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14.01.2005 - DAAD-LEIBNIZ-STIPENDIEN
Wissenschaft International in Adlershof
Stipendienprogramm trägt erste Früchte
Marie Vigener
 | | Die indische Gastwissenschaftlerin
Sonia Gnanapragasam am Arbeitsplatz
| | | Strahlend und bis über beide Ohren in einen Staubschutzanzug ver-packt hält die junge Frau eine kleine silbrig schimmernde Scheibe hoch. Die Scheibe ist ein beschichteter Wafer und der Grund, warum Sonia Gnanapragasam aus Indien nach Deutschland gekommen ist. Die zierliche Nachwuchs-wissenschaftlerin aus Chennai, dem früheren Madras, ist eine der ersten DAAD-Leibniz-Stipendiaten. Seit Juni 2003 lebt sie in Berlin und arbeitet am Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH) in Adlershof.
Sonia, wie sie der Einfachheit halber auch am Institut genannt wird, ist zu Beginn des Gesprächs ein wenig schüchtern. Sie lächelt zwar breit, aber ihre Stimme ist leise und die Antworten kurz. Nach einer Weile taut sie auf und beginnt ausführlicher zu erzählen. Ihr fiel es am Anfang schwer, sich an Deutschland zu gewöhnen. Sie vermisste ihre Familie und telefonierte horrende Telefonrechnungen zusam-men. "Für mich hat sich alles geändert: eine neue Welt, ein neues Leben, ganz neue Erfahrungen", erinnert sie sich. "Ich habe sechs Monate gebraucht, um mich einzuleben."
Mittlerweile fühlt sie sich sehr wohl – und hat sogar ihren Frieden mit der deutschen Küche gemacht. "Anfangs habe ich oft entdeckt, dass verlockend aus-sehende Sachen überhaupt nicht schmecken", verrät sie grinsend. Vor allem ein Sommerfest am Institut ist ihr in bleibender Erinnerung: "Diese Schweinesteaks – brr!" Sie schüttelt sich immer noch. Einen Bogen macht sie auch um Rindfleisch. "Aber mittlerweile weiß ich, was mir schmeckt", lächelt sie. Und ganz in der Nähe ihrer Wohnung habe gerade ein indisches Restaurant eröffnet. "Da gehe ich ab und zu essen." Ihre Erfahrungen mit den Menschen sind sehr positiv, obwohl sie zahlreiche Bekannte vor Rassismus in Deutsch-land warnten. "In Indien glauben viele, dass Deutschland ein wirklich gefährliches Land ist", sagt Sonia.
Für sie ist Deutschland die große Unbekannte. "Adlershof ist ziemlich ruhig, fast wie eine eigene Welt. Aber sobald ich ins Zentrum fahre, merke ich, dass ich in Deutschland bin." Das hat sie auch gerade ihrer Schwester gezeigt, die in Australien arbeitet und zum ersten Mal zu Besuch war. "Wir waren in Rostock und Lübben an der Spree", erzählt sie fröhlich. Deutsch spricht sie nur wenig, aber die Ver-ständigung, sagt sie, klappt ziemlich gut: auf Englisch oder mit Händen und Füßen.
Eine Vorstellung davon bekommt man, wenn man Sonia an ihren derzeitigen
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Stipendienprogramm von DAAD und Leibniz-Gemeinschaft Die Formalitäten: Die Mittel für die Stipendiaten kom-men aus den Instituten der Leibniz-Gemeinschaft. Das Programm ist offen für Graduierte, Doktoranden und Postdoktoranden aus aller Welt, die für sechs Leibniz-Institut arbeiten wollen. Das Qualifikationsprofil der Stipendiaten spezifizieren die Ein-richtungen selbst. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) macht die Stipendienange-bote weltweit bekannt, prüft die Bewerbungen und betimmt die drei besten Bewerber durch ein eigenes Gutachtergremium. Das Leibniz-Institut wählt aus diesen Kandidaten aus, und der DAAD erledigt alle Einreise- und Versicherungs-formalitäten. | Hauptarbeitsplatz im FBH begleitet: die Material-technologie, in der mit Hilfe der Gasphasenepitaxie dünne Halbleiterschichten auf Wafern gezüchtet werden. Kaum ange-kommen und in den Schutzanzug gepackt, ver-liert Sonia alle Schüchtern-heit. Gestenreich und mit einer beeindruckenden Ge-schwindigkeit erklärt sie, wie sie unter Reinraum-bedingungen Schichten aus Galliumnitrid herstellt. Diese Schichten werden später zu Leistungstransis-toren oder blauen Leucht-dioden. Es kommt darauf an, erklärt sie, dass die Schichten möglichst gleich-mäßig zusammengesetzt und homogen auf dem Wafer verteilt sind. Daher besteht ihre Hauptaufgabe in exakten Messungen. "Wenn die erste Schicht perfekt ist, kann man darauf auch zehn oder mehr der nur wenige Atomlagen dünnen Schichten aufbauen", sagt sie, während sie die einzelnen Messgeräte zeigt. Der erste fertige Satz der kleinen Transistoren liegt in einer Schublade in ihrem Büro: Die ursprünglich runde Scheibe ist in kleine rechteckige Stücke zersägt. "Kleiner als ein Zentimeter dürfen die Seitenränder für die späteren Tests nicht sein", erklärt sie.
Für das DAAD-Leibniz-Programm hat Sonia sich beworben, weil das Stipendium in Deutschland ihre einzige Chance auf eine Promotion war. "Mein finanzieller Hintergrund in Indien ist nicht so gut, dass ich mir ein weiteres Studium hätte leisten können." Also reichte sie ihre Unterlagen ein und hoffte auf ein DAAD-Stipendium. Das Programm, erzählt sie, habe einen sehr guten Ruf in Indien. Ihre Familie unterstützte sie. "In Indien ist es für Frauen immer noch schwer sich durchzusetzen oder eine gute Ausbildung zu bekommen", sagt sie. Glücklicherweise fand ihr Vater, selbst Physiker, dass seine Tochter studieren sollte. Nach der Bewerbung hieß es erst einmal warten. "Ich habe nach meiner Bewerbung lange nichts gehört", erinnert sie sich. "Doch dann ging alles ganz schnell."
Zunächst wusste sie nichts von der Verbindung zur Leibniz-Gemein-schaft, erst das Bestätigungsschreiben machte sie darauf aufmerksam, dass es sich nicht um das reguläre DAAD-Stipendium handelte. Beide Stipendien sind in etwa gleich dotiert. Im Endeffekt fand sie das DAAD-Leibniz-Programm aber sogar besser: "Das Leibniz-Stipendium kann man von 18 Monaten auf drei Jahre ausweiten", erklärt Sonia. Die Organisation habe alles in allem ganz gut geklappt, nur die Zusage sei zu kurz-fristig gekommen. Auf Institutsseite gab es zunächst einige Unstimmigkeiten mit dem DAAD, vor allem über finanzielle Fragen, die aber mittlerweile geklärt sind.
Mit freundlicher Genehmigung der Leibniz-Gemeinschaft.
Mehr im Internet: Ausschreibung für das Stipendienprogramm Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik (FHB)
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