Berlin, den 20.02.2017 Link Home Link Magazin Link Galerie Link Impressum
magazin
forschung
politik
innovation
kultur
campus
kontakt
Suche
Go 
Copyright by scienzz.
All rights reserved.
kultur

14.02.2017 - MUSIK

"Ein entschiedener Schlager"

Vor 150 Jahren wurde der Strauss-Walzer "An der schönen blauen Donau" uraufgeführt

„Wiener, seid froh“, sangen die Bassisten des Wiener Männer-Gesangvereins am Abend des 15. Februar 1867 im Saal des Dianabades in der Leopoldstadt. Die Reaktion der Tenöre gab sicherlich treffend wieder, was viele Musikfreunde in der kaiserlichen Residenzstadt an der Donau angesichts dieser Aufforderung empfanden: „Oho, wieso?“ Ja, wieso eigentlich? Im Jahr zuvor hatte das Kaisertum Österreich einen beispiellosen politischen Absturz erlebt. Nach der militärischen Niederlage im „Deutschen Krieg“ gegen Preußen musste die Habsburgermonarchie die Schmach akzeptieren, dass sie in der deutschen Politik fortan keine Rolle mehr spielte. Ein halbes Jahrhundert nach dem Wiener Kongress war Metternichs politisches Konzept, Österreich die Kontrolle sowohl über Deutschland als auch über Italien zu sichern, endgültig gescheitert. Doch am 15. Februar 1867, vor 150 Jahren, erklang zum ersten Mal der Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss (Sohn). > mehr

19.01.2017 - DEUTSCHE LITERATUR

Wenn Regierung auf göttliche Eingebungen wartet

Vor 150 Jahren wurde der Schrifsteller Ludwig Thoma geboren

„Er war Jurist und auch sonst von mäßigem Verstand.“ Nein, es war nicht, wie oft zu lesen ist, der Journalist Kurt Tucholsky, der diesen etwas unfreundlichen Spruch prägte, es war der Schriftsteller Ludwig Thoma, selbst ausgebildeter Jurist und einige Jahre als Rechtsanwalt tätig. 1916 brachte er eine kleine Erzählung vom königlichen Landgerichtsrat Alois Eschenberger heraus. Mit unverhohlener Schadenfreude wird darin geschildert, wie dieser „gute Jurist“ sich durch seinen allzu gründlichen Formalismus selbst hereinlegt. Glücklich scheint Thoma mit seinem Rechtsanwaltsberuf in der Tat nicht geworden zu sein. Die Juristerei lief wohl auch einem Grundzug seines Charakters, seiner Aufmüpfigkeit, zuwider. Es wäre sicherlich verfehlt, wollte man das populärste seiner Werke, die „Lausbubengeschichten“ von 1905, als getreuen autobiographischen Bericht lesen. Aber ein wenig von einem Lausbuben war doch in ihm. > mehr

30.12.2016 - KALENDER

Wenn das Neue Jahr um die Erde herum wandert

Verwirrungen um die Datumsgrenze - von Magellan bis Dagobert Duck

Ob es 1873 eigentlich noch keine Kalender gab? Anders wäre kaum zu erklären, dass der Held von Jules Vernes‘ Roman „In 80 Tagen um die Welt“ während der gesamten Eisenbahnfahrt von San Francisco nach New York und dann auch auf der Reise mit dem Schiff nach Liverpool das „richtige“ Datum nicht mitbekommt. Erst in London, als er seine Wette bereits verloren gegeben hat, erfährt Phileas Fogg, dass er seine Reise um die Welt eben doch in den vorgesehenen 80 Tagen absolvieren konnte.Ein literarischer Taschenspielertrick. Indem der Held seine Uhr Tag für Tag kaum merklich dem Sonnenstand anpasst, lässt der Autor auch sein Publikum bis zum Schluss darüber im Unklaren, dass bei der Weltumrundung in Richtung Osten sozusagen ein Tag „eingespart“ wird. Verne konnte darauf setzen, dass bei den allermeisten seiner Leser der Groschen keinen Augenblick zu früh fallen würde. > mehr

