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Wirtschaft

24.12.2020 - STADTKULTUR

Das Ende des Verkaufspalastes

Der Lockdown als Wegbereiter des Niedergangs urbanen Lebens

Klaus Oberzig

 
 

Einkaufsmeile Berlin Alexanderplatz
Bild: scienzz

„Auf IKEA.de sind wir auch weiterhin 24 Stunden am Tag für dich da! Hier erfährst du auch, wann wir unsere Einrichtungshäuser wieder für dich öffnen", ist auf den Webseiten der deutschen Ikea-Einrichtungshäuser zu lesen. Alleine der Weihnachtsbaumverkauf finde weiterhin statt. Was vordergründig wie eine Folge des Lockdowns ausschaut, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als von langer Hand vorbereitete Umstellung vom stationären Verkauf hin zum Onlinegeschäft. Bei Ikea nennt sich das „Click & Collect Service". Und der läuft natürlich trotz Schließung der Häuser weiter. „Bestell einfach online und hole Deine Bestellung zu Deinem Wunschtermin bei uns ab", so die freundliche Ansage. Der Wandel vom stationären Handel hin zum digitalen Onlineshopping ist also auch hier in vollem Gange. Allerdings erklärt sich keines der Unternehmen und legt seine Pläne offen.

Ähnlich sieht es bei Media Markt und Saturn aus. Auch hier herrscht scheinheiliges Gefasel. Man wäge zwischen gesundheitlicher Notwendigkeit und wirtschaftlichem Nutzen ab. Man habe in den letzen Monaten gelernt, mit solchen Situationen umzugehen und könne alle Produkte sowie Service und Beratung „off- wie online" anbieten. Damit wird aber auch eingestanden, dass die Elektronikketten längst in der Lage sind, auf ihre Verkaufspaläste zu verzichten und das Geschäft im Stil von Amazon zu betreiben. Eine Verlängerung des Lockdowns, so klingt es zwischen den Zeilen, wäre ihnen nicht unlieb. Wenn da nur nicht die Gewohnheiten des Publikums wären. Und von denen gehen viele immer noch lieber shoppen und bummeln in der Stadt. Der Lockdown ist der erzwungene Bruch mit dieser Kultur.

Shopping bei Saturn oder Media Markt
wird mangels Gelegenheiten aus der
Mode kommen - Bild: scienzz

DIW-Präsident Fratzscher, ein Wirtschaftsprofessor, gab vor zwei Wochen die „wissenschaftliche" Begleitmusik. Ein „härterer Lockdown ist die bessere Option für Gesundheit und Wirtschaft", meinte er. So streut einer, der genau weiß wohin der Hase läuft, seinen verbalen Puderzucker über den Lockdown und dessen Folgen für die Menschen. Alles paletti und die Regierung hat mit dem Lockdown ein super Konzept, so seine Botschaft. Für eine kleine Anzahl von Unternehmen dürfte das schon gelten, aber viele werden diese Radikalkur nicht überleben. Für Hunderttausende Beschäftigte und deren Familien kündigt sich vielmehr ein Desaster an. Das fällt wohl nicht ins Fach des Wirtschaftswissenschaftlers.

Es geht vor dem Hintergrund massiver Einsparungen durch die Digitalisierung nicht nur um die massenhafte Freisetzung von Beschäftigten. Die genannten Beispiele stehen für das Gesicht unserer Städte, ebenso wie die klassischen Kaufhäuser, Supermärkte, Einzelhandelsgeschäfte, Boutiquen und Restaurants. Der Lockdown ist der Beginn einer brachialen Strukturveränderung der Städte, der demnächst wie im Zeitraffer ablaufen wird. Nicht mehr lange hin und diese Zentren des städtischen Lebens werden leer bzw. dem Immobilienmarkt zur Verfügung stehen. Ob eine durchdigitalisierte Gesellschaft überhaupt noch Städte braucht - abgesehen von Konzernzentralen, Regierungspalästen und Schlafquartieren - wird sich in den kommende Jahren herausstellen.


Mehr im Internet:
Ikea Kundeninfo für den Lockdown
H&M-Gruppe in Lockdown Schwierigkeiten
Lecker steril - Grüe Woche wird 2021 digital

 

 

 

 

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