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19.04.2018 - RELIGIONSGESCHICHTE

"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt"

Der amerikanische Literaturwissenschaftler Stephen Greenblatt ueber die Geschichte von Adam und Eva

Eines schönen Tages im Jahre 370 n. Chr. nahm in der römischen Provinzstadt Thagaste im heutigen Algerien ein Vater seinen 16-jährigen Sohn mit in die Thermen. Als die beiden zurück waren, sagte der Vater voller Stolz und Freude zu seiner Frau, er habe guten Grund, auf Enkel zu hoffen, der Sohn stehe „in aufkeimender Mannbarkeit“. Kurzum: Der Heranwachsende hatte eine Erektion. Das wäre nicht der Rede wert, wenn dieser junge Mann nicht Augustinus gewesen wäre, der vielleicht bedeutendste Kirchenvater der Christenheit. Ein Vierteljahrhundert später, in seinen „Bekenntnissen“, machte er den kleinen Vorfall – oder eigentlich die Diskussion, die sich daran zwischen den Eltern anschloss - zur Schlüsselszene seiner intellektuellen und moralischen Biographie. Indirekt, meint der Anglist Stephen Greenblatt von der Harvard University in seinem nun auch auf Deutsch erschienenen Buch über die „Geschichte von Adam und Eva“, damit auch zum Ausgangspunkt seiner Theologie des Sündenfalls, die das christliche Denken über Jahrhunderte geprägt hat. > mehr

15.04.2018 - IDEENGESCHICHTE

Als Sachsen und Rheinlaender "Nationen" waren

Urspruenge und Entwicklungen der nationalen Idee

Unter den Studenten der Prager Karls-Universität gab es zu Ende des Mittelalters eine böhmische, eine bayerische, eine sächsische und eine polnische Nation. In Wien unterschied man eine österreichische, eine ungarische, eine rheinische und eine sächsische Nation, in Paris eine gallische, eine pikardische, eine normannische und eine englische. In Leipzig wechselte das Rektorenamt noch im 18. Jahrhundert zwischen den „nationes“ der Sachsen, der Meißner, der Bayern und der Polen. Die Studentenschaft war nach geographischen Kriterien eingeteilt, die oft, aber nicht immer auch sprachliche Gemeinsamkeiten bedingten. So gehörten zur „englischen Nation“ in Paris auch die Studenten aus Deutschland. > mehr

11.04.2018 - DEUTSCHE LITERATUR

Politische Dichtung - aus eigenem Antrieb oder auf Bestellung

Der Dreissigjaehrige Krieg im Spiegel der Barockliteratur

„Ein garstig‘ Lied! Pfui! Ein politisch‘ Lied, ein leidig‘ Lied“, beschwert sich in Auerbachs Keller in Goethes „Faust“ einer der Studenten, als sein Kommilitone einen Spottgesang auf das drohende Auseinanderbrechen des Heiligen Römischen Reiches anstimmen will. Der Vers wurde zum Inbegriff für eine „unpolitische“ oder „antipolitische“ Untertanenmentalität, wie man sie gern den Deutschen vorhält. Die Dichter des 17. Jahrhunderts kann das nicht treffen, konstatiert der Germanist Volker Meid in seinem neuen Buch „Der Dreißigjährige Krieg in der deutschen Barockliteratur“. „Für sie war die Beschäftigung mit politischen Themen in der Dichtung, ob Vers oder Prosa, selbstverständlich. Sie reflektierten die Krisenerscheinungen der Zeit, kommentierten einzelne Ereignisse, nahmen Partei, polemisierten und mahnten zum Frieden.“ > mehr

07.04.2018 - KULTURGESCHICHTE

"Spare in der Zeit"

oder die Geschichte einer deutschen Tugend

„Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“, war ein kurzer Zeichentrickfilm der UFA aus dem Jahr 1935 betitelt. Auf einer sommerlichen Wiese sind die Bienen emsig bei der Arbeit zu sehen. „Was Fleiß geschafft, wird hier gespart“, kommentiert eine Stimme aus dem Off, „und Ordnung herrscht im Haus.“ Im Kontrast verbringen die Heuschrecken den ganzen Tag mit Saufen und Fressen. „Hier fragt man nicht, was später wird, und lebt in Saus und Braus.“ Als die Szene in den Winter wechselt, sitzen die Bienen behaglich und warm in ihrem Stock. Die frierenden und hungernden Faulenzerinsekten, die um Einlass bitten, werden abgewiesen. „Ohne Fleiß kein Preis“, verkündet das Schild an der Tür. > mehr

