Dossier:
Kirche und Papsttum

 

Ein Papst mit dem richtigen Todesdatum
Allerlei Legenden - und die spektakulärste Fälschung der Weltgeschichte

Auch so kann man seinem Namen die Unsterblichkeit sichern: indem man sich den richtigen Tag zu sterben aussucht. Der
dreiundreißigste Bischof von Rom verstarb am 31. Dezember 335. Bald wurde er als Heiliger verehrt, sein Name in den Kirchenkalender aufgenommen. Folge: Der letzte Tag des Jahres ist heute in aller Welt als "Silvester" bekannt. Zum Jahreswechsel allerlei von einem Papst, der weniger durch seine Taten in die Gechichte eingegangen ist als durch die Legenden, die sich an seinen Namen geheftet haben, darunter eine Urkundenfälschung, die Jahrhunderte lang Geschichte gemacht hat. > mehr


    
Stellvertreter Christi oder Antichrist
Eine Ausstellung in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim


„Ich flüstere Dir ins Ohr“, schrieb Martin Luther im März 1519 an den Beichtvater seines Kurfürsten, Georg Spalatin, „ich bin im Ungewissen, ob nicht der Papst der Antichrist in Person oder dessen Vorläufer ist.“ Es war anderthalb Jahre nach dem Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche. Allmählich wurde Luther bewusst, dass sein Vorstoß vielleicht doch ganz andere Folgen haben würde, als erwartet. Wenn sich die römische Kurie seinen Einwänden gegen den Ablass verschließen würde – konnte er dann noch umhin, die Autorität des Papsttums in Frage zu stellen? Das Schreckgespenst einer Spaltung der abendländischen Christenheit zog am Horizont auf. Pünktlich zum Reformationsjubiläum zeigen die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim jetzt eine große Ausstellung über diese Institution, der sich Luther gegenübersah > mehr



Weltereignis in einer Kleinstadt
Eine Ausstellung zum Konstanzer Konzil vor 600 Jahre
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Honoré de Balzac machte sie zur Hauptfigur einer Erzählung, Lovis Corinth bannte sie auf die Leinwand, der Komponist Franco Alfano stellte sie auf die Opernbühne. Seit 1993 steht die "schöne Imperia", die "Geliebte von Kardinälen, Würdenträgern, Fürsten und Markgrafen", wie Balzac sie nannte, sogar als neun Meter hohe Statue des Bildhauers Peter Lenk am Hafen von Konstanz. Dass eine Kurtisane dieses Namens im Konstanz des frühen 15. Jahrhunderts gar nicht belegt ist - was tut's. Im Gedächtnis der Nachwelt prägt sie das Bild des XVI. Ökumenischen Konzils, das am 5. Oktober 1414, vor beinahe 600 Jahren, in der Stadt am Bodensee eröffnet wurde. Vier Jahre lang war Konstanz mit diesem Konzil ein Zentrum der europäischen Politik. Im Vorfeld des Jubiläums zeigt das Badische Landesmuseum Karlsruhe vom 27. April 2014 an in Konstanz im sogenannten "Konzilsgebäude" eine große Ausstellung "Das Konstanzer Konzil 1414 bis 1418. Weltereignis des Mittelalters".  > mehr



Heiligkeit auf dem Stuhle Petri
Vor Johannes XXIII. und Johannes Paul II. wurden 79 Päpste und ein Gegenpapst zur Ehre der Altäre erhoben


Wissen Sie, wer Liberius war? Von 352 bis 366 amtierte er als Bischof von Rom. Im Streit um die Göttlichkeit Christi, der damals die Christenheit zerriss, zeigte er sich unter dem Druck von Kaiser Constantius II. zu Zugeständnissen an die arianische "Ketzerei" bereit. Das wird der Grund gewesen sein, dass die Römer ihm nach seinem Tod kein sonderlich ehrendes Angedenken bewahrten. Im Unterschied zu allen seinen fünfundreißig Vorgängern wurde er nicht als Heiliger verehrt. Und ausgerechnet durch diesen Umstand ging Liberius in die Kirchengeschichte ein. In den folgenden Jahrhunderten wurde es immer seltener, dass die Nachwelt einem Papst  die "Ehre der Altäre" zu Teil werden ließ. Von den zweihundertdreißig Päpsten, die Liberius bis heute gefolgt sind, wurden "bloß" vierundvierzig heilig gesprochen, weniger als ein Fünftel. Vor allem für Päpste seit dem 6. Jahrhundert war eine Heiligsprechung eher die Ausnahme als die Regel. > mehr



Zwei Päpste zugleich
Amtsverzichte und Absetzungen - ein Blick in die Kirchengeschichte

„Che fece per viltade il gran rifiuto“, „der feig den großen Auftrag von sich wies“: Nein, das braucht Papst Benedikt XVI. sicherlich nicht zu befürchten, dass ihn demnächst ein großer Dichter mit solch harschen Worten für die Ewigkeit brandmarken will. Der Vers stammt von Dante Alighieri; am Eingang seiner Hölle sitzt Coelestin V., der bislang einzige Papst, der aus freien Stücken vom Petrusamt zurücktrat. Am 5. Juli 1294 war der Benediktinermönch Pietro del Murrone zum Papst gewählt worden. Die römischen Adelsfamilien der Orsini und der Colonna hatten sich zwei Jahre lang nicht einigen können. Schließlich wurde Pietro, der bereits über 80 Jahre zählte und längst im Ruf der Heiligkeit stand, auf Vorschlag König Karls II. von Neapel als Kompromisskandidat gerufen; er nannte sich Coelestin V. Sein Pontifikat währte kein halbes Jahr. Bereits am 13. Dezember resignierte Coelestin - der einzige Fall eines Rücktritts vom Papstthron vor Benedikt XVI. > mehr




