auch von liberaler Seite manchmal Skepsis entgegenschlägt. > mehr

18.04.2020 - ETHNOLOGIE

Die Raben stuerzten sich hinterher

Die Sitte des Senizids in fruehen Nomaden- und Agrarkulturen

Der „Duden“ kennt nicht einmal das Wort, selbst im „Fremdwörter-Duden“ findet sich kein Eintrag. Bislang war der Begriff „Senizid“, übersetzt „Altentötung“, nur in der Ethnologie gebräuchlich, als Fachterminus für den Umstand, dass es bei manchen Völkern üblich war, sich alter Menschen durch Tötung zu entledigen. Allzu fremdartig und barbarisch erschien diese Sitte. Angesichts von Corona macht nun das Wort von einem modernen Senizid die Rede. Nur die Autokorrekturfunktion des Computers sperrt sich noch: Sie will das Wort in „Suizid“ „verbessern“. Bei wachsenden Infektionszahlen, also auch steigender Belastung des Gesundheitssystems, ist die Frage aktuell, welche Unkosten die Gesellschaft zu tragen bereit ist, um das Leben alter Menschen zu erhalten. Wenn die Ressourcen der Krankenversorgung nicht ausreichen, stellt sich das Problem der „Triage“. Mit einem Begriff aus der Evolutionstheorie könnte man auch sagen: der „Selektion“. > mehr

13.04.2020 - BRAUCHTUM

Die Freundlichkeit des anderen erschnueffeln

Begruessungsrituale - vom Speerewerfen bis zum Handschlag

Andere Länder, andere Sitten. In Neuseeland begrüßten die Maori früher ihre Besucher, indem sie ihnen Speere entgegen warfen, die knapp vor den Füßen der Fremden in den Boden gingen. Eine Geste der Hochachtung, vergleichbar mit den Salutschüssen, wie sie heute bei Staatsbesuchen international üblich sind. Danach tauschten Gastgeber und Gast einen „Riechgruß“ aus, indem sie ihre Nasen vorsichtig gegeneinander drückten. Nicht etwa aneinander rieben, wie frühe Entdeckungsreisende aus Europa dieses Ritual missdeuteten. Das wäre ein Fauxpas gewesen, ähnlich wie beim Handkuss in Europa der Kuss ja auch nur angedeutet werden darf. Das Speerewerfen ist unüblich geworden. Dagegen wird der Nasengruß, der sogenannte „Hongi“, weiter gepflegt, sowohl gegenüber Touristen als auch gegenüber den Staatsgästen Neuseelands. Zur Zeit allerdings empfehlen die Regierung und die Autoritäten der Maorigemeinschaft, auf die alte Sitte zu verzichten. > mehr

08.04.2020 - THEATER

Wie leidest du so grosse Not um aller Menschen Suenden willen!

Die Tradition der Passions- und Osterspiele

„Wen sucht ihr im Grab, ihr Anhängerinnen Christi?“, fragen die Engel. Und die Frauen antworten: „Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten, ihr Himmelsboten.“ „Er ist nicht hier. Er ist auferstanden, wie er es vorausgesagt hat. Geht und verkündet, dass er aus dem Grab auferstanden ist.“ Mit diesem gesungenen Dialog wurde einem Manuskript aus St. Gallen zufolge im 10. Jahrhundert in den Klöstern die Osterliturgie gefeiert. In der Folge wurde der Dialog zwischen den Frauen und den Engeln nach und nach um weitere, zum Teil frei erfundene Episoden erweitert. Etwa durch das „Krämerspiel“, das den Kauf der Salben darstellte; das gab Anlass zu allerlei Spitzen gegen das Kaufmannswesen. Und die Auferstehung wurde um ihre Vorgeschichte ergänzt, die mit der Zeit den Schwerpunkt der Spiele zur Karwoche und zu Ostern ausmachte, das Leiden und Sterben Jesu. Heute sind von diesem religiösen Theater vor allem noch die „Oberammergauer Passionsspiele“ erhalten geblieben > mehr

03.04.2020 - KUNSTGESCHICHTE

Ein Kuenstler als Weltmacht

Vor 500 Jahren verstarb Raffael

Wenn die Besucher der Ewigen Stadt die Antikensammlungen in den Vatikanischen Museen absolviert haben, spätestens dann zieht es sie magisch zum Höhepunkt, hin zur Sixtinischen Kapelle. Der Gang der Touristenmassen durch den langen, schmalen Korridor mit den vielen Wandteppichen und gemalten Landkarten, der vorher zu bewältigen ist, entwickelt sich leicht zu einem Sturmlauf. Da ist die Versuchung groß, auch die letzten Räume unmittelbar vor dem Eingang zur Kapelle nur beiläufig zur Kenntnis zu nehmen. Dabei enthalten sie eines der großen „Highlights“ der Kunstgeschichte. 1508, im gleichen Jahr, als Michelangelo die Deckenfresken in der Kapelle begann, hatte Papst Julius II. die ersten Künstler Italiens beauftragt, ihm seine neuen Gemächer, die sogenannten „Stanzen“, auszumalen. Dass im Januar 1509 auch der erst 26-jährige Raffaele Sanzio da Urbino daran gehen durfte, eine der Wände zu gestalten, war vielleicht der Fürsprache seines alternden Lehrers Perugino zu verdanken. > mehr

