Am 5. Juli 1906 erschütterte ein Selbstmord die physikalische Fachwelt: Der geniale Theoretiker und Experimentator Paul Drude hatte sich wenige Tage vor seinem 43. Geburtstag erschossen. Nur eine Woche zuvor hatte er seine Antrittsrede als neu gewähltes Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften gehalten und darin von seinen künftigen Plänen gesprochen. Er war damals Leiter des hoch angesehenen Physikalischen Instituts der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität und gab seit mehreren Jahren die „Annalen der Physik“ heraus. In dieser Zeitschrift waren unter Drudes Ägide im Jahr 1905 die bahnbrechenden Arbeiten Albert Einsteins erschienen. Noch heute sind die Ergebnisse der Arbeit Paul Drudes von Bedeutung – allein im Jahr 1995 wurde er in 73 Publikationen zitiert, sein „Lehrbuch der Optik“ wurde zuletzt 2005 in den USA neu aufgelegt.
Zum Gedenken an den hundertsten Todestag des Physikers veranstaltet das Berliner Paul-Drude-Institut für Festkörperelektronik am 5. Juli von 10 bis 16 Uhr zusammen mit der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ein Kolloquium. Außerdem würdigt ein neu erscheinendes Buch das Werk des Forschers: „Zur Elektronentheorie der Metalle von Paul Drude“*, herausgegeben von Holger T. Grahn und Dieter Hoffmann. Dr. Holger Grahn ist selbst Physiker am Paul-Drude-Institut (PDI) und lehrt als Professor an der Technischen Universität Berlin, Dr. Dieter Hoffmann ist Wissenschaftshistoriker am Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und lehrt als Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Was aber hat ein Physiker, der vor hundert Jahren starb, mit der heutigen Forschung zu tun? Sehr viel, denn Drude war nicht nur ein Wegbereiter der Festkörperphysik, sondern auch einer der bedeutendsten Physiker auf dem Gebiet der optischen Eigenschaften von Festkörpern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Paul-Drude-Institut ehrt damit einen der wichtigsten Forscher, die den Übergang von der klassischen zur modernen Physik entscheidend mitgeprägt haben.
Die Grundlage für die Forschung am Paul-Drude-Institut sind allerdings Dimensionen, die für Forscher zur Zeit Drudes undenkbar gewesen wären. Mittlerweile manipulieren die Wissenschaftler zum Beispiel einzelne Atome und arrangieren sie zu winzigen Clustern, die dann – je nach Zahl der Atome – ganz neue Eigenschaften hervorbringen. Dieses „Maßschneidern“ von Materialien im Bereich von Nanometern führt zu neuen physikalischen Phänomenen, die die Basis für neue Funktionen in Bauelementen, zum Beispiel für die Quanteninformationsverarbeitung, bilden.
Das wissenschaftliche Fundament dazu hat Paul Drude mit seiner Elektronentheorie der Metalle gelegt. Der gebürtige Braunschweiger studierte in Göttingen, Freiburg und Berlin. Einer seiner wichtigsten Lehrer war Woldemar Voigt (1850 – 1919) in Freiburg. Drudes Dissertation bei Voigt war eine theoretische Arbeit und beschäftigte sich mit den Gesetzmäßigkeiten der Reflektion und der Brechung des Lichtes an der Oberfläche von Kristallen. Später befasste sich Paul Drude mit der seinerzeit ganz neuen drahtlosen Telegraphie und der damit zusammenhängenden Ausbreitung von elektromagnetischen Wellen. Das führte zu den Theorien des schottischen Physikers James Clerk Maxwells (1831 – 1879), die damals nicht unumstritten waren. Paul Drude gilt als einer der ersten Physiker, der die optischen Eigenschaften von Materie mit den Elektronen in der Materie in Zusammenhang brachte.
Weitere Stationen der Karriere Paul Drudes waren Leipzig und Gießen, bevor er im „Wunderjahr der Physik“ 1905 nach Berlin kam. Hier wurde er Direktor des Instituts für Physik, an dessen Stelle übrigens heute das ARD-Hauptstadtstudio steht. Es sind nicht nur die Forschungen und sein Talent für ausgeklügelte Experimente, die Drude heute noch aktuell erscheinen lassen. Auch seine Ansichten zum Wissenschaftsbetrieb wirken in hohem Maße modern. So sagte er etwa in seiner Antrittsrede als neugewähltes Akademiemitglied: „Wie es auch die größte Freude macht, in solchem Zeitpunkt des intensivsten Aufschwungs der eigenen wissenschaftlichen Disziplin zu leben, wo es eine Überfülle von Aufgaben gibt, die sich der Bearbeitung darbieten, so wird dadurch doch eine Hast in der wissenschaftlichen Forschung provoziert, welche der beschaulichen Ruhe, mit der noch vor wenigen Jahrzehnten mancher Gelehrte seine Probleme im Laboratorium, am Schreibtisch und in freier Natur ausreifen lassen konnte, diametral entgegensteht, nicht immer zum Vorteil der Bearbeitung, und jeder, der an dieser Entwicklung auch nur zu kleinem Teil helfen will, muß sich die ernste Frage vorlegen, an welcher Ecke des Gebäudes er selbst Hand anlegen kann, falls es nutzbringend zu werden versprechen soll.“
Auch zur Einheit von Forschung und Lehre äußerte sich Drude: „(…) und daß in der schwierigen Lösung der Doppelaufgabe des deutschen Professors als Forscher und Lehrer gerade die beste Gewähr für wissenschaftliche Erfolge liegen kann, ist durch meine Vorgänger mir so deutlich gezeigt, daß ich diesen Vorbildern nach Kräften nachzustreben mich bemühen werde und niemals die Wichtigkeit gerade auch meiner Lehraufgabe vergessen werde.“ Warum er nur eine Woche nach diesen Worten aus dem Leben schied, ist niemals geklärt worden. Er hinterließ eine Frau und vier Kinder.
