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20.02.2017 - ZEITGESCHICHTE

Kein Mitleid mit der Mikrobe

Ein französische Zeithistoriker rekonstruiert "Logik" und "Ethik" des Nationalsozialismus

Als der SS-Gruppenführer Otto Ohlendorf 1946 im Nürnberg Kriegsverbrecherprozess seine Zeugenaussage machte, verbreitete sich unter den Angeklagten und ihren Verteidigern allgemeines Entsetzen. Ohlendorf versuchte gar nicht erst, irgendetwas an den Verbrechen des Nationalsozialismus zu bestreiten, im Gegenteil, er bot dem Gericht eine Menge Details des staatlich organisierten Massenmordes – wohl wissend, dass er damit auch die Grundlage für sein eigenes Verfahren lieferte. Im sogenannten „Einsatzgruppen-Prozess“ 1947/48, wo Ohlendorf selbst Angeklagter war, ließ er seinen Verteidiger darauf plädieren, die Erschießung Unschuldiger in Russland und der Ukraine sei eine Art Putativnotwehr gewesen, eine staatliche Selbstverteidigung gegen den Bolschewismus und „die Juden“. Die innere „Logik“ des Nationalsozialismus, die Einstellung, die dem Handeln seiner Repräsentanten zugrundelag, gehört bis heute zu den eher vernachlässigten Fragestellungen der Zeitgeschichte. > mehr

08.02.2017 - IDEENGESCHICHTE

Kunst des Geschäfts und die Theorie der Wahrheit

oder: Was sind "alternative Fakten"?

Am 21. Januar 2017 hatte Donald Trumps Pressesprecher Sean Spicer behauptet, bei der Amtseinführung des neuen Präsidenten seien mehr Menschen dabei gewesen, als bei den Inaugurationen aller seine Vorgänger. Als die Medien Luftaufnahmen präsentierten, die diese Aussage als falsch entlarvten, meinte die Beraterin des Präsidenten, Kellyanne Conway, Spicer habe keineswegs „falsche Behauptungen“ präsentiert, sondern lediglich „alternative Fakten“, „alternative facts“. Wenige Stunden später war diese Redewendung allgegenwärtig. Der Weltöffentlichkeit stockte der Atem. Haben wir doch in der Schule gelernt, dass es da einen „Satz vom Widerspruch“ gibt: Wenn es gestern an einem bestimmten Ort geregnet hat, dann ist die Aussage, es hätte dort nicht geregnet, nicht irgendwie „alternativ“, sondern ganz einfach falsch, also gerade kein „Faktum“. Oder gilt das neuerdings nicht mehr? > mehr

03.02.2017 - KRIEGSSPIELE

Wenn das Kinderzimmer zum Schlachtfeld wird

Aus der Kulturgeschichte der Kriegsspiele

Was sollten sich brave Kinder „zur Belohnung für Fleiß und gute Sitten“ wünschen? Für den Lehrer Zehetbauer in Karl Kraus‘ Drama „Die letzten Tage der Menschheit“ war das keine Frage. Er empfahl das Spiel „Russentod oder Wir spielen Weltkrieg“. Eine böse Erfindung? Keineswegs 1914 war in Wien tatsächlich der Band „Wir spielen Weltkrieg! Ein zeitgemäßes Bilderbuch für unsere Kleinen“ von Ernst Kutzer und Armin Brunner herausgekommen. „Mir ein Gewehr!“, sagt eines der drei Kinder, die als „Helden“ dargestellt sind. „Und dir ein Schwert zur Hand! Klein Schwesterchen – du lass die Fahne fliegen! Caro ist Kriegshund. Auf ins Feindesland! Wir spielen Weltkrieg! Und – wir werden siegen!“ > mehr

30.01.2017 - KULTURGESCHICHTE

Der "gefühlte" Winter

Erinnerungen und Erwartungen rund um eine Jahreszeit

„Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer“, sang einst Rudi Carrell. Blickt man auf die Klimaentwicklung der letzten Jahrzehnte, kommt man zu dem Schluss, dass die Frage, wann es mal wieder „richtig“ Winter wird, doch viel näher liegen müsste. Doch selbst, wenn man von der Diskussion um den Klimawandel absieht - jedes Jahr Mitte Dezember geht die Frage groß durch die Presse: Gibt es eine „weiße Weihnacht“, wenigstens dieses Jahr? Auch in Zeiten, als von Erderwärmung noch niemand sprach, war eine weiße Weihnacht eher die Ausnahme als die Regel, vermerkt der Sachbuchautor Bernd Brunner in seinem neuen Buch „Als die Winter noch Winter waren“. Wirklich kalt ist es im Dezember in Mitteleuropa meistens noch gar nicht, das steht in aller Regel erst im Januar an. > mehr

25.01.2017 - DEUTSCHE LITERATUR

"Sitz still, mein Sohn - du musst deine Lektion lernen!"

