Dossier:
Leben und Legende des Jesus von Nazareth

 

Wanderpediger und Wunderheiler
Was man über das Leben Jesu wissen kann und was nicht

Der Verkünder des Gottesreiches, ganz im Sinne der späteren christlichen Tradition, und der orthodoxe Juden, der politische Rebell gegen die römische Besatzungsmacht und der religiöse Rebell gegen die jüdische Tradition, der Anhänger der exklusiven Essener-Gemeinde und der Prediger einer nach wie vor aktuellen Morallehre: Der verschiedenen Jesusbilder in populären Darstellungen sind Legion. Zum Karfreitag ein Blick auf die Probleme einer Leben-Jesu-Forschung. > mehr



Auf der Suche nach dem Zusammenhang zwischen Historie und Glauben
Ein Jesus-Handbuch bilanziert den Stand der Forschung


Jesus und die Politik, Jesus im Lichte der Qumran-Texte, Jesus aus der Sicht der modernen Archäologie, die apokryphen Evangelien über Jesus, Jesus und die Frauen … Auf dem Büchermarkt und in den Fernsehmagazinen ist die Gestalt t des Jesus von Nazareth allgegenwärtig. Inwieweit das, was dort unter dem Stichwort „Jesus“ angeboten wird, mit historischer Erkenntnis zu tun hat oder mehr mit den aktuellen Moden unserer Gegenwartskultur, ist eine andere Frage. Die beiden Theologen Jens Schröter und Christine Jacobi von der Berliner Humboldt-Universität haben jetzt ein umfangreiches Handbuch herausgebracht, das den aktuellen Stand der Forschung zum „historischen Jesus zusammenfasst. > mehr



Kaiser und König, Volkszählung und Stern am Himmel
Allerlei Versuche, das Geburtsjahr Jesu zu berechnen


Es ist einer der bekanntesten Sätze, die jemals geschrieben wurden, etwa durch Johann Sebastian Bachs „Weihnachtspassion“ klingt er auch jenen im Ohr, die christlichen Traditionen ansonsten entfremdet sind: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzet werde ...“ Mit der Nennung des Kaisers wollte der Verfasser des Lukasevangeliums die folgende Geschichte des Jesus von Nazaret fest in der Zeithistorie zu verankern. Sicherlich lag darin auch ein polemischer Unterton gegen die vielen Heroen der griechischen Mythologie, bei denen eine solche Zuordnung nicht möglich war. Der folgende Satz bekräftigt noch einmal, dass Jesu Geburt ein historisches, eben kein mythisches Ereignis war: Es „geschah zu der Zeit, als Quirinius Statthalter in Syrien war.“ > mehr



Im Einklang mit Römischem Straf- und Strafprozessrecht
Der Prozess Jesu aus juristischer Perspektive


Es ist das vielleicht am heftigsten umstrittene „Geständnis“ aller Strafprozesse, die es in der Geschichte der Menschheit gegeben hat. Der römische Statthalter Pontius Pilatus fragt den Angeklagten, der vor ihm steht: „Bist du der König der Juden?“ Jesus antwortet „du sagst es“, so berichten jedenfalls die drei älteren Evangelisten, Markus, Matthäus und Lukas. Dass zum Verb, anders als es die griechische Grammatik eigentlich verlangen würde, noch das Personalpronomen hinzugesetzt ist, gibt dem Satz jedoch eine Zweideutigkeit, das „du“ wirkt merkwürdig betont. Meint Jesus nun „du sagst es“ im Sinne von „ja“ oder vielmehr: „Das sagst du?“ > mehr