"Aggiornamento" - die katholische Kirche suchte ihren Weg in die Moderne
Vor 50 Jahren eröffnete Johannes XXIII. das II. Vatikanum

Mein lieber Freund, glaubst du wirklich, die Menschen seien zu irgendetwas Gutem in der Welt fähig? Das einzige, was diese Menschheit dringend benötigt, ist die Inquisition!“ Der Satz soll tatsächlich gesprochen worden sein. Er stammt von dem Professor für Kirchengeschichte am Seminarium Romanum, Umberto Benigni. Und Benigni saß im Zentrum kirchlicher Autorität. 1906 wurde er zum Unterstaatssekretär im Vatikan berufen und gründete eine Art Geheimdienst, das „Sodalitium Pianum“, das mit Denunziationen und Pressekampagnen gegen Abweichler vorging. 1910 wurde die Abwehr der Moderne kirchenamtlich im „Antimodernisteneid“ formalisiert: Alle Anwärter für das Priesteramt mussten beschwören, der Glaube bedeute „die wahrhafte Zustimmung unseres Verstandes zu einer Wahrheit“.Am 11. Oktober 1962, vor 50 Jahren, machte sich das II. Vatikanische Konzil daran, einiges an der katholischen Wahrheit neu zu formulieren.  > mehr




Die Deutschen und der Papst
Die Stellvertreter Christi nördlich der Alpen - und Mitteleuropäer auf dem Stuhle Petr

"Wir sind Papst!" titelte vor Monaten eine Boulevardzeitung. Reichlich komisch, wenn man sich vergegenwärtigt, dass mit der Reformation vor fast 500 Jahren ein großer Teil Deutschlands alles getan hat, um nicht Papst werden zu können ... Martin Luther pflegte den Bischof von Rom schlankweg als "Antichristen" und "Apostel des Teufels" zu beschimpfen. Wir bleiben sachlich und blicken anlässlich des Besuchs von Benedikt XVI. in Köln zurück auf die Tradition päpstlicher Reisen in Mitteleuropa sowie auf Mitteleuropäer, die vor Benedikt auf dem Stuhl Petri gesessen haben. > mehr





Als Rom an der Rhone lag
Vor 700 Jahren begann die "babylonische Gefangenschaft" der Kirche in Avignon

Will man dem Dichter Petrarca glauben, war der päpstliche Hof zu Avignon im 14. Jahrhundert ein Pfuhl der Sittenlosigkeit. "Diese Stadt ist eine Abfallgrube, in der sich aller Unrat der Welt sammelt. Man verachtet Gott und betet statt dessen das Geld an." In der offiziellen Geschichtsschreibung des Vatikans rangiert die Avignoneser Zeit der Päpste, die am 9. März 1309 mit dem Einzug von Clemens V. in die Rhonestadt begann, bis heute als eine "babylonische Gefangenschaft" der Kirche. Andererseits wurden in Avignon die Grundlagen für das Verwaltungs- und Finanzsystem gelegt, vom dem die katholische Kirche bis heute lebt. > mehr




Vor 700 Jahren wurde der Templerorden aufgelöst
... aber in zahllosen Verschwörungstheorien lebt er fort

Was wäre die Geschichte ohne Anekdoten, ohne jene Histörchen, die zwar völlig unhistorisch sind, aber das, was wirklich geschehen ist, wie in einem Brennglas bündeln? Als in der Französischen Revolution, wird kolportiert, die Guillotine an König Ludwig XVI. ihr Werk vollbracht hatte, sei einer der Zuschauer aufs Podest gesprungen, habe das abgeschlagene Haupt ergriffen und es empor gehalten: "Nun, Jacques de Molay, bist du gerächt!" Jacques de Molay, der letzte Großmester des Templerordens ... Vor 700 Jahren legte Papst Clemens V. dem konzil in Vienne das Dokument zur Auflörung des Ordens vor; der Hintergrund: König Philipp der Schöne wollte sich die Reichtümer des Ordens aneignen, um einen Staatsbankrott zu vermeiden. > mehr




Eine Insel der Wahrheit im Meere des Irrtums
Vor 100 Jahren führte die katholische Kirche den Antimodernisteneid ein


Am 1. September 1910 verkündete Papst Pius X., von allen Klerikern der katholischen Kirche sei nunmehr ein Eid zu verlangen: "Ich nehme an alles und jedes Einzelne, was vom irrtumslosen Lehramt der Kirche bestimmt, aufgestellt und erklärt ist, besonders die Hauptstücke ihrer Lehre, die unmittelbar den Irrtümern der Gegenwart entgegen sind." "Modernismus", das war der Inbegriff aller Phänomene des modernen Denkens, die – zu Recht oder zu Unrecht – als Bedrohung des Glaubens wahrgenommen wurden: von der kritisch-historischen Bibelwissenschaft über die zeitgenössische Philosophie bis zum weltanschaulichen Pluralismus. > mehr