Berlin, den 29.07.2010 Link Home Link Ticker Link Magazin Link Galerie Link Impressum
Kontrovers
forschung
politik
innovation
kultur
campus
kontakt
Suche
Go 
Copyright by scienzz.
All rights reserved.
innovation

05.10.2005 - FERNERKUNDUNG

Der Tannenwald vom Weltall aus betrachtet

Optische Technologien in der Raumfahrt - mit EnMAP in den Orbit

Sylva Ullmann

 
 

Einst berichteten Reisende von ihren Erkundungen in fernen Ländern. Heute ist es nicht mehr notwendig, sich auf den Weg zu machen, schwer zugängliche Gebiete zu erobern, sich Strapazen auszusetzen, denn durch Fernerkundung kann die Erdoberfläche exakt aufgezeichnet und ein genaues Abbild von ihr gezeichnet werden. Was auf den ersten Blick widersprüchlich scheint, macht daher Sinn: Um die Erde genauer kennen zu lernen, streben Wissenschaftler immer höher hinaus. Sensoren, getragen von Flugzeugen oder Satelliten, bieten einen besseren und kontinuierlichen Überblick über Ereignisse und den Zustand der Erdoberfläche. 
 

"Heute sind wir so weit, dass auch die entlegendsten Winkel der Erde erfasst und kartiert sind. Die große Herausforderung der Zukunft besteht aus kontinuierlichen Monitoringaufgaben", erläutert Dr. Timo Stuffler. Er ist bei der Münchner Firma Kayser-Threde für das Business Development zuständig. Das mittelständische Unternehmen ist seit über 30 Jahren unter anderem in der Raumfahrtforschung tätig. Gemeinsam mit dem Geoforschungszentrum (GFZ) Potsdam, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der GAF AG (Gesellschaft für Fernerkundung) aus München bemüht sich die Firma um den Zuschlag für Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für eine nationale Satellitenmission mit dem Namen EnMAP – Environmental Mapping and Analysis Programme. Es soll eine Mission zum Planeten Erde werden.


Missionskonzept von EnMAP
Grafik: Kayser-Threde


EnMAP soll auf der Basis von Hyperspektraldaten die Grundlage für Modelle biosphärischer und geosphärischer Prozesse der Erde liefern. Das System würde flächendeckend und global charakteristische Spektren der Vegetation, von Mineralien und der Gewässergüte sichtbar machen können. EnMAP ist geeignet für die Kartografierung und die regelmäßige Überwachung des Ökosystems der Erde, würde Erkenntnisse liefern hinsichtlich der auftretenden Vegetation, der agrarwirtschaftlichen Nutzung oder Mineralienvorkommen. Es wäre möglich die Inlandswassergüte oder den Zustand des Waldes zu bestimmen, Schnee zu charakterisieren. Auch für Stadt- und Landschaftsplanung, Küsten- und Wasserschutz wären die gewonnenen Daten interessant.

Fliegen würde das System auf einem Satelliten, der innerhalb von vier Tagen jeden Punkt der Erde wieder in den Fokus nehmen könnte. Dabei ließe sich die Erdoberfläche in einem Streifen von 30 km Breite und einer Länge von 5000 km pro Tag scannen und die entsprechenden Daten speichern. Die Sensoren des Hyperspektralinstruments nähmen das vom Boden reflektierte Sonnenlicht auf und zerlegten es in seine Spektren. Dabei würde der Wellenlängenbereich vom sichtbaren bis in den nahen Infrarotbereich mit einer vergleichsweise hohen Anzahl an Spektralbändern von 420 bis 2450 Nanometer genutzt. Über 200 Messkanäle müssten dazu ausgewertet werden. Ein aufgenommenes Bildpixel entspräche 30 x 30 Metern in der Natur. Es ließe sich zum Beispiel unterscheiden, welche Art von Bepflanzung sich im untersuchten Gebiet befindet - vom Tannenwald bis zum Weizenfeld - und in welchem Zustand die Pflanzen sind. Auch könnten Mineralien genau unterschieden und Verschmutzungen der Böden und Gewässer mit hoher Genauigkeit global analysiert werden.

