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22.05.2013 - GESCHICHTE

Wie die Thesen an der Wittenberger Schlosskirche

Vor 150 Jahren gründete Ferdinand Lassalle die erste Arbeiterpartei in Deutschland

Höher hätte Ferdinand Lassalle kaum greifen können. Sofern der deutsche Arbeiterstand „nicht bis zum Entsetzen träge und schläfrig“ sei, schrieb er im März des Jahres 1863 an seine Gönnerin, Sophie Gräfin von Hatzfeldt, dann müsse sein Manifest „ungefähr eine Wirkung hervorrufen wie die Thesen an der Wittenberger Schlosskirche“. Lassalle wollte eine Partei gründen, die erste Arbeiterpartei in Deutschland. Und er hatte keinen Zweifel, dass seine neue Partei sich in den Parlamenten bald durchsetzen müsste – erst recht dann, wenn einmal das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht durchgesetzt wäre. „Meine Herren, es gibt keine Macht, die sich dem lange widersetzen würde!“ appellierte er an den deutschen „Arbeiterstand“. Am 11. Februar 1863 hatte ein Komitee von Leipziger Arbeiterführern mehrere Nationalökonomen gebeten, ihre Meinung über die Strategie der Arbeiterbewegung darzulegen. Bereits am 1. März unterzeichnete Lassalle sein „Offenes Antwortschreiben“. Keine zwei Monate später, am 23. Mai 1863, vor 150 Jahren, wurde in Leipzig auf der Grundlage dieses Manifests der „Allgemeine Deutsche Arbeiterverein“ gegründet, die älteste unter den Vorläuferorganisationen der heutigen SPD. > mehr

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19.05.2013 - MUSIKGESCHICHTE

"Das Publikum wird herzlich gebeten, nach Schluss der 'Meistersinger' nicht zu singen"

Richard Wagner und die Deutschen - zum 200. Geburtstag

Fast 78 Jahre und kein bisschen weise ... Fünf Tage lang saß Winifred Wagner dem jungen Filmemacher Hans-Jürgen Syberberg gegenüber und redete und redete ... Vor allem über ihre Freundschaft mit „Wolf“ alias Adolf Hitler. „Wenn Hitler heute hier zur Tür hereinkäme, ich wäre genauso fröhlich und so glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben, als wie immer.“ Winifed beteuerte, sie sei ihr Leben lang völlig unpolitisch gewesen. „Ich bin im Stande, den Hitler, den ich kenne, vollkommen zu trennen von dem, was man heutzutage ihm alles zur Last legt.“ Bayreuth und die Politik ... Oder auch: Richard Wagner und die Deutschen ... Pünktlich zum 200. Geburtstag des Komponisten am 22. Mai hat der Historiker Sven Oliver Müller vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin einen Abriss dieser Beziehungsgeschichte heraus gebracht. > mehr

 

17.05.2013 - THEOLOGIE

"Diesen Jesus hat Gott auferweckt ..."

Vom Pfingstwunder zu den ersten Konzilien - die Entwicklung des christlichen Glaubensbekenntnisses

„Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dafür sind wir alle Zeugen.“ So lautet der zentrale Satz der Pfingstpredigt des Apostels Petrus; in den folgenden Kapiteln der Apostelgeschichte wird er oft wiederholt und variiert. Petrus und die Apostel vor dem jüdischen Hohen Rat: „Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr an das Holz gehängt und getötet habt, den hat Gott durch seine rechte Hand zum Fürsten und Heiland erhöht, um Israel Umkehr und Vergebung der Sünden zu gewähren.“ „Diesen Jesus hat Gott auferweckt ...“ Das ist bis heute das Zentrum des christlichen Glaubens. Die älteste uns überlieferte Fassung eines Glaubensbekenntnisses im Christentum findet sich im 1. Korintherbrief des Paulus, geschrieben in den 50er Jahren, also etwa vier Jahrzehnte vor der Apostelgeschichte. „Dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift, und dass er begraben worden ist, und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift ...“ Sehr früh kam der Brauch auf, bei der Taufe der neubekehrten Christen, ob nun Juden oder Heiden, eine Art „Glaubensbekenntnis“ zu sprechen. > mehr

 

