Dossier
Die Welt des Islams

 

Kontext einer heiligen Schrift
Zum religiösen und kulturellen Umfeld des Islams


Der Islam sei keine eigenständige Religion, sondern bloß eine ketzerische Abart des Christentums, so haben es Jahrhunderte lang christliche Dogmatiker gelehrt. Für gläubige Muslime ist die Antwort auf solche Polemiken einfach: Der Koran enthält das Wort Gottes, die Frage nach „Einflüssen“ stellt sich nicht. Eigentlich nicht: Da Mohammed seine Offenbarung als Wiederherstellung der Religion des Urvaters Abraham verstand, ist der Text des Korans dennoch voll von Anspielungen auf das Alte und das Neue Testament. Ein Forscherteam um die Islamwissenschaftler der Universität Göttingen hat sich der Frage angenommen, wie jüdische und christliche Stoffe in den Koran gelangt sein könnten. > mehr


Die verfolgte Familie des Propheten
Die Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten im Islam


Gleich nach dem Tod des Propheten Mohammed 632 kam es zum Streit in seiner Gemeinde. Sowohl sein Schwiegervater Abu Bakr als auch sein Schwiegersohn Ali beanspruchten die Nachfolge. Abu Bakr setzte sich durch; auch bei der zweiten und der dritten Wahl eines Kalifen hatte Ali das Nachsehen. Erst als 656 ein vierter Kalif gewählt werden musste, wurde Alis Anspruch wenigstens in einem Großteil der islamischen Gemeinde anerkannt. Sein Glück hielt nicht lange: 661 wurde er ermordet. Seine Anhänger wurden als die „Partei Alis“ bezeichnet, arabisch „schiat Ali“; daher heißt die zweitgrößte Konfession des Islams, ca. 15 Prozent, bis heute „Schiiten“. Gut möglich, dass diese Spaltung der islamischen Gemeinde längst Vergangenheit wäre, wenn nicht Husain, der jüngere Prophetenenkel, 680 doch den Kampf um das Kalifenamt gegen die herrschende Umayyadendynastie aufgenommen hätte. > mehr


Ganz normale Muslime - und das Misstrauen der Alteingesessenen
Europäischer Islam, zwischen Politik und Alltag

Das Buch sei aus einer Studie über die „ganz normalen Muslime“ hervorgegangen, schreibt die Autorin, die türkische Soziologin Nilüfer Göle, die an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris lehrt, im letzten Absatz. „Feldforschung“ zur „Alltagswirklichkeit“ also: „Mit seinen Berichten taucht das Buch in die Welt der einfachen Leute ein.“ Und dieser Alltag von einigen Millionen Muslimen in Europa ist sicherlich genauso unspektakulär wie der von einigen hundert Millionen Nicht-Muslimen auch. Aber unvermeidlich handelt Göles Buch dann eben doch von den Irritationen, die es da immer wieder gibt. 2004 beschloss das französische Parlament ein Verbot aller religiösen Symbole im Schulunterricht. Selbstverständlich war das Gesetz gegenüber allen Religionen neutral formuliert; doch im Ergebnis, schreibt Göle, diente es dazu, „die Präsenz des Islams in der Öffentlichkeit einzuschränken“. > mehr




Ängste vor kultureller Entfremdung, Ängste um das christliche Abendland
Bestandsaufnahme zum Thema "Der Islam in Deutschland"


„Die Zahl der in Deutschland wohnenden Muslime wird mit 3,8 bis 4,3 Millionen Menschen berechnet“, schreibt der Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe von der Universität Erlangen-Nürnberg in seinem neu erschienenen Buch „Der Islam in Deutschland – eine Bestandsaufnahme“. Zahlen, die nach den Ereignissen des Jahres 2015 längst überholt sind, durch die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika haben sie sich, wie Rohe gleich im nächsten Satz feststellt, „sehr deutlich vergrößert“. Wie viele es zur Zeit sind, weiß niemand so genau. Aber es geht Rohe, der 2009 mit einem dickleibigen Buch zum islamischen Recht hervorgetreten ist, ja auch nicht um Zahlen, eher um Einstellungen – der Muslime in Deutschland einerseits, der nicht-muslimischen, also vor allem christlich und säkular geprägten Mehrheit zu dieser Minderheit andererseits, und zwar in der Hauptsache zu der Frage, wie wir alle miteinander zusammenleben wollen. > mehr



Abrahams Opfer und der Sündenbock
In diesem Jahr fallen die höchsten Feiertage von Judentum und Islam wieder zusammen


