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Haust Du meinen Pudel, hau ich Deinen Pudel

Nach dem Bashing gegen die gruene Kanzlerkandidatin laeuft die Retourkutsche gegen Armin Laschet

Willi Dietzel

 
 

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet
Bild: Olaf Kosinsky, CC BY-SA 3.0 in wikipedia

Auch wenn in den alten Medien viel über eine schwarz-grüne Koalition spekuliert wird, besteht zwischen beiden bürgerlichen Parteien ein Konkurrenzverhältnis. Kein Wunder, geht es doch nicht nur um Prozente, sondern darum, wie viele Parteifreunde die lukrativen Plätze an den Futtertrögen ergattern. Der Wahlausgang entscheidet nicht nur für die erfolgreichen Kandidaten, sondern ebenso für deren gesamte Entourage über Wohlstand, lukrative Posten und langfristige Absicherung. Die Altersversorgung nicht zu vergessen. Eben über das, was man Zugriff oder zumindest Teilhabe an den Pfründen nennt.

Es war also nicht verwunderlich, dass das Bashing gegen Annalena Baerbock, die grüne Kanzlerkandidatin, auch von, der Union nahestehenden, Blättern und Sendern mit Häme und Intensität betrieben wurde. Und die CDU/CSU schaute, soweit sie nicht selbst mit gezündelt hatte, doch mit klammheimlicher Freude zu. Jetzt wird aus grünen Parteikreisen die Retourkutsche angeschoben. Armin Laschet, der CDU-Kandidat, habe auch einen befleckten Lebenslauf. Und der wird mit vielen Details ausgebreitet. Und wieder sind die gleichen Medien beteiligt. Der Schrei über den Skandal ist eben zugleich der Schrei nach Auflage.

Armin Laschet sei in der 9. Klasse sitzen geblieben. Ein Schicksal, das er wohl mit manchen Medienschaffenden teilt. Er machte mit fast zwanzigeinhalb Abitur. Zuvor, im Alter von achtzehn Jahren, war er in die CDU eingetreten. Da wehruntauglich, musste er auch keinen Zivildienst leisten. Von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert, absolvierte Laschet nach 12 Semestern das 1. juristische Staatsexamen, das 2. Staatsexamen absolvierte er nicht. Er ist kein Volljurist.

Sowohl in München als auch in Bonn, wo er studierte, schloss sich Laschet farbentragenden Studentenverbindungen an. Bundesbrüder sollten später überall für ihn wichtig werden. Und dann wird, als dümmlicher Dreckspitzer, kolportiert, es gebe keine Angaben darüber, dass Laschet regulär als Journalist ausgebildet worden sei. Als ob das in diesem ungeschützten Beruf erforderlich sei. Wie viele von denen, die aktuell in den alten Medien die Regierungssülze verbreiten, haben denn ein reguläres Volontariat absolviert? Belegt ist, dass Laschet beim Münchener "Gutelaune"-Lokalsender 95.5 Charivari und für Report München tätig war. Bei letzterem war damals Laschets Bundesbruder Heinz-Klaus Mertes Leiter. Was ist daran ungewöhnlich? Es ist Mediennormalität, nichts, womit Laschet hervorstechen würde.

Der heutige CDU-Chef, Ministerpräsident und Kanzlerkandidat verdingte sich, als das mit der Journalistenlaufbahn doch nicht so lief, nach dem 1. Staatsexamen zunächst in Bonn bei CDU-MdB und Bundesbruder Philipp Jenninger als Redenschreiber. Als Jenninger 1990 nicht mehr für den Bundestag kandidierte, wurde Laschet an Rita Süssmuth weitergereicht. Übrigens, die Episode Jenninger taucht in seinem Lebenslauf nicht auf. Liegt vielleicht an dessen Skandalrede im Bundestag am 10.11.1988, die zu seinem sofortigen Abschuss als Bundestagspräsident geführt hatte. Laschet hatte trotzdem versucht, mit Hilfe seines Schwiegervaters, des Verlegers Heinz Malangré, die Skandalrede Jenningers mit einem Büchlein rein zu waschen.