Vom Verräter zum Allergläubigsten
Das Judas-Bild im Wandel der Jahrhunderte


Auf mittelalterlichen Gemälden vom letzten Abendmahl kennzeichnen ihn die roten Haare und der gelbe Rock als Außenseiter. In der linken Faust hält er einen Geldbeutel. Darin wird die gemeinsame Kasse der Jünger sein; dem Johannesevangelium zufolge wurde Judas Ischariot (der Beiname bezeichnet wahrscheinlich den Herkunftsort) mit der Verwaltung der eingenommenen Spenden beauftragt. Aber vor allem enthält der Beutel die 30 Silberlinge, die Judas von den Hohenpriestern für seinen Verrat erhielt. Judas, der seinen Meister verriet ... Viele Jahrhunderte lang war er die vielleicht meistgehasste Figur der Weltgeschichte. Und sicherlich eine der am meisten umrätselten Figuren. Was trieb ihn zum Verrat an Jesus? Das älteste Evangelium, das nach Markus, schweigt sich über das Motiv aus. Der Verfasser des Lukasevangeliums nimmt seine Zuflucht zu einer, wenn man so will, übernatürlichen Begründung: "Da fuhr der Satan in Judas ..." Das Matthäusevangelium dagegen unterstellt sehr irdische, nämlich materielle Motive und lässt Judas gleich fragen: "Was wollt ihr mir geben?" > mehr


Hier in einer kleinen Erdspalte ...
Die heiligen Stätten in Bethlehem und in Nazareth


Geht man von der Geburtskirche in Bethlehem ein paar Minuten nach Südosten, stadtauswärts, findet man eine kleine Kapelle, in der eine Treppe in die Tiefe führt. In dieser Grotte, erzählen die Fremdenführer, hat sich die Heilige Familie vor den Häschern des Herodes verborgen. Beim Stillen des Kindes fielen einige Milchtropfen auf das Gestein. Seit Jahrhunderten ist es Brauch, dass christliche und auch muslimische Pilgerinnen Stücke des weißen Kalks aus dem Boden brechen, um das Pulver daraus in ihre Nahrung zu geben. Dem Volksglauben nach bewirkt es, dass stillende Mütter mehr Milch geben können. Eine der vielen Stätten im Heiligen Land und vor allem natürlich in Bethlehem, welche die fromme Phantasie mit dem Leben Jesu in Verbindung gebracht hat. > mehr




"Die hochheilige Stätte des Todes und der Auferstehung des Erlösers"
Geschichte, Legende, Verehrung - die Grabeskirche in Jerusalem


Es soll um 325 n. Chr. gewesen sein, zwölf Jahre zuvor hatte Kaiser Konstantin das Christentum unter staatlichen Schutz gestellt, da machte sich Konstantins Mutter Helena, die seit langem Christin war, zu einer Pilgerreise ins Heilige Land auf. In Jerusalem suchte sie nach der Stätte, wo einst Jesus gekreuzigt worden war, und kam zu dem Schluss, es müsse dort sein, wo Kaiser Hadrian etwa hundert Jahre nach Jesu Tod einen Tempel der Göttin Venus hatte errichten lassen. Dort waren in früherer Zeit die Hinrichtungen vollzogen worden. Die Kaiserinmutter führte Grabungen durch und fand tatsächlich drei Kreuze. Konstantin kam dem Wunsch seiner Mutter nach und errichtete an dieser Stelle die Grabeskirche. > mehr

Theologisch irrelevant oder die Grundlage christlicher Identität?
Ein Streifzug durch die Geschichte der Jesusforschung

Jesus und die Politik, Jesus im Lichte der Qumran-Texte, Jesus aus der Sicht der modernen Archäologie, die apokryphen Evangelien über Jesus – die Zahl der biographischen oder biographisch gemeinten Werke, die sich mit dem Leben des Jesus von Nazareth befassen, ist längst unübersehbar geworden. Der Neutestamentler Werner Zager von der Goethe-Universität Frankfurt am Main hat jetzt einen umfangreichen Reader mit Texten aus der Geschichte der Jesusforschung seit der Aufklärung herausgebracht. Vor achtzig oder hundert Jahren, berichtet Zager, hätte ein Blick auf den Büchermarkt noch ein völlig anderes Ergebnis gebracht als heute. Die „historische Jesusforschung“ war „weithin zu einem Erliegen gekommen“, sie steckte in einer Sackgasse. Seit dem 18. Jahrhundert hatte die Forschung den Religionsstifter Jesus mehr und mehr zugunsten des Bildes von einem großen Weisheitslehrer und vorbildlichen Menschen verabschiedet. Jesus wurde neben Sokrates zu einem der Begründer unseres modernen Humanitätsglaubens. Aber dieses modernisierende Jesusbild hatte sich mit dem Fortschreiten der historischen und philologischen Wissenschaft als unhaltbar erwiesen > mehr



"Gottes Sohn kam in die Welt"
Zweitausend Jahre Kontroversen um die Menschwerdung des Gottessohnes

