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08.01.2007 - ARTENSCHUTZ
Mit genetischen Tests Schmuggel aufdecken
Kaviarhandel soll besser kontrolliert werden
Christine Vollgraf
 | | Schmuggelware auf dem Festtisch?
| | | Störe sind urtümliche Fische, die in Gewässern Asiens, Europas und Nordamerikas leben. Viele Populationen sind durch Über- fischung, Gewässerverschmutzung und Verbauungen dramatisch zurückgegangen. Seit ihrer Aufnahme in das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wilf Flora aund Fauna) 1998 ist deshalb der internationale Handel aller 27 Stör- und Löffelstörarten streng reguliert. Dieses Abkommen legt fest, welche Arten in welcher Menge pro Jahr gehandelt werden dürfen. Die Überwachung der Mengen erfolgt durch „Traffic“, das ist eine Unterorganisation der CITES-Behörde, und basiert auf den Meldungen der Importe und Exporte der einzelnen Mitgliedsstaaten. Das lässt Rückschlüsse auf die Einhaltung der jeweiligen Fangquoten zu. Zusätzlich besteht seit Juli 2006 noch ein einheitliches Etikettiersystem, das Herkunft, Störart und Abfülldatum des Kaviars eindeutig ausweist.
Sporadische Kontrollen mittels genetischer Verfahren wiesen in den zurückliegenden Jahren darauf hin, dass größere Mengen falsch deklarierten Kaviars gehandelt wurden. Für eine wirksamere Handelsüberwachung sollen deshalb künftig wissenschaftliche Testverfahren routinemäßig zum Einsatz kommen. Aus diesem Grund haben sich Wissenschaftler mit den einzelnen Export- und Importländern mit der Entwicklung solcher Testes befasst. Im Oktober trafen sich Forscher dieser Länder gemeinsam mit Artenschützern, UN-Vertretern und Kaviarhändlern zu einem Status-Workshop im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin und sprachen über ihre Methoden zur Art- und Populationsidentifizierung bzw. zur Unterscheidung von Wild- und Aquakulturfischen.
 | Knapp 46 Tonnen Kaviar wurden letztes Jahr international gehandelt ...
| Zu den wichtigsten Kaviarproduzenten gehören der Iran, Russland, Kasachstan, China, Rumänien und Aserbaidschan. Deutschland ist der größte Kaviar-Importeur. Weltweit wurden 2005 knapp 46 Tonnen Kaviar gehandelt. Davon importierte allein Deutschland fast 30 Tonnen Kaviar. „Mit Hilfe genetischer Tests können wir feststellen, von welcher Störart und theoretisch aus welcher Region eine Kaviarprobe stammt“, sagt Dr. Arne Ludwig vom IZW, der den Workshop gemeinsam mit Kollegen organisiert hatte. Sein Labor hat eine Methode entwickelt, mit der über die Analyse der Erbsubstanz DNA eine eindeutige Unterscheidung aller 27 Störarten möglich ist. Diese Methode beruht auf Unterschieden in den mitochondrialen Sequenzen, welche innerhalb einer Art fixiert sind. Schnelltestverfahren, wie zum Beispiel spezifische Primer oder Restriktionsenzyme (RFLP), ermöglichen ein einfaches Überprüfen größerer Mengen. Die Teilnehmer des Workshops sprachen deshalb die Empfehlung zur Nutzung dieser Verfahren aus.
Auch die Frage, woher der Kaviar stammt, ist wichtig, weil bestimmte Populationen befischt werden dürfen, dieselbe Art in einem anderen Gewässer aber nicht. Wissenschaftlich seien solche Tests eigentlich kein Problem, sagt Arne Ludwig. Mit Hilfe bestimmter variabler Marker (Mikrosatelliten) ermitteln die Forscher dazu die Verwandtschaftsverhältnisse der Tiere, ähnlich wie bei einem Vaterschaftstest. Sie können dann mit so genannten Asignment- Tests die Proben einzelnen Populationen zuordnen. Ludwig: „Um Aussagen darüber zu treffen, aus welchem See oder Fluss die Störe kommen, benötigen wir jedoch noch von einigen wichtigen Beständen Vergleichsdaten aus den entsprechenden Gewässersystemen, etwa im Iran oder in China. Diese liegen derzeit nicht vor.“ Deshalb wird die CITES-Behörde jetzt verstärkt Druck auf die Länder ausüben, die solche Daten bisher nicht zur Verfügung gestellt haben. Liefern sie keine Daten, wird mit dem Aussetzen des internationalen Handels gedroht. Gegenwärtig sind von derartigen Restriktionen die Anrainerstaaten des nördlichen Kaspischen Meeres betroffen.
 | ... davon gingen annähernd zwei Drittel nach Deutschland.
| Mit Kaviar lässt sich viel Geld verdienen. Der teuerste Kaviar vom wildlebenden Beluga-Stör kostet manchmal mehr als sechshundert Euro pro 100 Gramm. Kaviar aus Aquakulturen bringt nur einen Bruchteil davon ein. Da liegt es auf der Hand, dass versucht wird, Zuchtkaviar unter falschem Etikett zu verkaufen. Auch hier arbeiten die Wissenschaftler an einem Testverfahren. Jedoch: „Mit genetischen Methoden kommt man bei der Unterscheidung von Zucht- und Wildkaviar nicht weiter, weil viele Zuchtlinien erst seit wenigen Generationen in Aquakultur gehalten werden und diese Zeitspanne für die Anhäufung von diagnostischen genetischen Unterschieden zu kurz ist“, sagt Arne Ludwig.
Deshalb verglichen Forscher des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Kaviarproben von wilden und von Zucht-Stören auf ihre chemische und biochemische Zusammensetzung. Diese war signifikant unterschiedlich hinsichtlich ihres Fettsäureprofils. Als Ursache gilt der hohe Anteil von Seefischen im Futter der Zuchtstöre – Seefische besitzen spezifische Omega-3 Fettsäuren, welche im natürlichen Futter von Stören nicht vorkommen. Für ein generelles Testverfahren ist die Methode dennoch nicht geeignet, weil sie relativ kompliziert und teuer ist. Die Workshop-Teilnehmer einigten sich daher mit den CITES-Vertretern darauf, den Störzüchtern eine standardisierte Futterzugabe zu empfehlen, welche sich während der Körperentwicklung in den Fischen einlagert und einfach detektierbar ist. Diese Empfehlung soll schließlich in eine CITES-Vereinbarung münden, die für alle Störzüchter weltweit bindend wäre.
Im Ergebnis des Workshops wurde klar, dass es einen einzigen Test für alle drei Zielstellungen nicht geben wird. Vielmehr gehe es in Zukunft darum, die Verfahren zur Populationsidentifizierung und zur Unterscheidung von Wild- und Aquakulturfischen schnellstmöglich für einen Routineeinsatz zu optimieren, so Ludwig. Dazu sollen unter anderem Referenzdatenbanken zum Austausch von Proben und Daten aufgebaut werden. Jeder Händler oder Kaviarverkäufer muss künftig damit rechnen, dass sein Kaviar intensiven Tests unterzogen wird.
Mehr im Internet: Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung CITES Kaviar Der Stör kommt zurück, scienzz ticker 26.04.2005
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