In der griechischen Götterwelt ging es nicht immer gesittet zu. Der alte Kronos pflegte seine Kinder gleich nach der Geburt zu verschlingen, aus Furcht, eines von ihnen könnte ihn entthronen. Beim dritten Kind ließ Mutter Rhea sich eine List einfallen. Sie gab ihrem arglosen Gatten statt des Säuglings einen in Windeln gewickelten Stein und versteckte den kleinen Zeus in einer Berghöhle. Nymphen nährten ihn mit der Milch einer Ziege, Diener der Rea veranstalteten laute Waffentänze, damit Kronos das Schreien des Kindes nicht hören konnte.
Die Geburt eines göttlichen Kindes, wie Hesiod sie vor 2700 Jahren erzählt hat. Mit der Weihnachtsgeschichte, die wir aus den Evangelien kennen, hat sie immerhin ein Motiv gemeinsam: die Bedrohung des göttlichen Kindes durch einen grausamen Herrscher, der um seine Macht fürchtet. Die römischen Geschichtsschreiber haben das Motiv auf ihre Stadtgründer übertragen und erzählten, Romulus und Remus seien von ihrem Großvater in einem Trog auf dem Tiber ausgesetzt worden; eine Wölfin habe die Kinder aufgefunden und gesäugt.
Lovis Corinth: Die Jugend des Zeus, 1905 (Bremen)
Bedrohung und Errettung – dass dies zum Schicksal eines göttlichen Kindes gehörte, muss der Alten Welt sehr plausibel gewesen sein. Gelegentlich auch zum Schicksal von Menschenkindern, die zu Großem berufen waren. "Alle Söhne, die geboren werden, werft ins Wasser", hatte Ägyptens Pharao über die Kinder Israel verfügt; ausgerechnet seine eigene Tochter rettete den kleinen Moses aus dem Schilf. Im Grunde geht es in dieser Geschichte aus dem Alten Testament aber sehr rationalistisch zu. Ansonsten ist die Religionsgeschichte voll von Halbgöttern, Heroen und bedeutenden Menschen, die von ihrer Mutter auf übernatürliche Weise empfangen wurden.
Isis hatte ihren Sohn Horus auf wunderbare Weise vom Leichnam ihres ermordeten Gatten empfangen. Göttervater Zeus zeugte mit sterblichen Frauen eine Vielzahl von Helden; seine eifersüchtige Gemahlin Hera überzog das eine oder andere dieser Kinder mit tödlicher Bedrohung, ganz wie der alte Kronos oder dann König Herodes. Romulus und Remus galten als Söhne des Gottes Mars. Der Mutter Alexanders des Großen, wurde erzählt, sei in der Hochzeitsnacht ein Blitz in den Schoß gefahren. Die Mutter des Kaisers Augustus wurde im Apollontempel von einer Schlange heimgesucht. Der zukünftige Buddha ging als weißer Elefant vom Götterhimmel in den Leib seiner Mutter ein.
Isis mit Horusknaben (Kairo)
Jungfräuliche Geburt wird auch im Matthäus- und im Lukas-Evangelium vorausgesetzt. Der Gedanke ist als verpflichtend für alle Christen ins Nicänische Glaubensbekenntnis eingegangen: "hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist aus Maria, der Jungfrau, und ist Mensch geworden". In Gemälden der Verkündigung wird das durch Lichtstrahlen angedeutet, die von Gottvater ausgehen und Marias Kopf oder Ohr treffen. Gelegentlich ist zu sehen, wie der Jesusknabe durch eine Art Schlauch in Marias Ohr eingeht: Christus ist das Wort Gottes, Worte werden durch das Ohr aufgenommen.
Die Madonna mit dem Kind wurde zum beliebtesten Thema der christlichen Kunst. Die ältesten Darstellungen stammen bereits aus dem 2. Jahrhundert. Eine Vorlage scheinen Darstellungen der Isis mit dem Horusknaben geliefert zu haben, von christlichen Darstellungen durch den ägyptischen Kopfschmuck der Göttin mit Kuhgehörn und Sonne zu unterscheiden. Bezeichnend, dass der Liebesgott Eros griechischer Tradition mit seiner Mutter Aphrodite sich gegen eine christliche Verwertung sperrte. Dabei tummeln sich in der hellenistischen Kunst die Eroten oder Amoretten nicht weniger zahlreich als die Putten in unseren Rokokokirchen.