Die beiden Festkalender machen es möglich: Regelmäßig kommt es vor, dass die höchsten Feste der beiden Weltreligionen Judentum und Islam auf ein und denselben Tag fallen, so war es 2014, so ist es dieses Jahr wieder, nämlich am 23. September, das nächste Mal dann aber erst in 33 Jahren. Der Grund: Zwar basieren beide Termine auf einem Mondkalender mit zwölf Monaten; aber das jüdische Mondjahr wird immer wieder durch Schaltmonate an das Sonnenjahr angeglichen, das Versöhnungsfest Jom Kippur liegt deshalb immer im September oder Oktober. Einen solchen Ausgleich hat das islamische Mondjahr nicht, es ist jedes Mal elf Tage kürzer als unser Sonnenjahr; deshalb „wandert“ das Opferfest sozusagen durch die Jahreszeiten, dreimal in einem Jahrhundert. > mehr




Muslim-Sein im säkularen Staat
oder Euro-Islam gegen Scharia-Islam


Ein Großteil aller Deutschen, ergaben in den letzten Jahren die Umfragen immer wieder, steht dem Islam mit Unbehagen gegenüber; was Ex-Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel gern gesagt haben und sagen - „Der Islam gehört zu Deutschland“ - wird ihnen von vielen Bürgern nicht so ohne weiteres abgenommen. 1991 brachte der Göttinger Politikwissenschaftler Bassam Tibi, gebürtiger Syrer und selbst Muslim, das Stichwort „Euro-Islam“ auf. Tibis Forderung an seine Glaubensgenossen: die hergebrachten Denkschemata von Dschihad und Scharia aufzugeben und die Trennung von Religion und Staat in den westlichen Staaten vorbehaltlos zu akzeptieren. Sonst, warnte Tibi, müsste der islamischen Gemeinde die Ghettoisierung drohen – und der Mehrheitsgesellschaft ein ungeheures Gewaltpotential. > mehr




Von Aishas Spielzeug bis zur Barbie-Puppe
Bilderfeindschaft und Bilderrechtfertigung im Islam

Bilderverbot im Islam? Man braucht nicht einmal in islamische Länder zu reisen, die Fernsehreportagen beweisen es zur Genüge: Die Straßen dort sind ebenso voll von Kino- und Werbeplakaten wie bei uns. Andererseits finden sich in der theologischen Literatur tatsächlich eine Menge Vorbehalte gegen gegen Bilder - und zwar nicht bloß gegen Götzenbilder oder karikaturistische Darstellungen des Propheten. Eine Genfer Islamwissenschaftlerin ist der verschlungenen Geschichte von Bilderfeindschaft und Bilderrechtfertigung im Islam nachgegangen. > mehr

 

"Herrschaft göttlicher Gesetze über Menschen
Eine islamisch-politische Ideengeschichte

„Die Meinungsverschiedenheit unter meinen Gefährten ist eine Gnade“, hat alter Überlieferung zufolge der Prophet Mohammed gesagt. Die Koran-Exegeten mussten viel Mühe aufwenden, um diesen Satz mit anderen Stellen in Einklang zu bringen, zum Beispiel Sure 23: "Und dies ist eure Gemeinschaft. Es ist eine einzige Gemeinschaft. Und ich bin euer Herr. Mich allein sollt ihr fürchten. Aber sie fielen in verschiedene Gruppen auseinander." Wie auch immer – der zitierte Satz bietet heute muslimischen Politikern, die auf Pluralismus und Demokratie hinauswollen, einen Ansatz für die Argumentation, diese vermeintlich bloß „westlichen“ Werte seien eben doch nicht von vornherein als „unislamisch“ zu verdammen. Der österreichische Politikwissenschaftler Farid Hafez, der in den letzten Jahren durch Studien zum Thema „Islamophobie“ bekannt wurde, hat jetzt eine „islamisch-politische Ideengeschichte“ vorgelegt. > mehr




Aggressive Militanz, aber auch apolitische Introvertiertheit
Das breite Spektrum des Islamismus heute


So schnell verändern sich manchmal die Realitäten; die Wissenschaftler mit ihren gedruckten Publikationen können da nur mühsam Schritt halten. Vor wenigen Wochen brachte der Islamwissenschaftler Tilman Seidensticker von der Universität Jena ein Handbüchlein über den islamischen Fundamentalismus, den sogenannten „Islamismus“, heraus. Über jene islamistische Organisation, die inzwischen im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit steht, den „Islamischen Staat“, finden sich in dem Band kaum anderthalb Seiten. Als der Anführer Abu Bakr al-Baghdadi am 29. Juni 2014 sein „Kalifat“ ausrief, war das Buch längst abgeschlossen. Seidensticker lässt bei aller Sachlichkeit, mit der sein Text abgefasst ist, keinen Zweifel daran, dass der rasante Aufstieg islamistischer Organisationen gerade im Irak vor allem auf eine große Dummheit der amerikanischen Politik zurückzuführen ist. Der Irak-Krieg 2003 sei für die radikalen Organisationen in der islamischen Welt, also vor allem al-Qaida, „wie ein Geschenk des Himmels“ gekommen; der Eindruck von einem „systematischen westlichen Vorgehen gegen die islamische Welt“ wurde bekräftigt. > mehr



