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16.07.2018 - REISEN

Bitte keine unfreundlichen Bemerkungen ueber den Hund!

Sind wir wirklich so, wir Deutschen?

Mit dem Reiseboom in den letzten Jahrzehnten hat sich auf dem Büchermarkt eine eigene kleine Literaturgattung herausgebildet, die dem Reisenden helfen will, sich bereits im Vorhinein in eine fremde Kultur einzufühlen. In der Reihe „Die Fremdenversteher“ des „Reise Know-how Verlags“ ist jetzt ein Band über uns selbst erschienen: „So sind sie, die Deutschen“. „Traditionell“, so eröffnen die Verfasser Stefan Zeidenitz und Ben Barkow ihr Büchlein, „gelten die Deutschen als eine Nation von Robotern mit quadratischen Schädeln und ebensolchen Unterkiefern, deren Sprache wie etwas aus einem verstopften Abflussrohr klingt, deren Autos mit eingebauter Überholspurreservierung allen anderen davonfahren und deren Fußballmannschaft selten verliert. Sie wirken unangreifbar.“ > mehr

11.07.2018 - DEUTSCHE LITERATUR

"In einer sprache, deren die unheilige menge sich nie bedienen wuerde"

Vor 150 Jahren wurde Stefan George geboren

Eigentlich, meinte der französische Dichter Stéphane Mallarmé 1862 in seinem Aufsatz „Ketzereien, die Kunst betreffend“, sei es doch höchst ungehörig, dass Baudelaires Gedichte „Die Blumen des Bösen“ in derselben Schrifttype gedruckt würden wie ein beliebiger Zeitungsartikel. Mallarmé bedauerte sogar, dass sich die Poesie mit dem Alltag ein und dasselbe „Material“ teilen müsse, eben die Sprache. Der junge Stefan George übertrug den Ästhetizismus der französischen Symbolisten nach Deutschland. „Jeden wahren künstler“, formulierte er 1892 in einer „Lobrede auf Mallarmé“ sein Credo, „hat einmal die sehnsucht befallen in einer sprache sich auszudrücken deren die unheilige menge sich nie bedienen würde oder seine worte so zu stellen dass nur der eingeweihte ihre hehre bestimmung erkenne.“ > mehr

03.07.2018 - LITERATURGESCHICHTE

Faust: Ein Schwarzkuenstler, der zum Inbegriff des deutschen Charakters wurde ...

... und zum Symbol der Moderne

„Wer weiß“, stöhnte der Literaturwissenschaftler August Wilhelm von Schlegel im Wintersemester 1803/04 vor seinen Studenten, „wieviele ‚Fäuste‘ oder ‚Fäustchen‘ noch von jungen Skribenten unterwegs sind.“ Das Erscheinen von Goethes „Faust. Ein Fragment“, 1790, hatte in Deutschland eine nationale Begeisterung hervorgerufen. August Wilhelms Bruder Friedrich erklärte die Figur des „Doktor Faust“ gar zu „unserer mythologischen Hauptperson“. Doch da Goethe eben nur ein Fragment vorgelegt hatte, wurde es Mode, berichtet der Marburger Germanist Manuel Bauer in seiner neu erschienen Studie zur Geschichte des Stoffes, dass sich hoffnungsvolle junge Schriftsteller an einer Fortsetzung versuchten. Oder gleich an einem neuen, ganz anderen „Faust“. > mehr

29.06.2018 - DEUTSCHE LITERATUR

Vom Hildebrandslied bis zu "Kir Royal"

