Dossier
Rund um das Weihnachtsfest

 

Die Nacht ist vergangen, der Tag ist gekommen
Der Advent in Religion und Brauchtum

Advent ist da, die Diandln sein in den Rauch gehängt", sagte man früher im süddeutsch-österreichischen Raum. Denn Tanzveranstaltungen waren in den Wochen vor Weihnachten verboten. Es war eine Fastenzeit, ähnlich jener vor Ostern. Und so dauerte auch die Adventszeit vor Weihnachten oft nicht nur vier, sondern sechs Wochen. Man orientierte sich an den vierzig Jahren, die das Volk Israel in der Wüste verbracht, und den vierzig Tagen, die Jesus in der Wüste gefastet hatte. Zuvor allerdings durfte man sich mit den Martinigänsen von der Zeit des Wohllebens noch einmal ausgiebig verabschieden – nicht anders als im Karneval vor Aschermittwoch. > mehr



Wiegen für das Jesuskind
Eine Ausstellung im Frankfurter Liebieghaus zeigt die Weihnachtsgeschichte im Spiegel der Kunst


In der aktuellen Ausstellung des Liebieghauses in Frankfurt am Main sind zwei alte Kinderwiegen zu sehen, die eine aus Eichenholz, gefertigt in Köln um die Mitte des 14. Jahrhunderts, die andere aus vergoldetem Kupfer. Diese zweite kommt aus Friedberg in der Wetterau, die Kunsthistoriker datieren sie etwa ein Jahrhundert später. Selbst für Neugeborene sind die beiden Wiegen mit 20 oder 24 cm Länge jedoch viel zu klein. Eine Spielzeugausstellung? Nicht doch, es geht um die Weihnachtsgeschichte und ihre Spiegelung in der Kunst des Mittelalters. > mehr



Die Weltgeschichte, projiziert auf den Jahreskreislauf
Das Kirchenjahr, vom Advent zum Weltgericht


In unserem heutigen Kalender kehren Advent und Weihnachten alle zwölf Monate wieder, mit derselben Sicherheit wie Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Das könnte leicht verdecken, dass ein historisch einmaliges Ereignis gemeint ist: die Menschwerdung des Gottessohnes, und zwar zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt an einem ganz bestimmten Ort, zur Zeit des Kaisers Augustus in Judäa. Für das Christentum bildet das Leben des Heilands das Zentrum der gesamten Weltgeschichte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Kirchenjahr zu einem Abbild dieser Weltgeschichte gestaltet, der bereits abgelaufenen von der Schöpfung bis zum Leben Jesu, und darüber hinaus der zukünftigen, bis hin zum Weltgericht. > mehr



Hier in einer kleinen Erdspalte ...
Die heiligen Stätten in Bethlehem und in Nazareth


Geht man von der Geburtskirche in Bethlehem ein paar Minuten nach Südosten, stadtauswärts, findet man eine kleine Kapelle, in der eine Treppe in die Tiefe führt. In dieser Grotte, erzählen die Fremdenführer, hat sich die Heilige Familie vor den Häschern des Herodes verborgen. Beim Stillen des Kindes fielen einige Milchtropfen auf das Gestein. Seit Jahrhunderten ist es Brauch, dass christliche und auch muslimische Pilgerinnen Stücke des weißen Kalks aus dem Boden brechen, um das Pulver daraus in ihre Nahrung zu geben. Dem Volksglauben nach bewirkt es, dass stillende Mütter mehr Milch geben können. Eine der vielen Stätten im Heiligen Land und vor allem natürlich in Bethlehem, welche die fromme Phantasie mit dem Leben Jesu in Verbindung gebracht hat. > mehr



Der Wunsch nach einem gelingenden Leben
Volksfrömmigkeit und Brauchtum in Advents- und Weihnachtszeit