„Wahrhaftig, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!“, sagt dem Bericht der Evangelien zufolge der römische Hauptmann, nachdem Jesus am Kreuz gestorben ist. „Gottes Sohn“: Bis heute diskutieren Christen über die Frage: Was hat es mit diesem Menschen auf sich, der vor fast zweitausend Jahren gelebt hat und am Kreuz hingerichtet wurde? Aus dem Mund eines Juden wäre die Aussage „Sohn Gottes“ recht eindeutig gewesen. Im Alten Testament wie in seiner Umwelt, von Ägypten bis Mesopotamien, handelte es sich um einen Titel des Königs. Die Vorstellung, zwischen dem König und seinem Gott könnte tatsächlich so etwas wie Verwandtschaft bestehen, müssen die Israeliten jedoch früh abgestreift haben; es blieb der Ehrentitel, der Legitimität signalisieren sollte. An einer Stelle redet Gott den König David mit „mein Sohn“ an. > mehr




"Ochs und Esel knieten nieder und beteten ihn an"
Die Wandlungen der Weihnachtsgeschichte in zwei Jahrtausenden


"'Du darfst dich dem Kind nicht zu sehr nähern'. sagte der Esel. 'Lass es dir nicht im Traum einfallen, denn du könntest es verletzen. Außerdem könntest du ein wenig von deinem Geifer, den du nie recht zurückhältst, auf das Kind tropfen lassen, und das wäre unappetitlich." Der Ochse schwieg. 'Ich hingegen will ihm meine beiden Ohren darbringen. Die bewegen sich, verstehst du, die wackeln in alle Richtungen. Genau was es braucht, um ein Kind zu belustigen, und zudem lehrreich für sein Alter.' 'Ja, ich verstehe. Ich bin schließlich kein Idiot.' Aber da der Esel wirklich allzu befriedigt dreinschaute, fügte der Ochse hinzu: 'Aber lass es dir nicht einfallen, ihm ins Gesicht zu iahen. Du würdest es umbringen.' 'Einfaltspinsel!' sagte der Esel." Ja, was wäre die Weihnachtsgeschichte ohne Ochs und Esel! 1931 bestritt der uruguayisch-französische Schriftsteller Jules Supervielle eine ganze kleine Erzählung mit dem Dialog der beiden Tiere im Stall von Bethlehem. Dabei ist im Bibeltext von Ochs und Esel mit keinem Wort die Rede, nicht einmal von einem Stall, sondern nur von einer Krippe, in die das neugeborene Kind gelegt wurde. Erstmals erwähnt wurden die Tiere im sogenannten "Pseudo-Matthäus", einem apokryphen Evangelium, das erst im 7. Jahrhundert entstand. In der bildenden Kunst dagegen tauchen sie bereits seit dem 4. Jahrhundert zu Seiten der Krippe auf. > mehr




Familie mit Allerweltsnamen
Hobbyarchäologen und ihre "Sensation" - zur Entdeckung des angeblichen Jesus-Grabes in Jerusalem

Die Meldung ging um die Welt: Das Grab Jesu Christi sei gefunden, womöglich mit dem Leichnam darin ... Manche Zeitgenossen glaubten schon, die christlichen Kirchen in Auflösung zu sehen. Wir bringen auf dem Hintergrund des heutigen Standes der historischen Wissenschaften vom Neuen Testament eine kritische Einschätzung dieser Art von "Hobbyarchäologie" > mehr




Planetenkonjunktion und Sonnenfinsternis
Zu astronomischen Spielereien mit dem Neuen Testament

Vor genau 2.000 Jahren saß der zwölfjährige Jesus in Jerusalem im Tempel und diskutierte mit den Schriftgelehrten. So jedenfalls ergibt es sich aus der populären Chronologie der Geschehnisse im Neuen Testament, wie sie uns zu Weihnachten und Ostern in manchen Magazinsendungen immer wieder nahe gebracht wird, der Stern von Bethlehem und so weiter. Ein Blick auf die vielfältigen Versuche, Leben und Tod Jesu astronomisch präzise zu datieren. > mehr




"Was gesagt ist durch die Propheten"
Die Weihnachtsgeschichte und ihre Grundlagen im Alten Testament

