Die Freiheit der Eigentümer
Zum 300. Todestag von John Locke am 28. Oktober

Auch ein Aspekt des "deutschen Sonderwegs": John Lockes politische Philosophie wurde in Deutschland kaum zur Kenntnis genommen. Dabei gehören die "Abhandlungen über die Regierung" zu den frühesten Zeugnissen eines aufklärerischen, liberalen Denkens. > mehr



"Er brachte das Gold des klassischen Geistes in Umlauf"
Vor 550 Jahren wurde Erasmus von Rotterdam geboren


Ende 1516 erhielt Erasmus von Rotterdam einen Brief von Georg Spalatin, dem Bibliothekar und Sekretär des Kurfürsten Friedrich von Sachsen. Der Text war in jenem ehrerbietigen Ton gehalten, mit dem man sich jetzt dem weltberühmten Gelehrten näherte: „Wir alle hier verehren Dich aufs tiefste, der Kurfürst hat alle Deine Werke in seiner Bibliothek, und er beabsichtigt, alles zu kaufen, was Du noch herausgibst.“ Auf diese Huldigung folgte ein kritischer Einwand, der allerdings nicht vom Schreiber selbst stammte. Ein Augustinergeistlicher, ebenfalls ein großer Bewunderer des Erasmus, habe ihn gebeten, diesen darauf aufmerksam zu machen, dass er in seiner Erklärung der Paulusbriefe die Erbsünde nicht genügend berücksichtigt habe. > mehr

 

Unerfüllte Träume in der besten aller möglichen Welten
Vor 300 Jahren starb der Philosoph und Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz

Als Gottfried Wilhelm Leibniz am 14. November 1716, vor 300 Jahren, in Hannover starb, ließ die Polizei des Kurfürstentums Hannover zunächst einmal seinen Nachlass beschlagnahmen. Es bestand der Verdacht, der Philosoph, der als Beamter am Hannoveraner Hof tätig gewesen war, könnte sich unbefugt mit Staatsgeheimnissen befasst haben. Seine Beziehungen zum Fürstenhaus waren recht ambivalent gewesen. Kurfürstin Sophie, die bereits 1714 verstorben war, hatte ihn als Gesprächspartner sehr geschätzt. Ihr Sohn Georg Ludwig, seit 1715 als Georg I. König von Großbritannien, hielt ihn eher für einen Spinner, der sich viel zu sehr mit unnützen Dingen befasste statt mit der Staatsverwaltung. Doch ganz am Rande seiner Tätigkeit am Hof hinterließ Leibniz ein riesiges wissenschaftliches Werk zu Mathematik und Metaphysik, Logik und Ethik, Paläontologie und Geschichte, Linguistik und Psychologie – wenn jemals bei einem Denker das Wort „Universalgenie“ angebracht war, dann bei Leibniz. > mehr



Der Glaube und das Glücksspiel
Vor 350 Jahren starb der französische Philosoph und Schriftsteller Blaise Pascal

"Pascal" – Physiker denken bei diesem Namen an eine Einheit zur Druckmessung, Mathematiker an die graphische Darstellung von Zahlenreihen, Informatiker an eine Programmiersprache. Der Schriftsteller und Philosoph Blaise Pascal, der am 19. August 1662, im Alter von nur 39 Jahren, verstarb, war auch ein vielseitig interessierter Mathematiker und Naturwissenschaftler. Heute wäre Blaise Pascal aber vermutlich nur noch den Spezialisten jener Wissensgebiete ein Begriff, wenn es da nicht den 23. November 1654 gegeben hätte. Am Abend schrieb er auf einem schmalen Pergamentstreifen einen kurzen Text nieder, der als "Memorial" in die Geschichte eingegangen ist: Feuer. ‚Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs’, nicht der Philosophen und Gelehrten. Gewissheit, Gewissheit, Empfinden: Freude, Friede ... Jesus Christus! Ich habe mich von ihm getrennt, ich habe ihn geflohen, mich losgesagt von ihm, ihn gekreuzigt. Möge ich nie von ihm geschieden sein. Nur auf den Wegen, die das Evangelium lehrt, kann man ihn bewahren ..." > mehr




Der gebrochene Verlauf der Aufklärung
Forscher der Universität Halle fragen nach der esoterischen Rückseite des 18. Jahrhunderts

