Dossier
Die Welt des Judentums

 

Auf der Suche nach dem revolutionären Bruch
Die Ausbildung der Weltreligionen - Beispiel Altes Testament

Ob der Moses des Auszugs aus Ägypten und der Zehn Gebote jemals gelebt hat, weiß die moderne Wissenschaft nicht zu sagen. Aber was sich mit seinem Namen verbindet, die "mosaische Unterscheidung" (so der Heidelberger Ägyptologe Jan Assmann), machte Weltgeschichte. Ein Forscherkreis an der Universität Heidelberg hat nach "primärer" und "sekundärer" Religiosität im Alten Testament gefragt. > mehr



Der Bandit, den die Nachwelt zum König machte
Israelische Archäologen entzaubern die Geschichte von David und Salomo

Die Frage, wie der Tempel König Salomos in Jerusalem ausgesehen hat, gehört zu den beliebtesten Spielen historischer Unterhaltung, nicht erst, seitdem es Fernsehmagazine gibt. Zwei israelische Archäologen haben jetzt die Grundlage für solche Spekulationen erschüttert: Im 10. Jahrhundert v. Chr. war Jerusalem bloß ein armseliges Bergdorf, der Tempel wurde erst viel später erbaut. Mehr noch: Das geeinte Großreich Israel, das Salomos Vater David begründet haben soll, hat es nie gegeben > mehr




"Eine Zierde der Stadt"
Vor 150 Jahren wurde die Berliner "Neue Synagoge" eingeweiht


Der Historiker Heinrich von Treitschke gab sich keine Mühe, seinen Ärger hintanzuhalten. „Das schönste und prächtigste Gotteshaus der deutschen Hauptstadt“, schimpfte er noch dreizehn Jahre später, 1879, sei „eine Synagoge“, ausgerechnet, damit werde doch demonstriert, „dass die Juden in Deutschland mächtiger sind als in irgendeinem anderen Land Westeuropas“. Ob sich die Jüdische Gemeinde Berlins mit der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße, die am 5. September 1866, vor 150 Jahren, eingeweiht wurde, wirklich das „schönste“ Gotteshaus der Stadt gebaut hatte, mag offenbleiben. Das „prächtigste“ war sie mit ihrer golden glänzenden, weithin sichtbaren Kuppel damals sicherlich. > mehr




Abtrünnige, die fest in der Tradition stehen
Ursprünge und Wege der Säkularisierung im Judentum


Rabbi Abraham und seine Frau Sarah, erzählte Heinrich Heine in seinem historischen Roman „Der Rabbi von Bacharach“, müssen vor einem Massaker nach Frankfurt fliehen. Dort treffen sie einen getauften spanischen Juden namens Don Isaak Abarbanel. Der begrüßt sie gleich mit einer Versicherung, die den frommen Rabbi wohl sehr verunsicherte: Er selbst liebe am Volk Israel weniger den Glauben als vielmehr die Küche; dem Glauben fehle „die rechte Sauce“. Aber es kommt noch schlimmer: „Ja, ich bin ein Heide, und ebenso zuwider wie die dürren, freudlosen Hebräer sind mir die trüben, qualsüchtigen Nazarener.“ Man darf in diesem getauften Juden, der eigentlich lieber ein Heide wäre, ein Selbstportrait des Dichters vermuten, der ebenfalls zum Christentum übergetreten war. Der Roman blieb unvollendet, vielleicht ja deshalb, weil Heine von seinem Vorhaben abkam, das Verhältnis der beiden Religionen zum „Heidentum“ und zur modernen Welt – heute spricht man von „Säkularisierung“ - näher zu diskutieren. > mehr




Zwischen Assimilation und Rigorismus - Reaktionen auf eine "Leitkultur"
Das Judentum in der Antike


Auf dem Bucheinband ist das Fußbodenmosaik aus der Synagoge von Beth Alpha im nördlichen Israel abgebildet, das 1929 bei Ausgrabungen entdeckt wurde. In der Mitte ist der Sonnengott mit seinem Pferdegespann zu sehen, umringt wird er von den zwölf Tierkreiszeichen. Durch die Inschrift lässt sich das Mosaik auf das 6. Jahrhundert n. Chr. datieren. Ein Sonnengott in einer Synagoge? Noch bevor der Leser das neue Buch des New Yorker Judaisten Seth Schwartz über das „Judentum in der Antike“ überhaupt aufgeschlagen hat, deutet ihm dieses Bild bereits an, dass seine scheinbar doch so selbstverständlichen Erwartungen an das Thema irrig sein könnten. > mehr




Abrahams Opfer und der Sündenbock
In diesem Jahr fallen die höchsten Feiertage von Judentum und Islam wieder zusammen