 
Auf den Spuren von Abraham und Mohammed
Wenn andere Silvester feiern - die Pilgerfahrt nach Mekka

Trotz dreieinhalb Millionen Muslimen in Mitteleuropa - beim Wort "Hadsch" kommt den meisten von uns am ehesten Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah in den Sinn, jener Held Karl Mays, der zugeben muss, dass er niemals in Mekka war und den Titel "Hadschi" deshalb zu Unrecht trägt. Hier ein Blick auf die Tradition der großen islamischen Wallfahrt, deren Höhepunkt, das Opferfest, diesmal auf den 31. Dezember fällt. > mehr




Vollständig niederkämpfen und in Fesseln legen?
Zur Diskussion um Gewalt und Religion, Gewalt und Islam

"Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten." Als Papst Benedikt XVI. diese Äußerung eines byzantinischen Kaisers unlängst zitierte, hagelte es Proteste in der islamischen Welt. Dabei steht das Thema Gewalt und Religion, Gewalt und Islam bereits seit dem 11.9.2001 in der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit ganz oben an. > mehr




"Wer seine Religion wechselt, den tötet!"
Apostasie als Straftatbestand - das islamische Recht in Geschichte und Gegenwart

„Es gibt keinen Zwang in der Religion“, heißt es in Sure 2 des Korans – eine Stelle, die von liberalen Muslimen gern angeführt wird, um den Verdacht abzuwehren, der Islam müsse sozusagen von Natur aus intolerant sein. Andererseits findet sich in Sure 4 der Satz: „Wenn sie (zuvor war von irregegangenen Heuchlern die Rede) sich abkehren, dann greift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet.“ Auf diese Stelle wiederum können sich muslimische Rechtsgelehrte berufen, die für den Abfall vom islamischen Glauben die Todesstrafe fordern. Eine Trierer Rechtshistorikerin hat untersucht, wie die islamischen Staaten heute mit dieser Vorschrift umgehen. > mehr




"Säkulare Ansätze bilden nicht den Mainstream"
Über Geschichte und Gegenwart des islamischen Rechts

Islamisches Recht - bei diesem Stichwort denken wir im allgemeinen an brutale Körperstrafen und an eine rigorose Benachteiligung von Frauen und von Nichtmuslimen. Da ist es erstaunlich, dass in deutscher Sprache bis heute keine umfassende Darstellung von Geschichte und Gegenwart des islamischen Rechts, der "Scharia", vorgelegen hat, um so mehr als in Mitteleuropa seit Jahrzehnten mehrere Millionen Muslime heimisch geworden sind. Ein Jurist und Islamwissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg hat diese Lücke jetzt geschlossen. > mehr




Alibigötzen der Freiheit
Religiöse Werte in muslimischen Printmedien"

Einer der größten Mängel der säkularisierten Gesellschaften ist die Verdrängung der ethischen Werte in den individuellen Bereich von Gesinnung und Verhalten. Der Islam kennt einen solchen Pluralismus nicht." Aus der Zeitschrift Al-Fadschr. Eine Religionswissenschaftlerin in Jena hat sich die Darstellung religiöser Werte in muslimischen Printmedien vorgenommen. > mehr




Weltreligion zwischen Tradition und Fortschritt
Das Handbuch "Islam in der Gegenwart" in neuer Bearbeitung

"Kann ein Volk überleben, wenn es in Unwissenheit verharrt?" fragte Mitte des 19. Jahrhunderts der türkische Intellektuelle Sadullah Pascha. Dagegen klagte der Dichter Ziya Pascha: "Unsere Treupflicht gegenüber dem Glauben zu vergessen, das ist jetzt Mode." Wie sich die 1,2 Milliarden Muslime heute zwischen Tradition und Fortschritt stellen, darüber informiert das Handbuch "Islam in der Gegenwart", das aktualisiert und auf mehr als 800 Seiten erweitert, neu erschienen ist. > mehr




Zerrspiegel einer Religion
Eine Neuerscheinung über "Das Islambild im Abendland"

"Mit dem Islam hat sich das Christentum nicht auseinander zu setzen. Er besitzt keine geistige Originalität und ist nicht eine Religion, in der ein tiefes Denken über Gott und die Welt vorliegt", Albert Schweitzer 1922. In der Reihe "Bausteine zur Mensching-Forschung", die nach dem 1978 verstorbenen Bonner Religionswissenschaftler Gustav Mensching benannt ist, erschien jetzt ein Band, in dem das Selbstverständnis der Religion des Propheten Mohammed mit ihrer Darstellung in Europa, bis hin zu den Massenmedien der Gegenwart, kontrastiert wird. > mehr