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22.05.2013 - GESCHICHTE
Vor 150 Jahren gründete Ferdinand Lassalle die erste Arbeiterpartei in Deutschland
Höher hätte Ferdinand Lassalle kaum greifen können. Sofern der deutsche Arbeiterstand „nicht bis zum Entsetzen träge und schläfrig“ sei, schrieb er im März des Jahres 1863 an seine Gönnerin, Sophie Gräfin von Hatzfeldt, dann müsse sein Manifest „ungefähr eine Wirkung hervorrufen wie die Thesen an der Wittenberger Schlosskirche“. Lassalle wollte eine Partei gründen, die erste Arbeiterpartei in Deutschland. Und er hatte keinen Zweifel, dass seine neue Partei sich in den Parlamenten bald durchsetzen müsste – erst recht dann, wenn einmal das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht durchgesetzt wäre. „Meine Herren, es gibt keine Macht, die sich dem lange widersetzen würde!“ appellierte er an den deutschen „Arbeiterstand“. Am 11. Februar 1863 hatte ein Komitee von Leipziger Arbeiterführern mehrere Nationalökonomen gebeten, ihre Meinung über die Strategie der Arbeiterbewegung darzulegen. Bereits am 1. März unterzeichnete Lassalle sein „Offenes Antwortschreiben“. Keine zwei Monate später, am 23. Mai 1863, vor 150 Jahren, wurde in Leipzig auf der Grundlage dieses Manifests der „Allgemeine Deutsche Arbeiterverein“ gegründet, die älteste unter den Vorläuferorganisationen der heutigen SPD. > mehr
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19.05.2013 - MUSIKGESCHICHTE
Richard Wagner und die Deutschen - zum 200. Geburtstag
Fast 78 Jahre und kein bisschen weise ... Fünf Tage lang saß Winifred Wagner dem jungen Filmemacher Hans-Jürgen Syberberg gegenüber und redete und redete ... Vor allem über ihre Freundschaft mit „Wolf“ alias Adolf Hitler. „Wenn Hitler heute hier zur Tür hereinkäme, ich wäre genauso fröhlich und so glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben, als wie immer.“ Winifed beteuerte, sie sei ihr Leben lang völlig unpolitisch gewesen. „Ich bin im Stande, den Hitler, den ich kenne, vollkommen zu trennen von dem, was man heutzutage ihm alles zur Last legt.“ Bayreuth und die Politik ... Oder auch: Richard Wagner und die Deutschen ... Pünktlich zum 200. Geburtstag des Komponisten am 22. Mai hat der Historiker Sven Oliver Müller vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin einen Abriss dieser Beziehungsgeschichte heraus gebracht. > mehr
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17.05.2013 - THEOLOGIE
Vom Pfingstwunder zu den ersten Konzilien - die Entwicklung des christlichen Glaubensbekenntnisses
„Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dafür sind wir alle Zeugen.“ So lautet der zentrale Satz der Pfingstpredigt des Apostels Petrus; in den folgenden Kapiteln der Apostelgeschichte wird er oft wiederholt und variiert. Petrus und die Apostel vor dem jüdischen Hohen Rat: „Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr an das Holz gehängt und getötet habt, den hat Gott durch seine rechte Hand zum Fürsten und Heiland erhöht, um Israel Umkehr und Vergebung der Sünden zu gewähren.“ „Diesen Jesus hat Gott auferweckt ...“ Das ist bis heute das Zentrum des christlichen Glaubens. Die älteste uns überlieferte Fassung eines Glaubensbekenntnisses im Christentum findet sich im 1. Korintherbrief des Paulus, geschrieben in den 50er Jahren, also etwa vier Jahrzehnte vor der Apostelgeschichte. „Dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift, und dass er begraben worden ist, und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift ...“ Sehr früh kam der Brauch auf, bei der Taufe der neubekehrten Christen, ob nun Juden oder Heiden, eine Art „Glaubensbekenntnis“ zu sprechen. > mehr
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10.05.2013 - BRAUCHTUM
