Dossier
Philosophie des 19. Jahrhunderts

 


Das Ich, das Nichts und die Empörung
Vor 150 Jahren starb der Urvater der anarchistischen Theorie, Max Stirner

Karl Marx nannte ihn "den hohlsten und dürftigsten Kopf unter den Philosophen" und attestierte ihm "Fieberträume". Nur merkwürdig, dass der Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus es für nötig hielt, Max Stirner mit einer Kritik zu bedenken, die viel umfangreicher ausfiel als das kritisierte Werk selbst ... Zum 150. Todestag dieses Urvaters der anarchistischen Theorie. > mehr




Wenn der blinde Trieb zur Selbsterkenntnis gelangt
Zum 150. Todestag des Philosophen Arthur Schopenhauer

Was 1819 in Leipzig unter dem Titel "Die Welt als Wille und Vorstellung" auf den Büchermarkt kam, muss die Leser irritiert haben. Ein junger Privatgelehrter erkühnte sich, ein philosophisches System vorzulegen, das die philosophische und theologische Tradition des Abendlandes umkehrte und mit den Worten von Goethes Mephisto Ernst machte: "Besser wär’s, dass nichts entstünde." Zu Arthur Schopenhauers 150. Todestag ein Blick auf Werk und Wirkund des Philosophen, der bis heute im Schatten seiner Zeitgenossen Hegel und Marx steht.  > mehr




Ist der Mensch, was er isst?
Zweieinhalb Jahrtausende Philosophie der Verdauung

„Man ist, was man isst“, behauptete 1850 der Philosoph Ludwig Feuerbach in der Rezension eines ernährungswissenschaftlichen Buches von Jakob Moleschott. Der Satz sollte provozieren; Feuerbach suchte nach einem möglichst prägnanten Ausdruck für seine Wendung gegen die idealistische Philosophie seines Lehrers Hegel. Aber zugleich war er auf der Höhe der empirischen Wissenschaft seiner Zeit. „Jene eigentümliche Retorte, die wir Magen nennen“, hatte Moleschott geschrieben, löse und vereinheitliche die eingeführten Brennstoffe derart, dass sie zu Baumitteln der „arbeitenden Maschine“ werden könnten, des Menschen. Nur dass Moleschott das hübsche Wortspiel leider nicht eingefallen war, darauf kam erst der Rezensent. > mehr




Selbstinszenierungen der Sinnlichkeit
Die Produktivität der Krise bei Heine und Nietzsche

Als Hegel 1831 verstarb, empfanden seine Schüler das sowohl als Verwaisung wie auch als Befreiung: Die Diskussion um die Interpretation und Uminterpretation des Meisters war freigegeben. Im folgenden Jahr wiederholte sich etwas Ähnliches auf dem Gebiet der schönen Literatur. Mit Goethes Tod gehe eine ganze Epoche zu Ende, hat Heinrich Heine festgestellt, die „Kunstepoche“. Die große, für eine jüngere Schriftstellergeneration zweifellos auch belastende Vorbildfigur war abgetreten. Heine sah sich sowohl gegenüber Goethe als auch gegenüber Hegel in einem Schüler-Lehrer-Verhältnis, in einer eigentümlichen Mischung von Respekt und Distanz. Ein Dichter der Epochenwende. Ein Düsseldorfer Germanist ist der Schreibweise nachgegangen, in der Heine sein schriftstellerisches Programm realisierte: Heine „inszenierte“ seine Schriftstellerexistenz vor dem Leser. > mehr




"Das öffentliche Bekenntnis der Liebesgeheimnisse des Menschen"
Zum 200. Geburtstag des Philosophen Ludwig Feuerbach

Was haben Karl Marx und Richard Wagner gemeinsam? Bevor Sie lange ins Grübeln geraten: Es ist die Lektüre von Ludwig Feuerbach, die den Theoretiker des Historischen Materialismus wie den Musiktheatraliker tief geprägt hat. Im Bewusstsein unserer Gegenwart bleibt Feuerbach vordergründig durch seine Destruktion des Hegelschen Idealismus präsent. Ein Blick in die Texte macht aber deutlich, dass der Philosoph die folgenden Generationen weit nachhaltiger beeinflusst hat, als die Stichworte „Materialismus“ und „Atheismus“ ermuten lassen. > mehr