27.12.2016 - PHILOSOPHIE

Unempfänglich für die Faszination der Utopien

Vor 2.400 Jahren wurde der Philosoph Aristoteles geboren

Cicero lobte den „goldenen Fluss der Rede“ in seinen Dialogen. Das ist aber auch schon alles, was wir von dem Schriftsteller Aristoteles wissen. Keine Zeile von dem, was er selbst veröffentlichte, ist erhalten geblieben. Bei dem, was wir heute lesen können, dürfte es sich in der Hauptsache um Manuskripte handeln, die er seinen Vorlesungen zugrunde legte. Als Schriftsteller steht der Philosoph Aristoteles, der vor 2.400 Jahren, 384 v. Chr. in Stageira auf der Halbinsel Chalkidiki geboren wurde, im Schatten seines Lehrers Platon. 384 v. Chr. - dann müsste der runde Geburtstag 2016 angefallen sein, möchte man meinen. Doch in unserer Zeitrechnung fehlt ein Jahr „Null“. Das Jubiläum steht also erst 2017 an – was manche nicht davon abgehalten hat, ein bisschen vorzeitig zu feiern. > mehr

23.12.2016 - RELIGIONSGESCHICHTE

Kaiser und König, Volkszählung und Stern am Himmel

Allerlei Versuche, das Geburtsjahr Jesu zu berechnen

Es ist einer der bekanntesten Sätze, die jemals geschrieben wurden, etwa durch Johann Sebastian Bachs „Weihnachtspassion“ klingt er auch jenen im Ohr, die christlichen Traditionen ansonsten entfremdet sind: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzet werde ...“ Mit der Nennung des Kaisers wollte der Verfasser des Lukasevangeliums die folgende Geschichte des Jesus von Nazaret fest in der Zeithistorie zu verankern. Sicherlich lag darin auch ein polemischer Unterton gegen die vielen Heroen der griechischen Mythologie, bei denen eine solche Zuordnung nicht möglich war. Der folgende Satz bekräftigt noch einmal, dass Jesu Geburt ein historisches, eben kein mythisches Ereignis war: Es „geschah zu der Zeit, als Quirinius Statthalter in Syrien war.“ > mehr

21.12.2016 - POLITISCHE KULTUR

Mobilisierung durch das Postfaktische

Das schwer fassbare Gespenst des Populismus

Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Populismus, möchte man den berühmten Satz aus dem „Kommunistischen Manifest“ abwandeln. Marx und Engels stellten damals fest, die Regierenden ihrer Zeit hätten es sich zur Gewohnheit gemacht, alle Oppositionsparteien als „kommunistisch“ zu verschreien. Heute steht es mit den Schimpfwörtern „Populismus“ und „populistisch“ ähnlich. „Populistisch“ sind immer die anderen, die politischen Gegner, vor allem dann, wenn sie gerade „populär“ sind, eben die Gunst des „Publikums“ genießen. Angeprangert wird vor allem eine Politik ohne Prinzipien, die Vernachlässigung ethischer und programmatischer Grundsätze zugunsten des Erfolgs beim Wähler, der sich – vielleicht – in Machtgewinn umsetzen lässt. > mehr

17.12.2016 - FILM

Kein Walk-of-Fame-Stern für Dagobert

Vor 50 Jahren starb Walt Disney

Der englische Freibeuter Francis Drake soll 1579 an der Pazifikküste Nordamerikas ein Fort gegründet haben. Als die Engländer zwei Jahrhunderte später das Interesse an dem Stützpunkt verloren, überließen sie die kleine Siedlung einem Handlungsreisenden, der sich durch die Verarbeitung von Mais zu Popcorn einen Namen gemacht hatte. 1898 verkaufte sein Enkel den Ort einem Abenteurer, der einer alten, jedoch verarmten schottischen Adelsfamilie entstammte. Der wurde in den folgenden Jahren als Goldsucher in Alaska unendlich reich und nahm in dem Städtchen seinen Wohnsitz. An der Stelle des früheren Forts ließ er sich einen riesigen Gold- und Geldspeicher bauen. Walt-Disney-Fans werden es längst bemerkt haben: Wir sind in „Duckburg“, in den deutschen Übersetzungen heißt die Stadt „Entenhausen“. > mehr