Allerlei Muttertage und Vatertage, Männertage und Frauentage
In unserer modernen Zeit, sagen böse Zungen, hätten die Floristenverbände jene Funktion übernommen, die früher von den Kirchen ausgefüllt wurde: durch Feiertage das Jahr zu gliedern. Und es ist nicht ganz falsch, für den Blumenhandel gibt es erstens den Muttertag am 2. Sonntag im Mai, zweitens den Valentinstag am 14. Februar und drittens, viel weniger beachtlich, den Rest des Jahres. Beinahe könnte man auf den Gedanken verfallen, die Floristen hätten diese beiden Hochfeiertage neu erfunden; aber ganz so war es doch nicht. Valentin geht auf Bräuche in der englischen Aristokratie der frühen Neuzeit zurück; der Muttertag entsprang vor gut hundert Jahren einer zunächst ganz und gar privaten Initiative. Am 12. Mai 1907, dem Sonntag nach dem zweiten Todestag ihrer Mutter, veranstaltete die amerikanische Methodistin Anna Maria Jarvis ein „Memorial Mother’s Day Meeting“. Bald nach dieser Feier kam Anna Maria auf die Idee, einen „offiziellen“ Muttertag zu schaffen. > mehr
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05.05.2013 - EXISTENZPHILOSOPHIE
Vor 200 Jahren wurde der religiöse Schriftsteller Sören Kierkegaard geboren
„Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar.“ Es gibt wenige andere Stellen in der Bibel, die modernen Lesern – auch oder gerade gläubigen Christen – derart anstößig erscheinen wie die Geschichte von Abraham und Isaak. Immanuel Kant sah nur eine einzige Möglichkeit, diese Stelle so zu deuten, dass sie seinem Kategorischen Imperativ nicht stracks zuwiderlief. Abraham hätte der vermeintlich göttlichen Stimme antworten müssen: "Dass ich meinen guten Sohn nicht töten soll, ist ganz gewiss; dass aber du, der du mir erscheinst, Gott seiest, davon bin ich nicht gewiss und kann es auch nicht werden." Für den dänischen Denker Søren Kierkegaard dagegen war das Wort Gottes eindeutig und erlaubte keine moralisierenden Umdeutungen. Als Philosoph konnte er Kant nicht widersprechen: Was Gott verlangte, war Mord. Aber als „religiöser Schriftsteller“, wie er sich selbst bezeichnete, wollte Kierkegaard, der vor 200 Jahren, am 5. Mai 1813, in Kopenhagen geboren wurde, seine Zeit lehren, diesen Widerspruch auszuhalten. > mehr
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01.05.2013 - LITERATURGESCHICHTE
Zweieinhalbtausend Jahre Theologie der Märkte
Eine riesige Glocke senkt sich über die Stadt Springfield und eine Stimme von oben verkündet, in einer Stunde werde die Welt untergehen; man solle sich gut überlegen, was in der verbleibenden Frist zu tun sei. Panisch rennen die Leute aus der Bar in die benachbarte Kirche – und die Gottesdienstbesucher aus der Kirche in die Bar. Der „Simpsons“-Kinofilm von 2007 brachte die ökonomische Erwartungstheorie, die vor einem halben Jahrtausend der italienische Dominikanergelehrte Thomas Cajetan entwickelt hat, auf die Leinwand: Wenn Güter knapp zu werden drohen, dann setzt ein Run ein. Ist es bloß ein Simpsons-Gag, dass mit Erlösungshoffnungen für das Jenseits nach denselben Kriterien „gehandelt“ wird wie mit Gütern unserer irdischen Ökonomie? Keineswegs, antwortet der Mannheimer Germanist und Medienwissenschaftler Jochen Hörisch in seinem neuen Buch über die „Theologie der Märkte“. > mehr
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23.04.2013 - PHILOSOPHIE
Michel Foucaults erste Vorlesung am Collège de France ist als Buch erschienen