29.03.2020 -KULTURGESCHICHTE

Wenn der Po zur Kusszone wird

Aus der Kulturgeschichte des Toilettenpapiers

Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern: Zu Zeiten der deutschen Teilung war Toilettenpapier ein beliebtes Mitbringsel, sowohl wenn Westdeutsche ihre Angehörigen in der DDR besuchten, als auch wenn Bürger der DDR von einem ihrer raren Besuche im Westen zurückkehrten. In der Bundesrepublik hatte das weiche, hautfreundliche, saugfähige Tissue-Papier, das Ende der 1950er Jahre aufgekommen war, eine stille, wenn man so will: sanfte Kulturrevolution ausgelöst. In der DDR musste sich die Bevölkerung dagegen weiter mit dem harten Krepppapier behelfen. Wer hätte das gedacht, dass Klopapier in der Gegenwart wieder zur Mangelware werden könnte? Zwangsläufig ist diese Methode, sich den Hintern abzuwischen, keineswegs. In vielen alten Kulturen wurde ganz einfach die Hand genommen. > mehr

24.03.2020 - THEOLOGIEGESCHICHTE

Die Wundertaten des Jesuskindes und die Rueckkehr der Seele in ihre Heimat

Die apokryphen Evangelien im fruehen Christentum

Jesus habe Maria Magdalena mehr geliebt als seine übrigen Jünger, heißt es in einer frühchristlichen Schrift, die 1945 von Bauern bei dem ägyptischen Dorf Nag Hammadi gefunden wurde, „er küsste sie oftmals“. Leider ist der Papyrus am Ende dieses Satzes beschädigt. Die ersten Herausgeber dieses sogenannten „Philippusevangeliums“ haben wie selbstverständlich ergänzt „auf ihren Mund“ und damit eine Welle von Spekulationen losgetreten: Gab es eine Liebesbeziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena? Das Philippusevangelium ist nur eines der vielen „apokryphen Evangelien“, die in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung entstanden. Der Neutestamentlers Jens Schröter von der Berliner Humboldt-Universität bietet eine Einführung in dieses Kapitel frühchristlicher Literaturgeschichte. > mehr

18.03.2020 - DEUTSCHE LITERATUR

Was zu tun indes und zu sagen, weiss ich nicht

Vor 250 Jahren wurde Friedrich Hoelderlin geboren

„Im Falle, dass die Franzosen glücklich wären, dürfe es vielleicht in unserem Vaterlande Veränderungen geben“, schrieb Friedrich Hölderlin im März 1799 aus dem Bad Homburg in Hessen an seine Mutter im württembergischen Nürtingen. Der Dichter, der heute als einer der größten Lyriker deutscher Sprache gilt, stand gerade vor seinem 29. Geburtstag. Welche Hoffnungen er auf den Vormarsch der französischen Truppen in Richtung Rhein setzte, zeigt das Trauerspiel „Der Tod des Empedokles“, an dem Hölderlin damals schrieb. „Dies ist die Zeit der Könige nicht mehr“, ließ er seinen Helden zu den Agrigentinern sagen. „Schämet euch, dass ihr noch einen König wollt.“ Wie konkret diese Hoffnungen auf einen revolutionären Umbruch waren, inwieweit Hölderlin in die Pläne für eine „Schwäbische Republik“ eingeweiht war, die damals in Intellektuellenkreisen kursierten – das gehört bis heute zu den großen Rätseln der deutschen Literaturgeschichte. > mehr

12.03.2020 - IDEENGESCHICHTE

Der Mythos von den geborenen Kaufleuten

Geschichte des Antisemitismus - vor und nach dem Holocaust

Es war während des „Frankfurter Häuserkampfs“ in den frühen 1970er Jahren. Im Stadtteil Westend blühte die Grundstücksspekulation. Unter den Kaufleuten, die daran verdienten, waren auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Bei einer der Demonstrationen, erzählt der spätere Professor für Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität und Direktor des Fritz-Bauer-Instituts, Micha Brumlik, ging er neben einem Kommilitonen, der nach der Wiedervereinigung bei der Linkspartei Karriere machte. Der legte Brumlik gönnerisch den Arm um den Hals und sagte: „Ach, weißt du, Micha, du bist doch ganz anders als die anderen Juden.“ Brumlik hat sein neues Buch über die Geschichte des Antisemitismus vor und nach dem Holocaust mit einigen persönlichen Erinnerungen eingeleitet. Fälle von Alltags-Antisemitismus, die sich natürlich nicht mit dem nationalsozialistischen Massenmord in eine Reihe stellen lassen. Und dennoch … > mehr

