Auferweckung des Lazarus
(Juan de Flandres, um 1505)
"Das wunderschöne Jünglingsbild, es liegt am Boden blass und tot, das Blut färbt alle Blumen rot, und Klagelaut die Luft erfüllt ..." Auch ein Karfreitagslied, wenn man so will; aber der Klagelaut in Heinrich Heines "Frühlingsfeier" trägt den Namen Adonis. Der sterbende Gott ist keine Idee, die nur im Christentum vorkäme, der Alte Orient und das alte Ägypten kannten sterbende und wiederauferstehende Götter – Adonis, Attis, Tammuz, Osiris. Der Kreislauf der Jahreszeiten mag solche Gedanken mit angeregt haben, ebenso der Gestaltwandel des Mondes.
Und eine uralte menschliche Sehnsucht nach Überwindung des Todes. Gustav Mahler hat sie Ende des 19. Jahrhunderts in seiner 2. Sinfonie ausgedrückt, in Anlehnung an Verse von Friedrich Gottlieb Klopstock: "Aufersteh’n, ja Aufersteh’n wirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh! Unsterblich Leben! Unsterblich Leben wird, der dich rief, dir geben ..." Selbstverständlich ist der Auferstehungsgedanke jedoch keineswegs. Die Helden Homers hätten ihn gar nicht verstanden. Ihre Götter waren unsterblich, sie brauchten nicht aufzuerstehen, und vom Menschen blieb nach dem Tod bloß ein Schatten, ohne jede Hoffnung.
Auferweckung des Adonis (John William Waterhouse, um 1900
In den frühesten Texten des Alten Testaments sahen die alten Israeliten ihre Unterwelt, die Sheol, ähnlich düster wie die Griechen ihren Hades. Ausgerechnet die Katastrophe des israelitischen Staates im 6. Jahrhundert vor Christus brachte jedoch einen Wandel in Gang. "Deine Toten werden leben, deine Leichname werden auferstehen", ist im Buch Jesaja zu lesen, und bei Hesekiel heißt es: "Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf und bringe euch ins Land Israel." "Auferstehung" war ein Bild für die politische Wiederherstellung Israels. Heutige Religionshistoriker vermuten dahinter persischen Einfluss, genauer: einen Einfluss persischer Vorstellungen vom Ende der Zeiten. In den heiligen Schriften der Zoroastrier wird beschrieben, wie die Toten vor dem großen Weltgericht auferstehen.
"Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande", prophezeite das Buch Daniel, als Israel wieder einmal unter fremde Herrschaft geraten war. Das Stichwort "Auferstehung" häuft sich vor allem in diesen spätesten Schriften des Alten Testaments, die später gar nicht in die hebräische Bibel aufgenommen wurden, vom 2. Makkabäerbuch über die Psalmen Salomonis und die Patriarchentestamente bis zum äthiopischen Henochbuch. Es war nicht unbedingt an ein ewiges, vielleicht bloß an ein sehr langes Leben in einem Reich der Gerechtigkeit gedacht. Das Schicksal der "Ungerechten" blieb unbestimmt, irgendwo zwischen Verdammnis und Vernichtung.
Hesekiels Vision von der Auferstehung der Toten (Francisco Collantes, um 1630)
Wie der Historiker Flavius Josephus berichtet, bildete die "Auferstehung" zur Zeit Jesu einen Hauptstreitpunkt zwischen den Schulen der Pharisäer und der Sadduzäer. Die Sadduzäer unterstellten, mit dem Leib müsste auch die Seele zugrunde gehen, die Pharisäer behaupteten, die Seelen der Guten – nur die der Guten, offenbar – würden später in einen anderen Leib eingehen. Das Matthäusevangelium erzählt, wie die skeptischen Sadduzäer an Jesus mit der Frage herantraten: "Bei uns waren sieben Brüder. Der erste heiratete und starb, und weil er keine Nachkommen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder, ebenso der zweite und der dritte bis zum siebten. Zuletzt nach ihnen allen starb die Frau. Nun in der Auferstehung: wessen Frau wird sie sein von diesen sieben?"
Es ist nicht überliefert, wie die Pharisäer als Befürworter der Auferstehung das Problem gelöst haben. Jesu Antwort lautete, die Auferstandenen würden weder heiraten noch geheiratet werden, sie seien "wie die Engel im Himmel". Inwieweit das als Äußerung des historischen Jesus oder als Theologie der frühen Gemeinde zu werten ist, sei dahin gestellt. Sicher ist, dass das Christentum sich in diesem Punkt von Anfang an zur pharisäischen Position bekannte: In seinem Brief an die Korinther gut zwei Jahrzehnte nach Jesu Tod verknüpfte Paulus die Erscheinungen des auferstandenen Christus eng mit dem Glaubenssatz von der Auferstehung der Toten: "Nun ist Christus von den Toten auferstanden als Erstling derer, die entschlafen sind."