03.04.2018 - IDEENGESCHICHTE

"Neu-Kythera" oder der Traum vom Paradies

Vor 250 Jahren landete der franzoesische Seefahrer Bougainville auf Tahiti

„Die Theologen und philosophischen Weisen“, schrieb Columbus Anfang 1493 auf der Rückreise aus der Karibik an die Katholischen Majestäten von Spanien, „haben mit ihrer Behauptung wohl Recht, dass das irdische Paradies im äußersten Osten liegt, da dieser ein überaus mildes Klima besitzt. Und jene Inseln, die ich jetzt entdeckt habe, sind das Ende des Ostens.“ Die Suche nach dem irdischen Paradies – das war neben der Gier nach Gold und nach Gewürzen und dem Wunsch, im Rücken des osmanischen Reiches einen Bündnispartner zu gewinnen, eines der Motive, die hinter Columbus‘ Expedition standen. Es gehörte zu den großen Enttäuschungen des Entdeckers, dass er dieses Paradies niemals finden konnte, obwohl er doch so sicher war, dass es ganz nah sein müsste. „Niemand kann dorthin gelangen, es sei denn durch Gottes Willen“, schrieb er 1498 in einer Mischung von Resignation und Hoffnung. > mehr

30.03.2018 - RELIGIONSGESCHICHTE

Betrug, Halluzination, Scheintod - oder eine uebernatuerliche Realitaet?

Streit um die Auferstehung Christi

Die historische und philologische Forschungsarbeit am Neuen Testament begann mit einem Skandal. Zwischen 1774 und 1778 brachte Gotthold Ephraim Lessing sieben Textfragmente eines ungenannten Verfassers heraus. Fragment Nr. 6, das 1777 herauskam, behauptete nicht mehr und nicht weniger, als dass die Beweise aus der Bibel für die Auferstehung Jesu „vor dem Richterstuhl der Vernunft in Ewigkeit nicht bestehen“ könnten. Der damals unbekannte Verfasser war der 1768 verstorbene Hamburger Gymnasialprofessor für orientalische Sprachen, Hermann Samuel Reimarus, der in der Öffentlichkeit durch mehrere Abhandlungen über die „natürliche Religion“ hervorgetreten war. Darin hatte er nach dem Vorbild englischer und französischer Philosophen den sogenannten „Deismus“ vertreten, den Versuch eines Gottesglaubens, der von den Offenbarungen der Bibel absehen wollte. > mehr

25.03.2018 - IDEENGESCHICHTE

Riesen - bedrohlich oder hilfsbereit, gutmuetig oder boesartig

Die Umdeutung "heidnischer" Glaubensvorstellungen

Die britische Insel, erzählte im 12. Jahrhundert der englische Geschichtsschreiber Geoffrey of Monmouth, war bereits in grauer Vorzeit „überaus einladend wegen der schönen Lage ihrer verschiedenen Regionen, ihrer Wälder und der großen Anzahl von Flüssen, die von Fischen wimmelten“. Brutus, ein Abkömmling von Trojanern, die bei der Eroberung der Stadt durch die Griechen geflüchtet waren, und seine Gefährten wurden von dem heftigen Wunsch erfasst, dort zu leben. Die Insel war allerdings schon bevölkert, dort lebten heidnische Riesen, so stark, dass sie mit Leichtigkeit Bäume ausreißen konnten. Eines Tages, während sich die Neuankömmlinge im Gottesdienst befanden, griffen die Riesen sie an. Das gab die Rechtfertigung, diese Ureinwohner zu töten. Für den mittelalterlichen Geschichtsschreiber, formuliert die Würzburger Ethnologin Susanne Dinkl, waren die Riesen „suspekte Erdrandbewohner“, sie markierten eine Grenze christlicher Mission und abendländischer Kultur, die in einem Prozess der Mission und Zivilisation immer weiter hinausgedrängt wurde. > mehr

21.03.2018 - GESCHICHTE

Die Militanten waren in der Minderheit - und stellten doch immer wieder die Weichen