Sokrates gegen die Tyrannei der Mehrheit
Zum Geburtstag des englischen Philosophen John Stuart Mill

"Es ist besser, ein unbefriedigtes menschliches Wesen als ein befriedigtes Schwein zu sein, besser ein unbefriedigter Sokrates als ein befriedigter Narr. Und wenn der Narr oder das Schwein anderer Ansicht sind, dann deshalb, weil sie nur die eine Seite der Angelegenheit kennen." Der englische Philosoph John Stuart Mill, der am 20. Mai 200 Jahre alt geworden wäre. Mit seinem Buch "On Liberty" gilt Mill als der einflussreichste englische Theoretiker des Liberalismus im 19. Jahrhundert. > mehr




Der Sprung ins Paradox des Glaubens
Vor 200 Jahren wurde der religiöse Schriftsteller Sören Kierkegaard geboren

„Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar.“ Es gibt wenige andere Stellen in der Bibel, die modernen Lesern – auch oder gerade gläubigen Christen – derart anstößig erscheinen wie die Geschichte von Abraham und Isaak. Immanuel Kant sah nur eine einzige Möglichkeit, diese Stelle so zu deuten, dass sie seinem Kategorischen Imperativ nicht stracks zuwiderlief. Abraham hätte der vermeintlich göttlichen Stimme antworten müssen: "Dass ich meinen guten Sohn nicht töten soll, ist ganz gewiss; dass aber du, der du mir erscheinst, Gott seiest, davon bin ich nicht gewiss und kann es auch nicht werden." Für den dänischen Denker Søren Kierkegaard dagegen war das Wort Gottes eindeutig und erlaubte keine moralisierenden Umdeutungen. Als Philosoph konnte er Kant nicht widersprechen: Was Gott verlangte, war Mord. Aber als „religiöser Schriftsteller“, wie er sich selbst bezeichnete, wollte Kierkegaard, der vor 200 Jahren, am 5. Mai 1813, in Kopenhagen geboren wurde, seine Zeit lehren, diesen Widerspruch auszuhalten. > mehr




Ein geborener Pariser aus Sachsen
Nietzsche und Frankreich - Aspekte einer Seelenverwandtschaft

Friedrich Nietzsche kokettierte gern mit der Möglichkeit, er könne vielleicht von polnischen Edelleuten abstammen. Man darf mutmaßen, dass er sich noch viel lieber eine französische Abkunft angedichtet hätte. In Frankreich sah er seine geistige Heimat. „Man sagt mir, ich müsse ein geborener Pariser sein, noch nie habe ein Ausländer so französisch gedacht“, vermerkte er geschmeichelt in einem Brief 1888. Eine Forschergruppe hat diese Seelenverwandschaft einer Analyse unterzogen: Nietzsches Blick auf Frankreich einerseits, die Rezeption seiner Philosophie dort andererseits. > mehr




"Was der Mensch sei, sagt ihm seine Geschichte"
Vor 100 Jahren starb Wilhelm Dilthey, der Philosoph der Geisteswissenschaften

Wilhelm Dilthey, der Theoretiker der Geisteswissenschaften ... Man kann bezweifeln, ob der Augenblick günstig ist, an diesen Philosophen zu erinnern, der vor hundert Jahren, am 1. Oktober 1911, in Seis am Schlern in Südtirol starb. Wenn an den Universitäten wieder einmal Geldmittel gekürzt werden müssen, geraten als erste die sogenannten "Geisteswissenschaften" ins Visier. Seine Argumentation, um die Legitimität der Geisteswissenschaften in ihrer Konkurrenz mit den aufstrebenden Naturwissenschaften zu begründen, wird auch damals schon ein Abwehrkampf gewesen sein. > mehr