Die beiden Festkalender machen es möglich: Regelmäßig kommt es vor, dass die höchsten Feste der beiden Weltreligionen Judentum und Islam auf ein und denselben Tag fallen, so war es 2014, so ist es dieses Jahr wieder, nämlich am 23. September, das nächste Mal dann aber erst in 33 Jahren. Der Grund: Zwar basieren beide Termine auf einem Mondkalender mit zwölf Monaten; aber das jüdische Mondjahr wird immer wieder durch Schaltmonate an das Sonnenjahr angeglichen, das Versöhnungsfest Jom Kippur liegt deshalb immer im September oder Oktober. Einen solchen Ausgleich hat das islamische Mondjahr nicht, es ist jedes Mal elf Tage kürzer als unser Sonnenjahr; deshalb „wandert“ das Opferfest sozusagen durch die Jahreszeiten, dreimal in einem Jahrhundert. > mehr



"Verflucht sei ihr Zorn, weil er so gewalttätig ist"
Die Geschichte vom Auszug aus Ägypten als eine "Revolution der Alten Welt"


Kaiser Karl V., so berichten die Chronisten des 16. Jahrhunderts, wurde manchmal von Gewissensbissen geplagt, ob es auch richtig sei, was seine Conquistadores in Amerika mit den „Indianern“ machten. Zur Beruhigung ließ er sich dann aus der Bibel vorlesen, am liebsten aus dem 20. Kapitel des Buches Deuteronomium: „Von den Städten dieser Völker, die Jahwe, dein Gott, dir als Erbteil gibt, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, sondern du sollst an ihnen unbedingt den Bann vollziehen.“ „Du sollst keinen Bund mit ihnen schließen noch ihnen gegenüber Gnade walten lassen.“ Ja, im Alten Testament finden sich Stellen, die dem heutigen moralischen Bewusstsein krass widersprechen. > mehr



"Es töte ein jeder seinen Bruder, seinen Freund"
Ein Rückblick auf die Debatte um die "Mosaische Unterscheidung"

Die katholische Kirche des Mittelalters und der frühen Neuzeit hatte schon ihre Gründe, dass sie Übersetzungen des Bibeltextes in die Volkssprachen mit Missbehagen ansah. Allzu leicht mochten die Schäflein Passagen finden, mit denen sie ihre Hirten in Verlegenheit bringen konnten. Berühmt-berüchtigt ist zum Beispiel eine Erzählung im Exodus-Buch, Kapitel 32. Während Moses auf dem Berg Sinai von Gott die Gesetzestafeln empfängt, hat „das Volk“ sich zu einem kultischen Tanz um ein goldenes Stierbild versammelt. Als Moses das sieht, wendet er sich an „die Söhne Levi“, seine engeren Gefolgsleute: „So spricht der Herr, der Gott Israels … Es töte ein jeder seinen Bruder, jeder seinen Freund und jeder seinen Verwandten. Und die Leviten handelten nach dem Wort des Moses. So fielen vom Volk an jenem Tag an die dreitausend Menschen.“ 2003 nahm der Heidelberger Ägyptologe Jan Assmann diesen Text zum Anlass für sein Buch „Die mosaische Unterscheidung “. Assmanns These: Diese Bibelpassage signalisiere eine in der Geschichte zuvor unbekannte Unterscheidung zwischen „wahrer“ und „falscher“ Religion, zwischen dem einen „wahren“ Gott und den „Götzen“. > mehr 

 


 
Zwischen Speyer und Córdoba
Ausstellung über "Europas Juden im Mittelalter"

Alle Komponenten des modernen Antisemitismus, vom Vorwurf der Raffgier bis zur Ritualmordlegende, gehen auf das Mittelalter zurück. Welche Kultur das mittelalterliche Judentum damals unter christlicher wie islamischer Herrschaft dennoch ausbilden konnte, zeigt jetzt eine Ausstellung in Speyer > mehr



Mit den Engelnamen zum Pferderennen
Das berühmteste Handbuch der jüdischen Magie - erstmals in einer wissenschaftlich exakten Edition

Das berühmteste Handbuch jüdischer Magie erscheint erstmals in einer wissenschaftlich exakten Edition. Die Judaisten der FU Berlin haben haben die wichtigsten Fassungen und Übersetzungen des Textes, der etwa im 7. oder 8. Jahrhundert entstanden sein soll, in einer Synopse zusammengestellt. Falls sich jemand ganz praktisch an diesen Zauberformeln versuchen will: Wir bringen zwei Proben im Wortlaut. > mehr



Gottlosigkeit und Menschenhass
Spurensuche nach dem Antisemitismus in der Antike

Manchmal wirkt die Geschichte der alten Kulturen doch sehr gegenwärtig. Als der syrische König Antiochos VII. Sidetes im Jahr 134 vor Christus, berichtet der Historiker Diodorus Siculus, Jerusalem belagerte, legten ihm seine Ratgeber nahe, nicht nur „die Stadt im Sturm zu nehmen“, sondern auch „das Geschlecht der Juden ganz zu vernichten“. Begründung: „Allein die Juden unter allen Völkern schlössen sich aus vom Umgang mit jedem anderen Volk und sähen sie alle als ihre Feinde an.“ Antisemitismus in der Antike ... Ein Judaist an der Universität Princeton hat die griechischen und römischen Quellen einer ausführlichen Analyse unterzogen, einer Anregung von Theodor Mommsen folgend: Dr Judenhass und die Judenhetzen seien so alt wie die Diaspora selbst.> mehr