Alter und Weisheit in der deutschen Literatur seit dem 19. Jahrhundert

2013 war von den Einwohnern der Bundesrepublik Deutschland etwa ein Fünftel über 65 Jahre alt; 2060, schätzte vor zwei Jahren das Statistische Bundesamt, wird es ein Drittel sein. Nun weiß niemand, ob und inwieweit sich diese Zahl durch Zuwanderung vielleicht noch verändert. Aber die kulturellen Folgen dieser Entwicklung sind längst unübersehbar. Noch nie zuvor, stellt die Germanistin Marie Gunreben von der Universität Bamberg in ihrem Buch „Das Alter und die Weisheit“ fest, „haben Altern und Alter für das Selbstverständnis und die Selbstwahrnehmung einer Gesellschaft – das gilt für die deutsche ebenso wie für die anderen westlich-kapitalistischen Nationen – eine so große Rolle gespielt wie zu Beginn des 21. Jahrhunderts.“ Gunreben hat den Wandel der Bilder von Alter und Weisheit in der deutschen Literatur seit Mitte des 19. Jahrhunderts untersucht. > mehr

15.01.2017 - KULTURGESCHICHTE

"Flower Power" - die Sprache der Blumen

Zwischen Vampirismus und Revolutions- oder Friedenssymbol

„Grimmig in fürchterlicher Stille auf der öden Heide thront der grausame Upas, der Hydrabaum des Todes“, dichtete 1791 Erasmus Darwin, der Großvater des Begründers der Evolutionslehre, in einem umfangreichen Poem über das Leben der Pflanzen. „Sehet! Aus einer einzigen Wurzel wachsen im von ihm vergifteten Boden tausend pflanzliche Schlangen […] Tausend Zungen, durchdrungen von schrecklichem Gift, schießen rasch vibrierend hervor, ergreifen den stolzen Adler, der sich über die Heide erhebt, oder stürzen sich auf den Löwen, der unter der Krone pirscht, oder verstreuen menschliche Skelette über die geweißte Steppe.“ Man möchte glauben, da wäre die Phantasie mit dem Dichter durchgegangen. Aber Erasmus Darwin, der eigentlich Arzt und Botaniker war, durfte annehmen, dass es einen solchen pflanzlichen Vampir wirklich gab. > mehr

10.01.2017 - SOZIALGESCHICHTE

Unterwäsche, Ungeziefer, Kriege und Krankheiten

Aspekte einer Sozialgeschichte des Alltags in der Neuzeit

In einer Stadt im Piemont, erzählt Giacomo Casanova in seinen Memoiren, habe er einmal das Theater besucht. Vor der Vorstellung sei er mit einem der Schauspieler ins Gespräch gekommen und habe geschwärmt, vielleicht werde er gleich Gelegenheit haben, von dessen berühmter Kollegin die Unterhose zu sehen. „Das wäre schwierig“, antwortete der Schauspieler, „sie trägt keine.“ Die Unterhose, stellt der bayerische Autor Manfred Vasold, der vor allem über medizinhistorische Fragen arbeitet, in seinem neuen Buch zur „Sozialgeschichte des Alltags in der Neuzeit“ fest, „war vor Beginn des 19. Jahrhunderts ein ziemlich ungewöhnliches Kleidungsstück“. > mehr

06.01.2017 - KUNSTGESCHICHTE

Die Wies und 99 weitere

100 schönste Kirchen in Oberbayern

Der Teufel, „wie jeder andere Preuße“, mache in Bayern gern Urlaub, hat der Münchner Autor Thomas Kernert einmal geschrieben. Und was macht der Teufel dort im Urlaub? Er besichtigt Kirchen, darf man vermuten, zumindest manchmal – dem Zauber der bayerischen Spätbarock- und Rokokokunst wird auch er nicht widerstehen können. Falls sein Urlaub gerade dem südlichsten der sieben bayerischen Regierungsbezirke gilt - vielleicht ist ihm bei der Auswahl seiner Ziele ja der Band behiflich, den den Münchner Kunsthistoriker Wilfried Rogasch jetzt herausgebracht hat: „Die 100 schönsten Kirchen in Oberbayern“. Wie sich versteht, ist die „Wallfahrtskirche zum gegeißelten Heiland auf der Wies“ unter den Drei-Sterne-Sehenswürdigkeiten, das einzige Bauwerk in Oberbayern, das zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. > mehr