Das Datenmanagement wäre eine besondere Herausforderung innerhalb des Forschungsvorhabens. Gigantische Datenmengen entstünden, müssten gespeichert und übertragen werden. Das System soll eine Speicherkapazität von 512 Gigabit haben und via X-Band 100 bis 300 Megabit in einer Sekunde aus dem Orbit zur Erde übertragen. Dies bedeutet, dass die Sensoren nicht ununterbrochen Daten aufnehmen könnten, je nach Messszenario also Pausen von einer Stunde bis zu einem Tag entstünden, in denen das Datenmaterial an entsprechende Bodenstationen übertragen würde.


Hyperspektrales Messszenario
Grafik: Kayser-Threde


Die Fernerkundung mittels Hyperspektraldaten ist eine vergleichsweise junge Technologie. Seit längerem werden in der Fernerkundung Radardaten verwendet, die sich für die Ableitung von Höhenmodellen der Erde verwenden lassen. Zwar können Radarsysteme im Gegensatz zu den Hyperspektralinstrumenten auch bei schlechtem Wetter oder bedecktem Himmel Daten aufnehmen. Diese sind jedoch nicht  differenziert und eignen sich daher nicht für derartige Analysen, haben nicht die Güte der Modelle auf Basis von Hyperspektraldaten. Wichtig ist bei Hyperspektralmessungen auch die Nachhaltigkeit der Datennutzung, da Wissenschaftler und Anwender immer wieder zu verschiedenen Zeitpunkten Daten von denselben Gebieten benötigen, um beispielsweise Vegetationszyklen oder Erosionsprozesse sichtbar zu machen. Auch zum Katastrophenmanagement kann dieser optische Sensor sehr gut eingesetzt werden, indem sich mögliche Umweltschäden direkt analysieren und kartografieren lassen.  

Ziel des Forschungsprogramms EnMAP ist es, als so genanntes Pathfinder Projekt den Weg für künftige kommerzielle Nutzungen zu bereiten. Zudem könnte EnMAP das erste zivile Hyperspektral-Programm im Weltall sein. Bisher werden Hyperspektraldaten von Flugzeugen, deren Diensthöhe begrenzt ist, aufgenommen. Deutschland hätte damit eine Vorreiterposition bei der Verwendung dieser Technologie inne und könnte auf internationaler Ebene einen entsprechenden industriellen und wissenschaftspolitischen Vorsprung herausarbeiten. Denn klar ist, auch andere Nationen werden über kurz oder lang in die Technologie einsteigen. Am Ende des Jahres fällt die Entscheidung, ob EnMAP in die Entwicklung gehen kann.


Mehr im Internet:
EnMAP
Spektroskopie, Wikipedia
Lexikon der Fernerkundung
Kayser-Threde
GeoForschungsZentrum Potsdam
Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt
GAF AG

 

 

 

 




Sylva Ullmann 

Mitinitiatorin von scienzz communication

 

 

 

 

 

 <<< 

Artikel versenden

Druckversion

 >>> 


ticker


termine


impressum


über uns
kurz gemeldet

Die EU-Kommission erwägt, den Mitgliedsstaaten freie Hand für Verbot oder Zulassung des Anbaus genetisch manipulierter Pflanzen zu geben. Dies teilte die Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel in Brüssel mit.

Amerikanische Ärzte glauben, ei- nem Impfstoff gegen AIDS näher gekommen zu sein. Sie modifizierten ein menschliches Protein, das in abgewandelter Form auch bei Nachtaffen vorkommt und die Ausbreitung des HI-Virus bremst, derart, dass es die gleiche hemmende Wirkung entwickelt.

Ab sofort soll die Meteorologische Organisation der UNO (WMO), ein weltumspannendes Informationssystem über Klimadaten aufbauen. Dies beschloss die Weltklimakonferenz der WMO in Genf.

