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22.11.2017 - FILM

Sehnsucht nach einem heilen Familienleben - und nach einer "landesmuetterlichen" Politik

Ein Jahrhundert Filmkunst rund um Kaiserin Sissi

Was macht ein „typisch“ deutsches Weihnachtsfest aus, nicht in der angeblich „guten, alten Zeit“, sondern in unserer Gegenwart? In vielen Familien behauptet natürlich weiterhin der geschmückte Weihnachtsbaum sein Recht, oft mit der Krippe darunter, mit dem Absingen von Weihnachtsliedern und dem Verzehren des zu Weihnachten passenden Gebäcks. Aber in unserer von Massenmedien geprägten Welt ziemlich oft wohl auch das Anschauen von TV-Programmen, die zu Weihnachten seit Jahrzehnten irgendwie dazugehören. Da kommt am Heiligen Abend, wie es sich versteht, Loriots „Familie Hoppenstedt“. Und an den folgenden Feiertagen, alle Jahre wieder, Romy Schneider als Kaiserin Sissi, 312 Minuten lang. > mehr

17.11.2017 - KARTOGRAPHIE

Atlantis und das Paradies, die Insel des hl. Brendan und das Reich des Priesterkoenigs

Irrtuemer und Luegen auf Landkarten

Vielleicht war es ja wirklich die CIA. Im späten 20. Jahrhundert stritten sich Mexiko und die USA um die Ölförderrechte im Golf von Mexiko. Da war jede kleine Insel, wie winzig auch immer, geeignet, einen Anspruch auf Hoheit über die umliegende Wasserfläche zu begründen. So verzeichnete der offizielle Atlas der Mexikanischen Republik von 1921 etwa 200 Kilometer nordwestlich der Halbinsel Yucatán eine unbewohnte Insel mit Namen „Bermeja“ oder „Vermeja“. Im Jahr 1997 schickte die mexikanische Regierung ein Schiff aus, um die genaue Lage dieser Insel festzustellen. Gefunden wurde – nichts, außer eben Wasser. 2000 musste Mexiko einen Teilungsvertrag mit den Vereinigten Staaten unterschreiben, in dem die Insel nicht berücksichtigt war. Aber man gab die Hoffnung noch nicht auf. 2009 suchten Forscher der Universität Mexiko erneut mit Schiff und Flugzeug den Golf ab. Die Insel blieb verschwunden. > mehr

14.11.2017 - KUNST- UND LITERATURGESCHICHTE

"Der Jugend erste Bluete"

Das Motiv der Entjungferung in Kunst und Literatur

Ein blondes Mädchen, vielleicht 15 oder 16 Jahre alt, beugt sich weinend über sein totes Vögelchen. Mit Myrtenzweigen geschmückt, liegt der kleine Liebling wie aufgebahrt auf der Oberseite eines hölzernen Käfigs. „Welch reizende Elegie“, begeisterte sich der Schriftsteller Denis de Diderot 1765 in seiner Kritik dieses Gemäldes von Jean-Baptiste Greuze, das gerade im Pariser „Salon“ ausgestellt war. „Bald ertappt man [der Betrachter] sich dabei, wie man mit dieser Kleinen plaudert und sie tröstet.“ Man dürfe allerdings nicht glauben, schrieb Diderot einige Sätze später, „dieses kleine Mädchen beweine nur seinen Kanarienvogel“. Doch mit keinem Wort sagte der Kritiker, worum es seiner Meinung nach wirklich ging, er begnügte sich mit Andeutungen. „Nun ja, ich verstehe“, sagte er in einem fiktiven Dialog mit dem Mädchen, „er liebte Sie, er schwor es Ihnen […] Er litt so sehr. Wie kann man denn leiden sehen, was man liebt?“ > mehr

10.11.2017 - IDEENGESCHICHTE

Persil und der Sarotti-Mohr

Genese und Gegenwart des Rassismus in Deutschland

Es ist eine der meistillustrierten Szenen der biblischen Geschichte: Jesus betete mit dreien seiner Jünger im Garten Gethsemane. Da „kam Judas, einer der Zwölf, mit einer Schar von Männern […], sie waren von den Hohenpriestern, den Schriftgelehrten und den Ältesten geschickt worden. Der Verräter hatte mit ihnen ein Zeichen vereinbart und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist es.“ Der Künstler des sogenannten Chichester-Psalters aus dem 13. Jahrhundert ließ sich neben den Heiligenscheinen für Jesus und seinen Jünger Petrus einerseits, den kappenförmigen „Judenhüten“ für die Häscher andererseits noch einen weiteren Kunstgriff einfallen, um in das Menschengewirr in seiner Miniatur Ordnung zu bringen: Er gab Jesus und dem Jünger eine helle Hautfarbe, den Häschern eine dunkle. > mehr