„Man müsste die Geschichte der Denksysteme unternehmen“, begründete der französische Philosoph Michel Foucault 1969 seine Kandidatur für einen Lehrstuhl am Collège de France. Foucault wurde gewählt; von 1970 bis zu seinem Tod 1984 stellte er dort seine aktuellen Forschungsprojekte vor. Von den meisten Vorlesungszyklen liegen Mitschnitte auf Cassettenrecorder vor. Nicht so aus dem Wintersemester 1970/71, Foucaults ersten Veranstaltungen am Collège. So hat es nach dem Tod des Dozenten noch fast drei Jahrzehnte gedauert, bis auf Grund der vorläufigen Manuskripte so etwas wie ein „Text“ dieser ersten Vorlesungsreihe erstellt werden konnte. > mehr
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13.04.2013 - KULTURWISSENSCHAFTEN
Kultur, Kulturphilosophie, Kulturwissenschaften - die Welt des freigestellten Menschen
Was ist das eigentlich – „Kultur“? Und was sind „Kulturwissenschaften“? Seit etwa zwei oder drei Jahrzehnten vollzieht sich in jenem Spektrum, das man früher „Geisteswissenschaften“ nannte, eine stille Revolution. 1956 noch hatte der englische Physiker C. P. Snow das Gegeneinander der „two cultures“ beklagt, der schöngeistigen Geisteswissenschaftler und Literaten einerseits, der Naturwissenschaftler und Techniker andererseits. 1985 dann stellte der Berliner Soziologe Wolf Lepenies fest, es habe sich inzwischen doch längst eine dritte wissenschaftliche „Kultur“ etabliert, die der Sozialwissenschaften. Inzwischen ist das Schlagwort „Kulturwissenschaften“ in aller Munde; viele mitteleuropäische Universitäten haben bereits Institute und Studiengänge mit diesem Titel eingerichtet. Ein Fach – oder vielmehr eine ganze Fächergruppe – im Wandel. Zusammen mit mehr als einem halben Hundert Kollegen hat der Philosoph Ralf Konersmann von der Universität Kiel jetzt ein „Handbuch der Kulturphilosophie“ vorgelegt. Und eine Forschergruppe um das Kulturwissenschaftliche Institut Essen hat einen Sammelband über „Schlüsselwerke der Kulturwissenschaften“ herausgebracht.
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01.04.2013 - RELIGIONSGESCHICHTE
Zwei Jahrtausende Diskussionen über den Sinn der Passion Jesu Christi
Religionslehrer wissen davon ein Lied zu singen. Warum hatte Gott es nötig, seinen Sohn kreuzigen lassen, fragen Schüler und Eltern. In der Tat, nach menschlichen oder gar „modernen“ Maßstäben ist der Sinn von Jesu Tod am Kreuz schwer einzusehen. „Christus wurde geopfert, um die Sünden der vielen zu tragen“, fasst der Hebräerbrief die Theologie des Neuen Testaments bündig zusammen. Das ist erstens mit unserer Vorstellung nicht vereinbar, dass Schuld nur persönlich gesühnt werden kann, nicht stellvertretend, und widerspricht zweitens dem Gedanken an einen nicht nur gerechten, sondern auch gütigen Gott.Bereits die Hörer der christlichen Botschaft vor 2.000 Jahren hatten ihre Probleme. Die Predigt vom gekreuzigten Christus sei „den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit“, stellte Paulus im 1. Korintherbrief fest. > mehr
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25.03.2013 - KULTURGESCHICHTE
Der Ursprung der modernen Trauer- und Begräbnisriten
Zum Begräbnis immer dieselben Kirchenchoräle, mit Orgelbegleitung? Die Zeiten scheinen vorbei zu sein. Vor zwei Jahren veröffentlichte die Hamburger „Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge“ eine Liste der beliebtesten Trauerhits. Auf Platz 1 landete „Time to Say Goodbye“ von Sarah Brightman, auf 2 „Geboren um zu leben“ von der Band Unheilig. Auch „My way“ von Frank Sinatra und „Highway to Hell“ von AC/DC schafften es unter die Top Ten. Ein unüberhörbares Anzeichen, dass sich in der Bestattungskultur gerade in den letzten zwei oder drei Jahrzehnten einiges geändert hat. Rainer Sörries, Kunsthistoriker an der Universität Erlangen und Direktor des Museums für Sepulkral- (oder Begräbnis-)kultur in Kassel, und die Kulturwissenschaftlerin Barbara Happe von der Universität Jena sind der Entwicklung der Trauer- und Beisetzungsriten jetzt in zwei Neuveröffentlichungen nachgegangen.
