14.03.2005 - TROPENÖKOLOGIE
Naturschutz durch gemeinsame Nutzung
An den Interessen der lokalen Bevölkerung vorbei kann man die Artenvielfalt nicht bewahren
Josef Zens
 | | IZW-Forscher im Einsatz in Südafrika
Foto: IZW
| | | In der Gesellschaft für Tropenökologie (gtö), deren Jahrestagung vom 22. bis 25. Februar 2005 das Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) kürzlich in Berlin mitorganisierte, haben sich Experten aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammenge-schlossen. Zwischen den Zielen der gtö und der Mission des IZW gibt es viele Gemeinsamkeiten. "Seit ihrer Gründung 1987 bemüht sich die gtö, wissenschaftliche Exzellenz mit der Anwendung in der Praxis zu verbinden", sagte Prof. Heribert Hofer, Direktor des IZW. "Dabei steht der Erhalt der tropischen Ökosysteme an vorderster Stelle."
Auch am IZW arbeiten Forscher aus ganz verschiedenen Fachrichtungen zusammen: Ökologen, Tiermediziner und Zoologen etwa erforschen gemeinsam den Einfluss der Menschen auf die Populationen von Tieren und deren Habitate sowie den Erfolg von Schutzmaßnahmen. Sie berücksichtigen dabei auch sozialwissen-schaftliche Aspekte. Ihr Hauptaugemerk richtet sich auf Schlüssel-arten wie Raubtiere und Elefanten. Beispiel Namibia: Die Land-nutzung dort ist derzeit von großen Rinder-Farmen geprägt. Deren Besitzer haben die dort lebenden Geparden lange Zeit als Feinde der Rinder betrachtet, die man am besten schnellstmöglich erschießen sollte. Forschungen des IZW aber ergaben, dass die schnellen Raubkatzen sich hauptsächlich von einheimischem Wild ernähren. Gemeinsam mit den Farmern stellten die IZW-Experten Überlegungen an, wie man mit Geparden umgehen sollte. Hofer sagt: "Naturschutz ist nur möglich, wenn die Interessen der lokalen Bevölkerung genügend beachtet werden."
In den vergangenen Jahren habe ein Umdenken stattgefunden, erläutert Hofer, die lokale Bevölkerung werde stärker mit einbezogen. Das sei auch ein Beitrag zur Demokratisierung in den tropischen Ländern. "Denn wenn Dorfgemeinschaften vor Ort mehr Entscheidungsbefugnisse haben, etwa darüber, wie sie ein bestimmtes Areal nutzen wollen, dann muss der Zentralstaat Macht abgeben", sagt Hofer. Auch was Konflikte mit Tieren angeht, habe man in den letzten Jahren dazu gelernt. "Lange Zeit hat man unterschätzt, wie groß der Schaden ist, den etwa Elefanten anrichten."
Das IZW untersucht seit geraumer Zeit in Kooperation mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz) die potenziellen Konflikte, die entstehen, wenn Menschen und Elefanten gemeinsam Naturräume nutzen. Eine ganz wichtige Rolle spielen dabei die so genannten Pufferzonen (engl.: buffer zones) zwischen streng geschützten Arealen und dem von Menschen besiedelten Land. Es ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Zusammenhang: Je größer die Distanz zwischen den Kernzonen der Reservate und Siedlungen ist, desto seltener stoßen Menschen in die streng geschützten Regionen vor. "Mit Pufferzonen bewahrt man auch die Tiere vor Konflikten", sagt Hofer, "denn ein Tier bleibt ja nicht an der willkürlich gezogenen Nationalpark-Grenze stehen."
Zentrale Themen der gtö-Jahrestagung waren wirtschaftliche Aspekte des Naturschutzes und menschliche Einflüsse auf tropische Ökosysteme generell. Der Präsident der gtö, Prof. Karl Eduard Linsenmair, hebt hervor: "Wir verdanken es ausschließlich Eigenschaften der belebten Natur, dass sich die Erde in einem Zustand befindet, der sie für uns bewohnbar macht. Viele der lebenswichtigen Ökosystem-Prozesse sind aber noch unverstanden." Die diversen Lebensgemeinschaften in den Tropen böten das ideale Forschungsfeld für die Klärung vieler grundlegender Probleme. "Dies ist einer der Gründe für den besonderen Stellenwert tropenökolo-gischer Forschung", betont Linsenmair. Ein weiterer liegt auf der Anwendungsebene. Tropische Lebensgemeinschaften unterliegen derzeit dem stärksten Umwandlungsdruck. "Aus ihnen verlieren wir am rapidesten unser wichtigstes natürliches Kapital: die Vielfalt der Organismen", sagt Linsenmair. Eine der hier treibenden Kräfte sei das weitgehende Fehlen nachhaltiger Nutzungsmethoden. Eine der zentralen Aufgaben der Tropenökologie ist es daher, Wege zum raschen Abbau dieser Defizite aufzuzeigen. Enge Verbindungen bestehen daher auch zum Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Entwicklungsstaatssekretärin Dr. Uschi Eid war Schirmherrin der Jahrestagung.
Mehr im Internet: Gesellschaft für Tropenökologie Institut für Zoo- und Wildtierforschung

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