06.11.2017 - ZEITGESCHICHTE

100 Jahre Mythos Oktoberrevolution

Ein Sturm, der nicht stattfand - und dennoch die Weltgeschichte veraenderte

Auf einen Kanonenschuss des Panzerkreuzers "Aurora" hin stürmten frühmorgens am 7. November 1917 (es war der 25. Oktober des gregorianischen Kalenders) opferbereite Rotgardisten den ehemaligen Zarenpalast in Petrograd, in dem inzwischen die provisorische Regierung Russlands ihren Sitz hatte. Nach verlustreichen Kämpfen konnten sie das "Winterpalais" erobern. So hat sich die "Oktoberrevolution" in das kollektive Gedächtnis von Millionen und Abermillionen Menschen eingeprägt. Den Kanonenschuss gab es tatsächlich. Was allerdings den "Sturm" betrifft … Selbst die Sieger taten sich später schwer damit, das Geschehen heroisch zu verklären. Josef Stalin sprach in einem Buchvorwort etwas vage von der "verhältnismäßigen Leichtigkeit", mit der es der "proletarischen Revolution" in Russland gelungen sei, "die Ketten des Imperialismus zu sprengen und so die Macht der Bourgeoisie zu stürzen". > mehr

03.11.2017 - MALEREI

Kreativitaet als Aneignung und Verwandlung

In Wien ist Peter Paul Rubens' Umgang mit seinen Vorbildern zu studieren

Wenn man die großen Meisterwerke der Kunst doch gleich nebeneinander betrachten könnte, in einem einzigen Museumssaal … Welche Verwandtschaften über die Jahrhunderte hinweg da zu entdecken wären! Zum Beispiel ein Gemälde von Peter Paul Rubens‘ über die Ankunft der französischen Königin Maria de‘ Medici in Marseille aus den 1620er Jahren, heute im Pariser Louvre zu sehen: Die liebenswürdigen Najaden unten im Bild ähneln verdächtig einem mehr als anderthalb Jahrtausende älteren Werk, der Laokoon-Gruppe in den Vatikanischen Museen – der Darstellung des trojanischen Priester Laokoon und seiner beiden Söhnen, die von den Schlangen bedroht und getötet werden. So unwahrscheinlich uns eine Beziehung beider Werke zunächst einmal vorkommen will - Rubens wird sich tatsächlich bei dem Laokoon-Meister bedient haben. > mehr

30.10.2017 - THEOLOGIE

Vom Gnadenschatz der Heiligen zum modernen Pluralismus

500 Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag

Rom-Besucher werden sich erinnern: Nordöstlich des Kolosseums, auf dem „Colle Oppio“ (einem der römischen Hügel, die nicht zu den klassischen „Sieben“ gezählt werden), ist die „Domus Aurea“  zu sehen, der Palast des Kaisers Nero. In seinen Gärten ließ der Herrscher die Christen, denen er den Brand Roms anlastete, als lebende Fackeln leuchten. Die jüngere Vergangenheit findet sich im Oppius-Park durch ein Straßenschild repräsentiert. An seinem östlichen Rand entdecken die Touristen eine „Piazza Martin Lutero“. 2015, im Vorfeld des anstehenden Jubiläums von Luthers Thesenanschlag in Wittenberg, würdigte Roms Bürgermeister Ignazio Marino mit dieser Benennung den Reformator. Die evangelisch-lutherische Gemeinde der Stadt hätte einen anderen Ort bevorzugt, etwa eine Straße nahe der Piazza del Popolo im Norden der Altstadt, dort wo Martin Luther der Überlieferung zufolge 1510 oder 1511 im Augustinerkloster Quartier nahm. > mehr

29.10.2017 - IDEENGESCHICHTE

"Die gemeinsame Wiedergeburt der Herrschaft der Gerechtigkeit"

Eine Universalgeschichte des Kommunismus

Im Chinesischen, berichtet der Historiker Gerd Koenen in seinem neuen Buch über die „Farbe Rot“, wird der Begriff „Kommunismus“ mit einer Umschreibung wiedergegeben, die etwa „die gemeinsame Wiedergeburt der Herrschaft der Gerechtigkeit“ bedeutet. Sollte diese Umschreibung tatsächlich das treffen, was wir in der Zeitgeschichte „Kommunismus“ nennen, wäre der viel kolportierte Satz, wer als junger Mensch kein Kommunist gewesen sei, könne kein Herz haben, eine pure Banalität. Koenen engagierte sich in den 1970er Jahren im maoistischen KBW, dem „Kommunistischen Bund Westdeutschland“. > mehr