Peter H. Wilson ueber den Dreissigjaehrigen Krieg

2008, stellt der Kriegshistoriker Peter H. Wilson von der University of Oxford fest, hätte Mitteleuropa einen Rekord feiern können. Zuvor galt die Epoche zwischen dem Reichstag zu Augsburg 1555 und dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 1618 als die längste Friedensperiode in der deutschen Geschichte. Nun, 63 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, konnte diese Zeitspanne übertroffen werden. Als am Morgen des 23. Mai 1618 Vertreter der böhmischen Stände drei Räte ihres Landesherrn, des habsburgischen Kaisers, aus einem Fenster der Prager Burg warfen, ahnte noch niemand, dass sich daraus ein großer europäischer Krieg entwickeln würde. In den frühen 1620er Jahren, berichtet Wilson, begannen einige Chronisten zu zählen, sie sprachen von einem „fünf“- oder „sechsjährigen Krieg“, bis es schließlich 30 Jahre wurden. > mehr

17.03.2018 - ENGLISCHE LITERATUR

"Ein sorglos gemachtes, artiges, unsinnvolles, gutgelauntes Buch"

Vor 250 Jahren verstarb Laurence Sterne

Ohne den englischen Schriftsteller Laurence Sterne wäre die deutsche Sprache ärmer. Als sich nach dem Erscheinen seiner „Sentimental Journey Through France und Italy“ 1768 der Übersetzer Johann Joachim Christoph Bode daranmachte, den Roman ins Deutsche zu übertragen, wusste er nicht so recht, wie er „sentimental“ wiedergeben sollte. Er zog seinen Freund Gotthold Ephraim Lessing zu Rate. Der schlug eine ganz neue Wortprägung vor: „empfindsam“. Der Neologismus machte Karriere. Heute wird die Epoche der Aufklärung auch als „Zeitalter der Empfindsamkeit“ bezeichnet. Und mit diesem Buch gewann auch der Schriftsteller selbst, der am 18. März 1768, vor 250 Jahren, in London an der Tuberkulose verstarb, auch auf dem Kontinent seinen Ruhm. Dass Sterne bald als Herold der empfindsamen Bewegung verehrt wurde, beruht halb und halb allerdings auf einem Missverständnis. > mehr

12.03.2018 - KULTURGESCHICHTE

Eine Wendung gegen die Anthropozentrik

Tiere in der Geschichte

„Drei Taler erlegen für meinen Hund!“, dichtete Adalbert von Chamisso 1831. „So schlage das Wetter mich gleich in den Grund! Was denken die Herr‘n von der Polizei? Was soll nun wieder die Schinderei!“ Anlass für Chamissos Gedicht war ein Gesetz, mit dem König Friedrich Wilhelm III. von Preußen den Gemeinden erlaubt hatte, „auf das Halten von Hunden eine besondere Steuer“ zu erheben. Das war zunächst einmal eine Luxussteuer: Anders als auf dem Land hatten viele Hunde in der Stadt keine ökonomische Rechtfertigung. Doch daneben sollte die Steuer auch die Zahl streunender Hunde begrenzen. Die Bettler allerdings, für die der Hund oft ihre Familie war, konnten die neue Steuer von vornherein nicht aufbringen. > mehr

07.03.2018 - DEUTSCHE LITERATUR

"Wir haetten ihn ja wahrscheinlich doch nicht promovieren koennen"

Vor 100 Jahren verstarb der Schriftsteller Frank Wedekind

So viel aktuelle Kontroverse widerfährt einer fast 130 Jahre alten Dichtung selten. 2009 musste der Zürcher Staatsanwalt ein Verfahren gegen einen Deutschlehrer an der Kantonsschule Rämibühl einleiten. Eine Mutter hatte ihn beschuldigt, den Schülern pornographisches Material vermittelt zu haben. Einer der anstößigen Texte: „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind. Dem Dichter wäre dieses Szenario bekannt vorgekommen. Seine „Kindertragödie“ war nach der ersten Buchausgabe 1891 von der Zensur als „unerhörte Unflätigkeit“ indiziert worden; erst 1912 gab das Berliner Oberverwaltungsgericht die Uraufführung frei, in einer gemilderten Bühnenversion. Sexuelle Aufklärung, eine Gruppenmasturbation, homoerotische Wünsche, sogar Andeutungen von Sadomasochismus – das war für die Gesellschaft des wilhelminischen Kaiserreichs zu viel. > mehr

03.03.2018 - KULTURWISSENSCHAFT

"Bruessel ist das neue Moskau"