29.11.2016 - LITERATURGESCHICHTE

Wenn ein Possenreißer vom idealen Staat erzählt

Vor 500 Jahren erschien die "Utopia" des Thomas More

Wenn da nicht im entscheidenden Moment jemand gehustet hätte … Ja, vielleicht wüssten wir dann, wo sie eigentlich liegt, jene Insel „Utopia“, von der die Menschheit träumt, seit der englische Gelehrte Thomas Morus Ende 1516, vor 500 Jahren, sein berühmtes Buch herausbrachte. In einem der Briefe, die in den Text eingestreut sind, fragt Morus einen Freund, ob er von dem Berichterstatter, dem vielgereisten „Raphael Hythlodeus“, nichts über die Lage der Insel in Erfahrung gebracht habe; er selbst habe leider vergessen, Hythlodeus danach zu fragen. Der Freund – es ist Petrus Aegidius, der Stadtschreiber von Antwerpen, dem Morus das Büchlein zugeeignet hat - muss passen: Als Hythlodeus dazu genauere Angaben machte, habe jemand gehustet, seine Ausführungen seien untergegangen. Das nennt man einen Wink mit dem Zaunpfahl. Die allermeisten von Morus‘ frühen Lesern werden bereits aus dem Namen der Insel erschlossen haben, dass es sich um ein literarisches Spiel handelte: „Utopia“ heißt übersetzt so viel wie „Unort“ oder „Nirgendwo“. > mehr

19.11.2016 - AMERIKANISCHE LITERATUR

Der sich im Wolf spiegelte

Vor 100 Jahren starb der Schriftsteller Jack London

Jack London – vielen deutschen Lesern wird bei diesem Namen heute noch jene Fernsehszene aus dem Jahr 1971 in den Sinn kommen, in der Raimund Harmstorf mit der bloßen Hand eine Kartoffel zerquetschte. Dass die Kartoffel vorgekocht war – nun ja, auch damals schon hatten Film und Fernsehen ihre „special effects“. Die Szene aus der Verfilmung von Londons „Seewolf“ wurde zur Ikone für das Werk des Autors. Gab es einen anderen Schriftsteller, in dessen Romanen und Erzählungen der vitale, sich gegen alle Widerstände kraftvoll durchsetzende Mensch so unbefangen zur Geltung kam wie bei London? Ein Bild, an dem London selbst kräftig mitgewirkt hat.1903, im Alter von 27 Jahren, hatte er mit „Der Ruf der Wildnis“ den Durchbruch geschafft. In dem Schlittenhund Buck, der vom Leben mit den Menschen enttäuscht ist und zum Anführer eines Wolfsrudels wird, spiegelte er sich selbst – oder vielmehr das, was er in sich selbst gern sehen wollte, den großen Abenteurer, der in einer widrigen Umwelt Wege zum Überleben findet. > mehr

14.11.2016 - PHILOSOPHIE

Unerfüllte Träume in der besten aller möglichen Welten

Vor 300 Jahren starb der Philosoph und Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz

Als Gottfried Wilhelm Leibniz am 14. November 1716, vor 300 Jahren, in Hannover starb, ließ die Polizei des Kurfürstentums Hannover zunächst einmal seinen Nachlass beschlagnahmen. Es bestand der Verdacht, der Philosoph, der als Beamter am Hannoveraner Hof tätig gewesen war, könnte sich unbefugt mit Staatsgeheimnissen befasst haben. Seine Beziehungen zum Fürstenhaus waren recht ambivalent gewesen. Kurfürstin Sophie, die bereits 1714 verstorben war, hatte ihn als Gesprächspartner sehr geschätzt. Ihr Sohn Georg Ludwig, seit 1715 als Georg I. König von Großbritannien, hielt ihn eher für einen Spinner, der sich viel zu sehr mit unnützen Dingen befasste statt mit der Staatsverwaltung. Doch ganz am Rande seiner Tätigkeit am Hof hinterließ Leibniz ein riesiges wissenschaftliches Werk zu Mathematik und Metaphysik, Logik und Ethik, Paläontologie und Geschichte, Linguistik und Psychologie – wenn jemals bei einem Denker das Wort „Universalgenie“ angebracht war, dann bei Leibniz. > mehr

24.10.2016 - THEOLOGIE

"Er brachte das Gold des klassischen Geistes in Umlauf"