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21.03.2013 - RELIGION HEUTE
Die Verbreitung alternativer Spiritualitäten in der religiösen Szene der Gegenwart
Nachdem Jürgen Klinsmann im Juli 2008 als Trainer von Bayern München verpflichtet worden war, ließ er auf dem Trainingsgelände vier Buddhastatuen aufstellen, die dem Spiel seiner Mannschaft einen „gewissen Energiefluss“ verleihen sollten. Viel geholfen hat es anscheinend nicht; bereits im April 2009 war es mit Klinsmanns Engagement in München wieder vorbei. - Ein „gewisser Energiefluss“ ... „Spiritualität“ nennt man so etwas mit einem der Modewörter unserer Zeit – die Annahme, dass es jenseits von Materialismus und Rationalität noch etwas „Anderes“ gibt, das unserem Leben Orientierung geben kann, ohne dass dieser „Glauben“ nach Art der christlichen Kirchen irgendwie zu organisieren wäre; statt dessen nehmen die „Gläubigen“ gern Anleihen etwa bei den Religionen des Fernen Ostens. Der Düsseldorfer Religionssoziologe Pascal Siegers hat diese „alternativen Spiritualitäten“ jetzt einer empirischen Untersuchung unterzogen. > mehr
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17.03.2013 - DEUTSCHE LITERATUR
Vor 200 Jahren wurde der Dramatiker Friedrich Hebbel geboren
An Friedrich Hebbel scheiden sich die Geister, heute wie zu seinen Lebzeiten. Hebbel besitze „gar keine plastische Phantasie“, schrieb Heinrich Laube, der Direktor des Wiener Burgtheaters; seine Stücke seien bloß „gedacht“, „von einem dichtenden Denker geschrieben, nicht aber von einem Dichter, der ein Künstler ist“. Und der Dichterkollege Franz Grillparzer notierte in seinem Tagebuch: „Hebbel ist der denkenden Aufgabe vollkommen gewachsen, der künstlerischen aber gar nicht.“ Mehr „gedacht“ als gedichtet: Dieses vernichtende Wort kehrt in den Urteilen über Friedrich Hebbel, der vor 200 Jahren, am 18. März 1813 in einem Dorf in Dithmarschen geboren wurde, immer wieder. Dabei ist Hebbel doch zweifellos der führende deutsche Dramatiker in der Mitte des 19. Jahrhunderts, sozusagen im „silbernen Zeitalter“ der deutschen Literatur, nach Goethes Tod und vor dem Anbruch des Naturalismus. > mehr
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14.03.2013 - GESCHICHTE
Vor 200 Jahren leitete Friedrich Wilhelm III. mit dem Aufruf "An mein Volk" die "Befreiungskriege" ein
„Der König rief, und alle, alle kamen“, hat der Schriftsteller Heinrich Clauren die politische Entwicklung im Frühjahr 1813 in Verse gefasst, „die Waffen mutig in die Hand!“ In der Tat, dem Aufruf „An mein Volk“, den König Friedrich Wilhelm III. von Preußen am 17. März 1813, vor 200 Jahren, unterzeichnete, folgten vielleicht nicht „alle“, aber doch sehr viele. Gegen die Einberufungen zum neuen Krieg gegen Frankreich gab es keinerlei Widerstände; tausende Weitere griffen freiwillig zu den Waffen. Eine Kriegsbegeisterung, wie es sie selten gegeben hat. > mehr
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11.03.2013 - GESCHICHTE
"Falsche Könige" - eine Geschichte der politischen Hochstapelei
„Man wählt, um ein Schiff zu steuern, nicht denjenigen unter den Reisenden aus, der dem vornehmsten Geschlecht entstammt." Sehr plausibel, was der französische Schriftsteller Blaise Pascal da vor mehr als dreieinhalb Jahrhunderten formuliert hat. Viele, wahrscheinlich die meisten Gesellschaften seit dem alten Ägypten haben es anders gehalten. Politisches „Charisma“ wurde als eine Art Familienerbe angesehen. Dem Vater folgte der Sohn, meistens der erstgeborene, auf den Thron; manchmal kam auch eine Tochter zum Zug oder sonst ein Angehöriger. Einleuchtend, dass Familienwirren oder gar das Aussterben einer Dynastie immer wieder zu politischen Krisen führen mussten. Und ebenso, dass in solchen Situationen immer wieder „falsche“ Prinzen und Könige auftraten, Personen also, die von sich behaupteten, sie seien durch die aktuellen Inhaber der Macht um ihr Erbe, ihren Anspruch auf Krone und Thron, gebracht worden. Der Bonner Historiker Gerhard Menzel hat jetzt eine umfangreiche Studie zur Geschichte der politischen Hochstapelei vorgelegt.