Eine "Bayerische Literaturgeschichte" - oder Literaturgeschichte in Bayern

Als Thomas Mann, fernab der Heimatstadt Lübeck, in München an seinen „Buddenbrooks“ schrieb und gerade bei Tony Buddenbrooks verunglückter Ehe mit dem Hopfenhändler Alois Permaneder angekommen war, fragte er eines schönen Nachmittags seinen jüngeren Bruder Viktor, wie wohl ein echter Münchner verärgert sagen würde, wenn seine Frau ihn bei einer Schäkerei mit dem drallen Dienstmädchen erwischt hätte und daraufhin abends nicht ins Schlafzimmer lassen wollte. Viktor, der in München aufgewachsen war und sich in der bayerischen Sprachwelt auskannte, antwortete spontan: „Geh zum Deifi, Sauluada, dreckats!“ Thomas ließ sich die Worte buchstabieren und übernahm sie in den Roman. Ein bairischer Kraftausdruck, der in die Weltliteratur einging. > mehr

24.06.2018 - POLITISCHE THEORIE

Schwierigkeiten mit der "Massendemokratie"

Diskussionen um einen modernisierungsbereiten Liberalismus in der Weimarer Republik

Die beiden „liberalen“ Parteien in der Weimarer Republik, DDP und DVP, erreichten 1919/1920 zusammen etwa 22 Prozent der Stimmen, bis 1933 schmolz ihr Anteil auf gerade mal zwei Prozent zusammen. Da kommt zwangsläufig die Frage auf, ob die Krise der ersten deutschen Demokratie nicht vor allem eine Krise des deutschen Liberalismus war. Bezieht man die vorangegangenen Jahrzehnte des Kaiserreichs mit ein, ist der Niedergang noch auffälliger: Bei den Wahlen 1871 hatten liberale Parteien insgesamt über 46 Prozent der Stimmen erhalten. Das „Sündenregister“, das dem deutschen Liberalismus vorgehalten wird, ist lang, schreibt der Politikwissenschaftler Jens Hacke von der Berliner Humboldt-Universität in seinem neuen Buch über die „Existenzkrise der Demokratie“ in der Zwischenkriegszeit > mehr

18.06.2018 - MUSIKTHEATER

Erloesung durch einen Ritter, der Wagnerianer ist

Vor 150 Jahren wurden Richard Wagners "Meistersinger von Nuernberg" uraufgefuehrt

„Das ist keine Musik!“, erregt sich Edmund Pfühl, der Organist von Sankt Marien und Klavierlehrer des kleinen Hanno Buddenbrook in Thomas Manns großem Familienroman, nachdem Mutter Gerda ihm einen Klavierauszug von Wagners „Tristan und Isolde“ aufs Pult gelegt hat. „Dies ist das Chaos! Dies ist Demagogie, Blasphemie und Wahnwitz! Dies ist ein parfümierter Qualm, in dem es blitzt! Dies ist das Ende aller Moral in der Kunst!“ Wirklich nachhaltig ist Pfühls Widerstand gegen Wagners Musik allerdings nicht. Am Klavier gleitet Pfühl von Haydn, Mozart und Beethoven über ein freies Zwischenspiel beinahe wider Willen in einen „sehr seltsamen Stil hinüber“, einen Marsch, in dem sich das Wagnersche „Schwellen und Blühen, Weben und Singen“ eigentümlich mit kunstvoller, geradezu altväterischer Kontrapunktik verbindet: „Das Meistersinger-Vorspiel zog vorüber.“ > mehr

12.06.2018 - GESCHICHTE

Als das Christentum zu Christentuemern wurde

Der englische Historiker Mark Greengrass ueber das Zeitalter der Glaubensspaltung

„ELIZABETH II. D. G. REG. F. D.“ ist auf den britischen Pfundmünzen rund um das Portrait der Königin zu lesen. „D. G. REG.“ bedeutet „Königin von Gottes Gnaden“, aber wofür steht „F. D.“? Die beiden Buchstaben kürzen das lateinische „Fidei Defensatrix“ ab, „Verteidigerin des Glaubens“. Der Titel wurde, in der männlichen Form „Defensor“, Elisabeths Vorgänger Heinrich VIII. 1521 von Papst Leo X. verliehen, für sein Buch „Verteidigung der sieben Sakramente“. Heinrich hatte darin die Lehre der katholischen Kirche gegen den „Unglauben“ verteidigt, gemeint war: gegen die Reformation Martin Luthers. Man könnte meinen, nach der Begründung der anglikanischen Staatskirche hätte sich dieser vom Papst verliehene Titel erübrigt. Doch 1544 übernahm das englische Parlament die Bezeichnung „Fidei Defensor“ für Heinrichs Sohn Edward VI., der nun als Oberhaupt dieser neuen Kirche amtierte. > mehr