02.01.2017 - PHILOSOPHIE

"Klarheit über das, was voll und schwer ist"

Von Einparkproblemen bis zum Monopoly-Spiel - wenn der Alltag philosophisch wird

Was ist das eigentlich – eine „Krise“? Das altgriechische Verb „krinein“, belehren uns die Wörterbücher, wurde vor allem in juristischem Zusammenhang gebraucht, im Sinne von „urteilen“, einen Prozess entscheiden. Dahinter stand ursprünglich vielleicht eine sehr handfeste Vorstellung: „scheiden“ als „schneiden“, mit einer scharfen Klinge. Wir sagen ja heute noch, etwas stehe „auf des Messers Schneide“. „Krisengebiete“ hat der Verlag J. B. Metzler den ersten Band seines auf insgesamt vier Bände angelegten „Lexikons des philosophischen Alltags“ überschrieben. Fast 30 kurze Essays, von „Aggression“ bis „Zinsverbot“, von „Gerechter Krieg“ bis zu „Wachstum“. Als Herausgeber fungiert ein gewisser „Dr. B. Reiter“, freier Autor und „Spezialist für philosophische Aufklärung“, wie das Impressum erläutert. „In unserer Zeit mangelt es weniger an wissenschaftlichen Wahrheiten als vielmehr an einer philosophischen Auseinandersetzung mit dem an schwierigen Problemen und Fallstricken so reichen Alltag“, schreibt Reiter im Vorwort. > mehr

12.12.2016 - ANTHROPOLOGIE

Die Geburt der Moral aus der Großwildjagd

Ein Anthropologe rekonstruiert die Naturgeschichte der menschlichen Kultur

Anscheinend haben Menschen einen angeborenen Sinn für Fairness, für soziale Gleichheit, für gerechte Verteilung. Das zeigt zum Beispiel das bei Verhaltensforschern so beliebte „Ultimatumsspiel“: Der Versuchsperson wird angeboten, dass sie zusammen mit einer anderen Person eine Belohnung erhalten kann. Allerdings soll der andere den Löwenanteil erhalten, vielleicht vier Fünftel. Lehnt die Versuchsperson ab, gibt es für keinen von beiden etwas. In ihrer großen Mehrzahl gehen die Versuchspersonen lieber leer aus, als dass sie eine derart ungleiche Verteilung zulassen würden. Die Forscher haben den Versuch auch bei Schimpansen und Bonobos durchgeführt. Dort ergibt sich ein völlig anderes Bild. So gut wie nie lehnen die Menschenaffen die angebotene Nahrung ab, bloß deshalb, weil der andere mehr erhalten soll. > mehr

06.12.2016 - DEUTSCHE LITERATUR

"Du musst dein Leben ändern"

Die Literatur der Lebensreform um 1900

Äußerlich betrachtet, hatte sich Hermann Hesse im bürgerlichen Leben etabliert. Der Erfolg seines ersten Romans „Peter Camenzind“ erlaubte es ihm, ein Landhaus am Bodensee zu beziehen, sogar einen eigenen Weinkeller konnte er sich anlegen. Doch er fühlte sich unzufrieden, suchte nach einer neuen Orientierung für sein Leben, träumte vom Ausstieg aus einer Zivilisation, die ihm als „dekadent“ erschien, obwohl er ihre Segnungen im Grunde doch sehr zu schätzen wusste. Im Sommer 1907 beschloss er auszubrechen und zog – nein, er floh auf den Monte Verità im Tessin. Dort hatte sich in den Jahren zuvor die europäische „Alternativszene“ angesiedelt. Einige Wochen lebte Hesse zusammen mit dem Künstler Gusto Gräser nackt in einer Hütte, ernährte sich von Wasser und Beeren und meditierte über den Heiligen Schriften des Ostens. > mehr

02.12.2016 - KOMMUNIKATIONSWISSENSCHAFT

Sprachverfall durch das Internet?