Praxiteles: Hermes mit dem Dionysosknaben (um 330 v. Chr.; Olympia)
Den Hintergrund bildet ein Geisteswandel, der die griechische Welt seit dem 4. Jahrhundert vor Christus erfasst hatte. Noch Aristoteles sah in Kindern "unschöne Zwerge", bald aber scheint Kindlichkeit geradezu Mode geworden zu sein. Auf den Gräbern wurden Säuglinge beliebte Symbole für die Wiedergeburt, auch die Götter stellte man nun gern als kleine Kinder dar. Nach dem Tode Jesu dauerte es denn auch kaum eine Generation, bis die Christen sich für die Kindheit des Heilands zu interessieren begannen. Während das Markus-Evangelium das Erlösungswerk mit der Taufe am Jordan beginnt, schicken Matthäus und Lukas ausführliche Kindheitserzählungen voraus.
Die mittelalterliche Legende stattete vor allem die Flucht nach Ägypten mit einem ganzen Strauß von Wundern des Neugeborenen aus. So beugt sich ein Palmbaum zur Erde, um seine Früchte darzubieten, an seinem Fuß entspringt ein Wasserquell. Bereits der Verfasser des apokryphen Thomas-Evangeliums aus dem 2. Jahrhundert hat die Wundertaten des Kindes bis zu einem Grad gesteigert, dass manche frommen Christen Anstoß nehmen mussten. Das Knäblein formt aus schlammigem Lehm zwölf Sperlinge – und lässt sie auf und davon fliegen. Spielkameraden, über die es sich ärgert, fallen tot zu Boden, die Eltern, die sich bei Vater Joseph beklagen, werden blind. Andererseits finden sich auch Heilungswunder, wie man sie aus den kanonischen Evangelien kennt.
Rogier van der Weyden: Lukas malt Maria mit dem Kind (um 1435; Boston)
Das göttliche Kind hat Wunderkraft, nicht anders als es die Buddhisten von Gautama Siddhartha erzählen: Wo immer der Neugeborne seinen Fuß setzt, spießt ein Lotus empor. Die Erde erbebt, der Donner rollt bei klarem Himmel, Sandeldüfte durchwehen die Luft, ein Lichtglanz durchdringt die ganze Welt, himmlische Musik ertönt, Freude erfüllt alle Wesen, Blinde werden sehend, Taube hörend, Krüppel gerade, Irre vernünftig und selbst die Verdammten vorübergehend von ihren Qualen befreit. Ein Seher, erzählt die buddhistische Legende, habe den Jubel der himmlischen Welt vernommen, sei durch die Lüfte in den Palast gefahren und vor dem Gautama-Knaben in Tränen ausgebrochen, weil er die Erleuchtung und die Predigt des Buddha nicht mehr miterleben werde.
Das umgekehrte Motiv findet sich im Lukas-Evangelium, im Lobpreis des frommen Simeon: "Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast für alle Völker." Auch der römische Dichter Vergil hat im vierten seiner Hirtengedichte an die Geburt des göttlichen Kindes Hoffnungen auf ein weltgeschichtliches Wunder angeschlossen, auf ein Reich des Friedens und des Wohlstands: "Er macht ein Ende der eisernen Zeit; eine goldene Menschheit wird die Erde dann füllen ... Er wird beherrschen die Welt, die des Vaters Tugend befriedet ... Dann überflutet mit Gold die Felder die schwankende Ähre, purpurne Trauben hängen dann schwer von dornigen Büschen, Honigtau tröpfelt hervor aus hartem Stamme der Eiche ..."
Romulus und Remus mit der Wölfin (Rom, um 500 vor Christus)
Den christlichen Theologen des Mittelalters gab vor allem ein geheinmisvoller Vers in diesem Gedicht zu denken: "Schon kehrt die Jungfrau zurück ..." War das – aus dem Munde eines "Heiden" – nicht eine genaue Parallele zur Weissagung des Propheten Jesaja im Alten Testament: "Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären ... auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende"?
