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Politik

23.04.2021 - NATO

Die Legende vom Kriegsende in Afghanistan

Aber Nato-Truppen sollen durch zivile Soeldnereinheiten ersetzt werden

Klaus Oberzig

 
 

Bundeswehrfahrzeug für den ISAF-Einsatz. Auf der
Flagge steht "Deutschland" auf Dar?.
Bild: GeorgHH / wikipedia

Die Bundeswehr könnte noch früher aus Afghanistan abziehen als geplant. Ursprünglich hatte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) von Mitte August 2021 gesprochen. Inzwischen "wird der 4. Juli als Abzugsdatum erwogen", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die endgültige Entscheidung für das Datum liege aber bei der Nato, genauer beim NATO-Rat. Der Termin des Truppenabzuges wird als Herausforderung für die Logistik hochgespielt. "Vor uns steht nun eine ... logistische Aufgabe. Aber auf diesen Fall waren wir vorbereitet", so der Sprecher.

Statt offizieller Truppen in Afghanistan werden die USA den Einsatz höchstwahrscheinlich mit einer undurchsichtigen Kombination aus geheimen Special-Operations-Kräften, zivilen Auftragnehmern der US-Regierung und verdeckten Geheimdienstmitarbeitern weiterführen. Es gelte nach wie vor, die gefährlichsten Bedrohungen durch Al Qaida oder den Islamischen Staat zu bekämpfen, werden aktuelle wie ehemalige Beamte der Biden-Regierung in der New York Times zitiert. Im US-Soldatenblatt Stars and Stripes wird von mehr als 18.000 Contractors, also Söldnern, plus rund 2.500 regulären Armeeangehörigen gesprochen.

In diesem Zusammenhang wird auch daran erinnert, dass bereits der frühere US-Präsident Donald Trump die Privatisierung des Afghanistan-Krieges ins Gespräch gebracht hatte. Damals war ein entsprechender Vorschlag von Blackwater-Gründer Erik Prince im Gespräch. Blackwater, inzwischen in „Academi" umbenannt, ist laut Eigendarstellung das größte private US-amerikanische Sicherheits- und Militärunternehmen. Es arbeitet als „ militärischer Dienstleister" für Regierungsbehörden, Justiz und auch wohlhabende Bürger. Academi bietet sogar die Durchführung von strategischen und punktuellen Operationen an.

Zu dieser Privatisierungsstrategie gehörte auch, dass die Privatarmeen offiziell nicht für das Pentagon, sondern für einen speziellen „US-Beauftragten für den Krieg" arbeiten sollten, der direkt dem Präsidenten unterstellt worden wäre. Ob Blackwater-Gründer Erik Prince nach dem Abgang von Donald Trump, dem er als Wahlkampf-Finanzier eng verbunden war, noch im Rennen ist, bleib vorerst im Verborgenen. Allerdings ähnelt das Vorgehen der Biden-Administration dem Szenario seines Vorgängers doch frappierend. Und Biden hat die Militärausgaben gegenüber Trumps letztem Haushalt nochmals erhöht.

Ein Beweggrund, warum die USA ein jährliches Militärbudget von fast einer dreiviertel Billion Dollar haben, besteht darin, dieses Geld auch an private Firmen zu verteilen. Als Hintergrund wird gerne angeführt, man müsse etwas für die Veteranen tun, Es sei ja nicht so, dass Soldaten oder Veteranen besonders gut verdienen würden. Allerdings finden sich noch viel wichtigere Gründe für die Aufrechterhaltung der militärischen Präsenz, auch wenn diese nun andere Uniformen tragen soll. Wie schön länger bekannt, schlummern im Boden des völlig verarmten Landes riesige Reichtümer an Rohstoffen und Bodenschätzen. Geologen sprechen von großen Mengen an Kupfer, Kobalt und Gold, die gegenwärtig auf einen Wert von rund 820 Milliarden Dollar taxiert werden.

Zurück zur Bundeswehr. Ob die deutsche Regierung vergleichbare Verschleierungen betreibt und deutsche Soldaten durch private Söldner ersetzen will, ist nicht bekannt. Aber an einer Finanzierung der Camouflage wird bereits kräftig gestrickt. Grundsätzlich, so werden Bundeswehrlogistiker zitiert, gelte die Faustregel: Je kürzer die Zeit für den Abzug, desto mehr Material müsse vor Ort bleiben und dort verschenkt, verkauft oder zerstört werden. Wobei letzteres wohl kaum der Fall sein dürfte. Denn qualifizierte Abnehmer, die mit Waffen und Gerät sachverständig umgehen können, wird es genügend geben. Der Afghanistan-Krieg geht weiter, auch mit deutscher Unterstützung.


Mehr im Internet:
Biden to Withdraw All Combat Troops...", New Yorl Times 13.4.2021, updated 21.0.2021
„Officials worry Trump may back Erik Prince plan to privatize war in Afghanistan", NBC News, 17.8.2018
„US says over 18,000 contractors remain in Afghanistan", Stars&Stripes , 19.01.2021

 

 

 

 

 

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