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17.02.2005 - ANGEWANDTE ZOOLOGIE

In die Falle gelockt

Insektenforscher entwickelt Lockstoff gegen Käferplage

Ilka Seer

 
 

Bild: J. Ruther
Der Gartenlaubkäfer beschädigt vor allem in Ostdeutschland die Apfelbäume und gefährdet so die Ernte. Denn die ausgewachsenen Käfer fressen nicht nur die Blätter der Bäume, sondern auch deren Früchte. Sie verursachen an Äpfeln einen typischen Lochfraß, der zum vorzeitigen Abfallen der Früchte führen kann und das Eindringen von Krankheitserregern erleichtert. An vielen Orten ist der Gartenlaubkäfer zu einer echten Plage geworden: Er befällt die Plantagen und vernichtet Mengen an Obst. Übliche Pflanzenschutzmittel sind nur bedingt einsetzbar - deshalb hat ein Insektenforscher von der Freien Universität Berlin einen Lockstoff entwickelt, mit dem die Käfer in Trichterfallen gefangen werden. Ein Feldversuch hat gezeigt: Ein großer Teil der Schäden kann so verhindert werden. Der Lockstoff ist zum Patent angemeldet worden.

 ...angelockt in die Falle gegangen
Besonders in Brandenburg kommt es durch den Lochfraß des Gartenlaubkäfers Phyllopertha horticola regelmäßig zu Schäden im Apfelanbau. Im Kampf gegen die Plage sind Pflanzenschutzmittel nur beschränkt einsetzbar: "Die Verwendung von Insektiziden ist problematisch, weil sie nicht nur die Schädlinge, sondern auch die Nützlinge bedrohen", erklärt der Insektenforscher Joachim Ruther von der Freien Universität Berlin. Die Larven können mit Hilfe von Insekten vernichtenden Fadenwürmern (Nematoden) bekämpft werden. Doch wie können die Früchte vor dem erwachsenen Gartenlaubkäfer beschützt werden? Hierfür hat Joachim Ruther einen Lockstoff entwickelt, mit dem die Käfer in Trichterfallen gefangen werden können.

Der Köder besteht aus einem synthetischen Gemisch aus natürlich vorkommenden Pflanzenduftstoffen, das mit einem Membrandispenser während der gesamten Flugsaison der Käfer kontinuierlich abgegeben wird. Die Biologen haben einen Feldversuch in einer Apfelplantage in Werder durchgeführt. Das Ergebnis ist erstaunlich: "Es hat sich gezeigt, dass durch den neuen Lockstoff in Kombination mit den Trichterfallen die Äpfel erheblich seltener angeknabbert wurden", sagt Ruther. "Wir haben die Fraßschäden durch den Gartenlaubkäfer um etwa vierzig Prozent verringern können."

Der Entwicklungszyklus des Gartenlaubkäfers ist ein- bis zweijährig. Der Käferflug des erwachsenen Käfers findet zwischen Mitte Mai und Anfang Juli statt. Die Käferweibchen legen in einer Tiefe von fünf bis 16 Zentimeter durchschnittlich dreißig bis vierzig Eier in Erdhöhlen ab. Die Engerlinge, das sind die Larven des Gartenlaubkäfers, schlüpfen nach etwa drei Wochen und entwickeln sich sehr rasch, indem sie sich von Feinwurzeln ernähren. Das dritte Larvalstadium wandert dann ab Oktober zur Überwinterung in tiefere Boden-schichten ab. Die Verpuppung erfolgt im April des darauf folgenden Jahres und dauert etwa vier Wochen.

Das Fallensystem ist auch als Kontrollsystem einsetzbar, um den Befall von Gartenlaubkäfern auf Obstbaumplantagen, oder Golf-plätzen, wo der Käfer ebenfalls Schäden anrichtet, zu beobachten (Monitoring). So können drohende Massenvermehrungen rechtzeitig erkannt und der richtige Zeitpunkt für Bekämpfungsmaßnahmen bestimmt werden.

Die Freie Universität Berlin hat die Lockstofferfindung lizenziert. Obstbauern können den Lockstoff und die Trichterfallen über die Firma Insect Services beziehen, die aus der AG Angewandte Zoologie/Ökologie der Tiere der Freien Universität Berlin her-vorgegangen ist.
 
 

 
 


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