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26.04.2006 - ASTRONOMIE
Sag mir, wie viel Sternlein stehen...
Das mystische Geschäft mit der Benennung von Himmelsobjekten
Michael Chlebusch
"Mein Vater Erklärt Mir Jeden Sonntag Unsere Neun Planeten.“ Ein schöner Merksatz aus der Schulzeit für alle, die sich die Namen der Planeten unseres Sonnensystems nicht merken können: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Beigebracht wurde uns das im Fach Astronomie, welches sich ja dem Namen nach, anders als die Astrologie, nicht mit der Deutung , sondern mit der Benennung von Himmelsobjekten beschäftigt. Aber wonach werden Himmelsobjekte denn eigentlich benannt?
Nur die wenigsten Gestirne haben wirkliche Namen. Sterne mit Eigennamen sind meist sehr hell oder auffällig und wurden daher schon in der Antike oder dem Mittelalter beobachtet und benannt. Meist tragen sie griechische oder arabische Namen, wie Sirius, griechisch für ‚flammend', oder Denebola, arabisch für ‚Schwanz des Löwen'. Latein spricht man dagegen eher selten am Firmament, von den Götternamen der neun Planeten und den mythologischen Sternbildern einmal abgesehen.
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Wer soll sie alle kennen
| Natürlich kennt jede Sprache auch eigene Bezeichnungen für einige dieser Objekte und so kann es passieren, dass ein Stern wie Vega über 40 bekannte Titel trägt. Vor Missverständnissen ist dieses System demnach nicht gefeit, war doch die Venus im Volksmund einst auch als Morgenstern und Abendstern bekannt.
Ein recht großes Chaos, in welchem der deutsche Astronom Johann Bayer Ordnung schaffen wollte. Die 1603 von ihm eingeführte Bayer-Bezeichnung verbindet einfach den Ort des Sternes mit dessen Leuchtkraft: Dem lateinischen Genitiv des Namens des Sternbildes geht dabei ein griechischer Buchstabe voran. Alpha-Centauri ist wahrscheinlich der bekannteste Vertreter dieser Art und stellt den hellsten Stern im Bild Zentaur dar.
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NGC 6537, Die Rote Spinne
| Ein ähnliches System entwickelte der Brite Flamsteed, der die Sterne nach den Bildern nummerierte. Doch mit steigender Genauigkeit der Beobachtung und rapide steigender Zahl der entdeckten Objekte gerieten auch diese Methoden schnell an ihre Grenzen.
Ein Stern namens Ilse: Eine der romantischsten und phantasievollsten Ideen ist die Sterntaufe. Ein Geschenk von höchster Symbolkraft!“ heißt es werbewirksam auf einer Internetseite, die den Kauf von Sternennamen anbietet. Für nur 130 Euro gibt es dort ein ungerahmtes Zertifikat samt Sternenkarte und Broschüre. Ein tolles Angebot für die Benennung eines Sternes oder sogar eines ganzen Sternhaufens! Doch kein Wissenschaftler, kein Hobbyastronom wird den Namen des Käufers oder dessen großer Liebe jemals erfahren oder benutzen. Denn dieser funkelt lediglich in der Datenbank der anbietenden Firmen.
Wer wirklich einen Stern benennen will, der muss sich heutzutage an die IAU wenden, die Internationale Astronomische Union. Und deren Bezeichnungsvorschriften sind alles andere als romantisch. Acronym^Sequence^(Specifier) lautet dort die offizielle Namensgebungsvorschrift für „astronomische Strahlungsquellen außerhalb des Sonnensystems“. Das Acronym ist ein Kürzel für den Katalog oder die Beobachtungsreihe, in der das Objekt erscheint, die Sequenz bezieht sich auf dessen Koordinaten am Himmel , der Specifier ist optional, um eventuelle Verwechslungen zu vermeiden. Die Folge sind Namen wie H2O G123.4+57.6 (VLSR=-185).
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Der Ameisennebel Mz3 - Bilder: NASA
| Natürlich erhalten einige besonders auffällige Objekte auch nach wie vor Eigennamen. So sind der Ameisennebel (Mz3) oder NGC 6537, der Red Spider Nebel, Belege, dass auch Astronomen noch Phantasie und Kreativität in ihre Arbeit einbringen.
Eine Möglichkeit gibt es dennoch, an das eigene Himmelsobjekt zu gelangen. Wer genug Glück und Geduld hat, als erster einen Asteroiden oder Kometen zu entdecken, dessen Name wird in ihm verewigt. Und wer weiß, vielleicht wird dieser Komet ja einmal mit der Erde kollidieren - eine Erwähnung in den Abendnachrichten ist dann sicher.
Mehr im Internet: Internationale Astronomische Union IAU
Das Manuskript wurde uns freundlicherweise von der Online- Zeitschrift LEO - Lingua et Opinio zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug finden Sie auch Scienzz-Artikel in LEO.
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