10.05.2013 - BRAUCHTUM

Zwischen Friedenskampf und Floristikwirtschaft

Allerlei Muttertage und Vatertage, Männertage und Frauentage

In unserer modernen Zeit, sagen böse Zungen, hätten die Floristenverbände jene Funktion übernommen, die früher von den Kirchen ausgefüllt wurde: durch Feiertage das Jahr zu gliedern. Und es ist nicht ganz falsch, für den Blumenhandel gibt es erstens den Muttertag am 2. Sonntag im Mai, zweitens den Valentinstag am 14. Februar und drittens, viel weniger beachtlich, den Rest des Jahres. Beinahe könnte man auf den Gedanken verfallen, die Floristen hätten diese beiden Hochfeiertage neu erfunden; aber ganz so war es doch nicht. Valentin geht auf Bräuche in der englischen Aristokratie der frühen Neuzeit zurück; der Muttertag entsprang vor gut hundert Jahren einer zunächst ganz und gar privaten Initiative. Am 12. Mai 1907, dem Sonntag nach dem zweiten Todestag ihrer Mutter, veranstaltete die amerikanische Methodistin Anna Maria Jarvis ein „Memorial Mother’s Day Meeting“. Bald nach dieser Feier kam Anna Maria auf die Idee, einen „offiziellen“ Muttertag zu schaffen. > mehr

 

05.05.2013 - EXISTENZPHILOSOPHIE

Der Sprung ins Paradox des Glaubens

Vor 200 Jahren wurde der religiöse Schriftsteller Sören Kierkegaard geboren

„Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar.“ Es gibt wenige andere Stellen in der Bibel, die modernen Lesern – auch oder gerade gläubigen Christen – derart anstößig erscheinen wie die Geschichte von Abraham und Isaak. Immanuel Kant sah nur eine einzige Möglichkeit, diese Stelle so zu deuten, dass sie seinem Kategorischen Imperativ nicht stracks zuwiderlief. Abraham hätte der vermeintlich göttlichen Stimme antworten müssen: "Dass ich meinen guten Sohn nicht töten soll, ist ganz gewiss; dass aber du, der du mir erscheinst, Gott seiest, davon bin ich nicht gewiss und kann es auch nicht werden." Für den dänischen Denker Søren Kierkegaard dagegen war das Wort Gottes eindeutig und erlaubte keine moralisierenden Umdeutungen. Als Philosoph konnte er Kant nicht widersprechen: Was Gott verlangte, war Mord. Aber als „religiöser Schriftsteller“, wie er sich selbst bezeichnete, wollte Kierkegaard, der vor 200 Jahren, am 5. Mai 1813, in Kopenhagen geboren wurde, seine Zeit lehren, diesen Widerspruch auszuhalten. > mehr

 

01.05.2013 - LITERATURGESCHICHTE

"Als ob's der Tabernakel wär"

Zweieinhalbtausend Jahre Theologie der Märkte

Eine riesige Glocke senkt sich über die Stadt Springfield und eine Stimme von oben verkündet, in einer Stunde werde die Welt untergehen; man solle sich gut überlegen, was in der verbleibenden Frist zu tun sei. Panisch rennen die Leute aus der Bar in die benachbarte Kirche – und die Gottesdienstbesucher aus der Kirche in die Bar. Der „Simpsons“-Kinofilm von 2007 brachte die ökonomische Erwartungstheorie, die vor einem halben Jahrtausend der italienische Dominikanergelehrte Thomas Cajetan entwickelt hat, auf die Leinwand: Wenn Güter knapp zu werden drohen, dann setzt ein Run ein. Ist es bloß ein Simpsons-Gag, dass mit Erlösungshoffnungen für das Jenseits nach denselben Kriterien „gehandelt“ wird wie mit Gütern unserer irdischen Ökonomie? Keineswegs, antwortet der Mannheimer Germanist und Medienwissenschaftler Jochen Hörisch in seinem neuen Buch über die „Theologie der Märkte“. > mehr

 

23.04.2013 - PHILOSOPHIE

Als die Wahrheit erfunden wurde

Michel Foucaults erste Vorlesung am Collège de France ist als Buch erschienen

„Man müsste die Geschichte der Denksysteme unternehmen“, begründete der französische Philosoph Michel Foucault 1969 seine Kandidatur für einen Lehrstuhl am Collège de France. Foucault wurde gewählt; von 1970 bis zu seinem Tod 1984 stellte er dort seine aktuellen Forschungsprojekte vor. Von den meisten Vorlesungszyklen liegen Mitschnitte auf Cassettenrecorder vor. Nicht so aus dem Wintersemester 1970/71, Foucaults ersten Veranstaltungen am Collège. So hat es nach dem Tod des Dozenten noch fast drei Jahrzehnte gedauert, bis auf Grund der vorläufigen Manuskripte so etwas wie ein „Text“ dieser ersten Vorlesungsreihe erstellt werden konnte. > mehr