18.10.2017 - JURISPRUDENZ

"Was die ganze Welt weiss, was die ganze Welt fuehlt"

Das Rechtsgefuehl in der Jurisprudenz und im Theater

„Bestraft wird“, verordnete 1935 die nationalsozialistische Reichsregierung in ihrem „Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches“, „bestraft wird, wer eine Tat begeht, die das Gesetz für strafbar erklärt oder die nach dem Grundgedanken eines Strafgesetzes und nach gesundem Volksempfinden Strafe verdient.“ Für den Richter, so erläuterte der Rechtsgelehrte Heinrich Lange, stelle sich die „hohe Aufgabe, das Recht nicht nur verstandesmäßig zu erfassen und anzuwenden, sondern aus der Gemeinschaftsverbundenheit heraus das deutsche Recht zu erfühlen und zu erfassen.“ Seitdem steht jede Reflexion über die Bedeutung von Gefühl oder Empfinden für die Juristerei unter einem Anfangsverdacht. > mehr

14.10.2017 - DEUTSCHE LITERATUR

"Bisschen schneller sein als die Schnecke"

Zum 90. Geburtstag von Guenter Grass

Für große Teile der Literaturszene damals in Deutschland muss es eine Art von Weltuntergang gewesen sein. „Ich denke, dass ich keine Helden mehr habe“, schrieb der Journalist Franz Josef Wagner am 14. August 2006 in der „Bild“-Zeitung. Ob es Wagner mit seinem Ausrufen einer Heldendämmerung ganz ernst war, ist nicht so wichtig. Er wird gespürt haben, dass er vielen Lesern aus dem Herzen sprach: Ich denke, „dass ich traurig bin, weil es Günter Grass nicht mehr gibt“. Grass‘ Buch „Beim Häuten der Zwiebel“ war noch gar nicht auf dem Markt. Doch wenige Tage zuvor war in der „FAZ“ ein Interview von Franz Schirrmacher und Hubert Spiegel mit dem Nobelpreisträger erschienen, überschrieben „Warum ich nach sechzig Jahren mein Schweigen breche“, „Günter Grass spricht zum ersten Mal über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS“. > mehr

09.10.2017 - PRAEHISTORISCHE KUNST

Die Erfindung von Kunst und Musik

Vor 40.000 Jahren entstanden auf der Schwaebischen Alb die ersten Menschen- und Tierfiguren

Es war vor etwa 40.000 Jahren. Im spanischen Kantabrien und in der französischen Ardèche entstanden die frühesten Höhlenmalereien, etwa gleichzeitig in Südwestdeutschland die ersten plastischen Kunstwerke, kleine geschnitzte Figuren aus Mammutelfenbein. „Als der Mensch die Kunst erfand“, haben die beiden Archäologen Nichola J. Conard von der Universität Tübingen und Claus-Joachim Kind vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg ihren neuen Bildband über die Ausgrabungen auf der Schwäbischen Alb überschrieben. Und auch die Musik, wäre zu ergänzen. Einige Musikinstrumente, Flöten aus Vogelknochen oder Elfenbein, die auf der Alb gefunden wurden, sind sogar noch älter, stammen aus der Zeit vor 43.000 Jahren. > mehr

05.10.2017 - STRAFVOLLZUG

"Gott ist es, der meinen Arm lenkt"

Eine Geschichte der Todesstrafe

Wissen Sie, was in Art. 21 der hessischen Landesverfassung steht? „Ist jemand einer strafbaren Handlung für schuldig befunden […], kann er zum Tode verurteilt werden.“ Angewandt wurde diese Regelung allerdings niemals, seit 1949 ist sie auch kein geltendes Recht mehr. Art. 102 des Grundgesetzes geht vor: „Die Todesstrafe ist abgeschafft.“ In 104 Staaten, berichtet der Darmstädter Journalist Helmut Ortner in seiner „Geschichte der Todesstrafe“, ist das legale Töten, das Töten nach Gerichtsurteil, heute vollständig abgeschafft. In 37 weiteren Staaten wird die Todesstrafe de facto nicht mehr verhängt und erst recht nicht vollstreckt. In Europa ist zur Zeit Weißrussland der einzige Staat, in dem die Todesstrafe praktiziert wird. In der Türkei wurde sie 2002 abgeschafft, inzwischen wird erwogen, sie wieder einzuführen. > mehr

01.10.2017 - KULTURGESCHICHTE

"Konsumgesellschaft ohne ideelle Ansprueche"

