Dossier
Aus der Philosophiegeschichte

 


Jenseits der gütigen Aufklärung
Eine Neuerscheinunng über "Grundbegriffe der europäischen Geistesgeschichte"


Sokrates muss ein nervenaufreibender Zeitgenosse gewesen sein. Wenn man ihm auf dem Markt begegnete, nahm er das "How do you do" gleich wörtlich und verwickelte einen in lange Diskussionen, was das denn eigentlich sei, ein glückliches Leben. Wenn Sokrates heute lebte, würde es mit ihm vermutlich noch viel schwieriger. Er und seine Gesprächspartner könnten schwer darüber hinweg sehen, dass über solche Fragen wie zum Beispiel das Glück seit Jahrtausenden diskutiert wird. Ein Philosophieprofessor der Universität Wien hat jetzt mit einigen Kollegen eine Sammlung von Begriffsgeschichten vorgelegt - auch für den Gabentisch unterm Weihnachtsbaum geeignet. > mehr



Markierungen im historischen Wandel
Aus Reinhart Kosellecks Begriffsgeschichten


Ein dreiviertel Jahr nach dem Tod des Historikers Reinhart Koselleck ist jetzt eine Sammlung von Aufsätzen und Vorträgen erschienen, ein Querschnitt durch das Lebenswerk, sozusagen die Parerga neben der Enzyklopädie der "Geschichtlichen Grundbegriffe", die Koselleck vor Jahrzehnten angestoßen und ab 1972 mit herausgegeben hat. Es ist längst ein Standardwerk in jeder großen Bibliothek mit historischer Literatur, der neue Band eher ein Lesebuch für den Hausgebrauch. > mehr



Wahrheitssuche unter Zeitmangel
Aus dem Nachlass eines kriminalisierenden Philosophen

Das Leben ist kurz, die Wahrheit oft weit weg, zu weit, um sie in menschlich vertretbarer Zeit finden zu können. Der Philosoph Hans Blumenberg hat sich diesem Thema 1975 in einer Vorlesung an der Universität Münster gewidmet. Das Manuskript wurde jetzt aus dem Nachlass des Philosophen herausgegeben. Der Text zeigt, dass dieser Philosoph, dessen Schriften ihren Witz oft erst beim zweiten oder dritten Lesen erschließen (der Kollege Odo Marquard nannte sie "als gelehrte Wälzer getarnte Problemkrimis") im mündlichen Vortrag sehr unterhaltsam sein konnte. > mehr



Gewebe von Unsinn für den höheren Denker
Geschichte in der Kritik - ein Dresdner Philosoph über die Geschichtsphilosophie seit 1800

Das erste Mal, "dass der Mensch sich auf den Kopf, d.i. auf den Gedanken stellt und die Wirklichkeit nach diesem erbaut", urteilte Hegel über die Französische Revolution. Aber gerade in den beiden folgenden Jahrhunderten, während "Fortschritt" und "Geschichte" ein beherrschendes Denkschema bildeten, haben viele Denker, gerade in Deutschland, davon Abstand gehalten. Ein Dresdner Philosoph hat sich der "Geschichtskritik" seit 1800 angenommen.  > mehr



Zwei undankbare Töchter
Christen, Juden und Heiden in der Philosophie der Neuzeit

"Dass nichts, was die Nazis den Juden angetan haben, ihnen nicht auch von der katholischen Kirche angetan wurde", hat Max Horkheimer einmal behauptet. Das wäre, wörtlich verstanden, zweifellos eine Verharmlosung des Holocaust; aber ganz falsch ist es nicht: Dem modernen, rassistischen Antisemitismus gingen zweitausend Jahre eines religiös motivierten Antijudaismus voraus. Der Philosoph Horst Althaus hat eine umfassende Studie über die Rezeption dieses Dreierschemas Christen - Juden - Heiden in der Philosophie der Neuzeit vorgelegt. > mehr



Eine Freiheit zum Tun des Falschen
Über die Wirkungsgeschichte der "Politik" des Aristoteles

Was haben Menschen mit Bienen, Wespen, Ameisen und Kranichen gemeinsam? Die Antwort, die der griechische Philosoph Aristoteles im 4. Jahrhundert vor Christus gab, gehört zu dem meistzitierten Stellen der gesamten Ideengeschichte: Der Mensch sei ein „zoon politikón“, ein „politisches“, also gemeinschaftsbezogenes, genauer gesagt, ein nach staatlicher Gemeinschaft strebendes Lebewesen. Eine Gruppe von Philosophen, Politikwissenschaftlern und Historikern hat die Wirkungsgeschichte der "Politik" des Aristoteles aufgearbeitet. > mehr



Die Heiligsprechung der Person
Der Soziologe Hans Joas legt eine neue Genealogie der Menschenrechte vor

Hätte Senator John Bricker sich durchgesetzt, müssten manche politischen Diskussionen auf der internationalen Bühne der Gegenwart ganz anders ablaufen. Um 1950 war Bricker Vertreter seines Staates Ohio im US-Senat. Nachdem die Vereinten Nationen 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet hatten, versuchte er, mit einem Verfassungszusatz die Annahme durch die USA zu verhindern. Widerstand gegen diese Erklärung und ihre Durchsetzung gab es eben nicht nur in den sozialistischen Staaten und in der Dritten Welt, sondern auch in einem der Kernländer der „westlichen“ Kultur„ Der Soziologe Hans Joas hat jetzt eine neue Genealogie der Menschenrechte vorgelegt. > mehr