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Politik

15.12.2020 - ISRAEL

Die Staatsbehoerde Yad Vashem

In Israel sorgt die Berufung von Effi Eitam zum Vorsitzenden von Yad Veshem fuer Aufregeung

Jens Walter

 
 

Bild von Elissa Capelle Vaughn auf Pixabay

Yad Vashem beinhaltet neben mehreren Denkmälern auch ein Museum, in dem die Geschichte des Holocaust dokumentiert ist. Neben den Gedenkstätten, die an die Opfer erinnern, die getöteten Kinder, die Deportierten und die zerstörten Gemeinden, gibt es auch Denkmäler für diejenigen, die sich in dieser Zeit für die Juden einsetzten, ohne selber diesem Volk anzugehören. Dass sich Vernichtungsversuche wie in der NS-Zeit nicht wiederholen dürfen, sollte selbstverständlich sein. Doch wie erkennt man, dass sie wieder kommen?

Denkt man an die Worte des italienischen Widerstandskämpfers Ignazio Silone "Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus", so wird klar, dass der nächste Völkermord, die nächste Unterdrückung nicht zwangsläufig gegen die Juden gerichtet sein muss. Genauso wenig müssen Gaskammern oder Ghettos zu seinem Repertoire gehören. Massive Unterdrückungen gibt es in der Welt genug, denken wir nur an die Rohingyas in Myanmar, die Sinti und Roma in Osteuropa oder einfach an Jemen. Auch der Konflikt um Berg-Karabach kann in diesem Licht betrachtet werden.

Aber es ist nicht immer leicht zu unterscheiden, wo aus Unterdrückung Mord wird und wer eigentlich die "Guten" sind. Allzu oft spiegelt die mediale Aufbereitung in den "beobachtenden" Staaten mehr die eigenen Interessen wider als eine ehrliche völkerrechtliche oder ethische Beurteilung: Wer hat mehr Geld, wer ist der bessere Wirtschaftspartner und passt politisch besser? Danach richtet sich die Beurteilung, in der Folge oft Untätigkeit und Schweigen. Aber im Ernst, haben sich die anderen Staaten damals gegenüber Deutschland und den Juden anders verhalten?

Nehmen wir ein anderes Beispiel: Palästina -- aber halt, jetzt betreten wir sehr dünnes Eis. Wo Kritik an der Regierung Israels aufhört und Antisemitismus anfängt, ist nicht scharf definiert und dazu noch emotional hoch aufgeladen. So mag mancher seine Ablehnung des Judentums hinter Israelkritik verstecken, während andere eine berechtigte Staatskritik als Antisemitismus abtun.

So hat der streitbaren Ken Jebsen sich einst ein palästinensiches Yad Vashem gewünscht und ist mit dem wortgewandten Henryk Broder kollidiert. Der Verdacht des Antisemitismus ist bis heute geblieben.

Womit wir wieder beim Thema Yad Vashem sind. Es ist nicht nur ein Ort des Gedenkens und vielleicht auch des Überdenkens, es ist auch eine staatliche Behörde. Und so lässt sich auch mit traurigen Kapiteln Politik machen, und die ist momentan in Israel -- wie leider fast überall auf der Welt -- stark nach rechts verschoben.

Trotzdem ist es -- vorsichtig ausgedrückt -- abstoßend, wenn Premierminister Netanjahu, den Palästinenser- und Araber-Hasser Effi Eitam zum Vorsitzenden der Gedenkstätte berufen will. Derjenige, der ganze Landstriche von Arabern reinigen möchte und Arafat gerne persönlich erhängt hätte, soll jetzt die traurige Geschichte von Tod und Vertreibung überwachen? Das würde die Idee des Yad Vashem konterkarieren und in den Dreck ziehen.


Mehr im Internet:
Wikipedia: Yad Vashem
SZ zu Minderheiten
Broder zu Jebsen
FR zu Effi Eitam
Arte zu Effi Eitam

 

 

 

 

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