Die Sehnsucht nach dem "Kontakt" - warum wir nicht allein bleiben wollen
von Josef Tutsch
Noch Zukunftsmusik: "2010 -
das Jahr, in dem wir Kontakt
aufnehmen" (1984)
Außerirdisches Leben? Dazu hatte der schottische Geistliche Thomas Dick 1837 eine präzise Auskunft parat: In unserem Sonnensystem leben genau 21.894.974.404.480 Menschen oder menschenähnliche Geschöpfe. Dick hatte einfach für andere Planeten denselben Prozentsatz bewohnbarer Fläche angesetzt wie auf der Erde und die Bevölkerungsdichte der Britischen Inseln zugrundegelegt.
Darüber kann man lächeln; aber viel verlässlicher sind heutige Berechnungen auch nicht. Die Zahl der Planetensysteme im Weltall, die Zahl jener Planeten, auf denen sich Leben, Intelligenz und Hochtechnologie entwickeln kann und wirklich entwickelt hat - lauter unbekannte Größen, die nicht "fester" werden, wenn man sie miteinander kombiniert, und auch dadurch nicht fester geworden sind, dass nun tatsächlich ein erdähnlicher Planet, bloß 20 Lichtjahre entfernt, entdeckt worden ist. Noch komplexer wird das Problem, wenn wir "Kontakt" aufnehmen wollen: Da wäre auch nach der durchschnittlichen Lebensdauer solcher Zivilisationen zu fragen.
"Star trek" (1979)
Übrigens sollte man Rechnungen nicht ohne den Wirt zu machen versuchen. Woher nehmen wir eigentlich die Vermutung, dass unsere Nachbarn im Weltraum, wenn es sie denn gibt, auch kommunikationswillig sind? Oder umgekehrt gefragt: Woher rührt das Bedürfnis unserer irdischen Zeitgenossen, in diesem Kosmos "nicht allein" sein zu wollen? Vor gut 400 Jahren wurde der Dominikanermönch Giordano Bruno als Ketzer verbrannt, weil er - entsprechend der Unendlichkeit des Schöpfergottes - eine unendliche Vielzahl bewohnter Welten in der Schöpfung lehrte. Inzwischen haben die Theologen hinzu gelernt: Die göttliche Gnade wird sich auch auf andere Sterne erstrecken. Luthers Mitarbeiter Melanchthon hatte im Jahre 1550 in einem "Anfängerlehrbuch der Physik" noch argumentiert, die Bewohner anderer Welten könnten keinesfalls zur Erlösung berufen sein, weil der Sohn Gottes nun einmal auf unserer Erde gekreuzigt wurde und auferstanden ist.
Außerhalb der christlichen Tradition ist die Idee von "extraterrestrischer Intelligenz" keineswegs neu. Buddhismus und Hinduismus nehmen eine Vielzahl von Welten an, auch die antiken Pythagoreer hielten die Gestirne für bewohnt. Selbst im christlichen Mittelalter taucht der Gedanke auf: Kardinal Nikolaus von Kues erlaubte sich die Spekulation, Gott in seiner Allmacht könne den geschaffenen Weltraum nicht leer gelassen haben. Mit Kopernikus, Galilei und Kepler wurde das Gedankenspiel zur empirischen Wissenschaft: Wenn unsere Erde ein Planet war, dann durfte man vermuten, dass auch andere Planeten "Erden" waren und ihre "Menschheiten" hatten.
"Mars attacks!" (1996)
Binnen weniger Jahrzehnte traten die Dichter, den technischen Möglichkeiten vorauseilend, die Fahrt zu den Sternen an. 1657 erschien der berühmte Mondroman des Cyrano de Bergerac: Die Bewohner des Mondes führen einen Ketzerprozess gegen einen reisenden Menschen, der seiner unsinnigen Behauptung, die Erde wäre von intelligenten Wesen bevölkert, abschwören muss ... 1726 spielte Jonathan Swift in "Gullivers Reisen" mit den Herrschaftsmöglichkeiten, die eine überlegene Technik eröffnet: Die Herren auf der fliegenden Insel Laputa bestrafen widersetzliches Verhalten der Erdbewohner, indem sie ihnen Sonne oder Regen entziehen und notfalls ihre Insel herabfallen lassen. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte der amerikanische Hobby-Astronom Percival Lowell die Theorie, auf dem Mars wäre die technische und soziale Evolution längst auf einem höheren Stadium angelangt als auf unserer Erde.