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06.03.2013 - KIRCHENGESCHICHTE
Die Papstwahl in Geschichte und Gegenwart
Die Kardinäle konnte sich nicht einigen; das Konklave währte bereits mehr als zwei Jahre. Da riss den Bürgern der Stadt Viterbo nordwestlich von Rom, bei denen sich die hohen Herren mitsamt Gefolge einquartiert hatten, der Geduldsfaden: Sie schlossen die Kardinäle im Konklavegebäude ein. Als es immer noch nicht zu der nötigen Zweidrittelmehrheit kam, beschränkten die Bürger die Lebensmittelzufuhr auf Wasser und Brot und deckten am Ende sogar das Dach ab, so dass die entscheidungsunwilligen Wähler der Sonne und dem Regen schutzlos ausgesetzt waren. Ganz so lange wie bei diesem Konklave in Viterbo von 1268 bis 1271 haben Papstwahlen in den fast 2.000 Jahren des Christentums sonst nicht gedauert. Aber die Hürde der Zweidrittelmehrheit, die 1179 auf dem 3. Laterankonzil beschlossen wurde, liegt, verglichen mit anderen Wahlen, in der Tat sehr hoch. > mehr
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26.02.2013 - GARTENKUNST
Der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz und der Garten von Hannover-Herrenhausen
Es muss ein Kulturkampf gewesen sein, beinahe, so möchte man im Rückblick glauben, eine Vorbereitung der Revolution mit kulturellen Mitteln. „Eine fürstliche Laune hat all das erfunden, und eine fürstliche Sklaverei und Abhängigkeit vom Hof hält es am Leben“, schrieb um 1710 der englische Moralphilosoph Earl of Shaftesbury. Sein Verdammungsurteil galt dem Barockgarten mit seinen streng geometrischen Achsen – Paradebeispiel: der Schlosspark von Versailles. Der Französische Garten als Symbol der Unterdrückung unter dem Ancien régime, der Englische, scheinbar natürlich gewachsene Landschaftsgarten, der im frühen 18. Jahrhundert in Shaftesburys Heimatland zum Alternativmodell wurde, als Symbol der Freiheit? Von der historischen Realität wird diese schlichte Entgegensetzung nicht gedeckt, stellt der Kunsthistoriker Horst Bredekamp von der Berliner Humboldt-Universität jetzt in seiner neu erschienenen Studie zur Geschichte der Gartenkunst fest. Bredekamp hat die Gartenanlagen in Hannover-Herrenhausen, die von der Welfenfamilie um 1700 vor ihrem Residenzschloss angelegt wurden, unter die Lupe genommen. > mehr
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18.02.2013 - KULTURGESCHICHTE
In Basel beginnt das närrische Treiben erst am Montag nach Aschermittwoch
„Hinterdrein kommen wie die alte Fastnacht“ lautet im Schwäbischen eine gebräuchliche Redensart. Tatsächlich, in manchen Gegenden wird statt der anderen, der sozusagen „richtigen“ Fastnacht eine „alte“ gefeiert. Sie kommt einige Tage später, sozusagen „hinterdrein“. Der berühmteste Fall ist die Basler Fasnacht, die – jedes Jahr wieder zur Verwirrung eines weltweiten Publikums an den Fernsehschirmen – am Montag nach Aschermittwoch beginnt. „Fasnacht“ in Basel übrigens ohne „t“; darauf legen traditionsbewusste Basler Wert. > mehr
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16.02.2013 - GESCHICHTE
