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27.09.2004 - WEST NIL VIRUS

Die Globalisierung der Viren

Erreger aus Afrika hat sich auf Wanderschaft um den Globus begeben

Lena Wöhlke

 
 

Reisende in die USA und nach Kanada sollten derzeit unbedingt mit einem effektiven Mückenschutz ausgestattet sein. Vor allem in den nächsten Wochen, noch bis einschließlich Oktober, wird dort verstärkt das West Nil-Fieber von Stechmücken übertragen. 

Ursprünglich stammte der Erreger dieser Krankheit aus Afrika, doch mittlerweile hat er sich auf die Wanderschaft rund um den Globus begeben. Im Jahr 1999 erreichte das West Nil Virus erstmals New York. Es dauerte nur vier Jahre, dann hatte sich der Erreger über 44 US-Staaten und sechs kanadische Provinzen ausgebreitet und Nord-Mexiko erreicht.

Obwohl über 4.000 Amerikaner am West Nil Virus erkrankten und fast 300 daran starben, ist es doch in erster Linie eine Vogelkrank-heit. West Nil gehört zur Familie der Flaviviren, die beim Menschen unter anderem Krankheiten wie Gelbfieber oder das Dengue-Fieber auslösen. 

Flaviviren werden meist von Stechmücken übertragen.  Und auch das West Nil Virus bedienst sich der kleinen Blutsauger. Im Gegensatz zu anderen Viren kann es sich dazu aber eines breiten Reservoirs von Mückenarten bedienen. Die Folge: Wenn andere Flaviviren auf einen neuen Kontinent kamen, breiteten sie sich bedeutend langsamer aus als West Nil. Es ist ein unberechenbares Virus und bisher traut sich die Wissenschaft noch nicht so recht, Vorhersagen über sein Potential zu machen.  

Zum ersten Mal entdeckt wurde das Virus 1934 in Uganda bei einer Frau, die an einer fieberhaften Erkrankung litt. Später wurde der Erreger in 158 Vogelarten und 18 anderen Wirbeltieren – wie Pferden und Alligatoren – isoliert. Die meisten infizierten Tiere und Menschen zeigen keine Symptome. Wenn die Krankheit jedoch ausbricht, kann das West Nil Virus eine tödliche Entzündung des Gehirns hervorrufen, die Enzephalitis. 

Im Robert-Koch-Institut in Berlin ist man derzeit noch dabei, konkrete Daten zur Gefahrenlage in unserem Land erheben. Noch, so glaubt man dort, sei das West Nil-Virus in Deutschland keine konkrete Bedrohung. Dennoch ist Vorsicht geboten: Auch bei auch uns gibt es Mückenarten, die das Virus übertragen können – zum Beispiel in der Rheinebene. 

Und der Erreger wurde schon in Jungstörchen gefunden, die aus Deutschland erstmals in ihr afrikanisches Winterlager zogen. Folglich kann das West Nil Virus auch bei Vögeln in Deutschland auftreten. Größere Ausbrüche wurden 1996/97 in der Nähe von Bukarest, Rumänien, 1997 in Tschechien, 1998 in Italien und mehrfach im Rhone-Delta beobachtet. In Deutschland hat es bisher Krankheits-fälle allerdings nur unter Reisenden gegeben, die aus Risikogebieten zurückkehrten. 

Weil West Nil in den gemäßigten Zonen von Amerika oder Europa eine neue Krankheit ist, besitzen dort weder Menschen noch Vögel Abwehrkräfte dagegen. Epidemien können deshalb verheerende Auswirkungen haben. 

Solche Mechanismen sind aus der Geschichte bekannt: Als die europäischen Eroberer vor 500 Jahren die Pocken über den Atlantik brachten, dezimierte die Krankheit die amerikanischen Ureinwohner. Und als Vogelpocken und -malaria nach Hawaii eingeschleppt wurden, starben dort ganze Vogelarten aus. 

Zur Panik besteht nach Ansicht der Wissenschaftler trotzdem kein Anlass. Um sich vor West Nil zu schützen, empfehlen die Tropen-institute Mückenstiche zu vermeiden. Dies kann durch körperbe-deckende Kleidung und Mückenabwehrmittel erreicht werden.

Freie Hautpartien sollten mit Repellents, speziellen insektenabwe-hrenden Mitteln, geschützt werden. Lotionen, Gels oder Sprays mit den Inhaltsstoffen Bayrepel oder DEET haben sich als besonders wirkungsvoll erwiesen. Die Mittel sind in Apotheken erhältlich. 

Darüber hinaus sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Schlafräume mückenfrei bleiben. Gaze, ein leichter Baumwollstoff, oder entsprechende Netze vor den Fenstern verhindern das Ein-dringen der Insekten. Da Mücken normalerweise nicht von warm nach kalt fliegen, zeigt auch eine Klimaanlage, die die Räume entsprechend abkühlt, Wirkung. Guten Schutz bieten außerdem Moskitonetze, die über den Betten angebracht werden. 

Übrigens: Das Virus kann auch durch Blutkonserven übertragen werden. Deshalb dürfen Rückkehrer aus Risikogebieten vier bis acht Wochen lang kein Blut spenden.

 

Mehr im Internet:
Alles über West Nil 
Überblick über die Familie der Flaviviren 
Robert-Koch-Institut
 

 

 

Lena Wöhlke

ist Diplom-Biologin und studiert im Zusatzstudium Wissenschaftsjournalismus an der FU Berlin

 

Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars für Online-Journalismus im SS 04 an der FU Berlin, Inst. f. Publizistik

 

 

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