Was zuerst war – ob also die Erscheinungen Christi im Sinne dieses Glaubens interpretiert wurden oder ob umgekehrt der Glaube an Christi Auferstehung zur Hoffnung für alle verallgemeinert wurde – muss, wie so vieles aus diesen frühen Jahren des Christentums, offen bleiben. Jedenfalls erwarteten diese ersten Christen das große Ereignis für die allernächste Zukunft, noch während der gerade lebenden Generation. Paulus im 1. Korintherbrief: "Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune."
Der Glaube an eine baldige gemeinsame Auferstehung aller Toten trat jedoch sehr bald zurück; noch mitten in der Entstehungsphase des Neuen Testaments schob sich ein anderer Gedanke in den Vordergrund. Das Lukasevangelium, etwa eine Generation nach den Paulusbriefen geschrieben, lässt den gekreuzigten Jesus zum reuigen Schächer sagen: "Heute wirst du mit mir im Paradies sein." Heute noch – nicht erst am Ende der Zeiten. Der Verfasser muss mit der Idee von der Unsterblichkeit der Seele vertraut gewesen sein, wie sie damals in der griechischen Populärphilosophie gepredigt wurde. Ob ihm die Kluft zwischen beiden Konzepten voll bewusst geworden ist? Die Philosophen dachten Unsterblichkeit als Wesensmerkmal der Menschenseele, selbst unabhängig vom Glauben an einen Schöpfergott; in der Religion des Judentums dagegen war Auferstehung ein von Gott gewirktes Wunder.
Frauen mit dem Engel am leeren Grab (Adam Elsheimer, um 1603)
Im Falle Jesu Christi, setzten Paulus und die Evangelien voraus, war das Wunder zu Ostern bereits geschehen. Ein Blick auf zwei Jahrtausende Theologiegeschichte vermittelt den Eindruck, dass die intellektuellen Bemühungen hierum zu Zeiten abnehmenden Wunderglaubens, also seit der Aufklärung, nur desto intensiver geworden sind. Da gibt es mystische Deutungen (zum Beispiel Albert Schweitzer: "Ineinandersein von natürlicher und übernatürlicher Welt"), existenzphilosophische (Rudolf Bultmann sprach, inhaltlich ganz unbestimmt, vom Osterglauben als einer Entscheidung, die angesichts des Kreuzes neu und endgültig vollzogen werden müsse) und ethisch-politische ("die Sache Jesu geht weiter", mit der neuen Schwierigkeit, diese "Sache" definieren zu müssen, bei unserem fragmentarischen Wissen über den historischen Jesus nicht ganz einfach).
Und natürlich bei vielen Theologen nach wie vor das Beharren auf der Wörtlichkeit des Bibeltextes, einschließlich des leeren Grabes, das ja auch heute noch, wie gerade die letzten Wochen gezeigt haben, zu hobbyarchäologischen Verwirrspielen gut ist. Auch von ungläubigen Exegeten sind hierzu allerlei Theorien entwickelt worden: Jesus sei gar nicht am Kreuz gestorben, der Scheintote ins Leben zurückgekehrt; oder: Die Jünger hätten den Leichnam gestohlen und der Welt eine Auferstehung weis gemacht. Könnte sein, dass Paulus – unser frühester Gewährsmann für Auferstehungszeugnisse – von einem leeren Grab überhaupt nichts wusste. Es gibt zu denken, dass Paulus bei der allgemeinen Auferstehung der Toten scharf zwischen dem alten "natürlichen" und einem neuen "geistlichen" Leib unterschieden sehen wollte.
Auferstehung Christi (Mat- thias Grünewald, 1506-15)
Die zweitausend Jahre christlicher Theologie, die auf Paulus folgten, lassen sich als eine Kette von Versuchen lesen, die Auferstehung der Toten und das Jüngste Gericht einerseits, die Lehre von der unsterblichen Seele mit Eingang in jenseitige Seligkeit oder Verdammnis unmittelbar nach dem Tod andererseits in Einklang zu bringen; auch im Islam wurde die Lehre von einer Zwischenwelt entwickelt, worin die Toten je nach ihren verdienstlichen oder frevelhaften Taten bis zum Jüngsten Tag verharren. Im modernen Europa ist, wenn man den Meinungsumfragen trauen soll, eine neue Wendung zu verzeichnen: Viele Christen interpretieren die Auferstehung im Sinne fernöstlicher Vorstellungen von Wiedergeburt und Seelenwanderung. An die Stelle des göttlichen Wunders tritt das Strukturprinzip einer sich fortwährend erneuernden Lebenswelt.
