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19.01.2017 - DEUTSCHE LITERATUR

Wenn Regierung auf göttliche Eingebungen wartet

Vor 150 Jahren wurde der Schrifsteller Ludwig Thoma geboren

„Er war Jurist und auch sonst von mäßigem Verstand.“ Nein, es war nicht, wie oft zu lesen ist, der Journalist Kurt Tucholsky, der diesen etwas unfreundlichen Spruch prägte, es war der Schriftsteller Ludwig Thoma, selbst ausgebildeter Jurist und einige Jahre als Rechtsanwalt tätig. 1916 brachte er eine kleine Erzählung vom königlichen Landgerichtsrat Alois Eschenberger heraus. Mit unverhohlener Schadenfreude wird darin geschildert, wie dieser „gute Jurist“ sich durch seinen allzu gründlichen Formalismus selbst hereinlegt. Glücklich scheint Thoma mit seinem Rechtsanwaltsberuf in der Tat nicht geworden zu sein. Die Juristerei lief wohl auch einem Grundzug seines Charakters, seiner Aufmüpfigkeit, zuwider. Es wäre sicherlich verfehlt, wollte man das populärste seiner Werke, die „Lausbubengeschichten“ von 1905, als getreuen autobiographischen Bericht lesen. Aber ein wenig von einem Lausbuben war doch in ihm. > mehr

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15.01.2017 - KULTURGESCHICHTE

"Flower Power" - die Sprache der Blumen

Zwischen Vampirismus und Revolutions- oder Friedenssymbol

„Grimmig in fürchterlicher Stille auf der öden Heide thront der grausame Upas, der Hydrabaum des Todes“, dichtete 1791 Erasmus Darwin, der Großvater des Begründers der Evolutionslehre, in einem umfangreichen Poem über das Leben der Pflanzen. „Sehet! Aus einer einzigen Wurzel wachsen im von ihm vergifteten Boden tausend pflanzliche Schlangen […] Tausend Zungen, durchdrungen von schrecklichem Gift, schießen rasch vibrierend hervor, ergreifen den stolzen Adler, der sich über die Heide erhebt, oder stürzen sich auf den Löwen, der unter der Krone pirscht, oder verstreuen menschliche Skelette über die geweißte Steppe.“ Man möchte glauben, da wäre die Phantasie mit dem Dichter durchgegangen. Aber Erasmus Darwin, der eigentlich Arzt und Botaniker war, durfte annehmen, dass es einen solchen pflanzlichen Vampir wirklich gab. > mehr


10.01.2017 - SOZIALGESCHICHTE

Unterwäsche, Ungeziefer, Kriege und Krankheiten

Aspekte einer Sozialgeschichte des Alltags in der Neuzeit

In einer Stadt im Piemont, erzählt Giacomo Casanova in seinen Memoiren, habe er einmal das Theater besucht. Vor der Vorstellung sei er mit einem der Schauspieler ins Gespräch gekommen und habe geschwärmt, vielleicht werde er gleich Gelegenheit haben, von dessen berühmter Kollegin die Unterhose zu sehen. „Das wäre schwierig“, antwortete der Schauspieler, „sie trägt keine.“ Die Unterhose, stellt der bayerische Autor Manfred Vasold, der vor allem über medizinhistorische Fragen arbeitet, in seinem neuen Buch zur „Sozialgeschichte des Alltags in der Neuzeit“ fest, „war vor Beginn des 19. Jahrhunderts ein ziemlich ungewöhnliches Kleidungsstück“. > mehr


06.01.2017 - KUNSTGESCHICHTE

Die Wies und 99 weitere

100 schönste Kirchen in Oberbayern

Der Teufel, „wie jeder andere Preuße“, mache in Bayern gern Urlaub, hat der Münchner Autor Thomas Kernert einmal geschrieben. Und was macht der Teufel dort im Urlaub? Er besichtigt Kirchen, darf man vermuten, zumindest manchmal – dem Zauber der bayerischen Spätbarock- und Rokokokunst wird auch er nicht widerstehen können. Falls sein Urlaub gerade dem südlichsten der sieben bayerischen Regierungsbezirke gilt - vielleicht ist ihm bei der Auswahl seiner Ziele ja der Band behiflich, den den Münchner Kunsthistoriker Wilfried Rogasch jetzt herausgebracht hat: „Die 100 schönsten Kirchen in Oberbayern“. Wie sich versteht, ist die „Wallfahrtskirche zum gegeißelten Heiland auf der Wies“ unter den Drei-Sterne-Sehenswürdigkeiten, das einzige Bauwerk in Oberbayern, das zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. > mehr


02.01.2017 - PHILOSOPHIE

"Klarheit über das, was voll und schwer ist"