Die "Vielen" und die "Wenigen" in der deutschen Kultur- und Literaturgeschichte

Gelegentlich bricht Zorn durch. Es habe ehedem, schreibt der Literaturwissenschaftler Jost Hermand in seinem neuen Buch, Zeitalter gegeben, in denen die Künstler und Wissenschaftler in ihren Werken Möglichkeiten eines Lebens jenseits der aktuell gegebenen Zustände aufzeigten. An die Gegenwart appelliert Hermand, dieses „soziokulturelle Erbe zu erhalten und vor allem zu interpretieren“. Offenbar ist Hermand mit der Gegenwart sehr unzufrieden, sowohl was das Kulturleben selbst als auch was die wissenschaftliche Analyse angeht. In den 1970er oder 1980er Jahren waren Hermands „Epochen der deutschen Kultur von 1870 bis zur Gegenwart“ beim geisteswissenschaftlichen Nachwuchs ein Kultbuch. Aus der Feder des 87-Jährigen ist jetzt eine große Sozialgeschichte der deutschen Literatur und Kultur, ein Überblick über 1.200 Jahre hinweg. > mehr

27.09.2017 - ARCHAEOLOGIE

Bronzeplastiken, Goldschmuck und Waffen

Etruskische Kunst im Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen

Bronzeplastiken und Goldschmuck, Waffen und Hausrat, Keramiken und Weihgaben – im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen ist etruskische Kunst aus der Sammlung Ebnöther ausgestellt. Ein Volk im Schatten zunächst der Griechen, die mit ihrer Literatur und Philosophie in der Mittelmeerwelt größere Ausstrahlungskraft zeigten, und dann im Schatten der politisch erfolgreicheren Römer. Im Vergleich mit den großen Museen in Rom und Florenz oder den Totenstädten von Tarquinia und Cerveteri tritt in dieser ehemaligen Privatsammlung die Kleinkunst in den Vordergrund. > mehr

24.09.2017 - ANTHROPOLOGIE

Die Aussenwelt beruehren und be-greifen

Der Tastsinn in Alltag, Wissenschaft und Kunnst

In Platons Höhlengleichnis sind die Menschen in ihrer höhlenartigen Behausung an Schenkeln und Nacken derart starr gefesselt, dass sie ihren Blick auf nichts anderes richten können als auf die Wand vor ihnen. Sie sehen nur die Schatten, die von einer Lichtquelle hinter ihnen auf die Wand geworfen werden, und unvermeidlich meinen sie, die Schatten seien das Einzige, was existiert. Durch das Denken freilich, mit seinem inneren Auge, meinte Platon, könnte der eine oder andere diese Täuschung vielleicht hinter sich lassen und zur Erkenntnis der wahren Verhältnisse vordringen. Platons Kritik der sinnlichen Wahrnehmung hat das abendländische Denken über zweieinhalb Jahrtausende hinweg geprägt. Und soweit die Leistung unserer Sinnesorgane überhaupt gewürdigt wurde, gab es unter ihnen eine recht eindeutige Rangordnung. > mehr

19.09.2017 - MITTELALTER

Der Koenig, der seine eigene Legende inszenierte

Das Historische Museum der Pfalz zeigt eine Ausstellung ueber Richard Loewenherz

Für einige Monate verwandeln sich die Ausstellungsräume des Historischen Museums der Pfalz sozusagen in den Vorplatz von Westminster. Aus dem Besitz von Her Majesty Queen Elizabeth II ist die verkleinerte Nachbildung des Bronzedenkmals für König Richard Löwenherz, das seit 1860 vor den Houses of Parliament steht, nach Speyer gekommen, in die Landesausstellung Rheinland-Pfalz über König Richard Löwenherz. Mit hoch erhobenem Schwert reitet Richard – im Original ist er einschließlich Pferd und Podest neun Meter hoch – dem Feind entgegen. Richard Löwenherz – „bis in die heutige Zeit dominiert im öffentlichen Bewusstsein das legendenhaft verklärte Bild vom idealen Ritter und tatkräftigen König“, konstatiert die Historikerin Sabine Kaufmann. > mehr

17.09.2017 - KALENDER

Neujahr, bevor der Herbst beginnt

Allerlei Jahresanfaenge - eine Tour d'horizon durch die Kalendersysteme

Am 21. September ist Neujahr. Wenn Sie das nicht glauben wollen: Es hat schon seine Richtigkeit. Die Juden beginnen am 21. September 2017 das Jahr 5778 nach Erschaffung der Welt, die Muslime am selben Tag das Jahr 1439 nach der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina. Der Islam rechnet mit einem Jahr von zwölf Monaten, die in ihrer Länge jeweils etwa dem Mondzyklus entsprechen. Die Summe ist jedoch gegenüber dem Sonnenjahr um ca. elf Tage zu kurz, der Neujahrstermin wandert also durch das gregorianische Jahr. Das Judentum legt ebenfalls ein Mondjahr zugrunde. Aber etwa alle drei Jahre wird ein dreizehnter Monat eingeschaltet, damit die Übereinstimmung mit dem Wechsel der Jahreszeiten erhalten bleibt. Neujahr liegt damit immer im September oder Oktober. > mehr

