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Wirtschaft

30.01.2021 - KRISENGEWINNER

Jackpot fuer die Oligarchen

Die Corona-Show verbirgt einen gigantischen Raubzug

Svenja Higgins

 
 

Bild: Tumisu auf Pixelbay

Es hat kein Corona gebraucht, um eine soziale und wirtschaftliche gespaltene Gesellschaft zu erzeugen. Ungleichheit lässt sich nicht verhindern --  das schafft der ausgefeilteste Kommunismus nicht und erst recht kein darwinistischer Kapitalismus. In einer sozialen Gesellschaft ist es jedoch eine Kernaufgabe der Politik, die Ungleichheit in einem akzeptablen Maß zu halten und wirtschaftlichen Verwerfungen durch eine stete Umverteilung von reich nach arm zu limitieren.

Die Politik der vergangenen Jahrzehnte hat auf genau das Gegenteil hingewirkt: Sei es die Erbschaftssteuer, das Gesundheitssystem oder die nie eingeführten Abgaben auf Kapitaltransaktionen, profitiert haben die besonders Wohlhabenden, während das Sozialsystem stetig ausgehöhlt wurde.

Corona wirkt nun wie ein Vergrößerungsglas auf diese über lange Zeit aufgebauten Missstände. Es potenziert die wirtschaftlichen Verwerfungen und führt deutlich vor Augen, wohin uns eine Politik geführt hat, der stets das Wohl der Wohlhabenden wichtiger war als eine gerechte Verteilung.

In Deutschland sind es vor allem Menschen mit geringem Einkommen in Kurzarbeit, die unter den Folgen der Lockdown leiden. Aber auch andere Gruppen werden in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht, wie Teile des Mittelstandes, des Einzelhandels und Kulturschaffende. So befürchtet die Schuldnerberaterin Elisabeth Mankertz von der Caritas

"dass vor allem Gewerbetreibende aus dem Kleingewerbe und der Gastronomie dann nicht mehr aus eigener Kraft über die Runden kommen. Das gleiche gilt auch für Selbstständige oder Angestellte, die im Zuge der Coronakrise teils erhebliche Gehaltseinbußen hinnehmen mussten." [1]

In jedem Falle werden große Teile der Bevölkerung sowohl durch die Lockdown-Politik als auch durch die zur Bewältigung der Krise zu erwartenden Abgabenerhöhungen, finanziell verlieren. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über ein Ansteigen sowohl der Armut als auch des Armutsrisikos [2].

Schaut man auf die Situation in den wirklich armen Ländern, so scheint diese Beurteilung der Situation in Deutschland als ein Jammern auf sehr hohem Nivea: andernorts verhungern die Menschen einfach aufgrund von Lockdown, Arbeitslosigkeit oder zusammenbrechenden Hilfssysteme. Oxfam wies schon im Juli 2020 darauf hin, dass mehr Menschen verhungern könnten als am Virus selbst sterben [3].

Für die reichsten Menschen hingegen ist das Corona-Jahr 2020 eher mit einem Lotto-Jackpot zu vergleichen, wobei dieser Vergleich in einem Punkt hinkt: es gab noch nie einen auch nur annähernd so reich gefüllten Jackpot.

Genauso schnell wie sich die Corona-Hysterie ausbreitet, scheint sich die Geldmenge bei wenigen zu konzentrieren. Allein in Deutschland konnten die Milliardäre ihren Besitz um 16% von 500 auf knapp 600 Mrd. Euro steigern [5]. Das Vermögen von Jeff Bezos (Amazon) stieg um 65% und von Elon Musk (Tesla) um sensationelle 524% (hier liegt kein Schreibfehler vor). Mark Zuckerberg (Facebook) konnte sein Vermögen um 89% steigern, während Bill Gates einen Zuwachs von lediglich 23% erzielte [6,8,9]. Allerdings stehen die Gewinne aus den Impfungen noch aus. Auf die Nennung der absoluten Zahlen ihrer Vermögen sei hier verzichtet, da solche Summen ohnehin jede Vorstellungskraft sprengen.

Die Forderung einer "einmalig breiten Allianz" nach einer Anhebung der Regelsätze auf "mindestens 600 Euro und weitere Corona-Soforthilfen für arme Menschen" ist zwar berechtigt, erscheint aber angesichts dieser extrem ungleichen Verteilung der finanziellen und damit auch politischen Ressourcen gleichzeitig so lächerlich wie der Versuch einen Fluss mit Taschentüchern trocken zu legen. Um hier Land zu sehen, braucht es wesentlich tiefere Reformen und einen Blick auch über die deutschen Grenzen hinweg.

Im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums, eines Treffens der Giganten dieses verklebten Systems aus Wirtschaftsmagnaten, Oligarchen und Politik, hat Oxfam nun einen Bericht über das sich verschärfende Problem der Ungleichheit veröffentlicht: "The Inequality Virus". Darin setzen sie tiefer an und fordern eine bessere Umverteilung, eine "Demokratisierung der Wirtschaft" und gemeinwohlorientierte Unternehmen.

Arbeiten wir also daran, dass solche Ziele uns in eine gerechtere Welt führen, im Vertrauen darauf, dass sie ernst gemeint sind und Oxfam nicht nur die Trompeten bläst, die die verschwurbelte Idee des "Great Reset" eben jener Oligarchen einleiten soll.


Mehr im Internet:
[1] Caritas: Die Schuldenwelle kommt erst noch
[2] SZ - Das Armutsrisiko steigt
[3] Neue Hunger-Epizentren durch Covid-19
[4] Einmalig breite Allianz fordert Anhebung der Regelsätze
[5] Tagesschau - Noch reicher trotz Corona
[6] Forbes
[7] Welthungerhilfe - Corona ist Brandbescheuniger
[8] Visual Capitalist
[9] Visual Capitalist - Einzelbild

 

 

 

 

 

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