Darauf kann man sich so fest verlassen wie auf das Amen in der Kirche: Wenn Weihnachten vor der Tür steht, dann ist auch die Zeit der Konsumkritik gekommen. Kanzeln, Feuilletons und Stammtische beklagen in seltener Harmonie, mit dem Fest der Geburt Christi habe all das doch nichts mehr zu tun. Da gewinnt es einen sehr doppelbödigen Sinn, wenn der Freiburger katholische Liturgiewissenschaftler in seinem neuen Buch über „Weihnachten in Glaube, Kultur und Gesellschaft“ schreibt: „Von keinem anderen Fest im privaten, familiären und öffentlichen Jahresverlauf, aber auch im Festkreis des kirchlichen Kalenders, geht ein stärkerer Einfluss aus als von Weihnachten“ - Einfluss eben auch, ökonomisch zu berechnen, auf die Umsatzzahlen in vielen Branchen. > mehr



Eine dunkle Folie der Weihnachtsgeschichte
König Herodes und der Kindermord von Bethlehem


Um 400 n. Chr. fasste der Philosoph Ambrosius Theodosius Macrobius, ein konservativ gestimmter, hochgebildeter Heide, die Bildungswelt der Antike noch einmal in einem großen Erzählwerk zusammen, den „Saturnalia“. Als eine seiner Figuren ließ er Kaiser Augustus auftreten und legte ihm eine Äußerung über König Herodes von Judaea in den Mund: Bei Herodes sei es „besser, sein Schwein zu sein als sein Sohn“. Warum dieses abfällige Urteil über einen der römischen Klientelkönige? Augustus hatte davon gehört, dass Herodes alle Knaben in Syrien im Alter bis zu zwei Jahren habe umbringen lassen; dabei sei auch sein eigener Sohn getötet worden. Es ist das einzige Mal, dass der Kindermord von Bethlehem in einer nicht-christlichen Quelle erwähnt wird. Ob sich darauf etwas über den historischen Hergang folgern lässt, ist allerdings zweifelhaft. Jedenfalls galt Herodes vier Jahrhunderte nach seinem Tod als eines der großen Scheusale der Geschichte; ihm war eine solche Tat zuzutrauen, wie das Matthäusevangelium sie erzählt > mehr


    

"Ochs und Esel knieten nieder und beteten ihn an"
Die Wandlungen der Weihnachtsgeschichte in zwei Jahrtausenden


"'Du darfst dich dem Kind nicht zu sehr nähern'. sagte der Esel. 'Lass es dir nicht im Traum einfallen, denn du könntest es verletzen. Außerdem könntest du ein wenig von deinem Geifer, den du nie recht zurückhältst, auf das Kind tropfen lassen, und das wäre unappetitlich." Der Ochse schwieg. 'Ich hingegen will ihm meine beiden Ohren darbringen. Die bewegen sich, verstehst du, die wackeln in alle Richtungen. Genau was es braucht, um ein Kind zu belustigen, und zudem lehrreich für sein Alter.' 'Ja, ich verstehe. Ich bin schließlich kein Idiot.' Aber da der Esel wirklich allzu befriedigt dreinschaute, fügte der Ochse hinzu: 'Aber lass es dir nicht einfallen, ihm ins Gesicht zu iahen. Du würdest es umbringen.' 'Einfaltspinsel!' sagte der Esel." Ja, was wäre die Weihnachtsgeschichte ohne Ochs und Esel! 1931 bestritt der uruguayisch-französische Schriftsteller Jules Supervielle eine ganze kleine Erzählung mit dem Dialog der beiden Tiere im Stall von Bethlehem. Dabei ist im Bibeltext von Ochs und Esel mit keinem Wort die Rede, nicht einmal von einem Stall, sondern nur von einer Krippe, in die das neugeborene Kind gelegt wurde. Erstmals erwähnt wurden die Tiere im sogenannten "Pseudo-Matthäus", einem apokryphen Evangelium, das erst im 7. Jahrhundert entstand. In der bildenden Kunst dagegen tauchen sie bereits seit dem 4. Jahrhundert zu Seiten der Krippe auf. > mehr




Der Stern, der tat sie lenken
Astronomen und Astrologen über Jesu Geburt und den Stern von Bethlehem

