Dossier
Religion in der antiken Welt

 

Wo Charon rudert und Kerberos wacht
Das Berliner Pergamonmuseum präsentiert eine Reise in die antike Unterwelt

Schattenbilder, "gleich einem Windhauch und ganz ähnlich einem flüchtigen Traum": So werden die Verstorbenen bei Homer geschildert. Damit ist das Spektrum antiker Vorstellungen von der Unterwelt aber längst nicht erschöpft. Eine Ausstellung im Berliner Pergamonmuseum, die gemeinsam mit dem Winckelmann-Institut der Humboldt-Universität erarbeitet wurde, präsentiert eine Reise in die antike Unterwelt, mitsamt dem Versuch, die verschiedenen topographischen Angaben der Dichter in einer Karte zu vereinigen. > mehr




"Eine wunderschöne, höchst tugendhafte, hochgelehrte und vollkommen gebildete Frau"
Vor 1.600 Jahren wurde in Alexandria die Philosohin Hypatia ermordet


Die Berichte von ihrem Tod lesen sich mit ihren Grausamkeiten wie eine Märtyrerlegende aus der Zeit der Christenverfolgung. Sie wurde von ihrem Karren heruntergezerrt, nackt ausgezogen und in den Straßen Alexandrias zu Tode geschleift. Oder sie wurde mit Scherben getötet; angeblich schabte man das Fleisch mit Austerschalen von den Knochen und übergab ihren zuckenden Körper dann den Flammen. Doch am Ende fehlt die himmlische Glorie, die Aufnahme in die Schar der Heiligen, die mit ihrem Martyrium für die Wahrheit des christlichen Glaubens zeugen. Hypatia, die im März 415, vor 1.600 Jahren, von einer aufgebrachten Menge ermordet wurde, war „Heidin“, wie man so sagt. > mehr




Eine ausgestorbene Weltreligion
Vor 1.800 Jahren wurde Mani geboren, der Stifter des Manichäismus


Bücher mit dem Titel „Die Weltreligionen“ sind Renner auf dem Büchermarkt: Beim Publikum besteht großes Bedürfnis zu wissen, was andere Menschen glauben, nach welchen Regeln sie ihr Leben ausrichten usw. Die Zusammenstellung allerdings wechselt. Oft fehlen die chinesische Religion und der Hinduismus, die ja niemals aus ihrem Kulturkreis herausgetreten sind. Auch über das Judentum besteht keine Einigkeit. Zwar spricht seine weltweite Verbreitung für die Einstufung als „Weltreligion“; aber an der Zahl der Anhänger gemessen, steht es weit hinter Christentum, Islam und Buddhismus zurück. Ob es nun vier oder fünf oder sechs sind – blickt man in die Geschichte zurück, ist die Zählung immer noch unvollständig. In Spätantike und Frühmittelalter war von Westeuropa bis China noch eine siebente Weltreligion verbreitet, die sowohl dem Christentum als auch dem Buddhismus ernsthafte Konkurrenz machte: der Manichäismus. > mehr

 


Freie Menschen und freie Götter
Eine Destruktion des Schicksalsbegriffs in Homers Epen

"Trotz dem Schicksal", diese Formel kommt in der klassischen deutschen Homer-Übersetzung von Johann Heinrich Voß des öfteren vor. Zum Beispiel macht Göttervater Zeus sich Sorgen, der Held Achilleus könnte die Stadt Troja vorzeitig erobern, "trotz dem Schicksal". Aber kann das eigentlich sein, dass ein einzelner Mensch den schicksalhaft vorgegebenen Verlauf der Dinge ändert? Oder leitet uns der Übersetzer in die Irre? Ein Nachwuchsforscher an der Freien Universität Berlin, hat diese Frage neu aufgegriffen > mehr 



Feinde des Reiches oder Feinde der Wahrheit?
Religiöser Fundamentalismus in der römischen Kaiserzeit

Als 2001 die afghanischen Taliban die weltberühmten Buddhastatuen von Bamiyan sprengten, wollten sie ein Zeichen setzen: Die Welt sollte begreifen, dass der Islam – als Religion, als Kultur, als Gesellschaftsordnung – den „Heiden“ überlegen sei. Kein Einzelfall in der Religionsgeschichte. Haben wir es hier mit einer Konstante der zu tun, die es immer schon gegeben hat? Oder sind manche Religionen sozusagen von Natur aus tolerant, andere eher intolerant ? Eine Tagung an der Universität Potsdam hat sich vor zwei Jahren mit einem Ausschnitt der Religionsgeschichte befasst, der späten Antike: Damals erstritten die frühen Christen zunächst im Martyrium die Duldung ihrer Religion und setzten dann in weniger als einem Jahrhundert – und keineswegs ohne Gewalt – seine Alleinherrschaft durch. > mehr