06.06.2018 - LITERATURGESCHICHTE

"Am Ende stirbt immer der Wolf"

Woelfe, Menschen, Wolfsmenschen - vom antiken Roman bis zum Horrorfilm

In einer Novelle von Miguel de Cervantes berichtet der Hund Berganza seinem Freund Cipión von seiner vorübergehenden Beschäftigung als Hirtenhund. „Des Nachts kam kein Schlaf in meine Augen, weil uns die Wölfe immer wacker hielten und uns keinen Augenblick Ruhe gönnten.“ Trotz allen Eifers und aller Wachsamkeit – immer wieder kommt ein Schaf oder Lamm zu Tode. Eines Tages entdeckt Berganza, dass es gar nicht die Wölfe sind, sondern die Schäferknechte, die gelegentlich ein Tier „reißen“ und die Schuld daran den Wölfen anlasten. „Ich war außer mir, wie ich sah, dass die Hirten die Wölfe waren und dass die Hüter der Herde sie selbst würgten.“ Das Gleichnis vom „Guten Hirten“ aus dem Neuen Testament, verkehrt in ein negatives Beispiel, in eine Geschichte von schlechten Hirten. > mehr

29.05.2018 - POLITIKWISSENSCHAFT

Alle wissen, was dazu gehoert - und was nicht

Die Verwendung des Begriffs "Heimat" im aktuellen Populismus

„Mir welle bleiwe, wat mir sinn“, lautet eine Zeile in dem Lied „D’Feuerwon“, „Die Dampflokomotive“. Der Luxemburger Schriftsteller Michael Lentz dichtete es 1859, in jenem Jahr, als Luxemburg an das europäische Eisenbahnnetz angeschlossen wurde. Angesichts der Industrialisierung und des zunehmenden Fremdenverkehr wollte Lentz beides harmonisch miteinander verbinden, die Bewahrung der eigenen Tradition und Identität mit der Offenheit gegenüber dem Anderen, zunächst einmal Fremden: „Kommt her aus Frankeich, Belgien, Preisen, mir kennen iech ons Hemecht weisen.“ Im Laufe des 20. Jahrhunderts, hat der luxemburgische Literaturwissenschaftler Claude D. Conter beobachtet, wurde der Vers mehr und mehr zur patriotischen Kampfparole. Und geriet damit auch unter kabarettistischen Beschuss. > mehr

25.05.2018 - GESCHICHTSWISSENSCHAFT

"Wir sind nicht eingeweiht in die Zwecke der ewigen Weisheit"

Vor 200 Jahren wurde Jacob Burckhardt geboren

„Wir, der Schwanz der Welt, wissen nicht, was der Kopf vorhat“, notierte Georg Christoph Lichtenberg in einem seiner „Sudelbücher“.Welchen Aufschwung der Glaube an ein vorbestimmtes Ziel der Weltgeschichte in den nächsten Jahrzehnten nehmen würde, gipfelnd in Hegels Philosophie der Geschichte, konnte noch niemand ahnen. Aber auch die Gegenströmung, die Lichtenberg derart salopp in Worte gekleidet hatte, blieb lebendig. So versuchte vor allem der Basler Historiker Jacob Burckhardt wieder und wieder, seine Studenten von einem „kecken Antizipieren“ des „Weltplans“ abzubringen. Burckhardts Satz „Wir sind nicht eingeweiht in die Zwecke der ewigen Weisheit und kennen sie nicht“ ging in das Buch ein, das 1905 aus dem Nachlass unter dem Titel „Weltgeschichtliche Betrachtungen“ an die Öffentlichkeit gelangte, und wurde zum geflügelten Wort. > mehr