Wie der "encounter" mit derart überlegenen Außerirdischen ablaufen könnte, hat H. G. Wells 1897 in seinem "Krieg der Welten" drastisch an die Wand gemalt: Bei der Eroberung der Erde durch die Marsbewohner droht den Menschen die Auslöschung. Oder genau genommen eine "Desinfektion", denn aus Sicht der Marsianer handelt es sich ja um so etwas wie Schädlingsbekämpfung. Nun ja, Gruselgeschichten finden immer Absatz; schließlich wird Dantes Höllendarstellung auch eifriger gelesen als seine Paradiesgesänge. Im Licht der angeführten Wahrscheinlichkeitsrechnungen scheint diese Perspektive aber realistisch. Wenn man annimmt, dass technologisch entwickelte Systeme ein paar zehn Millionen Jahre überdauern können, dann befinden wir selbst uns gerade erst am Anfang - unsere "Partner" wären also voraussichtlich überlegen.
"Krieg der Welten" (2005)
Wells erinnerte an die Eroberung fremder Kontinente durch die Europäer: "Bevor wir die Marsianer zu hart beurteilen, müssen wir uns erinnern, mit welcher schonungslosen und grausamen Vernichtung unsere eigene Rasse nicht nur gegen Tiere wie den verschwundenen Bison und den Dodo, sondern gegen unsere eigenen inferioren Rassen gewütet hat. Die Tasmanier wurden trotz ihrer Menschenartigkeit in einem von europäischen Einwanderern geführten Vernichtungskrieg binnen fünfzig Jahren völlig ausgerottet. Sind wir solche Apostel der Gnade, dass wir uns beklagen dürfen, wenn die Marsleute uns in demselben Geist bekriegen?"
Viel menschenfreundlicher fällt die Spekulation des jungen Immanuel Kant in seiner frühen Schrift zur "Theorie des Himmels" aus: Unsere unsterblichen Seelen könnten nach dem Tod auf entfernten Planetenkugeln Aufnahme finden und dort jene Glückseligkeit finden, die uns auf Erden versagt geblieben ist. Was Kant wohl zur Anwendung seiner Philosophie in dem Roman von Kurt Laßwitz gemeint hätte? "Auf zwei Planeten", erschienen im selben Jahr wie das Buch von Wells, zeichnet das Bild von solchen Außerirdischen, denen die Morallehre ihres "unsterblichen Philosophen Imm" zur zweiten Natur geworden ist; mit einem pädagogisch gemeinten Kolonialismus bringen sie auch die Erdenmenschheit der Vollendung entgegen ... Ob Erich von Dänicken sich mit seinen Theorien zur gentechnologischen Vorgeschichte der Menschheit von Laßwitz hat inspirieren lassen?
"Planet der Affen" (2001)
Jedenfalls ist die Unvollkommenheit unserer irdischen Welt ist ein durchgehendes Motiv der extraterrestrischen Gedankengänge. 1752 nahm Voltaire in seiner Erzählung "Mikromegas" die Erde aus der Perspektive zweier Weltraumbummler vom Sirius und vom Saturn ins Visier. Die beiden Reisenden brechen in unendliches Gelächter aus, als ein Theologieprofessor ihnen ganz ernsthaft erklärt, alle diese Sterne, Sonnen und Monde wären einzig für den Menschen erschaffen ... So ganz zum Lachen ist diese sehr menschliche Einstellung aber wohl doch nicht. "Alexander der Große wäre untröstlich gewesen, wenn er eine Welt gesehen hätte, die er nicht erobern konnte", lesen wir 1686 bei Bernard de Fontenelle, in dem klassischen Werk der Popularwissenschaft über die "Vielzahl der Welten". Aristoteles, wird da in einem spaßigen Einfall zur Ideengeschichte erzählt, hätte seinem Schüler aus diesem Grund verschwiegen, dass der Mond bewohnt ist.
"Gewiss ist das Universum nun viel großartiger als zuvor", antwortete Fontenelle auf die Frage, welchen Vorzug denn ein vielerorts belebter Kosmos hätte. Ein Gegenmodell zu dem, was Blaise Pascal in seinen Notizen ausgedrückt hat: "Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume erschreckt mich." Ist es am Ende eine Frage des großartigen Geschmacks und des Nicht-erschrecken-wollens, ob wir in diesem Kosmos allein sind? und dass wir auf keinen Fall allein bleiben wollen? Zwar bedeutet, wie wir aus dem Griechisch-Lexikon erfahren, das Wort "Kosmos" soviel wie "Ordnung" oder "Schmuck"; aber die moderne Naturwissenschaft gibt uns keine Garantie, dass die Welt nach unseren - übrigens durchaus schwankenden - Geschmacksvorstellungen eingerichtet ist. Und schon gar nicht, dass bei einem "Kontakt" unsere Bedürfnisse erfüllt werden. "Du möchtest dir ein Stichwort borgen", heißt es in einem Gedicht von Gottfried Benn, "allein bei wem?" Wahrscheinlich fällt uns außer den Extraterrestrischen dort oben niemand mehr ein.
