Dossier
Rund um den Karneval

 

Nun schweigt eine Weile und redet nicht viel ...
Das Fastnachtsspiel - ein Blick auf die deutsche Volkskultur des 15. und 16. Jahrhunderts

Fastnacht in einer deutschen Stadt, vielleicht in Nürnberg, irgendwann um 1500. In einer Kneipe wird ausgelassen gefeiert. Da öffnet sich plötzlich die Tür, ein paar junge Leute stürmen in die Stube; einer von ihnen begrüßt den Wirt und die Gäste, etwa so: "Nun schweigt eine Weile und redet nicht viel und hört, was ich euch sagen will! Hier werdet ihr hören ein Fastnachtsspiel." Und schon geht es los. Eine Viertel-, vielleicht auch eine halbe Stunde lang wird eine lustige Geschichte aufgeführt ... > mehr




Esel und Dämonen, Harlekine und Flecklenarren
Zur Kulturgeschichte der Maske


Es ist ein beliebter Effekt auf dem Theater und im Film: Einer der Schauspieler zieht sich seine Maske vom Gesicht und ist plötzlich ein anderer, als er vorher zu sein schien. „Die Maske weicht, es bleibt der Mensch“, um es mit einem Vers des französischen Schriftstellers Jean-Jacques Rousseau zu sagen. Aber kann sich der Zuschauer da so ganz sicher sein? Der Vorgang könnte sich wiederholen ... Wann kommt hinter den vielen „personae“ – das lateinische Wort bezeichnete ursprünglich die Masken auf dem Theater – die authentische „Person“ zum Vorschein? Zum Karneval ein Blick auf die Kulturgeschichte der Maske. > mehr




Narrengerichte und Nubbelverbrennungen
Karnevalistische Gerichtsbarkeiten zwischen Stockach und Köln


Es soll am 15. November 1315 gewesen sein, vor 700 Jahren. Herzog Leopold von Österreich war mit seinem Ritterheer zu einer „Strafexpedition“ gegen die Bauern von Schwyz ausgerückt. Anlass waren Übergriffe der Bauern gegen die Rechte des Klosters Einsiedeln, das unter dem Schutz der Habsburger stand; doch im Grunde ging es um die Kontrolle über die Gebiete am Gotthardpass. Mit Widerstand rechnete Leopold offenbar nicht. Aber gemeinsam mit den Adligen der Region brachten die kampferprobten Schweizer Bauern den österreichischen Rittern bei dem Ort Morgarten eine empfindliche Niederlage bei. Die Confoederatio Helvetica heute sieht in der Schlacht von Morgarten eines ihrer Gründungsdaten. Aber auch eine der wichtigsten Institutionen der Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht, das „Hohe Grobgünstige Narrengericht“ zu Stockach, führt ihre Existenz auf diesen Feldzug zurück. Als sich Herzog Leopold mit seinen Ratgebern über den Plan besprach, soll ihm der Hofnarr Hans Kuony von Stocken dringend abgeraten haben: „Ihr wisst wohl, wie Ihr nach Schwyz hineinkommt, aber nicht, wie wieder raus.“ > mehr




Winteraustreibung und Scheibenschlagen, Todaustragen und Funkenfeuer
Frühlingsbräuche im Umkreis des Karnevals


Am 1. Fastensonntag, dem sogenannten „Funken-“ oder „Hutzelsonntag“, werden auf den Bergen im schwäbisch-alemannischen Raum, in Tirol und in Graubünden, aber auch in Thüringen, Hessen und in der Eifel Holztürme oder große Strohhaufen entzündet; vom Oberrhein bis nach Tirol und Graubünden ist es außerdem Brauch, glühende Holzscheiben mit Hilfe von Stecken von den Berghängen ins Tag zu schleudern. Ein Karnevalstreiben, wenn Aschermittwoch doch gerade erst vorbei ist? Anders als der Ausbruch von Sinnenfreude vor der Fastenzeit hatten diese Frühlingsbräuche mit dem Kirchenjahr zunächst gar nichts zu tun; nur im Datum knüpften sich das Funkenfeuer und das „Scheibenschlagen“ an den christlichen Festkalender an > mehr



Mit "Narri-Narro" und "Hu-Hu-Hu"
Bräuche und Figuren der schwäbisch-alemannischen Fastnacht

