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Wirtschaft

20.11.2020 - ATOMKRAFT

Kernkraft ahoi

Maechtige Investoren praeferieren wieder oeffentlich die Rueckkehr zur Atomkraft

Klaus Oberzig

 
 

Kernkraftwerk Brokdorf an der Elbe, soll zum
31. Dezember 2021 vom Netz gehen.
Bild: Staudacher, Wikipedia

Parallel zur Debatte um die Novellierung des EEG 2021 und zur Selbstentmachtung des Parlaments durch das Infektionsschutzgesetz läuft mit zunehmender Intensität die Propaganda für die Rückkehr der Atomkraft. Jüngstes Beispiel ist ein Video der Atomlobbygruppe Nuklearia e.V. aus deren Serie Saveger6, in dem behauptet wird, immer mehr Wissenschaftler seien überzeugt, dass dem Klimawandel nur noch mit Atomkraft begegnet werden könne. Der Originaltitel des Films lautet: "Können wir den Klimawandel ohne Atomenergie stoppen?" Er basiert zum großen Teil auf Material der amerikanischen Organisation "Breakthrough Energy", die 2015 von Bill Gates gegründet wurde und der etliche einflussreiche Persönlichkeiten angehören, wie George Soros, Mark Zuckerberg (Facebook) und Jeff Bezos (Amazon). Die neue Botschaft lautet, dass Erneuerbare und Atomkraft nicht mehr gegeneinander antreten, sondern sich ergänzen und im Verbund eingesetzt werden sollten. Das Ganze läuft erkennbar kampagnenmäßig und arbeitet mit Methoden der sogenannten Framing-Strategie. Zentrale Behauptungen - Erneuerbare und Atomkraft sollten Hand in Hand gehen - werden gebetsmühlenartig wiederholt, um sie in den Köpfen der Menschen zu verankern. In unterschiedlichen Medien, mit unterschiedlichen Manuskripten, Beiträgen, Büchern und Artikeln und von unterschiedlichen Autoren und "Fachleuten" wird eine permanente Themenpräsenz erzeugt. Eines der Medien, welches das Saveger6-Video präsentiert, ist das ARD- und ZDF-Medienangebot „Funk", das speziell für die die Gruppe der 14 bis 29-jährigen verbreitet wird.

Werfen wir also einen direkten Blick auf den, der hinter dem Video steht, den Philanthropen, Multimilliardär und Investor Bill Gates. Er kündigte kürzlich die Herausgabe seines neuen Buches „How to Aviod Climate Desaster: The Solutions We Have and the Breakthroughs We Need“ für den 16. Februar 2021 an. Darin erhebt er laut Vorankündigungen nichts Geringeres als den Anspruch, die richtige Lösung zur Rettung des Planeten Erde zu besitzen. In Deutschland ist seine Kampagne, im Gegensatz zu anderen Ländern, bislang weitgehend unbeachtet geblieben. Vor allem die Energiewendebewegung und ihre Organisationen haben sich wenig bis gar nicht dafür interessiert. Bill Gates und seine Philanthropen-Freunde vom World Economic Forum (Weltwirtschaftsforum Davos), die schon seit fast zwei Jahren die Trommel für den Great Reset rühren, wurden bislang nur als ein Thema von Coronaleugnern und Aluhüten angesehen, über die man glaubte, lachen zu können. Das sollte man sich abgewöhnen.

Gates hat mit seiner 'Bill and Melinda Gates Stiftung' einen Teil seiner Milliarden nicht nur in der Pharmaindustrie investiert, sondern auch in der Erforschung und Entwicklung von Atomkraftwerken der vierten Generation. Bereits 2006 gründete er in den USA das Unternehmen 'Terra Power', das neuartige Reaktortechnologien entwickelt und vom US-Energieministerium mitfinanziert wird. Im US-Bundesstaat Washington, dort wo auch Microsoft seinen Stammsitz hat, baut die Firma ein Forschungszentrum, in dem neben neuen AKW-Typen auch an medizinischen Anwendungen der Nukleartechnik gearbeitet wird. Nach Zeitungsberichten habe Gates bereits 500 Mio. Dollar investiert. Die 4. Reaktorgeneration – Flüssigsalzreaktoren und Laufwellenreaktoren - basieren auf anderen, nicht unbedingt neuen, Konzepten, sollen kleiner, billiger und viel sicherer sein.

Der Flüssigsalzreaktor arbeitet mit einer flüssigen Salz-Brennstoff-Mischung, die im Reaktor unter geringem Druck aber hoher Temperatur zirkuliert. So könne der Brennstoff bei laufendem Betrieb "nachgetankt" und nicht nur mit angereichertem Uran, sondern auch mit hoch radioaktivem Atommüll betrieben werden. Beim Laufwellenreaktor findet die Kernspaltung in einer bestimmten Zone statt, die durch den Reaktor wandert. Genauer gesagt handelt es sich um einen "Brutreaktor", der aus Uran beständig neuen Brennstoff erzeugt. So könne er jahrzehntelang ohne "Nachladen" in Betrieb gehalten werden. Auch hier soll es möglich sein, verschiedene Brennstoffe zu verwenden, neben abgebrannten Brennelementen aus Leichtwasserreaktoren auch Roh- oder abgereichertes Uran oder Thorium.