First Solar und Vestas enttäuschen mit Q1-Zahlen. Die RENIXX-Schwergewichte First Solar und Vestas haben die Geschäftszahlen für das erste Quartal 2011 vorgelegt und dabei die Erwartungen der Anleger nicht erfüllen können. Beide Aktien geben im frühen Handel nach und ziehen den RENIXX unter die Marke von 520 Punkten.
Fukushima 1: Arbeiter wagen sich in Reaktorgebäude 1. Erstmals seit der Zerstörung am 11. März 2011 haben nun Arbeiter des Betreibers Tepco das Gebäude von Reaktorblock 1 betreten. Sie sollen Filtersysteme einbauen um die radioaktiv verseuchte Luft im Gebäude zu reinigen. Sie dürfen sich jedoch nur jeweils 10 Minuten im Gebäude aufhalten. Drei Gruppen sollen sich mit dem Einbau abwechseln.
Q-Cells Vorstandsmitglied Rauter hat sein Amt auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Der Aufsichtsrat der Q-Cells hat dem in seiner Sitzung am 4. Mai entsprochen. Gerhard Rauter (53) war seit Oktober 2007 als Chief Operation Officer (COO) für Q-Cells tätig und zuletzt für Produktion und Technologie verantwortlich.
Weltmarktführer: BELECTRIC er- richtet 2010 über 300 MW PV-Leistung und installierte damit weltweit mehr PV-Leistung als jedes andere Unternehmen. Das geht aus einer Analyse des Marktforschungsinstitut IMS Research hervor. In 2011 will das Unternehmen aus dem bayerischen Kolitzheim bis zu 60 Prozent des jährlichen Auftragsvolumens im Ausland realisieren.
Neue Hinweise für eine Virus- Beteiligung bei Prostatakrebs glauben US-Forscher gefunden zu haben. Sie haben das Virus XMRV bei fast jedem dritten untersuchten Prostata-Krebspatienten gefunden. Sollte das Virus der Auslöser sein, könnte man eine Impfung entwickeln wie gegen Gebärmutterhalskrebs.
Im Dschungel von Papua-Neugui- nea entdeckten Wissenschaftler vom Smithsonian Nationalen Museum für Naturkunde in Washington ein Nagetier, das die Größe eines Dackels erreicht. Die Riesenratte misst gut 80 Zentimeter und wird anderthalb Kilogramm schwer.
Der Schwanz, den Geckos auf der Flucht vor Verfolgern abwerfen, kann noch bis zu einer halben Stunde lang tanzende Bewegungen vollführen und den Feind auf diese Weise ablenken, so Zoologen der Clemson University in South Carolina.
Auf Kuba wurden die fossilen Reste eines riesigen Krokodils gefunden, das vor 20 Millionen Jahren gelebt haben soll. Das zehn Meter lange Skelett wurde in der Provinz Sancti Spiritus entdeckt.
In einem erloschenen Vulkan auf der Osterinsel entdeckten Forscher der Universität von Manchester einen Steinbruch. Aus dieser Quelle könnten auch die roten Hüte stammen, die viele der legendären Riesenfiguren tragen, vermuten die Wissenschaftler.
Der deutsche Bundestag hat alle im Zweiten Weltkrieg gegen "Kriegsverräter" ausgesprochenen Urteile mit den Stimmen aller Fraktionen aufgehoben. Die Anlässe für diese Urteile reichten von politischem Widerstand und der Hilfe für verfolgte Juden über kritische Äußerungen über Krieg und Nazis bis hin zu Schwarzmarktgeschäften.
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03.08.2009 - MATHEMATIK Mit am Start bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin
"Mathematik zählt, weil...du damit fast alles erklären kannst, vielleicht sogar deine gute Note in Sport", meint Mathematik-Professor Matthias Ludwig, Autor des Buches "Mathematik und Sport" und Mathemacher des Monats August der Deutschen Mathematiker Vereinigung. > mehr
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17.07.2009 - ANTHROPOLOGIE
EVIDENCE how do we know what we know?
"Evidence" ist eine Web- Ausstellung des Museums Exploratorium in San Francisco. Anhand einer Fallstudie wird erklärt, wie Wissenschaft funktioniert. Hierbei steht die Arbeit des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie zur Erforschung der menschlichen Ursprünge im Mittelpunkt. > mehr