Auf dem Büchermarkt: Karl S. Guthke: Der Mythos der Neuzeit. Eine Literatur- und Geistesgeschichte des Themas der Mehrheit der Welten, Bern 1983
First Solar und Vestas enttäuschen mit Q1-Zahlen. Die RENIXX-Schwergewichte First Solar und Vestas haben die Geschäftszahlen für das erste Quartal 2011 vorgelegt und dabei die Erwartungen der Anleger nicht erfüllen können. Beide Aktien geben im frühen Handel nach und ziehen den RENIXX unter die Marke von 520 Punkten.
Fukushima 1: Arbeiter wagen sich in Reaktorgebäude 1. Erstmals seit der Zerstörung am 11. März 2011 haben nun Arbeiter des Betreibers Tepco das Gebäude von Reaktorblock 1 betreten. Sie sollen Filtersysteme einbauen um die radioaktiv verseuchte Luft im Gebäude zu reinigen. Sie dürfen sich jedoch nur jeweils 10 Minuten im Gebäude aufhalten. Drei Gruppen sollen sich mit dem Einbau abwechseln.
Q-Cells Vorstandsmitglied Rauter hat sein Amt auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Der Aufsichtsrat der Q-Cells hat dem in seiner Sitzung am 4. Mai entsprochen. Gerhard Rauter (53) war seit Oktober 2007 als Chief Operation Officer (COO) für Q-Cells tätig und zuletzt für Produktion und Technologie verantwortlich.
Weltmarktführer: BELECTRIC er- richtet 2010 über 300 MW PV-Leistung und installierte damit weltweit mehr PV-Leistung als jedes andere Unternehmen. Das geht aus einer Analyse des Marktforschungsinstitut IMS Research hervor. In 2011 will das Unternehmen aus dem bayerischen Kolitzheim bis zu 60 Prozent des jährlichen Auftragsvolumens im Ausland realisieren.
Neue Hinweise für eine Virus- Beteiligung bei Prostatakrebs glauben US-Forscher gefunden zu haben. Sie haben das Virus XMRV bei fast jedem dritten untersuchten Prostata-Krebspatienten gefunden. Sollte das Virus der Auslöser sein, könnte man eine Impfung entwickeln wie gegen Gebärmutterhalskrebs.
Im Dschungel von Papua-Neugui- nea entdeckten Wissenschaftler vom Smithsonian Nationalen Museum für Naturkunde in Washington ein Nagetier, das die Größe eines Dackels erreicht. Die Riesenratte misst gut 80 Zentimeter und wird anderthalb Kilogramm schwer.
Der Schwanz, den Geckos auf der Flucht vor Verfolgern abwerfen, kann noch bis zu einer halben Stunde lang tanzende Bewegungen vollführen und den Feind auf diese Weise ablenken, so Zoologen der Clemson University in South Carolina.
Auf Kuba wurden die fossilen Reste eines riesigen Krokodils gefunden, das vor 20 Millionen Jahren gelebt haben soll. Das zehn Meter lange Skelett wurde in der Provinz Sancti Spiritus entdeckt.
In einem erloschenen Vulkan auf der Osterinsel entdeckten Forscher der Universität von Manchester einen Steinbruch. Aus dieser Quelle könnten auch die roten Hüte stammen, die viele der legendären Riesenfiguren tragen, vermuten die Wissenschaftler.
Der deutsche Bundestag hat alle im Zweiten Weltkrieg gegen "Kriegsverräter" ausgesprochenen Urteile mit den Stimmen aller Fraktionen aufgehoben. Die Anlässe für diese Urteile reichten von politischem Widerstand und der Hilfe für verfolgte Juden über kritische Äußerungen über Krieg und Nazis bis hin zu Schwarzmarktgeschäften.
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03.08.2009 - MATHEMATIK Mit am Start bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin
"Mathematik zählt, weil...du damit fast alles erklären kannst, vielleicht sogar deine gute Note in Sport", meint Mathematik-Professor Matthias Ludwig, Autor des Buches "Mathematik und Sport" und Mathemacher des Monats August der Deutschen Mathematiker Vereinigung. > mehr
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17.07.2009 - ANTHROPOLOGIE
EVIDENCE how do we know what we know?
"Evidence" ist eine Web- Ausstellung des Museums Exploratorium in San Francisco. Anhand einer Fallstudie wird erklärt, wie Wissenschaft funktioniert. Hierbei steht die Arbeit des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie zur Erforschung der menschlichen Ursprünge im Mittelpunkt. > mehr