Kommunmikationswissenschaftler vermuten eher einen allgemeinen Trend zur "Informalisierung"

Letztes Jahr kam eine neue Übersetzung von Herman Melvilles Roman „Moby Dick“ auf den Markt. Der Amerikaner Fred Beneson hatte etwa 800 Mitarbeiter rekrutiert, um eine Fassung zu erstellen, die ausschließlich aus Emojis besteht. Leider zeigten sich die Grenzen dieser neuen, bildlichen Ausdrucksform bereits beim allerersten Satz des Romans: „Call me Ishmael“ - Eigennamen sind im System der Emojis nicht vorgesehen. Ein großangelegter Scherz. „Von einer allgemein verständlichen Weltsprache sind die Bildzeichen weit entfernt“, stellen die Sprach- und Kommunikationswissenschaftler Christa Dürscheid und Karina Frick von der Universität Zürich in ihrem neuerschienen Buch über die Veränderungen unserer Alltagskommunikation durch das Internet fest. > mehr

23.11.2016 - RELIGIONSSOZIOLOGIE

Ganz normale Muslime - und das Misstrauen der Alteingesessenen

Europäischer Islam, zwischen Politik und Alltag

Das Buch sei aus einer Studie über die „ganz normalen Muslime“ hervorgegangen, schreibt die Autorin, die türkische Soziologin Nilüfer Göle, die an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris lehrt, im letzten Absatz. „Feldforschung“ zur „Alltagswirklichkeit“ also: „Mit seinen Berichten taucht das Buch in die Welt der einfachen Leute ein.“ Und dieser Alltag von einigen Millionen Muslimen in Europa ist sicherlich genauso unspektakulär wie der von einigen hundert Millionen Nicht-Muslimen auch. Aber unvermeidlich handelt Göles Buch dann eben doch von den Irritationen, die es da immer wieder gibt. 2004 beschloss das französische Parlament ein Verbot aller religiösen Symbole im Schulunterricht. Selbstverständlich war das Gesetz gegenüber allen Religionen neutral formuliert; doch im Ergebnis, schreibt Göle, diente es dazu, „die Präsenz des Islams in der Öffentlichkeit einzuschränken“. > mehr

12.11.2016 - MYTHOLOGIE

Himmel und Erde machten zusammen Lärm

Mythen von Anfang und Ende der Welt

Noch bevor die Götter geboren wurden, noch bevor Sonne und Mond für Licht sorgten, erzählt ein mesopotamischer Mythos aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., da gab es bereits ein Paar Himmel und Erde. „Herr Himmel war bereit, ganz so wie ein junger Mann“, „Himmel und Erde machten zusammen Lärm“ - eine Umschreibung für Geschlechtsverkehr. So oder so ähnlich haben sich über die Jahrtausende viele Kulturen und Religionen den Ursprung der Welt vorgestellt, immer wieder erzählen die Mythen von einem urzeitlichen Paar „Vater Himmel“ und „Mutter Erde“. Ein reich bebilderter Sammelband, den die Latinistin Martion Gindhart und die Ägyptologin Tanja Pommerening jetzt als Ertrag eines Graduiertenkolleges an der Universität Mainz herausgebracht haben, konzentriert sich auf die Mythologie jener Kulturen, die das Abendland geprägt haben und bis heute prägen: Alter Orient, Ägypten, klassische Antike. > mehr

05.11.2016 - KUNSTGESCHICHTE

Wiegen für das Jesuskind

Eine Ausstellung im Frankfurter Liebieghaus zeigt die Weihnachtsgeschichte im Spiegel der Kunst

In der aktuellen Ausstellung des Liebieghauses in Frankfurt am Main sind zwei alte Kinderwiegen zu sehen, die eine aus Eichenholz, gefertigt in Köln um die Mitte des 14. Jahrhunderts, die andere aus vergoldetem Kupfer. Diese zweite kommt aus Friedberg in der Wetterau, die Kunsthistoriker datieren sie etwa ein Jahrhundert später. Selbst für Neugeborene sind die beiden Wiegen mit 20 oder 24 cm Länge jedoch viel zu klein. Eine Spielzeugausstellung? Nicht doch, es geht um die Weihnachtsgeschichte und ihre Spiegelung in der Kunst des Mittelalters. > mehr

02.11.2016 - IDEENGESCHICHTE

"Wir wehren uns"

Freiheit und Verantwortung - 499 Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag

„In Fragen von Glauben und Gewissen ist jeder Mensch frei. Für diese Grundüberzeugung steht die Reformation, steht der Reformator Martin Luther.“ Sätze, die wir bis zum großen Reformationsjubiläum in einem Jahr sicherlich noch in zahllosen Festreden hören werden. Ob alle Redner dann so ehrlich sind, gleich anzufügen, was Margot Käßmann, „Botschafterin“ der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Jubiläum, in ihrem Beitrag zu dem neu erschienenen Sammelband „Freiheit und Verantwortung“ dem Reformator kritisch attestiert? Luther „selbst hat diese These leider nicht in Praxis umgesetzt – intolerant war er gegenüber Andersdenkenden, obwohl er Glaubens- und Gewissensfreiheit für sich selbst einklagte.“ Der Schriftsteller Wilhelm Genazino hat 95 mehr oder weniger prominente Zeitgenossen gebeten, auf ein oder zwei, vielleicht auch drei Seiten ihre Gedanken über das Thema „Freiheit und Verantwortung“ niederzulegen. > mehr