Vor 550 Jahren wurde Erasmus von Rotterdam geboren

Ende 1516 erhielt Erasmus von Rotterdam einen Brief von Georg Spalatin, dem Bibliothekar und Sekretär des Kurfürsten Friedrich von Sachsen. Der Text war in jenem ehrerbietigen Ton gehalten, mit dem man sich jetzt dem weltberühmten Gelehrten näherte: „Wir alle hier verehren Dich aufs tiefste, der Kurfürst hat alle Deine Werke in seiner Bibliothek, und er beabsichtigt, alles zu kaufen, was Du noch herausgibst.“ Auf diese Huldigung folgte ein kritischer Einwand, der allerdings nicht vom Schreiber selbst stammte. Ein Augustinergeistlicher, ebenfalls ein großer Bewunderer des Erasmus, habe ihn gebeten, diesen darauf aufmerksam zu machen, dass er in seiner Erklärung der Paulusbriefe die Erbsünde nicht genügend berücksichtigt habe. > mehr

12.10.2016 - MITTLERE GESCHICHTE

Die Schlacht, die zum Gottesurteil stilisiert wurde

Hastings - vor 950 Jahren eroberten die Normannnen England

„Dies Kleinod, in die Silbersee gefasst, die ihm den Dienst von einer Mauer leistet, von einem Graben, der das Haus verteidigt vor weniger beglückter Länder Neid, der segensvolle Fleck, dies Reich, dies England.“ Dieser Hymnus, mit dem Shakespeare in „Richard II.“ sein Vaterland bedachte, fehlt in England in keiner patriotischen Rede. Nüchtern betrachtet, hat die „Silbersee“ ihre Aufgabe, „neidische“ Invasoren abzuhalten, allerdings erst seit dem 11. Jahrhundert effektiv wahrgenommen. In der Zeit zuvor waren Nordsee und Kanal weder „Mauer“ noch „Graben“. Im 1. Jahrhundert n. Chr. kamen die Römer, im 5. die Angeln und Sachsen, im 8. die Wikinger. Und im 11. Jahrhundert die Normannen. Diese Invasion lässt sich auf den Tag genau datieren: Am 14. Oktober 1066, vor genau 950 Jahren, besiegte der Normannenherzog Wilhelm bei Hastings an der Kanalküste den letzten angelsächsischen König, Harold. > mehr

30.09.2016 - DEUTSCHE LITERATUR

Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden

Vor 400 Jahren wurde Andreas Gryphius geboren

2009 machte ihn der amerikanische Komponist Philip Glass der Minimal-Music-Gemeinde weltweit bekannt: Glass übernahm einige seiner Gedichte für das Libretto seiner Oper „Kepler“. Aber ansonsten ist der schlesische Barockdichter und -dramatiker Andreas Gryphius, der am 2. Oktober 1616, vor 400 Jahren, in Glogau geboren wurde, heute immer noch eine Art „Geheimtip“. Man misst ihn gern an seinen Zeitgenossen wie Calderón und Lope de Vega, Corneille, Racine und Molière, und da muss Gryphius (oder eigentlich, ohne Latinisierung des Namens, Andreas Greif) unvermeidlich abfallen. Doch das ist ein Problem der deutschen Barockdichtung ganz allgemein: Die spätere deutsche Klassik von Lessing über Goethe bis Schiller hat alles Frühere überdeckt. > mehr

01.09.2016 - ARCHITEKTURGESCHICHTE

"Eine Zierde der Stadt"

Vor 150 Jahren wurde die Berliner "Neue Synagoge" eingeweiht

Der Historiker Heinrich von Treitschke gab sich keine Mühe, seinen Ärger hintanzuhalten. „Das schönste und prächtigste Gotteshaus der deutschen Hauptstadt“, schimpfte er noch dreizehn Jahre später, 1879, sei „eine Synagoge“, ausgerechnet, damit werde doch demonstriert, „dass die Juden in Deutschland mächtiger sind als in irgendeinem anderen Land Westeuropas“. Ob sich die Jüdische Gemeinde Berlins mit der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße, die am 5. September 1866, vor 150 Jahren, eingeweiht wurde, wirklich das „schönste“ Gotteshaus der Stadt gebaut hatte, mag offenbleiben. Das „prächtigste“ war sie mit ihrer golden glänzenden, weithin sichtbaren Kuppel damals sicherlich. > mehr

18.08.2016 - KULTURGESCHICHTE

Zeichen der Ehrbarkeit oder der Unterdrückung?