Eine furchterregende Maske, Jacke und Rock, die an alte Bauerntrachten erinnern, darunter weiße Wäsche, Ringelsocken und Strohschuhe und natürlich den Besen in der Hand – die Hexen beherrschen heute das Bild der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Eine Erinnerung an die Hexenverfolgungen? Da bringen Brauchtumsforscher ihre Zweifel an. In Schwaben ist vor dem 19. Jahrhundert an keinem einzigen Ort eine „Fastnachtshexe“ belegt. Als fester Typus mit den heute üblichen Holzmasken kamen die Hexen erst in den 1930er Jahren auf, und zwar in der Ortenau, genauer: in Offenburg und in Gengenbach. Die schwäbisch-alemannische Fastnachtshexe hat wohl doch mehr mit der Lektüre von Grimms Märchen zu tun als mit den Hexenverfolgungen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit ...Auch die Fastnacht im südwestdeutschen und Schweizer Raum, scheinbar ein Inbegriff authentischer Traditionspflege, bleibt von kulturellem Wandel eben nicht verschont. Was wir heute vom Schwarzwald bis zum Bodensee, von der Schwäbischen Alb bis in die Schweiz als Fastnacht erleben, reicht in vielen Fällen gerade mal ein Jahrhundert zurück. > mehr




"Hinterdrein kommen wie die alte Fastnacht"
In Basel beginnt das närrische Treiben erst am Montag nach Aschermittwoch

„Hinterdrein kommen wie die alte Fastnacht“ lautet im Schwäbischen eine gebräuchliche Redensart. Tatsächlich, in manchen Gegenden wird statt der anderen, der sozusagen „richtigen“ Fastnacht eine „alte“ gefeiert. Sie kommt einige Tage später, sozusagen „hinterdrein“. Der berühmteste Fall ist die Basler Fasnacht, die – jedes Jahr wieder zur Verwirrung eines weltweiten Publikums an den Fernsehschirmen – am Montag nach Aschermittwoch beginnt. „Fasnacht“ in Basel übrigens ohne „t“; darauf legen traditionsbewusste Basler Wert. > mehr




Winteraustreibung und Scheibenschlagen, Todaustragen und Funkenfeuer
Frühlingsbräuche im Umkreis des Karnevals


Am 1. Fastensonntag, dem sogenannten „Funken-“ oder „Hutzelsonntag“, werden auf den Bergen im schwäbisch-alemannischen Raum, in Tirol und in Graubünden, aber auch in Thüringen, Hessen und in der Eifel Holztürme oder große Strohhaufen entzündet; vom Oberrhein bis nach Tirol und Graubünden ist es außerdem Brauch, glühende Holzscheiben mit Hilfe von Stecken von den Berghängen ins Tag zu schleudern. Ein Karnevalstreiben, wenn Aschermittwoch doch gerade erst vorbei ist? Anders als der Ausbruch von Sinnenfreude vor der Fastenzeit hatten diese Frühlingsbräuche mit dem Kirchenjahr zunächst gar nichts zu tun; nur im Datum knüpften sich das Funkenfeuer und das „Scheibenschlagen“ an den christlichen Festkalender an > mehr



Millionen im Samba-Rhythmus
Karneval in Rio de Janeiro - das größte Spektakel der Welt


Mehr als eine Million Menschen sind jedes Jahr beim Rosenmontagszug in Köln dabei. Das bricht in Mitteleuropa jeden Rekord, im Weltmaßstab aber keineswegs; beim Karneval in Rio de Janeiro stürzen sich Jahr für Jahr etwa 2,5 Millionen in den kollektiven Taumel. Und das ist nicht einmal der einzige Fall, dass der brasilianische Karneval den am Rhein in den Schatten stellt: In Salvador de Bahía sollen es jeweils 1,5 Millionen sein.Ein Fest der Superlative. Und ein Höhepunkt des brasilianischen Nationalbewusstseins, allenfalls vergleichbar mit einem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft. Kein Wunder, dass der Stararchitekt Oscar Niemeyer, der um 1960 die Pläne für die neue Hauptstadt Brasilia entworfen hatte, 1984 auch das "Sambódromo" im Stadtteil Estácio der "alten" Metropole Rio de Janeiro bauen durfte. Dieser Veranstaltungsort für die Samba-Wettbewerbe bietet fast 89.000 Zuschauern Platz. > mehr