19.05.2018 - RELIGIONSGESCHICHTE

Von der juedischen Sekte zur Weltreligion

Rund um das Pfingstfest - aus der Urgeschichte des Christentums

Es muss alles sehr schnell geschehen sein. Jesus starb wahrscheinlich Anfang der 30er Jahre. Als sich Paulus spätestens im Jahr 35, vielleicht schon 32, bekehrte, fand er bereits heidenchristliche Gemeinden vor. In den wenigen Monaten oder Jahren zwischen diesen beiden Daten war das Christentum, das doch als Sekte innerhalb des Judentums begonnen hatte, aus seiner „Mutterreligion“ herausgewachsen. Zum Pfingstfest ein Blick auf die Urgeschichte des Chrisentums, seine Entwicklung von der jüdischen Sekte. > mehr

15.05.2018 - KUNSTGESCHICHTE

"Man untersucht alles, was einen ergoetzt, und macht an allen Aussichtspunkten Halt"

"Wanderlust" in der Alten Nationalgalerie Berlin

„Das Wandern ist des Müllers Lust, das Wandern, das Wandern“, singen in der schönen Jahreszeit viele tausend Menschen, seit Franz Schubert und Carl Friedrich Zöllner ihre Vertonungen der „Schönen Müllerin“ geschaffen haben. Warum gerade „des Müllers“? Mit „Lust“ hatte das ursprünglich wenig zu tun. Selbständiger Müller konnte nur sein, wer eine Mühle zur Verfügung hatte. Gesellen, die keine Mühle erbten, mussten sich einen Meister suchen, in dessen Diensten sie unterkommen konnten. Im besten Fall fanden sie eine Müllerstochter, eine „schöne Müllerin“, zum Heiraten – und kamen so doch noch zu der Aussicht, eine Mühle zu erben. Das eigenständige Phänomen der „Wanderlust“ dagegen – also dass Menschen rein um des Wanderns willen auf Wanderschaft gehen, eine Zeitlang befreit von den Nöten des Alltags – ist gerademal zweieinhalb Jahrhunderte alt, es entstand als Ausdruck eines sehr modernen Lebensgefühls, zeigt die aktuelle Ausstellung in der Alten Nationalgalerie Berlin. > mehr

10.05.2018 - KUNSTGESCHICHTE

Kunstwerke, die nur mit dem inneren Auge zu sehen waren

Die Nasca-Kultur kommt in die Bundeskunsthalle Bonn

Hatten die Träger der sogenannten „Nasca“-Kultur im Süden Perus, vor 2.000 oder 2.400 Jahren, bereits Heißluftballons, mit denen es möglich war, die gigantischen Scharrbilder in der Wüste von oben zu betrachten? Einige der Gravuren zeigen die größten Tierbilder, die jemals von Menschenhand geschaffen wurden. Wenn niemand sie vollständig sehen konnte, möchte man meinen, waren sie doch sinnlos. Schließlich muss es einigen Aufwand gekostet haben, die Vorlagen auf ein mehrere Quadratkilometer großes Netz zu übertragen. Die „Geoglyphen“ in der Wüste von Nasca, zwischen der Pazifikküste und den Westhängen der Anden, gehören zu den ungelösten Rätseln der Weltgeschichte, keine schriftliche Überlieferung gibt zu dieser untergegangenen Kultur im südlichen Peru Auskunft. > mehr

06.05.2018 - ZEITGESCHICHTE

Meriten - und "ein Quentchen Wahn"

