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24.06.2017 - KULTURGESCHICHTE

Fuer Arbeit habe ich keine Zeit

Der Dandy im Zeitalter von Massenkonsum und Massenmedien

Sagt der Name Eugen Gottlob Winkler heute noch jemandem etwas? In den 1930er Jahren schrieb er Prosa und Gedichte im Stil von Paul Valéry und Stefan George. Im November 1933 wurde er für einige Tage verhaftet, weil er in Verdacht geraten war, ein Plakat der NSDAP zur Reichstagswahl abgerissen zu haben. Nach der Haft unternahm er einen Suizidversuch, überlebte jedoch und verwandte dann das Geld, das eigentlich für den Druck seiner Dissertationsschrift bestimmt war, für eine Reise durch Italien. Als der 24-jährige am 23. Oktober 1936 bei einem nächtlichen Spaziergang durch den Münchner Vorort Bogenhausen von einem Gestapo-Beamten kontrolliert worden war, nahm er, in seine Pension zurückgekehrt, aus Angst vor neuer Verhaftung eine Überdosis Schlaftabletten. Zwei Tage später starb er in einem Schwabinger Krankenhaus. „Alles in allem hatte er etwas vom Dandy, dem vollkommen einsamen und ästhetischen Menschen im Sinn Baudelaires“, schrieb der Literaturkritiker Hans Egon Holthusen nach dem Zweiten Weltkrieg über Winkler. > mehr

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20.06.2017 - WISSENSCHAFTSGESCHICHTE

Jenseits des Brotstudiums

Vor 250 Jahren wurde Wilhelm von Humboldt geboren

„Es kann niemand unvorbereiteter in einen Posten kommen als ich in den meinen“, schrieb Wilhelm von Humboldt an einen zukünftigen Mitarbeiter, als er sich Anfang April 1809 auf den Weg nach Königsberg machte, um im preußischen Innenministerium die Sektion für Kultus und Unterricht zu übernehmen. Anscheinend wusste der 42-jährige Gelehrte und Diplomat selbst nicht so recht, wie Staatsminister Freiherr vom Stein und König Friedrich Wilhelm III. eigentlich auf die Idee gekommen waren, ausgerechnet er könnte der geeignete Mann für diesen Posten sein. Es wurde ein recht kurzes Gastspiel, kaum anderthalb Jahre nach seiner Ernennung reichte er dem König seinen Rücktritt ein. Doch in diese Zeit fiel ein Ereignis, das Geschichte machen sollte. > mehr


16.06.2017 - MITTELALTER

Ein Koenig als Papst in seinem Reich

Die Vernichtung des Templerordens unter Philipp dem Schoenen von Frankreich

Unendlicher Reichtum, dunkle Gerüchte um geheimnisvolle Rituale und Sexpraktiken, grausame Hinrichtungen – das Ende des Templerordens vor mehr als 700 Jahren hat alles, was die Phantasie in Bewegung setzt, noch heute. Immer wieder kommen neue Sensationsbücher auf den Markt, die nun endlich enthüllen wollen, was in diesem geistlichen Ritteroden wirklich vorgefallen sei und am Ende den Anlass zu ihrer Vernichtung gegeben haben soll. Und welche bemerkenswerten Erkenntnisse die Templer ihrer Zeit vielleicht voraus hatten, einschließlich alchemistischer Geheimnisse und der Entdeckung Amerikas. Und wo der sagenhafte Templerschatz geblieben sein könnte. Ein Lieblingssujet moderner Verschwörungstheoretiker. Unter diesen Phantasien ist das, was die Historiker zuverlässig sagen können, längst begraben. > mehr


12.06.2017 - KULTURGESCHCHTE

Als der Mund sich oeffnete

Eine Geschichte des Laechelns im 18. Jahrhundert

Eine junge Mutter wiegt ihre Tochter auf dem Schoß, dabei zeigt sie ein charmantes Lächeln, der Mund ist leicht geöffnet. Nach unseren heutigen Vorstellungen ist an dem Selbstportrait, das die Malerin Élisabeth-Louise Vigée Le Brun 1787 im Pariser Salon ausstellte, nichts Aufsehenerregendes, außer eben, dass es brillant gemalt ist. Aber damals erregte es Skandal. „Dass Madame Vigée Le Brun beim Lächeln ihre Zähne zeigt“, zitiert der Londoner Historiker Colin Jones einen Journalisten, „ist eine Affektiertheit, die Künstler, Kenner und Leute mit gutem Geschmack einhellig verurteilen.“ Der Kritiker berief sich auf eine Jahrtausende alte Tradition: Für eine solche Darstellung würde sich in der Antike, der vorbildlichen Epoche für den guten Geschmack, kein Beispiel finden. > mehr


08.06.2017 - PHILOSOPHIE

Als Zunge und Gehirn sich trennten

Die Entstehung von Philosophie und Rhetorik im antiken Griechenland

Wissen Sie, wer Isokrates war? Im 4. Jahrhundert v. Chr. betrieb er in Athen eine Rhetorikschule, die den Politikernachwuchs ausbildete. Für die heute so viel berühmtere Akademie des Platon muss sie eine ernsthafte Konkurrenz gewesen sein. Wenn Platon in seinen Dialogen gegen die ältere Generation der „Sophisten“ wie zum Beispiel Protagoras oder Gorgias polemisierte, dann meinte er unter seinen Zeitgenossen vor allem Isokrates. Das scheinbar so bescheidene Wort von den „Philosophen“, den „Weisheitsliebenden“, wurde zum Kampfbegriff gegen die sogenannten „Sophisten“. Ihnen - und im Grunde der Gesamtheit von Rednern und Politikern in Athen - sprach Platon die wahre Liebe zur „Weisheit“ rundweg ab. Im Gedächtnis der Nachwelt hatte Platon damit Erfolg. Die Sophisten gerieten in Verruf, außer in Gräzistenkreisen ist sogar der Name Isokrates heute wenig bekannt. Platon und sein Lehrer Sokrates dagegen gelten bis heute als Gründungsheroen der philosophischen Theorie und Praxis. > mehr