Der obige Text entstand auf der Basis von Material, das Holger T. Grahn und Dieter Hoffmann zusammengetragen haben und in einem Buch veröffentlichen werden. * In der Reihe „Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften“ erscheint als Band 298 das Buch „Zur Elektronentheorie der Metalle von Paul Drude“ (Hrsg.: Holger T. Grahn und Dieter Hoffmann, Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main, Juli 2006).
First Solar und Vestas enttäuschen mit Q1-Zahlen. Die RENIXX-Schwergewichte First Solar und Vestas haben die Geschäftszahlen für das erste Quartal 2011 vorgelegt und dabei die Erwartungen der Anleger nicht erfüllen können. Beide Aktien geben im frühen Handel nach und ziehen den RENIXX unter die Marke von 520 Punkten.
Fukushima 1: Arbeiter wagen sich in Reaktorgebäude 1. Erstmals seit der Zerstörung am 11. März 2011 haben nun Arbeiter des Betreibers Tepco das Gebäude von Reaktorblock 1 betreten. Sie sollen Filtersysteme einbauen um die radioaktiv verseuchte Luft im Gebäude zu reinigen. Sie dürfen sich jedoch nur jeweils 10 Minuten im Gebäude aufhalten. Drei Gruppen sollen sich mit dem Einbau abwechseln.
Q-Cells Vorstandsmitglied Rauter hat sein Amt auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Der Aufsichtsrat der Q-Cells hat dem in seiner Sitzung am 4. Mai entsprochen. Gerhard Rauter (53) war seit Oktober 2007 als Chief Operation Officer (COO) für Q-Cells tätig und zuletzt für Produktion und Technologie verantwortlich.
Weltmarktführer: BELECTRIC er- richtet 2010 über 300 MW PV-Leistung und installierte damit weltweit mehr PV-Leistung als jedes andere Unternehmen. Das geht aus einer Analyse des Marktforschungsinstitut IMS Research hervor. In 2011 will das Unternehmen aus dem bayerischen Kolitzheim bis zu 60 Prozent des jährlichen Auftragsvolumens im Ausland realisieren.
Neue Hinweise für eine Virus- Beteiligung bei Prostatakrebs glauben US-Forscher gefunden zu haben. Sie haben das Virus XMRV bei fast jedem dritten untersuchten Prostata-Krebspatienten gefunden. Sollte das Virus der Auslöser sein, könnte man eine Impfung entwickeln wie gegen Gebärmutterhalskrebs.
Im Dschungel von Papua-Neugui- nea entdeckten Wissenschaftler vom Smithsonian Nationalen Museum für Naturkunde in Washington ein Nagetier, das die Größe eines Dackels erreicht. Die Riesenratte misst gut 80 Zentimeter und wird anderthalb Kilogramm schwer.
Der Schwanz, den Geckos auf der Flucht vor Verfolgern abwerfen, kann noch bis zu einer halben Stunde lang tanzende Bewegungen vollführen und den Feind auf diese Weise ablenken, so Zoologen der Clemson University in South Carolina.
Auf Kuba wurden die fossilen Reste eines riesigen Krokodils gefunden, das vor 20 Millionen Jahren gelebt haben soll. Das zehn Meter lange Skelett wurde in der Provinz Sancti Spiritus entdeckt.
In einem erloschenen Vulkan auf der Osterinsel entdeckten Forscher der Universität von Manchester einen Steinbruch. Aus dieser Quelle könnten auch die roten Hüte stammen, die viele der legendären Riesenfiguren tragen, vermuten die Wissenschaftler.
Der deutsche Bundestag hat alle im Zweiten Weltkrieg gegen "Kriegsverräter" ausgesprochenen Urteile mit den Stimmen aller Fraktionen aufgehoben. Die Anlässe für diese Urteile reichten von politischem Widerstand und der Hilfe für verfolgte Juden über kritische Äußerungen über Krieg und Nazis bis hin zu Schwarzmarktgeschäften.
scienzz-partner
... LEUTE in scienzz
03.08.2009 - MATHEMATIK Mit am Start bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin
"Mathematik zählt, weil...du damit fast alles erklären kannst, vielleicht sogar deine gute Note in Sport", meint Mathematik-Professor Matthias Ludwig, Autor des Buches "Mathematik und Sport" und Mathemacher des Monats August der Deutschen Mathematiker Vereinigung. > mehr
wissenswert
17.07.2009 - ANTHROPOLOGIE
EVIDENCE how do we know what we know?
"Evidence" ist eine Web- Ausstellung des Museums Exploratorium in San Francisco. Anhand einer Fallstudie wird erklärt, wie Wissenschaft funktioniert. Hierbei steht die Arbeit des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie zur Erforschung der menschlichen Ursprünge im Mittelpunkt. > mehr