Aus der Kulturgeschichte der Verschleierung

„Ehefrauen und Witwen“, verordnete im 12. Jahrhundert v. Chr. ein assyrisches Gesetz, „wenn sie auf die Straße gehen, lassen ihren Kopf nicht unverschleiert.“ Sklavinnen und Prostituierten dagegen wurde es ausdrücklich verboten, sich zu verschleiern. Der Schleier deklarierte, dass es da einen Ehemann gab oder gegeben hatte und dass die Frau unter dessen Schutz stand; unnnötig zu sagen, dass dieser „Schutz“ auch ein Eigentumsanspruch war. Das Fehlen eines Schleiers dagegen sollte aussagen: keine ehrbare Frau. Der Schleier als Signal weiblicher Ehre: eine der hartnäckigsten Traditionen in der Geschichte der Kleidung. Vor allem das Haupthaar musste verhüllt werden. Im 2. Jahrhundert v. Chr. ließ sich der römische Konsul Gaius Sulpicius Galus von seiner Frau scheiden, weil sie in der Öffentlichkeit ohne Kopfschleier aufgetreten war. > mehr

04.08.2016 - SPORT

Schienbeintreten, Hindernisschwimmen und Co.

Aus der wechselhaften Geschichte der olympischen Disziplinen

Kann man sich das vorstellen: Schienbeintreten als olympische Disziplin? Das gab es tatsächlich; 1612 gehörte „skin-kicking“, eine Art Boxen mit den Füßen, zu den Wettbewerben, die bei den „Olympic Games upon Cotwold-Hills“ in Gloucestershire abgehalten wurden. Da liegt natürlich der Einwand nahe, dass die Olympischen Spiele erst 1896 durch den französischen Pädagogen Pierre de Coubertin wiederbelebt wurden. Aber es ist schon richtig, Coubertins „Olympische Spiele der Neuzeit“, die in diesem Jahr zum 31. Mal ausgetragen werden, hatten eine ganze Reihe von Vorgängern. In England gab es bereits Anfang des 17. Jahrhunderts mehrere Anläufe, die Olympischen Spiele der Antike wiederzubeleben. Politischer Hintergrund war die „Kulturrevolution“, mit der streng puritanische Kreise damals die hergebrachten Vergnügungen von Volk und Adel zu unterbinden versuchten. Der Gentleman Robert Dover aus Gloucestershire, der sich der Protektion von König Jakob I. erfreute, wollte dem etwas entgegensetzen, eben seine „Olympic Games upon Cotwold-Hills“. > mehr

01.08.2016 - KUNSTGESCHICHTE

Ein Garten der Lüste und Versuchungen, der Eitelkeiten und Narrheiten

Vor 500 Jahren verstarb der Maler Hieronymus Bosch

Der Heilige blickt zum Himmel empor, wo ihm die Muttergottes vor der Sonnenscheibe erscheint. Offenbar ist er gerade damit beschäftigt, seine Vision schriftlich festzuhalten. Zu seinen Füßen sitzt ein Adler, das symbolische Tier des Evangelisten Johannes, und fixiert ein bleiches, grämlich dreinblickendes Wesen mit Insektenleib und Menschenantlitz. Ein Abgesandter der Hölle, darf man vermuten. Aber es bleibt ihm verwehrt, den Heiligen zu stören. Das kleine Monstrum trägt eine Brille – und schon beginnt der Betrachter zu spekulieren: Wollte der Maler uns warnen, dass intellektuelle Zweifelsucht vom Heilsweg abbringen muss? Das Bild, das heute in der Berliner Gemäldegalerie hängt, stammt von Hieronymus Bosch, einem der rätselhaftesten Maler der europäischen Kunstgeschichte. > mehr

06.06.2016 - LITERATURGESCHICHTE

Goethes "kleine Freundin"