Von Einparkproblemen bis zum Monopoly-Spiel - wenn Alltag philosophisch wird

Was ist das eigentlich – eine „Krise“? Das altgriechische Verb „krinein“, belehren uns die Wörterbücher, wurde vor allem in juristischem Zusammenhang gebraucht, im Sinne von „urteilen“, einen Prozess entscheiden. Dahinter stand ursprünglich vielleicht eine sehr handfeste Vorstellung: „scheiden“ als „schneiden“, mit einer scharfen Klinge. Wir sagen ja heute noch, etwas stehe „auf des Messers Schneide“. „Krisengebiete“ hat der Verlag J. B. Metzler den ersten Band seines auf insgesamt vier Bände angelegten „Lexikons des philosophischen Alltags“ überschrieben. Fast 30 kurze Essays, von „Aggression“ bis „Zinsverbot“, von „Gerechter Krieg“ bis zu „Wachstum“. Als Herausgeber fungiert ein gewisser „Dr. B. Reiter“, freier Autor und „Spezialist für philosophische Aufklärung“, wie das Impressum erläutert. „In unserer Zeit mangelt es weniger an wissenschaftlichen Wahrheiten als vielmehr an einer philosophischen Auseinandersetzung mit dem an schwierigen Problemen und Fallstricken so reichen Alltag“, schreibt Reiter im Vorwort. > mehr


30.12.2016 - KALENDER

Wenn das Neue Jahr um die Erde herum wandert

Verwirrungen um die Datumsgrenze - von Magellan bis Dagobert Duck

Ob es 1873 eigentlich noch keine Kalender gab? Anders wäre kaum zu erklären, dass der Held von Jules Vernes‘ Roman „In 80 Tagen um die Welt“ während der gesamten Eisenbahnfahrt von San Francisco nach New York und dann auch auf der Reise mit dem Schiff nach Liverpool das „richtige“ Datum nicht mitbekommt. Erst in London, als er seine Wette bereits verloren gegeben hat, erfährt Phileas Fogg, dass er seine Reise um die Welt eben doch in den vorgesehenen 80 Tagen absolvieren konnte.Ein literarischer Taschenspielertrick. Indem der Held seine Uhr Tag für Tag kaum merklich dem Sonnenstand anpasst, lässt der Autor auch sein Publikum bis zum Schluss darüber im Unklaren, dass bei der Weltumrundung in Richtung Osten sozusagen ein Tag „eingespart“ wird. Verne konnte darauf setzen, dass bei den allermeisten seiner Leser der Groschen keinen Augenblick zu früh fallen würde. > mehr


27.12.2016 - PHILOSOPHIE

Unempfänglich für die Faszination der Utopien

Vor 2.400 Jahren wurde der Philosoph Aristoteles geboren

Cicero lobte den „goldenen Fluss der Rede“ in seinen Dialogen. Das ist aber auch schon alles, was wir von dem Schriftsteller Aristoteles wissen. Keine Zeile von dem, was er selbst veröffentlichte, ist erhalten geblieben. Bei dem, was wir heute lesen können, dürfte es sich in der Hauptsache um Manuskripte handeln, die er seinen Vorlesungen zugrunde legte. Als Schriftsteller steht der Philosoph Aristoteles, der vor 2.400 Jahren, 384 v. Chr. in Stageira auf der Halbinsel Chalkidiki geboren wurde, im Schatten seines Lehrers Platon. 384 v. Chr. - dann müsste der runde Geburtstag 2016 angefallen sein, möchte man meinen. Doch in unserer Zeitrechnung fehlt ein Jahr „Null“. Das Jubiläum steht also erst 2017 an – was manche nicht davon abgehalten hat, ein bisschen vorzeitig zu feiern. > mehr


23.12.2016 - RELIGIONSGESCHICHTE

Kaiser und König, Volkszählung und Stern am Himmel

Allerlei Versuche, das Geburtsjahr Jesu zu berechnen

Es ist einer der bekanntesten Sätze, die jemals geschrieben wurden, etwa durch Johann Sebastian Bachs „Weihnachtspassion“ klingt er auch jenen im Ohr, die christlichen Traditionen ansonsten entfremdet sind: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzet werde ...“ Mit der Nennung des Kaisers wollte der Verfasser des Lukasevangeliums die folgende Geschichte des Jesus von Nazaret fest in der Zeithistorie zu verankern. Sicherlich lag darin auch ein polemischer Unterton gegen die vielen Heroen der griechischen Mythologie, bei denen eine solche Zuordnung nicht möglich war. Der folgende Satz bekräftigt noch einmal, dass Jesu Geburt ein historisches, eben kein mythisches Ereignis war: Es „geschah zu der Zeit, als Quirinius Statthalter in Syrien war.“ > mehr


21.12.2016 - POLITISCHE KULTUR

Mobilisierung durch das Postfaktische

Das schwer fassbare Gespenst des Populismus

Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Populismus, möchte man den berühmten Satz aus dem „Kommunistischen Manifest“ abwandeln. Marx und Engels stellten damals fest, die Regierenden ihrer Zeit hätten es sich zur Gewohnheit gemacht, alle Oppositionsparteien als „kommunistisch“ zu verschreien. Heute steht es mit den Schimpfwörtern „Populismus“ und „populistisch“ ähnlich. „Populistisch“ sind immer die anderen, die politischen Gegner, vor allem dann, wenn sie gerade „populär“ sind, eben die Gunst des „Publikums“ genießen. Angeprangert wird vor allem eine Politik ohne Prinzipien, die Vernachlässigung ethischer und programmatischer Grundsätze zugunsten des Erfolgs beim Wähler, der sich – vielleicht – in Machtgewinn umsetzen lässt. > mehr

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