Kontrovers
Wissenschaft
Politik
Wirtschaft
Kultur
Medien
Kontakt
archiv
Suche
Go 
Copyright by scienzz.
All rights reserved.
Politik

31.08.2021 - MODERNER ABLASSHANDEL

Klimaneutralitaet in der Praxis

Befragung der Deutschen Umwelthilfe deckt Greenwashing bei vielen Unternehmen auf

Deutsche Umwelthilfe / scienzz

 
 

Das Niveau der Propaganda der Bahn gleicht dem ihrer Zuverlässigkeit
Bild: scienzz


Immer mehr Unternehmen in Deutschland werben mit der Nutzung von bis zu 100 Prozent Ökostrom. Eine aktuelle Befragung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) unter 66 Unternehmen zeigt: Eine große Zahl an Unternehmen betreibt mit der Ausweisung von Ökostrom Greenwashing. Statt tatsächlich Strom aus Erneuerbaren Energien zu kaufen, setzen Unternehmen offenbar weiterhin auf den normalen Strommix und erstehen zusätzlich günstige Grünstromzertifikate, zum Beispiel von norwegischen Wasserkraftwerken. So wird Strom aus Kohle, Gas oder Atomkraft mit Hilfe der so genannten Herkunftsnachweise umetikettiert. Dieses Vorgehen ist zwar legal, Investitionen in den Bau neuer Erneuerbarer-Energien-Anlagen und damit in die Energiewende sind damit aber nicht verbunden. Der Kundschaft wird ein Engagement für den Klimaschutz lediglich vorgetäuscht, so der Umwelt- und Verbraucherschutzverband.

Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der DUH:„Wo bei den befragten Unternehmen Ökostrom draufsteht, ist nicht immer Klimaschutz drin. Die wenigsten Unternehmen investieren in den Bau neuer Erneuerbarer-Energien-Anlagen - eine unerlässliche Voraussetzung für den Klimaschutz. Stattdessen kaufen viele Unternehmen billige Ökostrom-Zertifikate von alten Wasserkraftwerken. Das ist unredlich und muss unterbunden werden. Wir fordern die Unternehmen auf, ihren Kundinnen und Kunden ehrlich gegenüber zu treten. Sie müssen statt in Herkunftsnachweise in Erneuerbare-Energien-Anlagen investieren oder direkte Strombeschaffungsverträge abschließen. Gleichzeitig fordern wir die nächste Bundesregierung auf, eine Umetikettierung von konventionellem Strom zu untersagen, da diese Praxis die Energiewende in Deutschland durch ausbleibende Investitionen regelrecht ausbremst."

Von den insgesamt 66 angeschriebenen Unternehmen hat der Umwelt- und Verbraucherschutzverband 19 Rückmeldungen erhalten. 12 Unternehmen betreiben demnach eigene Erneuerbare-Energien-Anlagen. 7 Unternehmen haben direkte Bezugsverträge mit Erneuerbare-Energien-Anlagen aus dem Inland abgeschlossen. Neben diesen Bezugsquellen bestätigten außerdem 9 Unternehmen die Nutzung von Herkunftsnachweisen. Die 47 verbleibenden Unternehmen wollten sich auch nach wiederholten Erinnerungen und persönlicher Ansprache nicht an der Umfrage beteiligen.

Obwohl laut Befragung einige Unternehmen bereits auf echten Ökostrom setzen, sind die hierbei bezogenen Strommengen im Vergleich zu den Strommengen, die aus eingesetzten Herkunftsnachweisen stammen, gering. Laut Berechnungen der DUH wird über die Beschaffungsoption der Herkunftsnachweise in Kombination mit konventionellem Börsenstrom die dreifache Menge Strom gegenüber der echten Ökostrommenge bezogen. Die DUH fordert alle Unternehmen auf, die Umetikettierung von herkömmlichem Strom zu unterlassen und stattdessen auf echten Ökostrom aus eigenen Anlagen oder direkten Bezugsverträgen zu setzen. Gute Möglichkeiten für den Bezug von Ökostrom sind bereits vorhanden: Unternehmen können Strom entweder aus eigenen Erneuerbaren-Anlagen oder aus direkten Strombezugsverträgen beziehen, die sie mit Produzenten von Erneuerbaren Energien abschließen.

„Die fehlende Transparenz der Unternehmen irritiert uns sehr. Wer mit seinem grünen Ökostrom-Portfolio wirbt und ambitionierte Ökostromanteile anstrebt, sollte eine solche Umfrage mit Leichtigkeit beantworten können. Stattdessen haben wir mehrheitlich keine oder kaum auswertbare Daten bekommen. Das erweckt den Verdacht, dass die Unternehmen etwas zu verbergen haben. Wir fordern die Unternehmen auf, das Versteckspiel zu beenden und die Herkunft ihres Ökostroms transparent zu machen", so Constantin Zerger.

Dieses Versteckspiel wird nicht nur von Unternehmen betrieben. Im politischen Raum wird der Schwindel dann fortgesetzt und als „Klimaneutralität" verkauft. Tatsächlich wird nicht nur kein Klimagas eingespart, sondern die Energiewende unterlaufen. Es ist eine Art Ablasshandel, der notwendige Investitionen in Erneuerbare Energien verhindert, die Emittenden zugleich aber vom Makel der Klimaschädiger freispricht und ihnen das verbriefte Recht zuspricht, weiterhin unbehelligt emittieren zu können.


Mehr im Internet:
Zum Download Broschüre "Woher kommt der Ökostrom? - Wie deutsche Unternehmen ihre Ökostromziele erfüllen und wie sie dabei tricksen" 
Die Lüge von der Klimaneutralität, scienzz 14.12.2020
Legende Klimaneutralität 2021, PPT-Folien

 

 

 

 

 <<< 

Artikel versenden

Druckversion

 >>> 


ticker


termine


impressum


├╝ber uns
Unsere Dossiers

Hier finden Sie nach Fachgebieten aufgeschlüsselt eine Liste unserer gesammelten Magazin-Artikel.
Beispiel: Dossiersammlung
 Sprache und Literatur > mehr
       Einzel-Dossier
        Thomas Mann > mehr
               Einzelner Artikel
                Goethe steigt vom Sockel,
                Zur Neuausgabe von Tho-
                mas Manns Roman "Lotte
                in Weimar" > mehr


Dossiersammlung
Philosophie und Wissen-
schaftsgeschichte
> mehr


Dossiersammlung
Religion
> mehr


Dossiersammlung
Sprache und Literatur
> mehr


Dossiersammlung
Theater, Musik, Kunst
> mehr


Dossiersammlung
Brauchtum und Kultur
> mehr


Dossiersammlung
Gesellschaft und Politik
> mehr


Dossiersammlung
Geschichte
> mehr

 

kurz gemeldet