Abseits aller theologischen Reflexionen hat der Auferstehungsgedanke religiös und poetisch gestimmten Laien immer wieder Anlass zu hymnischen Aufschwüngen gegeben. Zum Beispiel dem amerikanischen Schriftsteller Benjamin Franklin, als er seine berühmte Grabschrift entwarf: "Der Leichnam von B. Franklin, Drucker, wie der Einband eines alten Buches, dessen Inhalt herausgerissen ist, das seines Drucks und seines Goldschnitts beraubt ist, liegt hier, zum Fraß für die Würmer. Aber das Werk wird nicht verloren gehen, denn es wird, wie er glaubte, aufs neue erscheinen, in einer neuen und verbesserten Ausgabe, korrigiert und ergänzt vom Verfasser." Zuviel Pathos, dachte Franklin vermutlich, als er Jahrzehnte später die Inschrift verordnete, die heute wirklich auf seinem Grab steht: "Benjamin und Deborah Franklin. 1790".
First Solar und Vestas enttäuschen mit Q1-Zahlen. Die RENIXX-Schwergewichte First Solar und Vestas haben die Geschäftszahlen für das erste Quartal 2011 vorgelegt und dabei die Erwartungen der Anleger nicht erfüllen können. Beide Aktien geben im frühen Handel nach und ziehen den RENIXX unter die Marke von 520 Punkten.
Fukushima 1: Arbeiter wagen sich in Reaktorgebäude 1. Erstmals seit der Zerstörung am 11. März 2011 haben nun Arbeiter des Betreibers Tepco das Gebäude von Reaktorblock 1 betreten. Sie sollen Filtersysteme einbauen um die radioaktiv verseuchte Luft im Gebäude zu reinigen. Sie dürfen sich jedoch nur jeweils 10 Minuten im Gebäude aufhalten. Drei Gruppen sollen sich mit dem Einbau abwechseln.
Q-Cells Vorstandsmitglied Rauter hat sein Amt auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Der Aufsichtsrat der Q-Cells hat dem in seiner Sitzung am 4. Mai entsprochen. Gerhard Rauter (53) war seit Oktober 2007 als Chief Operation Officer (COO) für Q-Cells tätig und zuletzt für Produktion und Technologie verantwortlich.
Weltmarktführer: BELECTRIC er- richtet 2010 über 300 MW PV-Leistung und installierte damit weltweit mehr PV-Leistung als jedes andere Unternehmen. Das geht aus einer Analyse des Marktforschungsinstitut IMS Research hervor. In 2011 will das Unternehmen aus dem bayerischen Kolitzheim bis zu 60 Prozent des jährlichen Auftragsvolumens im Ausland realisieren.
Neue Hinweise für eine Virus- Beteiligung bei Prostatakrebs glauben US-Forscher gefunden zu haben. Sie haben das Virus XMRV bei fast jedem dritten untersuchten Prostata-Krebspatienten gefunden. Sollte das Virus der Auslöser sein, könnte man eine Impfung entwickeln wie gegen Gebärmutterhalskrebs.
Im Dschungel von Papua-Neugui- nea entdeckten Wissenschaftler vom Smithsonian Nationalen Museum für Naturkunde in Washington ein Nagetier, das die Größe eines Dackels erreicht. Die Riesenratte misst gut 80 Zentimeter und wird anderthalb Kilogramm schwer.
Der Schwanz, den Geckos auf der Flucht vor Verfolgern abwerfen, kann noch bis zu einer halben Stunde lang tanzende Bewegungen vollführen und den Feind auf diese Weise ablenken, so Zoologen der Clemson University in South Carolina.
Auf Kuba wurden die fossilen Reste eines riesigen Krokodils gefunden, das vor 20 Millionen Jahren gelebt haben soll. Das zehn Meter lange Skelett wurde in der Provinz Sancti Spiritus entdeckt.
In einem erloschenen Vulkan auf der Osterinsel entdeckten Forscher der Universität von Manchester einen Steinbruch. Aus dieser Quelle könnten auch die roten Hüte stammen, die viele der legendären Riesenfiguren tragen, vermuten die Wissenschaftler.
Der deutsche Bundestag hat alle im Zweiten Weltkrieg gegen "Kriegsverräter" ausgesprochenen Urteile mit den Stimmen aller Fraktionen aufgehoben. Die Anlässe für diese Urteile reichten von politischem Widerstand und der Hilfe für verfolgte Juden über kritische Äußerungen über Krieg und Nazis bis hin zu Schwarzmarktgeschäften.
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03.08.2009 - MATHEMATIK Mit am Start bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin
"Mathematik zählt, weil...du damit fast alles erklären kannst, vielleicht sogar deine gute Note in Sport", meint Mathematik-Professor Matthias Ludwig, Autor des Buches "Mathematik und Sport" und Mathemacher des Monats August der Deutschen Mathematiker Vereinigung. > mehr
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17.07.2009 - ANTHROPOLOGIE
EVIDENCE how do we know what we know?
"Evidence" ist eine Web- Ausstellung des Museums Exploratorium in San Francisco. Anhand einer Fallstudie wird erklärt, wie Wissenschaft funktioniert. Hierbei steht die Arbeit des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie zur Erforschung der menschlichen Ursprünge im Mittelpunkt. > mehr