Die Spucke einer südamerikani- schen Zeckenart könnte die Krebsbe- kämpfung revolutionieren. Ärzte vom Butantan-Institut in Sao Paulo stellten fest, dass die Spucke Krebszellen abtötet.

Bei geschlossener Schneedecke fressen Kohlmeisen Zwergfledermäuse, die sich im Winterschlaf befinden. Diese flexible Anpassung an das Futterangebot haben Max-Planck-Ornithologen in einer Höhle in Ungarn beobachtet. Sobald anderes Futter verfügbar war, verloren die Meisen ihr Interesse an den Fledermäusen.

wissenswert

28.08.2009 - ÖKOLOGIE

Ökonomie für den Naturschutz

Wissenschaftler und das Bundesamt für Naturschutz fordern ökonomische Wertung ökologischer Leistungen. > mehr

scienzz dossiers aktuell     

Gesichter der Goethezeit > mehr

Ungleiche Geschwister - Philosophie und Religion > mehr

Klassische Denker der Politik und Soziologie
> mehr

Das Papsttum - Glanz und Elend einer zweitausend- jährigen Geschichte
> mehr

Charles Darwin und der Streit um die Evolutions- theorie > mehr

Bilder, Worte, Wirklich- keiten > mehr


Weitere Scienzz Dossiers
> mehr

kurz gemeldet

Neue Hinweise für eine Virus- Beteiligung bei Prostatakrebs glauben US-Forscher gefunden zu haben. Sie haben das Virus XMRV bei fast jedem dritten untersuchten Prostata-Krebspatienten gefunden. Sollte das Virus der Auslöser sein, könnte man eine Impfung entwickeln wie gegen Gebärmutterhalskrebs.

Im Dschungel von Papua-Neugui- nea entdeckten Wissenschaftler vom Smithsonian Nationalen Museum für Naturkunde in Washington ein Nagetier, das die Größe eines Dackels erreicht. Die Riesenratte misst gut 80 Zentimeter und wird anderthalb Kilogramm schwer.

Der Schwanz, den Geckos auf der Flucht vor Verfolgern abwerfen, kann noch bis zu einer halben Stunde lang tanzende Bewegungen vollführen und den Feind auf diese Weise ablenken, so Zoologen der Clemson University in South Carolina.

Auf Kuba wurden die fossilen Reste eines riesigen Krokodils gefunden, das vor 20 Millionen Jahren gelebt haben soll. Das zehn Meter lange Skelett wurde in der Provinz Sancti Spiritus entdeckt.

In einem erloschenen Vulkan auf  der Osterinsel entdeckten Forscher der Universität von Manchester einen Steinbruch. Aus dieser Quelle könnten auch die roten Hüte stammen, die viele der legendären Riesenfiguren tragen, vermuten die Wissenschaftler.

Der deutsche Bundestag hat alle im Zweiten Weltkrieg gegen "Kriegsverräter" ausgesprochenen Urteile mit den Stimmen aller Fraktionen aufgehoben. Die Anlässe für diese Urteile reichten von politischem Widerstand und der Hilfe für verfolgte Juden über kritische Äußerungen über Krieg und Nazis bis hin zu Schwarzmarktgeschäften.

scienzz-partner

... LEUTE in scienzz

03.08.2009 - MATHEMATIK
Mit am Start bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin

 "Mathematik zählt, weil...du damit fast alles erklären kannst, vielleicht sogar deine gute Note in Sport", meint Mathematik-Professor Matthias Ludwig, Autor des Buches "Mathematik und Sport" und Mathemacher des Monats August der Deutschen Mathematiker Vereinigung. > mehr

wissenswert

17.07.2009 - ANTHROPOLOGIE

EVIDENCE
how do we know what we know?

"Evidence" ist eine Web- Ausstellung des Museums Exploratorium in San Francisco. Anhand einer Fallstudie wird erklärt, wie Wissenschaft funktioniert. Hierbei steht die Arbeit des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie zur Erforschung der menschlichen Ursprünge im Mittelpunkt. > mehr


 Anzeigen 

                       

Meine Bilder bei pixelio.de