04.06.2017 - RELIGIONSGESCHICHTE

Ich werde meinen Geist ausgießen

Die Ursprünge des Pfingstfestes

„Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen“, beginnt Goethes Epos „Reineke Fuchs“, das er 1794 erstmals veröffentlichte. „Es grünten und blühten Feld und Wald“, „jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen, Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.“ Vom christlichen Ursprung des Festes ist mit keinem Wort die Rede. Als Goethe einige Jahre später seinen „Osterspaziergang“ für „Faust I“ schrieb, hielt er es anders. Auch hier geht es zunächst um den Frühling: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche Durch des Frühlings holden, belebenden Blick.“ Doch einige Verse später kommt der Dichter – oder vielmehr sein „Held“, eben Faust - auch auf den religiösen Anlass des Festes zu sprechen: „die Auferstehung des Herrn“. Es ist nicht zu leugnen: Verglichen mit Ostern oder Weihnachten hat das Pfingstfest auch für unsere Gegenwart keine große religiöse Bedeutung. Die Erfüllung der Apostel durch den Heiligen Geist – das ist, verglichen mit Tod und Auferstehung des Erlösers, ein sehr unanschaulicher Vorgang. > mehr


31.05.2017 - SOZIALGESCHICHTE

Reichtum, Armut und Geschmack

Soziale Ungleichheit in Europa seit 1900

Als der Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel 1951 aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrte, erlebte er eine Überraschung: Nach seinem Eindruck waren die „Klassenunterschiede“ in der Bundesrepublik „in stärkerem Maße ausgeglichen“, als er das aus anderen westlichen Ländern kannte. Eine Wirkung von NS-Diktatur und Weltkrieg? In der Tat, stellt der Sozialhistoriker Hartmut Kaelble in seiner neuen Studie über die Entwicklung sozialer Ungleichheit fest, hatten die nationalsozialistischen Parteiorganisationen mit ihrem „Führerprinzip“ nach Kräften daran gearbeitet, die alten „Netzwerke“ sowohl im Proletariat als auch in Adel und Bürgertum zurückzudrängen, wenn nicht zu eliminieren. > mehr


27.05.2017 - DEUTSCHE LITERATUR

500 Jahre protestantisches Pfarrhaus

Von Luther bis heute

Gottsched, Bodmer, Gellert, Lessing, Wieland, Schubart, Claudius, Lichtenberg, Bürger, Hölty, Lenz, Gotthelf, Jean Paul, die Brüder Schlegel – die Liste der deutschen oder deutschsprachigen Schriftsteller des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, die einem protestantischen Pfarrhaus entstammten, ist endlos. Würde man jene hinzuzählen, deren Väter protestantische Geistliche, wenngleich keine Pfarrer waren, kämen weitere hinzu, etwa Herder und Hölderlin. Die deutsche Literatur von der Aufklärung bis zur Romantik entstand großenteils als Werk von Pfarrerssöhnen, man darf vermuten: als Frucht der Bildung in protestantischen Pfarrhäusern. > mehr


23.05.2017 - KIRCHENGESCHICHTE

Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt

Eine Ausstellung in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim

„Ich flüstere Dir ins Ohr“, schrieb Martin Luther im März 1519 an den Beichtvater seines Kurfürsten, Georg Spalatin, „ich bin im Ungewissen, ob nicht der Papst der Antichrist in Person oder dessen Vorläufer ist.“ Es war anderthalb Jahre nach dem Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche. Allmählich wurde Luther bewusst, dass sein Vorstoß vielleicht doch ganz andere Folgen haben würde, als erwartet. Wenn sich die römische Kurie seinen Einwänden gegen den Ablass verschließen würde – konnte er dann noch umhin, die Autorität des Papsttums in Frage zu stellen? Das Schreckgespenst einer Spaltung der abendländischen Christenheit zog am Horizont auf. Pünktlich zum Reformationsjubiläum zeigen die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim jetzt eine große Ausstellung über diese Institution, der sich Luther gegenübersah. > mehr


22.05.2017 - ETHOLOGIE

Eine Trennlinie gerät ins Wanken

Wie Tiere denken und fühlen - oder was ist der Mensch?

Als die Verhaltensforscherin Jane Goodall sich 1962 zu einem Promotionsstudium an der University of Cambridge einschrieb, erzählt der Meeresbiologe Carl Safina in seinem neuen Buch über das Denken und Fühlen der Tiere, musste sie sich anhören, sie habe bei ihren vorangegangenen Studien mit Schimpansen alles falsch gemacht: „Wirklich alles. Ich hätte ihnen keine Namen geben dürfen. Ich hätte nicht über ihre Persönlichkeiten, ihre Seele, ihre Gefühle sprechen dürfen.“ Sind Schimpansen, Elefanten, Wölfe oder Wale „Persönlichkeiten“? Oder ist es eine unzulässige Übertragung menschlicher Kategorien, ein „Anthropomorphismus“, wenn wir ihnen Denken und Fühlen unterstellen? Safina hat eine 500 Seiten lange Streitschrift verfasst. > mehr

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