Die Medici - Mannheim präsentiert die Menschen hinter Machtspiel und Kunstförderung
Im April 1578 stürzte Johanna von Österreich, die Gemahlin Großherzog Francescos I. de’ Medici, während ihrer achten Schwangerschaft unglücklich. Es kam zu einem Gebärmutterriss; Mutter und Kind starben. Der Witwer wusste genau: Alle Welt würde ihm unterstellen, er habe seine Frau ermordet. Schließlich war er seit langem mit der venezianischen Adligen Bianca Capello liiert, die er dann auch heiratete. Das Glück von Francesco und Bianca währte keine zehn Jahre; in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 1587 starben sie nur wenige Stunden nacheinander. Seit Jahrhunderten steht Francescos Bruder Ferdinando unter dem Verdacht, er habe die beiden ermorden lassen, um selbst den Thron besteigen zu können. - In unserem Geschichtsbild hat sich der Eindruck festgesetzt, dass im Italien des 16. Jahrhunderts der Mord eine sozusagen „normale“ Todesursache in der politischen Elite gewesen sein muss. Was daran ist Wahrheit, was Legende? In den letzten Jahren wurden 28 Mitglieder der Medici-Familie aus der Grabanlage von San Lorenzo in Florenz exhumiert und forensisch untersucht. Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim haben dieses Projekt jetzt zum Anlass für eine große Ausstellung über die Florentiner Bankiersfamilie genommen, die zwei Jahrhunderte lang die Großherzöge der Toskana stellte. > mehr
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14.02.2013 - GESCHICHTE
Vor 250 Jahren beendete der Frieden von Hubertusburg den Siebenjährigen Krieg
Was sich in den Jahren 1756 bis 1763 abspielte, war, wenn man so will, der erste „Weltkrieg“ der Geschichte. Die Schauplätze lagen in Mitteleuropa und in Nordamerika, im Mittelmeerraum und in Indien. Und das System der fünf Mächte, das mit dem Friedensschluss 1763 bekräftigt wurde – auf den „Flügeln“ Großbritannien und Russland, dazwischen Frankreich, Österreich und Preußen –, beherrschte mehr als ein Jahrhundert lang Europa und die Welt. Vor 250 Jahren, am 15. Februar 1763, beendeten Österreich und Sachsen einerseits, Preußen andererseits im sächsischen Schloss Hubertusburg östlich von Leipzig den „Siebenjährigen Krieg“; bereits am 10. Februar hatten Frankreich und Großbritannien in Paris ihren Frieden geschlossen. > mehr
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13.02.2013 - KIRCHENGESCHICHTE
Amtsverzichte und Absetzungen - ein Blick in die Kirchengeschichte
„Che fece per viltade il gran rifiuto“, „der feig den großen Auftrag von sich wies“: Nein, das braucht Papst Benedikt XVI. sicherlich nicht zu befürchten, dass ihn demnächst ein großer Dichter mit solch harschen Worten für die Ewigkeit brandmarken will. Der Vers stammt von Dante Alighieri; am Eingang seiner Hölle sitzt Coelestin V., der bislang einzige Papst, der aus freien Stücken vom Petrusamt zurücktrat. Am 5. Juli 1294 war der Benediktinermönch Pietro del Murrone zum Papst gewählt worden. Die römischen Adelsfamilien der Orsini und der Colonna hatten sich zwei Jahre lang nicht einigen können. Schließlich wurde Pietro, der bereits über 80 Jahre zählte und längst im Ruf der Heiligkeit stand, auf Vorschlag König Karls II. von Neapel als Kompromisskandidat gerufen; er nannte sich Coelestin V. Sein Pontifikat währte kein halbes Jahr. Bereits am 13. Dezember resignierte Coelestin - der einzige Fall eines Rücktritts vom Papstthron vor Benedikt XVI. > mehr
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Hier finden Sie - nach Fachgebieten aufgeschlüsselt - eine Liste unserer gesammelten Magazin-Artikel.