30.10.2016 - THEOLOGIE

Geschäfte mit jenseitigen Gütern

Die Vorgeschichte von Luthers Thesenanschlag

Hat er oder hat er nicht? Die Diskussion, ob Martin Luther tatsächlich am Vorabend des Allerheiligenfestes 1517 seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg anschlug, füllt ganze Bibliotheken. Möglich wär‘s, die Kirchentür diente als eine Art Schwarzes Brett. Aber es fehlt ein dokumentarischer Beleg. Vielleicht verschickte Luther die Thesen ja auch bloß an jene Theologen, mit denen er hoffte, in eine akademische Disputation über das Thema eintreten zu können. Gegenüber den spektakulären Hammerschlägen, die wir uns beim Wort „Thesenanschlag“ gern vorstellen, ist der Anlass ein wenig in den Hintergrund getreten. Die Nachwelt hat die Anfänge der Reformation im Lichte der Kirchenspaltung gesehen, die sich – von Luther nicht beabsichtigt – daraus entwickelte. Und unvermeidlich betrachten wir Luther von der Warte unserer modernen Welt her, die in ihm gern einen ihrer Gründungsväter sieht, so fremd uns sein Denken auch geworden ist. > mehr

26.10.2016 - KULTURGESCHICHTE

"Der Schelling und der Hegel ..."

Wer sind das, die Schwaben? Große Landesausstellung in Stuttgart

Den Maßstab für die Selbstwahrnehmung formulierte kurz vor 1900 der schwäbische Dichter Eduard Paulus: „Der Schelling und der Hegel, der Schiller und der Hauff, das ist bei uns die Regel, das fällt uns gar nicht auf.“ Was dagegen die Wahrnehmung von außen angeht … Ernst Moritz Arndt, 1843: „Es ist wahr, die Dummheit ist eine recht schwäbische Tugend.“ Und der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, 2012: „Ich wünsche mir, dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche.“ Ja, was hat es mit ihnen auf sich, mit den Schwaben? Das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart versucht jetzt, sich dieser Frage mit einer „Großen Landesausstellung“ zu nähern. > mehr

20.10.2016 - ARCHÄOLOGIE

Etruskische Schnabelschuhe und Kunst der klassischen Moderne

Die faszinierende Wissenschaft der Archäologie

Archäologie ist bekanntlich die „Kunde von den alten Dingen“. Ganz so alt müssen die Dinge, mit denen sich Archäologen befassen, jedoch nicht immer sein. Vor dem Zweiten Weltkrieg stand an der heutigen Rathausstraße in Berlin-Mitte, gegenüber dem sogenannten „Roten Rathaus“, ein dicht bebautes Stadtviertel aus der Gründerzeit, darunter lagen die Reste des mittelalterlichen Rathauses. Als die Archäologen vor wenigen Jahren im Rahmen von Bauarbeiten den Schutt aus dem Weltkrieg durchsuchten, fanden sie in einem Keller Bronze- und Tonskulpturen der „Klassischen Moderne“. > mehr

16.10.2016 - KULTURGESCHICHTE

Geschwänzte Menschen, fettige Finger, abgeschlagene Köpfe

Das Balkanbild in Reiseberichten seit dem 18. Jahrhundert

„Geschwänzter Satyr“, beschrieb der Biologe Carl von Linné 1735 in seinem „Systema naturae“ eine ganz besondere Species von Tieren, „behaart, bärtig, mit einem menschenähnlichen Körper, mit ausgeprägter Gestik, sehr gerissen, eine Affenart.“ Ganz sicher war sich Linné aber nicht, etwas skeptisch fügte er den Halbsatz an: „... wenn jemand ihn überhaupt jemals gesehen hat“. Und solche Menschen ortete man nicht nur auf sagenhaften Inseln irgendwo am andern Ende der Welt. Bis ins 20. Jahrhundert, schreibt der slowenische Ethnologe Božidar Jezernik in seinem neuen Buch über das „wilde Europa“, hielten sich Gerüchte, auf der Balkanhalbinsel würden geschwänzte Menschen leben. 1939 beteuerte der Engländer Philip Thornton, er habe sich in einem Kaffeehaus mit eigenen Händen bei einem jungen Albaner vom Vorhandensein eines solchen Schwanzes unterhalb der Wirbelsäule überzeugen können, „wie bei einer Katze oder einem Hund“. > mehr



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