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Politik

10.11.2020 - MILITAERPOLITIK

Bundesmarine soll im Indopazifik operieren

Ausdehnung der Out of Area Einsaetze der NATO bis in den Pazifik

Klaus Oberzig

 
 

Fregatte Hamburg als erstes deutsches Kriegsschiff
im Indopazifik - Bild: Wikipedia

Noch ist der President elect Joe Biden nicht im Weissen Haus eingezogen, taucht in der Berichterstattung hierzulande ein neues Thema und ein noch recht unbekannter geographischer Begriff auf: militärisches Engagement im Indopazifik. Die Bundesmarine wird laut Handelsblatt vom 5. November 2020 die Fregatte „F 220 Hamburg“ im kommenden Jahr in diesen Raum verlegen. Die deutschen Mariner sollen helfen, „den Expansionsdrang Chinas zu bändigen“. Als Exportland sei Deutschland auf offene Seewege angewiesen, so eine Begründung von Verteidigungsministerin Kram Karrenbauer, die damit unterstellt, China sei der Hauptfeind eines offenen Welthandels. Im Handelsblatt wird sie mit den Worten zitiert, der Indopazifik befinde sich in einer „Grauzone zwischen Krieg und Frieden“. Neue Töne aus der Bundesregierung.

Zwar sind Pläne, wonach die NATO ihr Einsatzgebiet bis in den Pazifik ausweiten solle, schon länger bekannt. Aber dies galt in Europa als eine amerikanische Idee, die man in vielen europäischen NATO-Ländern mit wenig Begeisterung aufnahm. Auch konnte man bisher davon ausgehen, dass Präsident Trump das nicht unbedingt als Top-Thema auf seiner Agenda zu stehen hatte. Aber im militärisch-industriellen Komplex der USA wurde die Feindschaft zu China auch während Trumps Amtszeit angeheizt, egal was der Präsident meinte. So tauchten in amerikanischen Militärpublikationen sogar konkrete Jahreszahlen auf, bis wann man gegenüber China kriegsfähig sein müsse. Als eine solche Ziellinie wurde das Jahr 2030 genannt. Der President elect Joe Biden scheint dafür aufgeschlossener als sein Vorgänger zu sein.

Kaum scheint also sicher, dass Biden neuer US-Präsident und Trump Vergangenheit sein dürfte, wird in Deutschland offen über eine Ausweitung des NATO-Operationsgebietes gesprochen. Ein deutsches Engagement sei sehr willkommen, lautet die neue Sprachregelung aus der Bundesregierung. Neu ist indes nur die offene Sprache zum Thema. So hatte Bundesverteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer bereits im Laufe des Jahres eine engere militärische Zusammenarbeit mit Australien vereinbart. Dazu gehört die Lieferung von zwölf Patrouillenbooten, die auf der Bremer Lürssen-Werft gebaut werden. Auch der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall ist im Geschäft und liefert gepanzerte Fahrzeuge nach Down under. Schließlich sollen deutsche Marineoffiziere den Indopazifik nicht nur von der Landkarte oder Google-Earth kennenlernen, sondern von echten Seeeinsätzen. Die deutschen Mariner dürfen auf australischen Kampfschiffen mitfahren, um die völlig anderen Seebedingungen kennen zu lernen.

Der Indopazifik als riesiges Operationsgebiet
besteht aus zwei Ozeanen - Bild: Wikipedia



Es zeichnet sich recht schnell ab, dass die NATO, die bisher als ein europäisch-amerikanisches Bündnis galt, sich an einer Einkreisung Chinas beteiligen soll. Diese neue Ausrichtung der deutschen Politik läuft erst einmal unter der Floskel, man wolle künftig enge Beziehungen zu gleichgesinnten Staaten wie Australien, Neuseeland, Südkorea und Japan pflegen. Die amerikanischen Versuche, China strategisch zu isolieren beschränken sich keineswegs nicht auf die genannten Länder. Die amerikanische Politik versucht neben Indien auch andere asiatischen Staaten wie Kambodscha, Vietnam, Thailand, Malaysia und Indonesien zu beeinflussen und gegen China in Stellung zu bringen. Dass dies angesichts der starken wirtschaftlichen Beziehungen dieser Länder mit dem Reich der Mitte ein Unterfangen mit zweifelhaften Chancen ist, dürfte aber auch klar sein. Wie sich die Bundesregierung hier positioniert, bleibt abzuwarten.

Tatsächlich geht es der amerikanischen Politik nicht um die lokalen Auseinandersetzungen im Südchinesischen Meer, wo die Volksrepublik China Gebietsansprüche mit Hilfe von künstlich angelegten Inseln durchzusetzen versucht. Denn dort liegen reiche Gas- und Ölvorkommen. Eine vergleichbare Situation ist schließlich auch im östlichen Mittelmeer entstanden, wo sich die Anrainerstaaten, allen voran die Türkei, einen heftigen Konflikt um die fossilen Energieressourcen leisten, ohne dass die NATO derart bemüht wird. Im Indopazifik geht es erkennbar um mehr. Hier prallen die beiden Supermächte China und USA aufeinander. Mit völlig unabsehbaren Konsequenzen. Die Große Koalition unter der Führung von Kanzlerin Merkel erweist sich auch hier wieder einmal als einer der treuesten Vasallen der amerikanischen Führungsmacht.


Mehr im Internet:
Die Bundeswehr soll helfen, Chinas Expansionsdrang zu bändigen, Handelsblatte 5.11.2020

 

 

 

 

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