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Dossiersammlung Sprache und Literatur > mehr Einzel-Dossier Thomas Mann > mehr Einzelner Artikel Goethe steigt vom Sockel, Zur Neuausgabe von Tho- mas Manns Roman "Lotte in Weimar" > mehr
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Neue Hinweise für eine Virus- Beteiligung bei Prostatakrebs glauben US-Forscher gefunden zu haben. Sie haben das Virus XMRV bei fast jedem dritten untersuchten Prostata-Krebspatienten gefunden. Sollte das Virus der Auslöser sein, könnte man eine Impfung entwickeln wie gegen Gebärmutterhalskrebs.
Im Dschungel von Papua-Neugui- nea entdeckten Wissenschaftler vom Smithsonian Nationalen Museum für Naturkunde in Washington ein Nagetier, das die Größe eines Dackels erreicht. Die Riesenratte misst gut 80 Zentimeter und wird anderthalb Kilogramm schwer.
Der Schwanz, den Geckos auf der Flucht vor Verfolgern abwerfen, kann noch bis zu einer halben Stunde lang tanzende Bewegungen vollführen und den Feind auf diese Weise ablenken, so Zoologen der Clemson University in South Carolina.
Auf Kuba wurden die fossilen Reste eines riesigen Krokodils gefunden, das vor 20 Millionen Jahren gelebt haben soll. Das zehn Meter lange Skelett wurde in der Provinz Sancti Spiritus entdeckt.
In einem erloschenen Vulkan auf· der Osterinsel entdeckten Forscher der Universität von Manchester einen Steinbruch. Aus dieser Quelle könnten auch die roten Hüte stammen, die viele der legendären Riesenfiguren tragen, vermuten die Wissenschaftler.
Der deutsche Bundestag hat alleim Zweiten Weltkrieg gegen "Kriegsverräter" ausgesprochenen Urteile mit den Stimmen aller Fraktionen aufgehoben. Die Anlässe für diese Urteile reichten von politischem Widerstand und der Hilfe für verfolgte Juden über kritische Äußerungen über·Krieg und Nazis·bis hin zu Schwarzmarktgeschäften.
... LEUTE in scienzz |
03.08.2009 - MATHEMATIK Mit am Start bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin
"Mathematik zählt, weil...du damit fast alles erklären kannst, vielleicht sogar deine gute Note in Sport", meint Mathematik-Professor Matthias Ludwig, Autor des Buches "Mathematik und Sport" und Mathemacher des Monats August der Deutschen Mathematiker Vereinigung. > mehr
17.07.2009 - ANTHROPOLOGIE
EVIDENCE how do we know what we know?
"Evidence" ist eine Web- Ausstellung des Museums Exploratorium in San Francisco. Anhand einer Fallstudie wird erklärt, wie Wissenschaft funktioniert. Hierbei steht die Arbeit des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie zur Erforschung der menschlichen Ursprünge im Mittelpunkt. > mehr
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