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19.01.2011 - SOLARWÄRME

Kerzenschein dank Solarwärme

Eine Schweizer Kerzenfabrik nutzt Sonnenenergie zur Erwärmung des Paraffins

Jürg Wellstein

 
 

Peter Schlaufer (links), Planer der Solaran-
lage und Martin Kretz, Kerzenhersteller
sind von der Sonnenenergie überzeugt
Bild: Martin Vogel, Luzern

Kerzen bestehen hauptsächlich aus Paraffin. Dieser aus Erdöl hergestellte Rohstoff muss auf 65 Grad warm gehalten werden, damit er flüssig bleibt. Er wird flüssig in speziellen, beheizten Tankzügen geliefert und in ebenfalls beheizten Tanks in der Fabrik gelagert. Das Paraffin wird anschliessen flüssig verarbeitet: Die Kerzen werden manuell in Formen gegossen oder maschinell durch Bäder gezogen. Alternativ wird es zu einem Granulat verarbeitet, aus dem Kerzen kalt gepresst werden. Dieses Verfahren ist günstiger und wird beispielsweise für die Produktion von Weihnachtskerzen eingesetzt. Die Kerzenfabrik im luzernischen Root verarbeitet pro Jahr rund 600 Tonnen Paraffin. Das Warmhalten der beiden Lagertanks mit einem Volumen von 40 und 27 Tonnen verbrauchte bis anhin 160 000 Kilowattstunden Strom; das entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von rund 35 Vierpersonenhaushalten.

Die Vakuumröhrenkollektoren weisen eine
Fläche von 81,5 Quadratmetern auf
Bild: Martin Vogel
„Die Hauptproduktionszeit von Kerzen liegt zwischen Mai und November“, erklärt Martin Kretz, Mitglied der Geschäftsleitung der Fischer Kerzen AG. Da lag es auf der Hand, die Sonne als Wärmelieferant für die Paraffintanks zu nutzen. Auf dem Dach des Produktionsgebäudes sind heute 80 Vakuumröhrenkollektoren mit einer Fläche von über 80 Quadratmetern installiert. Bei dieser Kollektorart fliesst Wasser in einem unter Vakuum stehenden Glasrohr. Im Vergleich zu herkömmlichen Kollektoren werden die Energieverluste reduziert und es können Temperaturen bis 150 Grad Celsius erreicht werden. Zudem haben Vakuumröhrenkollektoren den Vorteil, dass sie wegen ihres hohen Wirkungsgrads auch bei leicht bedecktem Himmel arbeiten.

Die Wärme aus den Kollektoren wird über einen Wärmetauscher auf den Heizkreislauf in den Paraffintanks übertragen. Alternativ kann über einen zweiten Wärmetauscher auch die Haustechnik versorgt werden, zur Wassererwärmung oder zur Unterstützung der Heizung. „Für die Kerzenproduktion sind mindestens 80 Grad Celsius erforderlich“, erklärt Martin Lütolf von der BE Netz AG, welche die Anlage geplant und realisiert hat. „Wird dieser Wert aufgrund des Wetters oder des tiefen Sonnenstands im Winter nicht erreicht, schaltet das System automatisch auf die Versorgung der Haustechnik um.“ Die Solaranlage ist so dimensioniert, dass sie übers Jahr gesehen 40 Prozent der Wärme für die Kerzenproduktion liefert.

Blick in die Kerzengiesserei der Fischer
Kerzen AG - Bild: Juerg Wellstein
Diese Art der industriellen Sonnenenergienutzung ist in der Schweiz einzigartig. „Die Anlage bedeutete für uns eine technologische und finanzielle Herausforderung“, so Kretz. Dank der Förderung durch den Kanton Luzern und das Bundesamt für Energie als Pilot- und Demonstrationsprojekt konnte die Anlage realisiert werden. Neben dieser Unterstützung hat auch die Ungewissheit über die zukünftige Strompreisentwicklung den Entscheid begünstigt. Sind die Investitionen einmal getätigt, liefert die Sonne die Energie kostenlos. „Als Familienunternehmen sind für uns langfristige Perspektiven und innovative Entwicklungen wichtig. Die neue Solaranlage erfüllt beide Kriterien“, ist Martin Kretz überzeugt. Die Auszeichnung des Projekts mit dem Schweizerischen Solarpreis hat das Engagement belohnt.


Mehr im Internet:
Fischer Kerzen AG
Schweizer Solarpreis 2010
Solare Prozesswärme, Fraunhofer ISE
Hilfestellung für Solare Prozesswärme

 

 

 

 

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