Der Wiener Astronom Konradin Ferrari d’Occhieppo wusste es ziemlich genau: Jesus wurde in der Nacht zum Samstag, dem 17. Januar des Jahres 7 vor Beginn unserer Zeitrechnung, geboren, behauptete er 1994 in seinem Buch „Der Stern von Bethlehem, aus der Sicht eines Astronomen beschrieben und erklärt“. Mitte September jenes Jahres beobachteten die „Weisen aus dem Morgenland“, von denen die Bibel erzählt, den gemeinsamen Abendaufgang der Planeten Jupiter und Saturn – für die Astrologen ein eindeutiges Zeichen, dass der ersehnte Messias-König erschienen sei. Am Abend des 12. November gegen 20 Uhr standen die Weisen vor der Krippe in Bethlehem. > mehr




Ein Streifzug durch die Kulturgeschichte der Engel
Die ganze Menge der himmlischen Heerscharen

Engel – gibt’s die? Wenn man der Bibel folgt, dann ganz sicher. Ein Engel steht mit Flammenschwert an der Pforte des Paradieses, um zu verhindern, dass wir wieder hineinkommen; ein Engel kündigt Maria die Geburt des Erlösers an; ein Engel wälzt den Stein von Christi Grab und verkündet die Auferstehung. Und was wäre die Weihnachtsgeschichte ohne jenen Engel, der von der großen Freude spricht, welche "allem Volke widerfahren" wird? Und ohne die ganze "Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens"? > mehr




Eine Tour d'horizon durch die Weihnachtspoesie
Schneetreiben, Marzipanschlösser und Zwerge aus Glas

"Aber doch bleibt das Weihnachtsfest der seligste Abend des Jahres. Mit wahrhaft überseliger Freude harrte ich schon lange darauf, aber die letzten Tage konnte ich kaum mehr warten, Minute für Minute verging, und so lang kamen mir die Tage wie im ganzen Jahr nicht vor." Jugenderinnerungen eines alten Mannes, meint der Leser. Doch nichts da, die Stelle stammt von einem 14-Jährigen. "Aus meinem Leben", ist der Text reichlich altklug überschrieben; ein paar Sätze später wird eine "kleine Festschrift" zitiert, die der Knabe verfasst haben will: "An der Wurzel des Baumes das Christkindlein in der Krippe; umgeben von Josef und Maria und den anbetenden Hirten! Wie doch jene den Blick voll inniger Zuversicht auf das Kindlein werfen! Möchten doch auch wir uns so ganz dem Herrn hingeben!" > mehr




Von einer Jungfrau geboren, vom König verfolgt
Aus der Kindheit der Götter und Heroen

In der griechischen Götterwelt ging es nicht immer gesittet zu. Der alte Kronos pflegte seine Kinder gleich nach der Geburt zu verschlingen, aus Furcht, eines von ihnen könnte ihn entthronen. Beim dritten Kind ließ Mutter Rhea sich eine List einfallen. Sie gab ihrem arglosen Gatten statt des Säuglings einen in Windeln gewickelten Stein und versteckte den kleinen Zeus in einer Berghöhle. Nymphen nährten ihn mit der Milch einer Ziege, Diener der Rea veranstalteten laute Waffentänze, damit Kronos das Schreien des Kindes nicht hören konnte  > mehr




Die Kunst der Krippe, zwischen Neapel und Oberbayern
Maria mit Schnürmieder und Josef ohne Hosen

"Am dritten Tage nach der Geburt unseres Herrn Jesus Christus trat die seligste Maria aus der Höhle, ging in einen Stall hinein und legte ihren Knaben in eine Krippe, und Ochs und Esel beteten ihn an. Da erfüllte sich, was durch den Propheten Jesaja verkündet ist, der sagt: Der Ochs kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn." Diesen Hinweis auf Ochs und Esel haben Hörer der Weihnachtsgeschichte vermutlich immer schon vermisst. Die Sätze stammen aus dem sogenannten "Pseudo-Matthäus", einem apokryphen Evangelium, das im 8. oder 9. Jahrhundert entstanden ist. Unsere Weihnachtskrippen sähen viel ärmer aus, wenn der unbekannte Verfasser dieses Detail nicht überliefert hätte > mehr