Vor 50 Jahren erreichte die "68er Bewegung" ihren Hoehepunkt

Mir scheint“, schrieb im Juni 1968 die politische Philosophin Hannah Arendt an ihren Kollegen Karl Jaspers, „die Kinder des nächsten Jahrhunderts werden das Jahr 1968 mal so lernen wie wir das Jahr 1848.“ Nach den Verwüstungen, die im 20. Jahrhundert die Ideologien des Nationalsozialismus und des Kommunismus angerichtet hatten, setzte Arendt große Hoffnungen auf den Aufbruch der Jugend in eine bessere Welt, den sie wahrzunehmen glaubte. Arendt – ein Name, den wir im Rückblick nicht unbedingt mit „1968“ verbinden würden. Umgekehrt äußerte sich ausgerechnet Theodor W. Adorno, der unter den revoltierenden Studenten ursprünglich als eine Art Mentor verehrt worden war, ein Stück weit skeptisch. Am 6. August 1969, wenige Stunden vor seinem Tod, sagte er zu Herbert Marcuse: „Die Meriten der Studentenbewegung bin ich der letzte zu unterschätzen. Aber es ist ihr ein Quentchen Wahn beigemischt, dem das Totalitäre teleologisch innewohnt.“ > mehr

01.05.2018 - IDEENGESCHICHTE

"Es koemmt darauf an, die Welt zu veraendern"

Vor 200 Jahren wurde Karl Marx geboren

„Mit solchem Geschwätz wollen wir uns nicht länger aufhalten“, sagte Hegel an einer Stelle seiner Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie zu seinen Studenten, „es sind leere Worte. Vor seinen philosophischen Gedanken können wir keine Achtung haben; oder vielmehr sind es gar keine Gedanken.“ Der so Gescholtene war Epikur, jener griechische Denker, der um 300 v. Chr., also nach Aristoteles, die Tradition der griechischen Philosophie fortgesetzt und in neue Bahnen gelenkt hatte. Hegels Schüler werden die Botschaft verstanden haben, die der Meister in seine Worte legte: Diese Fortsetzung sei höchst überflüssig – so überflüssig wie in der Neuzeit eine Philosophie, die auf ihn selbst, auf Hegel, folgen würde. Aber natürlich konnten sich die „Hegelianer“ mit einem solchen Ende der Geistesgeschichte nicht zufriedengeben. > mehr

27.04.2018 - RELIGIONSGESCHICHTE

Ein gemeinsames Erbe - und der Streit darum

Die drei "abrahamititischen Religionen" Judentum, Christentum und Islam

„Folget dem Weg Abrahams“, heißt es in der 2. Sure des Korans, „denn er war keiner der Götzendiener!“ Darin lag das zentrale Anliegen Mohammeds: Er wollte die Religion des Patriarchen Abraham getreu wiederherstellen. Die Geschichte in der Bibel von Abrahams erstgeborenem Sohn mit der Magd Hagar, Ismael, gab ihm die Grundlage für die Annahme, „seine“ Araber würden ebenso wie die Juden von diesem Urvater abstammen. Und zwar mit größerer Legitimität als ihre „Vettern“. In der Bibel wird erzählt, wie Gott sein Einverständnis gibt, dass Abraham, nachdem ihm seine Ehefrau Sara den zweiten Sohn, Isaak, geboren hat, um des häuslichen Friedens willen Hagar und Ismael in die Wüste schickt; Erbe der Verheißung wird Isaak – und damit das Volk Israel. > mehr

23.04.2018 - ETHNOLOGIE

Eine Kunst des Ungefaehren und der Umwege

Zur Phaenomenologie des "Wiener Schmaeh"

Wissen Sie, was gemeint ist, wenn der Wiener eine Ausführung mit der Formel „schmähohne“ beschließt? Das „Österreichische Wörterbuch“ gibt dafür die Übersetzung „ganz im Ernst“. Die Gesprächssituation hat man sich wohl so vorzustellen, dass der Angesprochene – womöglich ein „Piefke“, ein Deutscher oder Norddeutscher – zu den Worten des Wieners ein wenig ungläubig die Augenbrauen hochgezogen hat, was den Wiener dazu veranlasst, ein bekräftigendes „Schmähohne“ hinterherzuschieben: Was er gesagt hatte, war kein „Schmäh“. Ob der andere sich wirklich darauf verlassen sollte, ist eine andere Frage. Vielleicht gehört das „Schmähohne“ ja mit zum Schmäh. > mehr