06.03.2020 - PHILOSOPHIE

Materialismus und Soziologismus - und die Sehnsucht nach dem Bruch

Eine Philosophiegeschichte unserer Gegenwart

Die Philosophie sei „ihre Zeit, in Gedanken erfasst“, sagte einst Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Der „Zeitgeist“ als Stufe in der Entwicklung des Weltgeistes zu seiner Selbstverwirklichung: Hegels Zeitgenosse Goethe scheint da ein Stück weniger zuversichtlich gewesen zu sein. „Was ihr den Geist der Zeiten heißt“, ließ er seinen Faust sagen, „das ist im Grund der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln.“ Dass das europäische Denken der Neuzeit vom Bemühen um „wissenschaftliche“ Erkenntnis geprägt ist, lässt sich wohl kaum bezweifeln. Und „das wissenschaftliche Weltbild“ unserer Gegenwart „ist materialistisch“, konstatiert der Frankfurter Soziologe Gerhard Preyer im abschließenden 14. Band der „Geschichte der Philosophie“, die in den letzten Jahren im Verlag C. H. Beck herausgekommen ist. > mehr

26.02.2020 - KIRCHENGESCHICHTE

Keine Ruecksicht auf die oeffentliche Meinung, wenn es um die Wahrheit geht

Vor 150 Jahren tagte das I. Vatikanische Konzil

Der kroatische Bischof Joseph Georg Stroßmayer griff zu einem drastischen Vergleich: „Die römischen Kaiser wurden durch einen servilen Senat zum Gott erhoben. Heute macht sich jemand selbst zum Gott, und wir sollen es unterschreiben.“ Stroßmayers Rede auf dem Ersten Vatikanischen Konzil löste einen Sturm der Entrüstung aus. Von anderen Bischöfen, die für das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit, der „Infallibilität“, eintraten, wurde er als „Protestant“ beschimpft. Und natürlich wurde sein Gedanke von der anti-katholischen Publizistik der Zeit gern aufgegriffen. Radikale unter den Befürwortern des Dogmas wiederum versuchten, das Argument ins Positive zu wenden. Das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes – es ist das, was sich der Mitwelt und Nachwelt vom Ersten Vatikanischen Konzil 1870/71 eingeprägt hat. > mehr

20.02.2020 - BRAUCHTUM

Wo die Vergnuegungen am raffiniertesten sind

Karneval in Venedig

Goethe war in Verlegenheit. Am 28. September 1786 war er in Venedig eingetroffen und wollte sich nun gern einen „tabarro“ anschaffen, einen schwarzen Maskenmantel. „Denn man läuft schon in der Maske“, notierte er in sein Tagebuch. „Schon“ – in Venedig begann der Karneval Anfang Oktober und dauerte zunächst einmal bis zum Advent. Am Dreikönigstag ging das närrische Treiben erneut los, nun feierte man ununterbrochen bis zum Aschermittwoch, wenn um Mitternacht die Totenglocken von San Francesco della Vigna die Fastenzeit einläuteten. Zusätzlich gab es vor Pfingsten, in der Himmelfahrtswoche, noch einen „kleinen“ Karneval. Politisch besaß die Republik des hl. Markus, die einst wesentlichen Anteil daran gehabt hatte, dass Europa nicht von den Türken erobert wurde, im 18. Jahrhundert keine große Bedeutung mehr. Doch die Stadt wusste sich einen Ruf als die große Metropole des Vergnügens zu sichern – oder, wenn man es abwertend sehen wollte, der Ausschweifung. > mehr

14.02.2020 - FILM

Nostalgie nach einem unversehrten Deutschland

Die Themen Judentum und Antisemitismus in Thomas-Mann-Verfilmungen nach dem Zweiten Weltkrieg

Dass ein Bundespräsident bei einer Film-Uraufführung spricht, kommt nicht alle Tage vor. Als am 16. Dezember 2008 in der Essener „Lichtburg“ Heinrich Breloers „Buddenbrooks“-Film erstmals gezeigt wurde, ließ sich Horst Köhler wohl recht gern bitten. „Für uns Deutsche“, sagte er in seiner Festrede, „ist dieses Buch immer noch wie ein Spiegel unseres Wesens und unserer Kultur - wenn auch aus einer vergangenen Zeit.“ „Wenn wir nur genau hinsehen, können uns auch alte Geschichten etwas über uns selber erzählen.“ Mit Spiegelbildern von uns selbst und von unserer Vergangenheit ist das aber so eine Sache. Einmal davon abgesehen, dass bei dem Versuch, einen Roman zu verfilmen, im besten Fall ein ganz neues Kunstwerk herauskommt, im schlimmsten bloß eine Verhunzung des alten – ganz allgemein wird bei solchen „Spiegeln“ das Bedürfnis übermächtig, im Sinne eigener Selbstliebe zu retuschieren. Der Germanist Yahya Elsaghe von der Universität Bern hat jetzt in einer umfangreichen, ungemein detaillierten Studie die „Aneignung“ von Thomas Manns Erzählwerk durch Kino und Fernsehen im Deutschland der Nachkriegszeit analysiert. > mehr



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