"Es begab sich zu dieser Zeit, dass Jesus aus Nazareth in Galiläa kam“, heißt es im Markus-Evangelium. Das ist die älteste bekannte Nachricht über Jesu Familie: „aus Nazareth in Galiläa“; vielleicht wird damit auch der Geburtsort korrekt bezeichnet. Wieso aber berichten Matthäus und Lukas einhellig von Bethlehem? Moderne Historiker antworten: Dieser Ort war im Alten Testament angekündigt: "Und du, Bethlehem, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei.“ Ähnlich steht es mit anderen Einzelheiten aus der Geburtsgeschichte Jesu, von den Weisen aus dem Morgenland bis zur Flucht nach Ägypten. > mehr




"Es wird ein Stern aufgehen aus Jakob"
Die Heiligen drei Könige in Legende und Brauchtum

„Da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihm zu huldigen.“ Es wird wenige Stellen in der Bibel gegeben, die eine derartige Fülle von Spekulationen hervorgerufen haben wie diese schlichten Sätze im Matthäusevangelium. Seit Jahrhunderten bemühen sich Astronomen, jenen Stern ausfindig zu machen, der irgendwann in den Jahren vor der Zeitenwende den Anlass für diese Pilgerfahrt der „Weisen“ gegeben haben könnte. Zum Dreikönigstag ein Streifzug durch Legende und Brauchtum um die Weisen aus dem Morgenland. > mehr



"Wie soll das geschehen?"
Die jungfräuliche Geburt Jesu - eine sehr unmoderne Seite der Weihnachtsgeschichte

„Wie könnte ich einen Sohn bekommen, wo mich kein Mann berührt hat und ich nicht unkeusch gewesen bin?“ Der Engel antwortete: „Also sprach dein Herr: Das ist mir ein leichtes." Unverkennbar eine Weihnachtsgeschichte; tatsächlich geht es um Maria und die bevorstehende Geburt Jesu. Aber der Text stammt nicht aus dem Neuen Testament, er stammt überhaupt nicht aus einer christlichen Quelle, sondern aus dem Koran, dem heiligen Buch der Muslime. Der Islam lehnt zwar die Lehre von Jesus als dem Sohn Gottes ab, lehrt aber die jungfräuliche Geburt dieses Propheten. Zum Weihnachtsfest ein Blick auf zweitusend Jahre Diskussion um die jungfräuliche Geburt Jesu. > mehr



Sieben Dämonen und ein "Sakrileg"
Maria Magdalena - von den Evangelien bis Dan Brown

Maria Magdalena war die Ehegefährtin Jesu. Diese Wahrheit wurde 2.000 Jahre lang unterdrückt; aber Leonardo da Vinci hat sie im Mailänder "Abendmahl" dargestellt: Der Lieblingsjünger Johannes zur Rechten des Erlösers ist in Wirklicheit Maria Magdalena ... Anlässlich des Films zu Dan Browns Bestseller "Sakrileg" blicken wir zurück in die Geschichte dieser Frauenfigur aus den Evangelien. > mehr



"Nach dem Gesetz muss er sterben"
Zwischen Aufruhrverdacht und Gotteslästerung - Fragen zum Prozess Jesu

Das Römische Reich beruhte auf einem Netz von Bündnisverträgen, die den einzelnen Städten und Völkerschaften ganz verschiedene Selbstverwaltungsrechte garantierten. Aber hatte zum Beispiel die jüdische Religionsgemeinschaft die Befugnis, die Todesstrafe zu verhängen und zu vollstrecken? Die Quellen widersprechen einander: Im Neuen Testamen wie in der außerbiblischen Literatur sind mehrere solche Fälle belegt, dagegen sagen die Juden im Johannesevangelium ausdrücklich "Wir dürfen niemanden töten."  > mehr



"Ei, eine treffliche Summe ..."
Die Passionsgeschichte der Evangelien und ihre Grundlagen im Alten Testament

"Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.“ Offenbar ein poetisches Stilmittel, wie es im hebräischen Alten Testament so oft vorkommt: Ein und derselbe Vorgang wird in zwei parallelen Formulierungen dargeboten. Der Erzähler der Passionsgeschichte im Johannes-Evangelium muss den Psalmvers wohl anders verstanden haben: "Das Untergewand war aber ungenäht, von obenan in einem Stück gewebt. Da sagten sie untereinander: Lasst uns das nicht teilen, sondern darum losen, wem es gehören soll.“ > mehr