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politik

09.06.2005 - ERNEUERBARE ENERGIEN

Strom-Monopolisten fordern andere Spielregeln

Greenpeace sieht Arbeitsplätze in Wind- und Solarbranche gefährdet

Klaus Oberzig

 
 

Das neue Konzept des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) zur Förderung Erneuerbarer Energien, dass dieser gestern anlässlich des VDEW-Jahreskongresses in Berlin vorgestellt hat, würde eine komplette Umstrukturierung der Branche bewirken. Die Umweltorganisation Greenpeace kritisiert, der Vorschlag, der von den großen Strom-Monopolen komme, würde die Solar- und Windbranche ruinieren, ihre Arbeitsplätze gefährden und den Klimawandel weiter beschleunigen. Greenpeace fordert deshalb alle Parteien auf, sich vor der Bundestagswahl klar zum bisherigen erfolgreichen Förderkonzept des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zu bekennen.

"Deutschland ist Weltmeister bei Wind- und Sonnenstrom", sagt Jonas Mey, Energieexperte von Greenpeace. "Welcher Trainer würde die Mannschaft wechseln, mit der er gerade die Weltmeisterschaft gewonnen hat? Jetzt wollen die Stromversorger die Spielregeln ändern, nur weil sie nicht rechtzeitig beim Gewinnerteam mit eingestiegen sind."

Die Stromwirtschaft will das bestehende bundesdeutsche Modell der garantierten Einspeisevergütung durch ein Quotenmodell ersetzen. In der VDEW-Terminologie heisst das dann "Handel mit mengenge- steuerten "Grünstrom"-Zertifikaten" um "die erneuerbaren Energien besser in den Markt zu integrieren" und gipfelt in der Forderung nach einem europäischen Fördersystem. Damit wäre aber, so die kritik der Umweltschutzorganisation, die garantierte Abnahme des sauberen Stroms abgeschafft. Nach den VDEW-Vorstellungen würde die jetzige Einspeisevergütung durch vorgegebene Quoten an Öko-Strom ersetzt, welche die Energieversorger selber produzieren oder an beliebiger Stelle in Europa einkaufen dürften. Privatleute, die eine Solaranlage auf ihrem Hausdach bauen möchten, oder die Betreiber von Windparks hätten keine Investitionssicherheit mehr. Kleinere Investoren würden damit weitgehend vom Markt verdrängt, so Greenpeace.

Die bestehende Abnahmegarantie des EEG schafft tatsächlich auch in wirtschaftlich schwachen Zeiten Investitionssicherheit und Arbeitsplätze. Das Modell, das die gegenwärtige Bundesregierung entwickelt hatte, ist inzwischen so erfolgreich, dass bereits über zehn Prozent des Stroms in Deutschland aus Erneuerbaren Energien stammt. Tausende von Anlegern in Windparks oder Öko-Fonds haben dank EEG nicht nur zusätzliche Investionen in die Energie-Infrastruktur, sondern auch eine blühende Industrie mit mehr als 130.000 Arbeitsplätzen geschaffen. Die Windkraftindustrie hat sich zudem zu einem der wichtigen Stahlabnehmer im Land entwickelt.

"RWE, E.ON und Co wollen sich jetzt die lästige Konkurrenz vom Hals schaffen", sagte Jonas Mey von Greenpeace dazu. Die anfangs von vielen Energieversorgern belächelten Windparks und Solaranlagen in Privathand hätten sich dank der Einspeisevergütung zu einer
ernsthaften Konkurrenz für die Alt-Monopolisten gemausert. Mit dem Quotenmodell wollen die Großkonzerne verlorene Marktanteile zurück geholen und ihre Quasi-Monopole sichern.

Der VDEW behauptet dagegen, der Strom würde durch das Quotenmodell billiger. Erfahrungen in Italien zeigen jedoch, dass dies nicht stimmt, hält Grennpeace dagegen. Dass der Strom in Deutschland im EU-Vergleich relativ teuer sei, liege an den hohen Durchleitungsgebühren, die die Stromversorger selbst verlangten, und nicht an der auf den Verbraucher umgelegten Einspeisever- gütung für Öko-Strom.

Das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat in einer Studie verschiedene Fördermodelle verglichen und kam dabei zu dem Ergebnis, dass das deutsche EEG erfolgreicher und wettbewerbsfreundlicher als andere Systeme sei. Aus diesem Grund haben eine Reihe anderer Länder wie Spanien, Tschechien und China ähnliche Systeme eingeführt.

 


Mehr im Internet:
Greenpeace
Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) 
HUSUMwind  

 

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