Karneval, Kurtisanen, Keuschheitsgürtel
Venedig als Zentrum der europäischen Gesellschaft im 18. Jahrhundert 

18. Jahrhundert. Politisch war Venedigs große Zeit vorbei. Die Republik des heiligen Markus hatte ihre letzten Besitzungen im Orient an die Türken verloren. Und auch wirtschaftlich war die Stadt ins Abseits geraten. Die großen Handelswege führten nicht mehr durchs Mittelmeer, sondern über die Weltmeere. Aber "Venedig ist der Ort in der Welt, wo die Vergnügungen am raffiniertesten sind", vermerkte 1686 ein Engländer. Kurzum: die Stadt galt als Kompensation für den "puritanischen" Lebensstil, der sich im protestantischen wie auch im katholischen Europa ausgebreitet hatte. > mehr




Eine Lizenz zu Narrheit und Ausschweifung
Der Karneval im Streit der Weltanschauungen

"Trinken, lärmen, scherzen und Würfel spielen, Festkönige wählen, die Sklaven bewirten, nackt singen und mit Ruß bestrichen in einen kalten Brunnen getaucht werden“: So beschrieb der griechische Satiriker Lukian im 2. Jahrhundert nach Christus seine Erlebnisse in Rom beim Fest zu Ehren des Gottes Saturn. Eine durchaus realistische Schilderung. Die Festleiter, bestätigt Lukians römischer Kollege Martial, forderten die Teilnehmer dazu auf, dem Wein kräftig zuzusprechen und nackt ein Lied anzustimmen oder leicht bekleidete Flötenspielerinnen durchs Haus zu tragen und anschließend in einen Wasserbottich zu werfen.  > mehr




Esel in der Kirche, Narrenspiele am Altar
Ein Blick in den mittelalterlichen Festkalender

1. Januar, das Fest der Beschneidung Christi ... Im Mittelalter war zu unserem Jahreswechsel aber noch ein anderes Fest üblich. Oder, der Termin schwankte von Ort zu Ort und von Region zu Region, gleich in den ersten Tagen nach Weihnachten oder auch erst am 6. Januar. Die Geistlichen setzten sich zum Gottesdienst Masken auf, tanzten als Frauen oder Musikanten oder Tiere verkleidet im Chorgestühl herum, spielten im Kirchenschiff Ball und auf dem Altar mit Würfeln und Karten; man sang unzüchtige Lieder und verspeiste Würste, anstelle von Weihrauch wurden Exkremente und Schuhsohlen verbrannt. Statt des Priesters amtierte ein "Narrenbischof" oder "Narrenpapst", der aus dem Kreis der Nachwuchskleriker erwählt worden war. Die anderen, heißt es in einem Bericht, "erwiesen ihm, so gut sie konnten, die Anerkennungen und Ehrerbietungen, die ein wirklicher Bischof verdient". > mehr




In Narrenkleid und Schellenbehang
Weise Narren und rechte Toren - von Äsop bis Woody Allen

"Nirgendwo ist ein Professioneller besser versteckt als unter Amateuren", heißt es in Heinrich Bölls "Ansichten eines Clowns". Zum Beispiel ein Künstler-Clown im närrischen Karnevalstreiben. Am Ende des Romans, den Böll 1963 veröffentlichte, sitzt der "Held", gescheiterter Widerpart einer nivellierten Welt, auf den Stufen des Kölner Hauptbahnhofs und hofft, dass ihm Mitleidige unter den Feiernden Münzen in seinen Hut werfen. > mehr




Wenn's Elf schlägt
Rund um eine Schnapszahl

Jetzt jeht et loss, jetzt jeht et loss ... Nicht nur Karnevalsjecken wissen, dass sich dieses "Jetzt" präzise datieren lässt: Am 11. 11., Punkt 11 Uhr 11 "jeht et loss". Und natürlich ist der Tag mit der doppelten Schnapszahl auch sonst heiß begehrt, vor allem für Trauungen, weltliche oder kirchliche. In diesem Jahr wird der Andrang besonders groß sein: Die Schnapszahl kommt gleich dreimal vor, dieses Datum wird man nie mehr vergessen. > mehr