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Philosophie der Antike und des Mittelalters

 

Volksgeist oder Rettung aus der Not?
Von den Anfängen der griechischen Philosophie

Warum entstand die Philosophie gerade in Griechenland und gerade um 600 vor Christus? Diese Frage beschäftigt die Geschichtsschreiber, seit die Philosophie zu einem historischen Bewusstsein ihrer selbst gekommen ist, also spätestens seit Hegel. Ein Philosoph der Berliner Humboldt-Universität hat jetzt eine Genealogie dessen vorgelegt, was in zwei Jahrhunderten deutscher und europäischer Geistesgeschichte als "griechisches Wunder" angesehen wurde. > mehr



Unempfänglich für die Faszination der Utopien
Vor 2.400 Jahren wurde der Philosoph Aristoteles geboren


Cicero lobte den „goldenen Fluss der Rede“ in seinen Dialogen. Das ist aber auch schon alles, was wir von dem Schriftsteller Aristoteles  wissen. Keine Zeile von dem, was er selbst veröffentlichte, ist erhalten geblieben. Bei dem, was wir heute lesen können, dürfte es sich in der Hauptsache um Manuskripte handeln, die er seinen Vorlesungen zugrunde legte. Als Schriftsteller steht der Philosoph Aristoteles, der vor 2.400 Jahren, 384 v. Chr. in Stageira auf der Halbinsel Chalkidiki geboren wurde, im Schatten seines Lehrers Platon. 384 v. Chr. - dann müsste der runde Geburtstag 2016 angefallen sein, möchte man meinen. Doch in unserer Zeitrechnung fehlt ein Jahr „Null“. Das Jubiläum steht also erst 2017 an – was manche nicht davon abgehalten hat, ein bisschen vorzeitig zu feiern. > mehr



 Als Zunge und Gehirn sich trennten
Die Entstehung von Philosophie und Rhetorik im antiken Griechenland


Wissen Sie, wer Isokrates war? Im 4. Jahrhundert v. Chr. betrieb er in Athen eine Rhetorikschule, die den Politikernachwuchs ausbildete. Für die heute so viel berühmtere Akademie des Platon muss sie eine ernsthafte Konkurrenz gewesen sein. Wenn Platon in seinen Dialogen gegen die ältere Generation der „Sophisten“ wie zum Beispiel Protagoras oder Gorgias polemisierte, dann meinte er unter seinen Zeitgenossen vor allem Isokrates. Das scheinbar so bescheidene Wort von den „Philosophen“, den „Weisheitsliebenden“, wurde zum Kampfbegriff gegen die sogenannten „Sophisten“. Ihnen - und im Grunde der Gesamtheit von Rednern und Politikern in Athen - sprach Platon die wahre Liebe zur „Weisheit“ rundweg ab. Im Gedächtnis der Nachwelt hatte Platon damit Erfolg. Die Sophisten gerieten in Verruf, außer in Gräzistenkreisen ist sogar der Name Isokrates heute wenig bekannt. Platon und sein Lehrer Sokrates dagegen gelten bis heute als Gründungsheroen der philosophischen Theorie und Praxis > mehr



"Eine wunderschöne, höchst tugendhafte, hochgelehrte und vollkommen gebildete Frau"
Vor 1.600 Jahren wurde in Alexandria die Philosohin Hypatia ermordet


Die Berichte von ihrem Tod lesen sich mit ihren Grausamkeiten wie eine Märtyrerlegende aus der Zeit der Christenverfolgung. Sie wurde von ihrem Karren heruntergezerrt, nackt ausgezogen und in den Straßen Alexandrias zu Tode geschleift. Oder sie wurde mit Scherben getötet; angeblich schabte man das Fleisch mit Austerschalen von den Knochen und übergab ihren zuckenden Körper dann den Flammen. Doch am Ende fehlt die himmlische Glorie, die Aufnahme in die Schar der Heiligen, die mit ihrem Martyrium für die Wahrheit des christlichen Glaubens zeugen. Hypatia, die im März 415, vor 1.600 Jahren, von einer aufgebrachten Menge ermordet wurde, war „Heidin“, wie man so sagt. > mehr




Textvariante aus dem Wüstensand
Ein ägyptischer Papyrus wirft neues Licht auf die frühe griechische Philosophie