Eine Epoche des Experimentierens
Das Badische Landesmuseum Karlsruhe präsentiert den religiösen Pluralismus der Spätantike


Was wäre gewesen, wenn ... Eine Frage, die sich niemals sicher beantworten lässt und die uns dennoch immer wieder in Atem hält, selbst dann, wenn es um lange zurückliegende Epochen geht. Wie, fragte 1882 der Religionshistoriker Ernest Renan, hätte sich die Welt weiterentwickelt, wenn das Christentum im 4. Jahrhundert nach Christus aufgrund irgendwelcher zufälliger Ereignisse in seiner Ausbreitung gehindert worden, also nicht zur Staatsreligion des Römischen Reiches aufgestiegen wäre? Seine Antwort: "Die westliche Welt wäre mithrasgläubig geworden." Das ist keineswegs auszuschließen. Der Mithras-Kult war damals eine sehr ernsthafte Konkurrenz zum Christentum, sogar mit dem Vorteil, dass er nicht im Konflikt mit den Behörden stand. Er war allerdings nicht die einzige Konkurrenz; auch die Mysterien um Isis und Serapis zählten viele Anhänger. Der Berliner Althistoriker Alexander Demandt erwägt im Katalog zur aktuellen Ausstellung "Imperium der Götter" im Badischen Landesmuseum Karlsruhe eine andere Entwicklungslinie: Wäre das Christentum gescheitert, hätte sich vermutlich keine dieser Religionen allgemein behaupten können, auch nicht die Erlösungsreligion des Manichäismus, die sich seit dem 3. Jahrhundert von Iran aus verbreitete. "Dazu wäre erst der Islam fähig gewesen." Die römische Kaiserzeit, stellt Demandt fest, war eine "religionsgeschichtliche Experimentierphase". "Dutzende von Glaubensrichtungen und Weltanschauungen warben um Anhänger, und lange war unklar, welche sich durchsetzen würde." Das Badische Landesmuseum präsentiert jetzt diesen religiösen "Pluralismus" in einer großen Sonderausstellung: 400 Objekte aus den großen Museen Europas, vor allem Götterstatuen und -statuetten - der "alten" Götter, die seit Jahrhunderten in Rom oder Griechenland verehrt wurden -  der "neuen", aus dem Orient "zugewanderten". > mehr




Kaiser, Gott und Sterne
"Was gut und wahr ist" - Der Christenverfolger Diokletian als Lehrer des Abendlandes


Die Christenverfolgung des 4. Jahrhunderts hat in unserem Namenskalender Spuren hinterlassen: Dutzende von Heiligen, die damals ihr Leben lassen mussten. Kaiser Diokletian machte aber noch in ganz anderer Hinsicht Schule. > mehr




Toleranz wider Willen
Vor 1.700 Jahren erklärte Kaiser Galerius das Christentum zur "erlaubten Religion" im Römischen Reich

Welcher Kaiser beendete die Christenverfolgung im Römischen Reich? Nein, es war nicht Konstantin der Große, wie alle Welt glaubt. Als sich Konstantin im Februar des Jahres 313 im sogenannten "Toleranzedikt von Mailand" mit seinem Kaiserkollegen Licinius darauf einigte, alle Religionen zuzulassen, lagen im größten Teil des Römischen Reiches die letzten Verfolgungen fast zwei Jahre zurück. Am 30. April 311, vor genau 1.700 Jahren, hatte Kaiser Galerius das Christentum zur "erlaubten Religion" erklärt. "In Anbetracht unserer umfassenden Milde", verkündete Galerius im Edikt von Serdica, dem heutigen Sofia, dürften die Christen "wieder Christen sein und ihre Versammlungsstätten wieder aufbauen", unter der Voraussetzung, "dass sie nichts gegen die öffentliche Ordnung unternehmen". > mehr




Ein Philosoph auf dem Kaiserthron
Die Reaktion des Julian "Apostata" gegen das Christentum

Es gibt Stoffe, mit denen sich die Historiker schwer tun, einfach deshalb, weil die Versuchung, unter dem Mantel geschichtswissenschaftlicher Aussagen doch bloß die eigenen weltanschaulichen Positionen wiederzugeben, so übermächtig ist. Solch ein Stoff ist das Leben des Julian "Apostata", jenes spätrömischen Kaisers, der eine Generation nach Konstantin versuchte, das Christentum aus seiner privilegierten Rolle wieder hinauszudrängen. Ein Team von Philosophen, Theologen und Philologen hat jetzt einen Sammelband vorgelegt, der Julians Intentionen aus geistesgeschichtlicher Perspektive beleuchten will. > mehr