Neue Nationalismen in Osteuropa

Selten wurde eine Vorhersage so rasch und so gründlich dementiert wie jene des amerikanischen Politikwissenschaftlers Francis Fukuyama, nach dem Zusammenbruch des Sowjetsystems sei „das Ende der Geschichte gekommen“. Bereits das Auseinanderfallen des Vielvölkerstaates Jugoslawien 1991 machte deutlich, dass mitten in Europa Kriege, wenige hundert Kilometer von Wien oder Venedig entfernt, wieder möglich sind. Auch die Erwartung, die Staaten zwischen Ostsee und Schwarzem Meer würden sich nun problemlos in den „Westen“ und in das vereinigte Europa eingliedern, hat sich nicht erfüllt. Vereinzelt wird die Europäische Union heute bereits mit der sowjetischen Vorherrschaft über Osteuropa assoziiert. > mehr

26.02.2018 - KULTURGESCHICHTE

Ein Prozess der Entsinnlichung

Vom Gold des Kroesus zum Digitalgeld von heute

„Nur Bares ist Wahres“, sagt der Volksmund. In der Redensart spiegelt sich das Misstrauen wider, das bargeldlosen Zahlungen früher entgegengebracht wurde. Wahrscheinlich antworteten Gastwirte schon vor vielen Jahrhunderten so etwas, wenn ihre Gäste anschreiben lassen wollten. Oder Händler im Italien der Renaissance, wenn sie feststellen mussten, dass ihre Wechsel wider alle Versprechen doch nicht eingelöst wurden. Welche kulturellen Umbrüche uns wohl bevorstehen, wenn das Bargeld demnächst völlig abgeschafft werden sollte? Manche erwarten davon entscheidende Fortschritte im Kampf gegen die Kriminalität und in den Möglichkeiten der Wirtschaftslenkung, andere befürchten eine Entmündigung des Bürgers zugunsten der Banken und des Staates. > mehr

20.02.2018 - KULTURGESCHICHTE

Mein Leben gehoert mir, mein Tod gehoert mir

Die Umwertung des Suizids in der Moderne

Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre es in der deutschen Sprache gar nicht so einfach gewesen, das Phänomen zu benennen, ohne im von vornherein eine Wertung mitzugeben. Im 17. Jahrhundert war in der Juristensprache als Wiedergabe des neulateinischen „suicidium“ das Wort „Selbstmord“ aufgekommen. Ähnlich hatte Martin Luther einmal von „sein selbs mörder“ gesprochen, vom „Mörder seiner selbst“. Selbstmord wurde als Form des Mordes angesehen, unter theologischer und ethischer wie unter juristischer Perspektive. Als Alternative kam um 1900 das Wort „Freitod“ auf, nicht weniger wertend, doch in entgegengesetzter Richtung. Der Versuch, „suicidium“ wertneutral als „Selbsttötung“ zu übersetzen, konnte sich niemals recht durchsetzen, dieser Ausdruck klingt allzu künstlich. Inzwischen ist das Fremdwort „Suizid“ in die deutsche Umgangssprache eingegangen, es füllte sichtlich eine Lücke. > mehr

12.02.2018 - KULTURGESCHICHTE

Weise Narren und rechte Toren

Von Aesop bis zu Duerrenmatts "Physikern"

Es war im November 1315. Herzog Leopold von Österreich rückte mit seinem Ritterheer zu einer Expedition gegen die Bauern von Schwyz aus. Mit ernsthaftem Widerstand rechnete Leopold nicht. Nur sein Hofnarr Hans Kuony von Stocken warnte: „Ihr wisst, wie Ihr nach Schwyz reinkommt, aber nicht, wie wieder raus.“ Der Narr behielt Recht: Die kampferprobten Schweizer Bauern brachten den stolzen Rittern eine empfindliche Niederlage bei. Die Confoederatio Helvetica heute sieht in der Schlacht von Morgarten eines ihrer Gründungsdaten. Doch auch eine der wichtigsten Institutionen der Schwäbisch-Alemannischen Fasnacht, das „Hohe Grobgünstige Narrengericht“ zu Stockach, leitet sich davon ab. > mehr

08.02.2018 - KARNEVAL

"Die Kirche erlaubt eine ehrliche Wolllustbarkeit"

Der Karneval im Streit der Weltanschauungen

Anfang 1983 fanden die Einwohner von Freiburg im Breisgau in ihren Briefkästen einen Handzettel der „Evangelischen Volks- und Schriftenmission“ Lemgo vor, überschrieben „Karneval – nein danke!“ Manchem Empfänger werden die Autoren damit aus dem Herzen gesprochen haben. Der Karneval bringt jedes Mal eine Spaltung der Gesellschaft mit sich: Kaum hat das neue Jahr begonnen, schunkelt sich die eine Hälfte in den Ausnahmezustand, während die andere Hälfte fassungslos zusieht oder auch lieber wegschauen möchte. Aber natürlich wollten die Autoren nicht nur ihren Widerwillen gegen die kollektiv verordnete Fröhlichkeit ausdrücken, sie machten zugleich einem jahrhundertealten theologischen Unbehagen an den Karnevalsbräuchen Luft. > mehr