Ein einziger Buchstabe macht den Unterschied. Ein Theta statt eines Ny – und der Satz aus dem Lehrgedicht des griechischen Philosophen Empedokles "Über die Natur" verwandelt seine Bedeutung. Der Schreiber, der die Verse auf dem Papyrus kopierte, muss beide Varianten gekannt haben: Das Ny ist – sozusagen eine kritische Textausgabe – zusätzlich vermerkt. Der Münchner Gräzist Oliver Primavesi zieht die Konsequenzen aus der bisher unbekannten Lesart für die Interpretation der empedokleischen Philosophie. > mehr




Der Philosophenkönig und der unwissende Sokrates
Zur Diskussion um Platons "ungeschriebene Lehre"

Was hat Platon eigentlich gelehrt? Angesichts von etwa 30 erhaltenen Schriften scheinbar eine unsinnige Frage. Aber Äußerungen seines Schülers Aristoteles und auch manche Stellen im eigenen Werk deuten darauf hin, dass es neben der geschriebenen Lehre noch eine "ungeschriebene" gegeben hat. Ein Luzerner Philosoph blickt zurück auf die Debatte, die inden 1970er und 1980er Jahren die philosophiehistorische Forschung in zwei Lager spaltete und bis heute nicht entschieden ist. > mehr




Eine Freiheit zum Tun des Falschen
Über die Wirkungsgeschichte der "Politik" des Aristoteles


Was haben Menschen mit Bienen, Wespen, Ameisen und Kranichen gemeinsam? Die Antwort, die der griechische Philosoph Aristoteles im 4. Jahrhundert vor Christus gab, gehört zu dem meistzitierten Stellen der gesamten Ideengeschichte: Der Mensch sei ein „zoon politikón“, ein „politisches“, also gemeinschaftsbezogenes, genauer gesagt, ein nach staatlicher Gemeinschaft strebendes Lebewesen. Eine Gruppe von Philosophen, Politikwissenschaftlern und Historikern hat die Wirkungsgeschichte der "Politik" des Aristoteles aufgearbeitet. > mehr




Ein Philosoph auf dem Kaiserthron
Die Reaktion des Julian "Apostata" gegen das Christentum

Es gibt Stoffe, mit denen sich die Historiker schwer tun, einfach deshalb,weil die Versuchung, unter dem Mantel geschichtswissenschaftlicher Aussagen doch bloß die eigenen weltanschaulichen Positionen wiederzugeben, so übermächtig ist. Solch ein Stoff ist das Leben des Julian "Apostata", jenes spätrömischen Kaisers, der eine Generation nach Konstantin versuchte, das Christentum aus seiner privilegierten Rolle wieder hinauszudrängen. Ein Team von Philosophen,Theologen und Philologen hat jetzt einen Sammelband vorgelegt, der Julians Intentionen aus geistesgeschichtlicher Perspektive beleuchten will. > mehr



Keine Prägel mehr für die Bildung
Das Mittelelalter - Vorbereitung der modernen Zeit

Egon Friedell, der österreichische Schriftsteller, der nicht nur eine vielgelesene "Kulturgeschichte der Neuzeit", sondern auch Monographien zur Kulturgeschichte des Altertums veröffentlicht hat, wurde einmal gefragt, ob er die Lücke demnächst durch eine Kulturgeschichte des Mittelalters zu schließen gedenke. Friedell soll geantwortet haben: "Mein Herr, ich bin Historiker, kein Theologe!"Da ist was dran. Theologie spielte im Denken des Mittelalters eine derart zentrale Rolle, dass diese Epoche uns heute fremder scheint als das zeitlich doch weiter zurückliegende Altertum. Andererseits müssen die Grundlagen für unsere Neuzeit – einschließlich der Aufklärung – gerade in diesem Mittelalter gelegt worden sein. > mehr

 

Von der Mystik des Urgrunds zur Adelung unserer endlichen Welt
Vor 550 Jahren starb der Philosoph und Theologe Nicolaus Cusanus

In manchen Philosophiegeschichten wird er gar nicht erst erwähnt, jener Nikolaus Chrypffs oder Krebs, der nach seinem Geburtsstädtchen Kues an der Mosel „Nicolaus Cusanus“ genannt wurde und am 11. August 1464, vor 550 Jahren, in Todi, Umbrien, verstarb. Dabei war er einer der wichtigsten Philosophen des späten Mittelalters, eine entscheidende Gestalt im Übergang zur Neuzeit.„Philosoph“ freilich in einem noch ganz mittelalterlichen Sinn, in enger Verbindung mit der Theologie. Philosophie und Theologie bildeten aber nur zwei der vielen Facetten in seinem Werk. Nicolaus war vor allem Kirchenpolitiker, daneben auch Mathematiker und Naturwissenschaftler, Rechtshistoriker und Philologe. > mehr