 

13.04.2013 - KULTURWISSENSCHAFTEN

Verstrickt in selbstgesponnene Bedeutungsgewebe

Kultur, Kulturphilosophie, Kulturwissenschaften - die Welt des freigestellten Menschen

Was ist das eigentlich – „Kultur“? Und was sind „Kulturwissenschaften“? Seit etwa zwei oder drei Jahrzehnten vollzieht sich in jenem Spektrum, das man früher „Geisteswissenschaften“ nannte, eine stille Revolution. 1956 noch hatte der englische Physiker C. P. Snow das Gegeneinander der „two cultures“ beklagt, der schöngeistigen Geisteswissenschaftler und Literaten einerseits, der Naturwissenschaftler und Techniker andererseits. 1985 dann stellte der Berliner Soziologe Wolf Lepenies fest, es habe sich inzwischen doch längst eine dritte wissenschaftliche „Kultur“ etabliert, die der Sozialwissenschaften. Inzwischen ist das Schlagwort „Kulturwissenschaften“ in aller Munde; viele mitteleuropäische Universitäten haben bereits Institute und Studiengänge mit diesem Titel eingerichtet. Ein Fach – oder vielmehr eine ganze Fächergruppe – im Wandel. Zusammen mit mehr als einem halben Hundert Kollegen hat der Philosoph Ralf Konersmann von der Universität Kiel jetzt ein „Handbuch der Kulturphilosophie“ vorgelegt. Und eine Forschergruppe um das Kulturwissenschaftliche Institut Essen hat einen Sammelband über „Schlüsselwerke der Kulturwissenschaften“ herausgebracht. > mehr

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Hier finden Sie - nach Fachgebieten aufgeschlüsselt - eine Liste unserer gesammelten Magazin-Artikel.

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kurz gemeldet

Neue Hinweise für eine Virus- Beteiligung bei Prostatakrebs glauben US-Forscher gefunden zu haben. Sie haben das Virus XMRV bei fast jedem dritten untersuchten Prostata-Krebspatienten gefunden. Sollte das Virus der Auslöser sein, könnte man eine Impfung entwickeln wie gegen Gebärmutterhalskrebs.

Im Dschungel von Papua-Neugui- nea entdeckten Wissenschaftler vom Smithsonian Nationalen Museum für Naturkunde in Washington ein Nagetier, das die Größe eines Dackels erreicht. Die Riesenratte misst gut 80 Zentimeter und wird anderthalb Kilogramm schwer.

Der Schwanz, den Geckos auf der Flucht vor Verfolgern abwerfen, kann noch bis zu einer halben Stunde lang tanzende Bewegungen vollführen und den Feind auf diese Weise ablenken, so Zoologen der Clemson University in South Carolina.

Auf Kuba wurden die fossilen Reste eines riesigen Krokodils gefunden, das vor 20 Millionen Jahren gelebt haben soll. Das zehn Meter lange Skelett wurde in der Provinz Sancti Spiritus entdeckt.

In einem erloschenen Vulkan auf· der Osterinsel entdeckten Forscher der Universität von Manchester einen Steinbruch. Aus dieser Quelle könnten auch die roten Hüte stammen, die viele der legendären Riesenfiguren tragen, vermuten die Wissenschaftler.

Der deutsche Bundestag hat alleim Zweiten Weltkrieg gegen "Kriegsverräter" ausgesprochenen Urteile mit den Stimmen aller Fraktionen aufgehoben. Die Anlässe für diese Urteile reichten von politischem Widerstand und der Hilfe für verfolgte Juden über kritische Äußerungen über·Krieg und Nazis·bis hin zu Schwarzmarktgeschäften.

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03.08.2009 - MATHEMATIK
Mit am Start bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin

 "Mathematik zählt, weil...du damit fast alles erklären kannst, vielleicht sogar deine gute Note in Sport", meint Mathematik-Professor Matthias Ludwig, Autor des Buches "Mathematik und Sport" und Mathemacher des Monats August der Deutschen Mathematiker Vereinigung. > mehr

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17.07.2009 - ANTHROPOLOGIE

EVIDENCE
how do we know what we know?

"Evidence" ist eine Web- Ausstellung des Museums Exploratorium in San Francisco. Anhand einer Fallstudie wird erklärt, wie Wissenschaft funktioniert. Hierbei steht die Arbeit des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie zur Erforschung der menschlichen Ursprünge im Mittelpunkt. > mehr


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