Es folgt dann das, was bei Parteikarrieren durchaus üblich ist. Laschet erbte 1994 den Wahlkreis Aachen I von seinem Bundesbruder Hans Stercken, verlor das Mandat aber bei der nächsten Wahl gleich wieder an die SPD. Schwiegervater Malangré gab ihm daraufhin eine Anstellung in seinem Einhard-Verlag, der u.a. die Aachener Kirchenzeitung herausgibt. Laschets Schwiegervater ist der Bruder von Kurt Malangré, einem früherer OB Aachens, der Mitglied im Europaparlament war und erstes Mitglied der katholischen Prälatur beim erzkonservativen Opus Dei in Deutschland. Über diese Familienschiene kam Laschet dann selbst ins EU-Parlament, indem er Kurt Malangés Sitz 1999 übernahm.

Auch Laschets Einzug in die Landesregierung von Jürgen Rüttgers hatte er den Proporzregeln zu verdanken. Rüttgers habe einfach einen Vertreter des Aachener CDU Bezirksverbandes am Kabinettstisch haben müssen. Selbst das Ministerium - Generationen, Familie, Frauen und Integration - war alles anderes als spektakulär. Laschet hinterließ lediglich ein Kinderbildungsgesetz, kurz KIBIZ, das mit Kindertagesstätten zu tun hat. Parallel dazu versah er noch einen Lehrauftrag an der RWTH Aachen, der ihm allerdings Ärger einbrachte. Er verließ die Hochschule mit dem Spitznamen „Würfelarmin" weil er wohl wenig Muse für Klausuren und Notengebung hatte. Und den Spürsinn seiner Studis unterschätzt hatte.

Um den Kanzlerkandidaten vom Stuhl zu stoßen, ist das zu dürftig, was die Grünen zusammenmixen. Es ist ein CDU-Lebenslauf wie viele andere auch. Dergestalt sind auch seine politischen Positionen. Die Betonung der christlichen Werte, die Ablehnung der Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen mit der konventionellen Ehe ebenso wie die Bereitschaft, den Hambacher Forst für die Profitinteressen von RWE zu opfern. Die Liebe zur Braunkohle teilen bekanntlich auch andere Parteien mit dem CDU-Vorsitzenden.

Selbst die Tatsache, dass Laschet gerne Positionen wechselt, bis er sich endgültig festlegt, weißt ihn nur als typischen Parteipolitiker aus, dessen Karriere daran gebunden ist, immer mit der Mehrheit zu schwimmen. Das gilt nicht nur für die Sozial- und Familienpolitik, sondern etwa auch für die Aufklärung von Fällen sexualisierter Gewalt durch Geistliche. Da spricht der praktizierende Katholik lieber über das Vertrauen in die Kirche, denn über staatliche Strafmaßnahmen gegen die Täter. Selbst die Differenzen in der Klimapolitik verwischen sich und landen bei der Kritik, Laschets Positionen seien „unzureichend". Das sagen inzwischen auch Kritiker der Grünen Energie- und Klimapolitik.

Was bleibt ist ein misslungener Versuch grüner Strategen, den Spies umzudrehen. Was für Baerbock galt, gilt auch für Laschet. Im politischen Kern unterscheiden sie sich nicht wirklich. Keiner will das bestehende System einer Wachstumsgesellschaft in Frage stellen und beide sind Vertreter der Philosophie, wonach sich der Mensch als Krone der Schöpfung die Erde und die Natur nach Belieben Untertan machen könne. Beide befürworten den „Great Reset" und den Wandel der Wissenschaft zur Hilfstruppe der Herrschenden. Sie sehen gleichermaßen die Digitalisierung der Gesellschaft als Kern der sogenannten 4. Industriellen Revolution und propagieren diese als Fahrplan für die Zukunft der Menschheit. Viel Lärm um nichts und die übliche Politinszenierung, um der Fassadendemokratie einen Anstrich von Glaubwürdigkeit zu verpassen.


Mehr im Internet:
Skandalrede von Philip Jenninger im Bundestag am 10.11.1988
Würfelarmin an der RWTH Aachen

 

 

 

 

 

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