Goldene Äpfel an Tannen und Fichten
Der doppelte Ursprung des Weihnachtsbaums

Da geht es dem Weihnachtsbaum nicht anders als den Ostereiern oder dem Fußballspiel: Irgendwann waren sie da und im nachhinein konnte niemand mehr sagen, wie lange schon, und wo sie hergekommen sein könnten. Die amerikanische National Christmas Tree Association, der nationale Weihnachtsbaumverband der USA, hat das lettische Riga zum "Geburtsort" erklärt. Tatsächlich – 1510 stellte eine Gilde ausländischer Kaufleute dort vor dem Rathaus einen Baum auf, der mit Wollfäden, Stroh und Äpfeln geschmückt und zur Fastenzeit verbrannt wurde. > mehr




Zur Familiengeschichte der winterlichen Gabenbringer:
Vom Nikolaus-Manna zu Coca-Cola

Jedes Jahr am 8. Mai steigt der Abt des Klosters vom Heiligen Nikolaus in Bari in die Gruft hinunter und lässt ein langes Rohr in das versiegelte Grab des Bischofs hinein. Damit wird eine Flüssigkeit abgesaugt und in Ampullen gefüllt. Offiziell gibt es keine Erklärung, wie sich in dem trockenen Raum Flüssigkeit angesammelt haben könnte. Jedenfalls wird berichtet, dass bereits Tausende von Menschen, die sich mit diesem "Manna des Heiligen Nikolaus" bestrichen, von schwersten Krankheiten geheilt wurden. > mehr 




Die Weisen aus dem Morgenland, ihre Geschenke und Reliquien
Wertvoller als Gold

Die Reliquien von Heiligen seien "wertvoller als pures Gold“, meinte bereits im 2. Jahrhundert eine frühchristliche Schrift, das "Martyrium des heiligen Polykarp“. Die Menschen des Mittelalters nahmen das sehr wörtlich, so wandte Frankreichs König IX. 1237 seinen halben Staatschatz auf, um aus Byzanz die Dornenkrone Christi nach Paris zu holen. Manchmal ging es auch billiger. Als 1164 die Gebeine der heiligen Drei Könige nach Köln kamen, waren sie ein Teil der Kriegsbeute, die Kaiser Friedrich Barbarossa dem eroberten Mailand abgepresst hatte. Friedrich schenkte sie seinem Kanzler Reinald von Dassel, Erzbischof von Köln. > mehr




Die Weihnachtsgeschichte und ihre biblischen Grundlagen:
Damit erfüllt würde, was gesagt ist...

Nein, ordentliche Standesbeamte wären die Verfasser der Evangelientexte wohl nicht geworden. Allein die Frage nach dem Wohnort von Jesu Eltern! Lukas sagt "Nazareth“ und erzählt, dass Joseph und Maria sich wegen einer Volkszählung auf den Weg nach Bethlehem machen mussten, wo dann Jesus geboren wurde. Matthäus setzt gleich bei der Geburt in Bethlehem an; erst nach der Rückkehr aus Ägypten beschließt Joseph, sich im "galiläischen Land in einer Stadt mit Namen Nazareth“ niederzulassen, aus Furcht vor Verfolgung im israelitischen Kernland. Welche Version ist denn nun die richtige?  > mehr




Pizzabäcker in Bethlehem
Wohnachtskrippen im Bayerischen Nationalmuseum in München 

Bayern zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Unter dem Eindruck der Französischen Revolution hatte sich die Regierung unter Minister Graf Montgelas eine gründliche Reform des Staates zur Aufgabe gesetzt. Die Ideen der Aufklärung wurden offizielles politisches Programm. Nicht nur die Privilegien von Adel und Kirche sollten beschnitten werden, auch die hergebrachten Frömmigkeitsformen des bayerischen Volkes galten als hinderlich in diesem Prozess der Reform – die Wallfahrten, die Passionsspiele und nicht zuletzt die Weihnachtskrippen. > mehr




Stücke vom Heu und Hosen des Hl. Joseph
Weihnachtskultur im Umkreis von Krippe und Baum

Wissen Sie, was Ochs und Esel in der Weihnachtgeschichte zu suchen haben? oder warum der heilige Joseph auf manchen Bildern von der Geburt Jesu keine Beinkleider trägt? oder wie der Weihnachtsbaum aufgekommen ist? Wir blicken zurück in die Kulturgeschichte eines Festes. > mehr