19.04.2018 - RELIGIONSGESCHICHTE

"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt"

Der amerikanische Literaturwissenschaftler Stephen Greenblatt ueber die Geschichte von Adam und Eva

Eines schönen Tages im Jahre 370 n. Chr. nahm in der römischen Provinzstadt Thagaste im heutigen Algerien ein Vater seinen 16-jährigen Sohn mit in die Thermen. Als die beiden zurück waren, sagte der Vater voller Stolz und Freude zu seiner Frau, er habe guten Grund, auf Enkel zu hoffen, der Sohn stehe „in aufkeimender Mannbarkeit“. Kurzum: Der Heranwachsende hatte eine Erektion. Das wäre nicht der Rede wert, wenn dieser junge Mann nicht Augustinus gewesen wäre, der vielleicht bedeutendste Kirchenvater der Christenheit. Ein Vierteljahrhundert später, in seinen „Bekenntnissen“, machte er den kleinen Vorfall – oder eigentlich die Diskussion, die sich daran zwischen den Eltern anschloss - zur Schlüsselszene seiner intellektuellen und moralischen Biographie. Indirekt, meint der Anglist Stephen Greenblatt von der Harvard University in seinem nun auch auf Deutsch erschienenen Buch über die „Geschichte von Adam und Eva“, damit auch zum Ausgangspunkt seiner Theologie des Sündenfalls, die das christliche Denken über Jahrhunderte geprägt hat. > mehr

15.04.2018 - IDEENGESCHICHTE

Als Sachsen und Rheinlaender "Nationen" waren

Urspruenge und Entwicklungen der nationalen Idee

Unter den Studenten der Prager Karls-Universität gab es zu Ende des Mittelalters eine böhmische, eine bayerische, eine sächsische und eine polnische Nation. In Wien unterschied man eine österreichische, eine ungarische, eine rheinische und eine sächsische Nation, in Paris eine gallische, eine pikardische, eine normannische und eine englische. In Leipzig wechselte das Rektorenamt noch im 18. Jahrhundert zwischen den „nationes“ der Sachsen, der Meißner, der Bayern und der Polen. Die Studentenschaft war nach geographischen Kriterien eingeteilt, die oft, aber nicht immer auch sprachliche Gemeinsamkeiten bedingten. So gehörten zur „englischen Nation“ in Paris auch die Studenten aus Deutschland. > mehr

11.04.2018 - DEUTSCHE LITERATUR

Politische Dichtung - aus eigenem Antrieb oder auf Bestellung

Der Dreissigjaehrige Krieg im Spiegel der Barockliteratur

„Ein garstig‘ Lied! Pfui! Ein politisch‘ Lied, ein leidig‘ Lied“, beschwert sich in Auerbachs Keller in Goethes „Faust“ einer der Studenten, als sein Kommilitone einen Spottgesang auf das drohende Auseinanderbrechen des Heiligen Römischen Reiches anstimmen will. Der Vers wurde zum Inbegriff für eine „unpolitische“ oder „antipolitische“ Untertanenmentalität, wie man sie gern den Deutschen vorhält. Die Dichter des 17. Jahrhunderts kann das nicht treffen, konstatiert der Germanist Volker Meid in seinem neuen Buch „Der Dreißigjährige Krieg in der deutschen Barockliteratur“. „Für sie war die Beschäftigung mit politischen Themen in der Dichtung, ob Vers oder Prosa, selbstverständlich. Sie reflektierten die Krisenerscheinungen der Zeit, kommentierten einzelne Ereignisse, nahmen Partei, polemisierten und mahnten zum Frieden.“ > mehr



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