04.02.2018 - KULTURGESCHICHTE

Als das Wissen zum Massenprodukt wurde

Vor 550 Jahren starb Johannes Gutenberg

Als sich im späten 15. Jahrhundert die neu erfundene Druckkunst über Europa verbreitete, war es nicht zuletzt die Kirche, die gern die Möglichkeit nutzte, Bibeln und Mess- und Gebetbücher nun nicht mehr von Mönchen einzeln abschreiben zu lassen. In manchen Klöstern, erzählte man sich, soll es allerdings üblich gewesen sein, bei jedem gedruckten Exemplar einzeln Korrektur zu lesen: Dass alle Bücher einer Ausgabe Wort für Wort und Buchstabe für Buchstabe denselben Text boten, habe man sich einfach nicht vorstellen können. Die Entwicklung von Computer und Internet in den letzten Jahrzehnten hat uns hinreichend vor Augen geführt, wie leicht auch wir heutzutage uns vor „Neuland“ geführt sehen – und wie schwer wir uns dann oft tun. > mehr

26.01.2018 - DEUTSCHE LITERATUR

Ein Virtuose der Verinnerlichung

Vor 150 Jahren starb Adalbert Stifter

„Drei starke Bände!“, stöhnte der Schriftstellerkollege Friedrich Hebbel, verfasst in einer „aufs Breite und Breiteste angelegten Beschreibungsnatur“. „Wir glauben nichts zu riskieren, wenn wir demjenigen, der beweisen kann, dass er sie ausgelesen hat, ohne als Kunstrichter dazu verpflichtet zu sein, die Krone von Polen versprechen.“ Stein des Anstoßes war Adalbert Stifters Roman „Der Nachsommer“. Viele Leser werden Hebbel zustimmen: Stifter gilt als der langweiligste, der altväterlichste unter allen Klassikern der deutschen Literatur. Es gab auch andere Stimmen. Friedrich Nietzsche sah „eine verklärte reine Herbstlichkeit im Genießen und im Reifwerdenlassen“; der „Nachsommer“ sei „im Grunde das einzige deutsche Buch nach Goethe, das für mich Zauber hat“. > mehr

16.01.2018 - FORENSIK

Wer war Theo der Pfeifenraucher?

Gerichtsmedizin im Dienste der Archaeologie

An der linken Schläfe war eine schwere Verletzung festzustellen. Das Ergebnis eines Hiebs, meinte der Anthropologe Wilhelm Gieseler, als er den Schädel 1974 untersuchte. Es könnte eine gewaltsame Auseinandersetzung gegeben haben, mit tödlichen Folgen für das Opfer. Die zweite Verletzung, hinten an der Schädelbasis, brachte Gieseler auf eine noch viel spektakulärere Hypothese: Nach der Trennung vom Rumpf sei der Schädel geöffnet worden, um ihm das Gehirn zwecks Verzehr zu entnehmen. Diese Umstände veranlassten jedoch keinen Staatsanwalt, Anklage gegen Unbekannt zu erheben. Das Opfer hatte vor 250.000 oder 300.000 Jahren gelebt. > mehr

10.01.2018 - IDEENGESCHICHTE

Kaempfende Schreiber und schreibende Kaempfer

Die Marxisten der ersten Stunde - Geschichte einer Faszination

„Mich reut die Stunde, die nicht Harnisch trug! Mich reut der Tag, der keine Wunden schlug! Mich reut – ich streu‘ mir Asche auf das Haupt – dass ich nicht fester noch an Sieg geglaubt!“ Der Schweizer Dichter C. F. Meyers legte diese pathetischen Zeilen 1872 dem Humanisten Ulrich von Hutten in den Mund. Das Versepos „Huttens letzte Tage“ wurde eine der Lieblingslektüren von Rosa Luxemburg. In einem Brief an eine Freundin überlegte sie, ob es nicht sinnvoll sei, ein Zitat daraus auf ihren Grabstein setzen zu lassen. Luxemburg, schreibt die Historikerin Christina Morina von der Universität Amsterdam in ihrer Studie über die „Erfindung des Marxismus“, identifizierte sich ein Leben lang mit Ulrich von Hutten. > mehr



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