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04.11.2005 - ENGLISCHE GESCHICHTE

Remember, remember the 5th of November ...

Vor 400 Jahren scheiterte die "Pulververschwörung"

von Josef Tutsch

 
 

Guy Fawkes, Illustration von 1822

"Remember, remember the 5th of November", singen in England Kinder und Erwachsene jeden Herbst. Dieses Mal werden sie es vermutlich besonders laut singen, nicht bloß, weil die Pulververschwörung gerade 400 Jahre zurückliegt, sondern auch, weil die Terroranschläge letzten Sommer in London zu Parallelen herausfordern: "I see no reason that gunpowder treason should ever be forgot”.

Es waren 36 Fässer Schießpulver. Ein Dutzend Verschwörer, darunter ein gewisser Guy Fawkes, hatten sie im Keller des Parlamentsgebäudes von Westminster deponiert. Am 5. November 1605, wenn König Jakob I. das Parlament eröffnete, sollte die Ladung in die Luft gehen. Die Verschwörer, allesamt fanatische Katholiken, waren vom König enttäuscht: Der Sohn der katholischen Maria Stuart machte, nachdem er 1603 der anglikanischen Elisabeth I. auf den Thron gefolgt war, keine Anstalten, England zum Katholizismus zurückzuführen.

Verschwörer gegen Parlament und König

Guy Fawkes, mit dessen Namen der Anschlag heutzutage verbunden wird, war wohl eher eine Randfigur. Drahtzieher war Robert Catesby. Königin Elisabeth hatte seinen Vater, seine Mutter und seine Frau hinrichten lassen. Sich dem Papst zu unterstellen, galt als Hochverrat, wer nicht bereit war, den König von England als Oberhaupt der englischen Kirche anzuerkennen, konnte also mit dem Tode bestraft werden. Die Konfrontation mit der katholischen Kirche spitzte sich im Lauf der Jahre zu. 1570 exkommunizierte Papst Pius V. die Königin, 1587 beseitigte Elisabeth ihre katholische Konkurrentin Maria Stuart, die Königin von Schottland, durch das Schafott. Ein Jahr später scheiterte Philipp II: von Spanien mit dem Versuch, Elisabeth durch eine militärische Intervention zu stürzen.

Prozess gegen die Verschwörer

Wie es die Erbfolgegesetze wollten, kam nach ihrem Tod Marias Sohn Jakob auf den englischen Thron. In Schottland war er nach der Abdankung seiner Mutter bereits im Alter von 13 Monaten zum König gekrönt wurden. Seine Vormünder setzten einen strikt protestantischen Kurs durch: Die schottische Kirche wurde nach presbyterianischen Prinzipien umorganisiert, ohne bischöflichen Autoritäten, der katholische Gottesdienst bei Todesstrafe verboten. Als Jakob 1603 in London einzog, erwarteten die Anglikaner vom Erben der Tudor-Dynastie eine Fortsetzung der Kirchenpolitik unter Heinrich VIII. und Elisabeth I., die Puritaner hofften, Jakob würde die reformierte Kirche Schottlands auf England ausdehnen, und die Katholiken forderten eine Rückkehr zum Papsttum.

Jakob entschied sich für die anglikanische Kirchenverfassung: bischöfliche Autoritäten unter seinem eigenen, königlichen Gottesgnadentum. Wahrscheinlich hoffte der theologisch interessierte Monarch sogar, alle Seiten so zu einem Kompromiss bringen zu können; 1604 trat in Hampton Court eine große Theologenkonferenz zusammen. Vergeblich: Im Jahr darauf kam es zu der berühmten Pulververschwörung.

Hinrichtung von Fawkes am 31. 1. 1606

Vielleicht wäre das Attentat gelungen, wenn die Verschwörer alle irdischen, menschlichen Bindungen abgestreift hätten. Am 26. Oktober 1605 erhielt ein Parlamentsabgeordneter, der mit einem der Beteiligten verschwägert war, einen anonymen Brief mit dem Rat, der Parlamentseröffnung fern zu bleiben. Als das Haus daraufhin durchsucht wurde, fand man Guy Fawkes, wie er die Schießpulver-Fässer bewachte. Unter der Folter gestanden die Verhafteten, am 30. und 31. Januar 1606 wurden sie alle gehängt, gestreckt oder gevierteilt.

Jakob hatte nunmehr gute Gründe, sich vor katholischen Restaurationsversuchen zu hüten. Probleme gab es in den folgenden Jahren aber viel mehr mit den Puritanern, die das königliche Kirchenregiment noch viel weniger akzeptieren wollten, und mit dem Parlament. Jakobs Nachfolger liebäugelten immer wieder mit der Perspektive, vielleicht doch noch

Guy-Fawkes-Umzug

zum Katholizismus zurückzukehren. In diesen Kämpfen verlor der Sohn Karl I. 1649 sein Leben, der Enkel Jakob II. 1688 immerhin seinen Thron. 1701 erließ das Parlament den Act of Settlement: Zur Thronfolge waren prinzipiell nur noch protestantische Kandidaten zugelassen.

Den Katholiken in England hat die katholische Pulververschwörung erst recht kein Glück gebracht. Nicht dass der Hochverratsparagraph jemals in aller Strenge praktiziert worden wäre. Aber nach langem Hin und Her beschloss das Parlament 1673 die Testakte: Wer ein ziviles oder militärisches Amt bekleiden wollte, musste den König als Oberhaupt der Kirche anerkennen und sich gegen die katholische Abendmahlslehre erklären. Das Gesetz wurde erst 1829 aufgehoben. Im Volksbrauch hat Guy Fawkes bis heute überlebt. Jahr für Jahr wird bei Straßenumzügen seine Puppe verbrannt.


Mehr im Internet:
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Josef Tutsch

Berliner Journalist, arbeitet über Themen aus Wissenschaft und Kultur.
Mitglied von scienzz communcation.

  

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