12.09.2017 - DEUTSCHE LITERATUR

"Husumerei", die sich zum Grossartigen steigert

Vor 200 Jahren wurde Theodor Storm geboren

„Ein Punkt nur ist es, kaum ein Schmerz“, heißt es in einem der letzten Gedichte von Theodor Storm. „Du sagst dir selber: Es ist nichts! Und dennoch will es dich nicht lassen.“ Sein Arzt hatte dem fast 70-jährigen Dichter sagen müssen, dass er an Magenkrebs litt. Storm verfiel in tiefe Depression, er befürchtete, mit der Novelle, an der er gerade arbeitete, dem „Schimmelreiter“, nicht mehr fertig zu werden. Da taten sich drei Ärzte aus seinem Freundeskreis zusammen und beschlossen, ihm eine neue „Diagnose“ zu stellen: Keine Rede von Krebs, die Magenbeschwerden seien harmlos. Storm ließ sich nur zu gern täuschen. Als er im folgenden Jahr, am 4. Juli 1888, verstarb, hatte er den „Schimmelreiter“ noch vollenden können. Vor zwei oder drei Generationen war Theodor Storm, der am 14. September seinen 200. Geburtstag feiern könnte. > mehr

07.09.2017 - MEDIENGESCHICHTE

Kurz gesagt und lang gedacht?

Kleine Formen, kurze Texte, von den Vorsokratikern bis zum Twittern

Ein Haiku umfasst genau 31 Silben, ein Limerick fünf Zeilen, eine SMS, „Short Message“, höchstens 160 Zeichen, ein Tweet höchstens 140. „Kurzformen“ nennen die Philologen dergleichen. In diesen Fällen ist die Quantität sogar in Zahlen gefasst, ansonsten bleibt der Begriff der Kürze eher fließend. Als „kurz“ empfinden wir Texte, die wir in einem einzigen Durchgang aufnehmen können, sozusagen ohne innerlich zwischendurch Atem holen zu müssen, also zum Beispiel Witze, Anekdoten, Rätsel, Aphorismen. „Etwas Kurz-Gesagtes kann die Frucht und Ernte von vielem Lang-Gedachten sein“, zitiert die Potsdamer Romanistin Patricia A. Gwozdz einen der großen Aphoristiker, Friedrich Nietzsche. „Kann“, wohlgemerkt, nicht „muss“. Als in den 1980er Jahren die SMS entwickelt wurde, orientierten sich die Urheber angeblich an dem Modell Postkarte. Aller Erfahrung nach genügten 160 – oder wie später beim Twittern 140 – Anschläge, um Kurzmitteilungen abzusetzen. > mehr

01.09.2017 - ZEITGESCHICHTE

Die westlichen Demokratien in der Zerreissprobe

Der Berliner Historiker Heinrich August Winkler legt eine Geschichte unserer Gegenwart vor

Uns ist nicht bange“, sagte Thomas Mann im Juni 1953 vor Hamburger Studenten, „dass die wirkende Zeit nicht ein geeintes Europa bringen wird mit einem wiedervereinigten Deutschland in seiner Mitte.“ Und dann folgte ein Satz, der seit 1989 in Deutschland zu den am meisten zitierten Worten des gesamten 20. Jahrhunderts gehört. Mann forderte die „deutsche Jugend“ auf, sich „nicht zu deinem deutschen Europa“ zu bekennen, sondern „zu einem europäischen Deutschland“. Der Name Thomas Mann kommt in dem neuen Buch des Berliner Historikers Heinrich August Winkler „Über die gegenwärtige Krise in Europa und Amerika“ nicht vor. Aber unvermeidlich steht im Hintergrund dieses Buches auch die Frage, inwieweit die deutsche Politik dieser Krise, die als solche ja unbestreitbar ist, nicht genügend entgegengewirkt, sie womöglich sogar mitverschuldet hat. Statt von „Europa“ spricht Winkler allerdings lieber vom „Westen“, also von jenem Teil Europas, der im Mittelalter von der römischen Kirche geprägt wurde und dann in der Neuzeit Reformation und Aufklärung durchlebte. > mehr



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