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22.08.2004 - ÜBERGEWICHT

Der Speck muß weg

Übergewichtige Haustiere sind ein Spiegelbild unserer Gesellschaft

Anna-Maria Gerhart

 
 

Übergewicht bei Haustieren? Ist das ein Problem? Und ob! In Berlin können Haustiere sogar mit ihrem Übergewicht in die Schlagzeilen geraten. Wie Kater Mikesch, der bei seiner Einweisung in das Tier- heim Berlin am 1. April 2004 immerhin 18 Kilo wog. Ein weiterer Fall im Tierheim Berlin war ein knapp 5-jähriger Rottweiler, der satte 65 Kilo auf die Waage brachte, wobei sein Normalgewicht bei 35 liegt. „Der war schon quadratisch, das ist schon Tierquälerei“, so Dirk Biller, Hundetierpfleger im Tierheim Berlin. 

Gründe für Übergewicht können beispielsweise zu energiereiches Futter, zu wenig Bewegung oder auch Hormonstörungen durch Ka- stration sein. Darüber hinaus neigen Weibchen eher zu Übergewicht als Männchen wie auch ältere Hunde eher zu Gewichtszunahme neigen als junge. Die enge Beziehung zu den Ess- und Lebensge- wohnheiten des Menschen sind zudem ein wichtiger Faktor. Das Essen zu bestimmten Zeiten und das Faulenzen im Sessel sind auf die Dauer für das Tier nicht artgerecht. 

Auch neigen Tiere, die in einem Haushalt mit mehreren Tieren leben, zu Futterneid, was dazu führt, dass sie über das Sättigungsgefühl hinweg fressen. Dirk Biller beobachtet dies seltener im Tierheim, da die Tiere hohem Stress durch Besucher und die neue Umgebung ausgesetzt sind. Die Mehrzahl von ihnen nimmt im Tierheim eher ab. Bei schon übergewichtigen Tieren dagegen ist es weiterhin schwer, ihr Gewicht zu reduzieren, da ihr Stoffwechsel und somit auch das Hungergefühl sich nicht so schnell umstellen lassen. 

Aufmerksam auf die hohe Anzahl der fettleibigen Tiere machte der 2003 veröffentlichte Bericht des Wissenschaftsrats der staatlichen Forschungseinrichtung NRC in den USA. Neben der Erläuterung der erhobenen Daten geht der Bericht auch darauf ein, dass ein dicker Bauch schwerwiegende Folgen mit sich bringt. 

Diabetes, Überfettung der Leber, Gelenkbeschwerden aber auch Herzprobleme sind oft die Folge. „Wenn die Tiere zu fett sind, muss das Herz weitaus mehr arbeiten, mehr Blut durch die Organe pum- pen. Das kann frühzeitig zu einer erhöhten Herzbelastung und Herz- problemen führen. Herzinfarkt, Schlaganfall, das alles ist auch bei Tieren möglich. Sie können davon ausgehen, dass die Krankheiten, die Menschen haben, auch Tiere haben können“, so Till Robl, prak- tischer Tierarzt aus Berlin. Krankheiten, die das Leben des Tieres beeinträchtigen, belasten zudem den Besitzer, da das Tier zum einen in seiner Bewegungsfreude eingeschränkt ist, Spaziergänge somit zur Qual werden und zum anderen dadurch auch höhere Tier- arztkosten enstehen. Im schlimmsten Fall findet das Zusammenleben von Mensch und Tier ein frühes Ende durch den Tod des Tieres.  

Doch woran erkenne ich, ob mein Hund oder meine Katze überge- wichtig ist? Generell gilt, dass ein Fettgehalt von 20-22% bei Hunden das normale Maß ist. Was darüber liegt, gilt als „adipös“, verfettet. Als Tierbesitzer kann man aber Übergewicht auch daran erkennen, wenn das Haustier sprichwörtlich ‚zu viel auf den Rippen hat’, die Rippen also nicht ertastbar sind. Bei Katzen sollte man auf Fettpöl- sterchen im Katzengesicht und an den Gliedern wie auch schwerfäl- ligere Bewegungen achten, da diese Indiz für ein erhöhtes Körper- gewicht sind. Um eine genaue Aussage zum Gewicht des Tieres zu erhalten, kann der Tierarzt bei Hunden eine Brustumfangmessung durchführen. Bei Katzen wird der sogenannte Feliner Body Mass Index bestimmt.

Wie aber bringt man seinen Schützling zum Abnehmen? Viel Bewe- gung, geringere Futtermenge, Verabreichung von Diätmitteln und regelmäßiges Wiegen des Tieres. Katzen, die naturgemäß nicht ge- hörig sind und sich somit ungern zu etwas zwingen lassen, muss man mit einem Kratzbaum und vielem Spielen zu Bewegung animieren. Eine Fastenkur für Tiere kann man, wenn überhaupt, nur mit Hunden durchführen. Bei Katzen würde dies zu einer Überfettung der Leber und somit zum Tod führen. Somit gilt auch hier, was für den Men- schen gilt: langsam aber konsequent. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass sich das Tier seine Futterration nicht beim Nachbarn holt.

Doch zunächst besteht das Problem, dass der Tierbesitzer über die Fettleibigkeit seines Schützlings informiert werden muss. Als Tierarzt, so Till Robl, „muss man allerdings sehr vorsichtig sein. Ich kann es direkt sagen, dann geht es aber ins eine Ohr rein, und aus dem an- deren raus.“ Denn der Tierbesitzer fühlt sich schnell persönlich ange-griffen, wenn sein Schützling kritisiert wird.

 

Mehr im Internet:
Übergewichtige Hunde


 


Anna-Maria Gerhart

studiert Anglistik/Amerikanistik, Publizistik und Politik an der FU Berlin u. d. HU Berlin 
Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars für Online-Journalismus am Inst. f. Publizistik der FU Berlin


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