Vor 200 Jahren starb die Ehefrau des Dichters, Christiane, geb. Vulpus

Was die gute Weimarer Gesellschaft sich nicht alles an Bösartigkeiten einfallen ließ, um Goethes Lebensgefährtin Christiane herabzusetzen ... „Rundes Nichts“ oder „toll gewordene Blutwurst“ - dergleichen zielte auf die mangelnde Bildung der Putzmacherin, die sich in einer Manufaktur für Seidenblumen verdingt hatte. Und auf ihre Figur, die mit den Jahren recht füllig wurde und einem „klassischen“ Schönheitsideal so gar nicht entsprechen wollte. „Donna Vulpia“ sagten die Gebildeten unter ihren Verächtern – das spielte auf ihren Geburtsnamen „Vulpius“ an, klang irgendwie aber auch anrüchig. Die Bezeichnung „Demoiselle“, die Goethe selbst gern benutzte, wurde in das leicht vulgäre „Mamsell“ abgewandelt; auch Schiller nannte sie so. Ebenso hielt sich Goethes alter Freund Wieland mit boshaftem Witz nicht zurück. Er gab August, dem einzigen überlebenden Kind aus der Verbindung, den Titel „Sohn der Magd“. Große Teile der Goethe-Forschung haben sich dem abfälligen Urteil angeschlossen. > mehr

28.05.2016 - WISSENSCHAFTSGESCHICHTE

Das erste datierbare Ereignis der Weltgeschichte

Vor 2.600 Jahren fand die Schlacht am Halys statt

Am Nachmittag des 28. Mai 585 v. Chr., vor 2.600 Jahren, versammelten sich am Ufer des Flusses Halys in Anatolien die Truppen der Lyder und der Meder, um die Frage der Vorherrschaft im Nahen Osten in einer Entscheidungsschlacht auszukämpfen. Das Treffen fand ein abruptes Ende, weil der Himmel sich plötzlich verdunkelte. Beide Seiten nahmen die Sonnenfinsternis als Zeichen für den Zorn der Götter und schlossen Frieden. Die beiden Großreiche teilten die Region untereinander auf, mit dem Halys als Grenzfluss. Es handelt sich um das erste Datum der Weltgeschichte, das sich auf den Tag genau festlegen lässt, eben wegen der Sonnenfinsternis. Für die abendländische Wissenschaftsgeschichte wurde die Schlacht aber noch durch einen anderen Umstand bedeutsam: Diese Verfinsterung der Sonne, berichtet Herodot, habe der ionische Gelehrte Thales von Milet vorausgesagt, nicht auf den Tag genau, aber doch für das Jahr. > mehr

15.05.2016 - KUNSTGESCHICHTE

Holztauben aus dem Kirchengewölbe

Der Heilige Geist und die Dreifaltigkeit in zwei Jahrtausenden Kunstgeschichte

Touristen am Chiemsee, die nach der Besichtigung des „Märchenkini“-Schlosses noch Zeit für den einen oder anderen Abstecher finden, besuchen vielleicht das kleine Dorf Urschalling südlich von Prien. In der Jakobskirche erleben sie eine Überraschung. In einem Gewölbezwickel ist die Heilige Dreifaltigkeit dargestellt, in einer recht ungewöhnlichen Form: drei Gestalten, die nach unten zu einer einzigen verschmelzen. Zwischen Gottvater als einem weißbärtigen Greis und Christus als erwachsenem Mann mit braunem Bart steht ein Jüngling mit weiblichen Formen, offenkundig bezeichnet er den Heiligen Geist. Die christliche Kunst hat sich schwer getan mit der Aufgabe, für die Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit Gottes eine angemessene Darstellung zu finden. > mehr



ticker


termine


impressum


über uns
Unsere Dossiers

Hier finden Sie - nach Fachgebieten aufgeschlüsselt - eine Liste unserer gesammelten Magazin-Artikel.

Beispiel:

Dossiersammlung
 Sprache und Literatur > mehr
       Einzel-Dossier
        Thomas Mann > mehr
               Einzelner Artikel
                Goethe steigt vom Sockel,
                Zur Neuausgabe von Tho-
                mas Manns Roman "Lotte
                in Weimar" > mehr

Dossiersammlung
Philosophie und Wissen-
schaftsgeschichte
> mehr

Dossiersammlung
Religion
> mehr

Dossiersammlung
Sprache und Literatur
> mehr

Dossiersammlung
Theater, Musik, Kunst
> mehr

Dossiersammlung
Brauchtum und Kultur
> mehr

Dossiersammlung
Gesellschaft und Politik
> mehr

Dossiersammlung
Geschichte
> mehr

 

kurz gemeldet