Potsdam-Besucher finden, wenn sie nach dem Spaziergang durch den Schlosspark von Sanssouci noch Zeit und Muße für weitere Besichtigungen haben, im Norden der Stadt neinen zweiten Garten aus dem 18. Jahrhundert vor, den sogenannten "Neuen Garten". Nach dem Tod König Friedrichs II., "des Großen", 1786 ließ ihn sein Neffe und Nachfolger Friedrich Wilhelm II. anlegen. Im Zentrum des Parks entstand ein Palais im Übergangsstil zwischen Rokoko und Klassizismus, wie er damals Mode war; im Umkreis frönte Friedrich Wilhelm seiner Lust an zeitlich und räumlich entlegenen Bauformen: eine antikische Tempelruine, in der sich die Küche verbarg, ein gotisierender Pavillon, der die Bibliothek des Königs enthielt, eine "ägyptische" Pyramide, die als Eiskeller diente. Aus dem nahe gelegenen See wurden im Winter Eisblöcke geschlagen, um Speisen im Sommer kühlen zu können. Eine pure Spielerei? Keineswegs, antwortet die Berliner Kunsthistorikerin Berit Ruge: Friedrich Wilhelm, engagierte sich eifrig im esoterischen Gold- und Rosenkreuzerorden; den Neuen Garten ließ er durch eine Mauer von der Öffentlichkeit abschirmen, so Ruge, "um die exklusive Atmosphäre für alchemistische Experimente zu gewährleisten". Die Pyramide sollte auf die geheimnisvolle Philosophie verweisen, die der König bei den alten Ägyptern mutmaßte. Eine "esoterische Symbollandschaft" also. Wie ernst diese Symbolik gemeint war, geht schon daraus hervor, dass Friedrich Wilhelm in der Nähe der Pyramide sein Grabmal plante. "Nach damaliger Auffassung materialisierte sich in den altägyptischen Pyramiden eine verlorengegangene Ur-Weisheit", stellt Ruge in einem Sammelband des Interdisziplinären Zentrums für die Erforschung der Europäischen Aufklärung an der Universität Halle fest. > mehr




Doppelte Wahrheit und universale Toleranz
Vor 300 Jahren verstarb der Aufklärer Pierre Bayle

Dieser Philosoph habe "alle Metaphysik theoretisch um ihren Kredit gebracht", schrieb Karl Marx. Vor genau 300 Jahren ist der Aufklärer Pierre Bayle, von dem der junge Marx so begeistert war, in Rotterdam gestorben. Berühmt wurde er mit einem noch heute vergünglich zu lesenden Buch über ein astronomisches Ereignis: den Kometen, der Ende 1680 Europa in Schrecken versetzte. Bayle nahm den Schweifstern zum Anlass einer umfassenden Polemik gegen jede Art von Aberglauben. > mehr




"Weniger Wörter als Gedanken"
Montesquieu und die Gewaltenteilung - zum 250. Todestag des Philosophen

Das Orakel, das bei jeder Diskussion über das Thema der Gewaltenteilung befragt und zitiert zu werden pflegt, nannten ihn die ersten Kommentatoren der amerikanischen Verfassung. Kommenden Donnerstag vor 250 Jahren starb Charles-Louis de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu. > mehr




Erwachen aus dem dogmatischen Schlummer
Vor 300 Jahren wurde der schottische Aufklärungsphilosoph David Hume geboren

Hegels Urteil über seinen Kollegen war respektvoll formuliert, im Ergebnis aber vernichtend. David Hume habe die oberflächliche, bloß subjektive Philosophie eines John Locke konsequent fortgedacht und vollendet, mit einem in Hegels Sicht katastrophalen Ergebnis: „Der Humesche Skeptizismus lässt alles Allgemeine in die Gewohnheiten und Instinkte versinken.“ Großbritannien dagegen verehrt in dem schottischen Denker, der am 7. Mai 1711 in Edinburgh geboren wurde, seinen größten Philosophen. Zum 300. Geburtstag ein Blick auf das Werk des schottischen Aufklärers. > mehr




Die Utopie vom Volk der Götter
Vor 250 Jahren brachte Jean-Jacques Rousseau sein Buch "Über den Gesellschaftsvertrag" heraus

Im Schlosspark von Ermenonville in der Ile-de-France wird dem Besucher folgende Anekdote erzählt: Napoleon Bonaparte habe das ehemalige Grab des Schriftstellers Jean-Jacques Rousseau besucht und nach einer Weile des Schweigens gesagt: „Für die Ruhe Frankreichs wäre es besser gewesen, dieser Mann hätte nie gelebt; er hat die Revolution vorbereitet."- Jean-Jacques Rousseau als der Vater der Französischen Revolution, sozusagen als Ahnherr unserer modernen Zeit ... Im April 1762, vor 250 Jahren, brachte Rousseaus sein staatstheoretisches Hauptwerk heraus, den „Gesellschaftsvertrag", mit jenem Eingangssatz, der die Stimmung der Zeit auf den Punkt brachte: „Der Mensch ist frei geboren und überall liegt er in Ketten." Einige Wochen später erschien aus Rousseaus Feder noch eine zweite Gründungsurkunde der Moderne, sein Roman „Émile", in dem er zeigen wollte, wie eine Besserung möglich sein könnte: durch die Erziehung des Menschen. > mehr
 



Zwei undankbare Töchter
Christen, Juden und Heiden in der Philosophie der Neuzeit


"Dass nichts, was die Nazis den Juden angetan haben, ihnen nicht auch von der katholischen Kirche angetan wurde", hat Max Horkheimer einmal behauptet. Das wäre, wörtlich verstanden, zweifellos eine Verharmlosung des Holocaust; aber ganz falsch ist es nicht: Dem modernen, rassistischen Antisemitismus gingen zweitausend Jahre eines religiös motivierten Antijudaismus voraus. Der Philosoph Horst Althaus hat eine umfassende Studie über die Rezeption dieses Dreierschemas Christen - Juden - Heiden in der Philosophie der Neuzeit vorgelegt. > mehr