So harmlos und frei von kritischen Unfallrisiken sind beide Konzepte wohl nicht. Sie gelten gegenwärtig noch als schwer beherrschbar. Beim Flüssigsalzreaktor seien extrem beständige Materialien nötig, weil das Salz gerade bei hohen Temperaturen stark korrosiv wirkt. Auch das Abtrennen der radioaktiven Spaltprodukte aus dem Salz gilt großtechnisch als längst nicht gelöst. Der Laufwellenreaktor muss mit flüssigem Natrium gekühlt werden, einem chemischen Element, das beim Kontakt mit Luft oder Wasser sehr heftig reagiert. Eine wenn auch langsamer ablaufende Kernschmelze könne bei einem Ausfall der Kühlung nicht ausgeschlossen werden.

Werbefilm der Atomlobbygruppe Nuklearia, der
über das ARD- und ZDF-Medienangebot "Funk"
für die 14 bis 29-Jährigen verbreitet wird. Finan-
ziert wurde er unter anderem von Bill Gates.


Gates wiederum ist ein erklärter Gegner der Sonnenenergie. Das wurde kürzlich nicht nur in einem Disput zwischen ihm und Elon Musk deutlich, der ihn als Faschisten bezeichnet hatte und gleichzeitig ankündigte, sein nächstes Megaprojekt nach Tesla sei die Produktion von Solardächern im großen Stil. Gates schoß zurück, Mask könne vielleicht elektrische Autos bauen, aber ansonsten habe er keine Ahnung und solle die Klappe halten. Sein Plan mit dem er, Bill Gates, die Welt vor der Klimakrise retten wolle, bestehe neben den neuen AKWs in einem globalen Konzept des Geoengineering. Er plane, digital gesteuert und dosiert, Silberpartikel in die Stratosphäre zu schießen, mit denen sich die Sonneneinstrahlung gezielt reflektiert lasse. So könnte man - bzw. seine Firmen - die Temperatur auf der Erde wieder ins Gleichgewicht oder auf jeden gewünschten Level bringen. Was das für die Photovoltaik bedeuten würde, kann sich jeder selbst ausmalen.

Wer zum ersten Mal von diesen „Zero-Carbon-Tools“ und den „New Clean Energy Technologies“ hört, glaubt vielleicht an einen Aprilscherz. Aber die Terminologie ist nicht so weit entfernt von dem, was Bundesregierung und EU auch sagen. Allerdings tut Gates so, als ob es bislang keine ernstzunehmende Entwicklung der Solarenergie gegeben hätte und er die Welt jetzt neu erfinden müsste. Hinter seinen technokratiezentrierten Fantasien steckt unheimlich viel Geld und offenbar die Überzeugung, mit solchen Megaprojekten die Weltwirtschaft nach dem großen Reset wieder ankurbeln zu können. Diese neuen Freunde der Atomkraft der vierten Generation wissen natürlich, dass Sonnenenergie für sie keine Anlagesphäre darstellt und dass Bürgerenergie und dezentrale Energieerzeugung und -versorgung eine Domäne des Mittelstandes ist. Diesem Mittelstand, der gerade in Deutschland ungemein kreativ und innovativ war und ist, wollen die Philanthropen mit den Milliardenvermögen und ihre Freunde vom Weltwirtschaftsforum die lukrativen Marktanteile in der Energiewirtschaft nicht überlassen.

Wer das für Verschwörungstheorie hält, sollte sich die Mühe machen und die Schriften des World Economic Forum, der Bill and Melinda Gates Stiftung oder der Rockefeller Foundation zu lesen. Es genügt aber auch - nach dem Abgang von Donald Trump - die Ansichten seines Nachfolgers zu studieren. Denn auch Joe Biden ist ein Fan von kleinen Kernkraftwerken der 4. Generation. Und natürlich einer von Bill Gates. Stattdessen sollten sich die Solarfreunde ermuntert fühlen, endlich einmal über den Tellerrand der beschaulichen deutschen Energiewendeszene hinaus in die Welt zu blicken. Die Angriffe der Bundesregierung mit der Novelle des EEG 2021 gegen die Sonnenenergie sind keine isolierte Aktion. Sie passen sich gut in die Anti-PV-Offensive einer mächtigen Investorengruppe in der westlichen Hemisphäre ein. Oder um es mit Bill Gates zu sagen: „Some governments and private investors are committing the funding and the policies that will help us get to zero emissions, but we need even more to join in“.

Mehr im Internet:
Breakthrough Energy
ZDF-Mediathek: „Können wir den Klimawandel ohne Atomenergie stoppen?“
Milliardär Bill Gates will die Kernkraft pushen, Frankfurter Rundschau 11.02.2020
Gates nennt Elon Musks Corona-Kommentare "empörend", futurzone 29.07.2020
Terra Power
Flüssigsalzreaktor
Laufwellenreaktor

 

 

 

 

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