Dossier
Aus der Urgeschichte des Christentums

 

 Gottesknecht, Opferlamm und Sündenbock
Zwei Jahrtausende Diskussionen über den Sinn der Passion Jesu Christi

Religionslehrer wissen davon ein Lied zu singen. Warum hatte Gott es nötig, seinen Sohn kreuzigen lassen, fragen Schüler und Eltern. In der Tat, nach menschlichen oder gar „modernen“ Maßstäben ist der Sinn von Jesu Tod am Kreuz schwer einzusehen. „Christus wurde geopfert, um die Sünden der vielen zu tragen“, fasst der Hebräerbrief die Theologie des Neuen Testaments bündig zusammen. Das ist erstens mit unserer Vorstellung nicht vereinbar, dass Schuld nur persönlich gesühnt werden kann, nicht stellvertretend, und widerspricht zweitens dem Gedanken an einen nicht nur gerechten, sondern auch gütigen Gott. Das Problem hat sich gegenüber früheren Generationen noch verschärft; gerade mit der Passionsgeschichte setzte sich das Christentum dem Verdacht der Sinnenfeindlichkeit und des Asketismus aus. Probleme hatten aber bereits die Hörer der christlichen Botschaft vor 2.000 Jahren. Die Predigt vom gekreuzigten Christus sei „den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit“, stellte Paulus im 1. Korintherbrief fest. . > merhr




"Diesen Jesus hat Gott auferweckt ..."
Vom Pfingstwunder zu den ersten Konzilien - die Entwicklung des christlichen Glaubensbekenntnisses

„Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dafür sind wir alle Zeugen.“ So lautet der zentrale Satz der Pfingstpredigt des Apostels Petrus; in den folgenden Kapiteln der Apostelgeschichte wird er oft wiederholt und variiert. Petrus und die Apostel vor dem jüdischen Hohen Rat: „Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr an das Holz gehängt und getötet habt, den hat Gott durch seine rechte Hand zum Fürsten und Heiland erhöht, um Israel Umkehr und Vergebung der Sünden zu gewähren.“ Viele Exegeten unterstellen heute, dass der Verfasser der Apostelgeschichte, als er in den 90er Jahren, etwa sechs Jahrzehnte nach Jesu Tod, sein Werk schrieb, mehr als Theologe denn als Historiker arbeitete; der Text gibt nicht Satz für Satz das wider, was „wirklich“ geschehen ist. Aber in diesem Punkt traf seine Darstellung zweifellos auch rein historisch das Richtige: Am Anfang der christlichen Mission standen der Glaube an die Auferweckung des gekreuzigten Jesus und das Bekenntnis dieses Glaubens. > mehr




"Sein Blut komme über uns und unsere Kinder"
Die Entstehung des Antijudaismus im frühen Christentum

Eine bloß religiös motivierte Beschneidung, also eine Beschneidung ohne medizinische Indikation, sei wie jede andere Körperverletzung strafbar, entschied Ende Juni das Landgericht Köln – und schon war die Frage auf dem Tisch: Ist das Antisemitismus? Und zwar in Deutschland, sieben Jahrzehnte nach dem Holocaust? Dass die Frage heute überhaupt diskutiert werden kann, liegt an historischen Entwicklungen, die keineswegs zwangsläufig waren. Jesus von Nazareth wurde wie alle anderen Juden im Alter von acht Tagen beschnitten, so sieht es das mosaische Gesetz vor. Aber als seine Jünger sich daran machten, das Evangelium von seiner Auferstehung auch unter den "Heiden" zu predigen, verzichteten sie sehr bald darauf, ihnen das jüdische Ritual der Beschneidung als Pflicht aufzuerlegen. > mehr
 
 


"Um dessentwillen Himmel und Erde entstanden sind"
Vor 1.950 Jahren wurde Jakobus, der Bruder Jesu, hingerichtet

Er war eine der prägenden Gestalten des Urchristentums, der Apostel Paulus nannte ihn neben Petrus und Johannes eine der drei „Säulen“ der Jerusalemer Urgemeinde. Aber er verschwimmt im Halbdunkel der Geschichte, wird auch oft mit einem seiner Namensvettern verwechselt, vor allem den beiden Aposteln Jakobus dem Großen (dem von Compostela in Spanien) und Jakobus dem Kleinen – Jakobus war eben ein Allerweltsname. Viele Exegeten geben ihm den Beinamen des „Herrenbruders“, da er in den Evangelien unter den Geschwistern Jesu genannt wird. 62 nach Christus, also vor 1.950 Jahren, wurde er unter dem Hohenpriester Hannas II. hingerichtet. Als Gedenktag hat sich in den meisten Kirchen der 3. Mai eingebürgert. > mehr




Von der jüdischen Sekte zur Weltreligion
Rund um das Pfingstfest - aus der Urgeschichte des Christentums

Es muss alles sehr schnell geschehen sein. Jesus starb wahrscheinlich Anfang der 30er Jahre. Als sich Paulus spätestens im Jahr 35, vielleicht schon 32, bekehrte, fand er bereits heidenchristliche Gemeinden vor. In den wenigen Monaten oder Jahren zwischen diesen beiden Daten war das Christentum, das doch als Sekte innerhalb des Judentums begonnen hatte, aus seiner „Mutterreligion“ herausgewachsen. Zum Pfingstfest ein Blick auf die Urgeschichte des Chrisentums, seine Entwicklung von der jüdischen Sekte. > mehr




"Ein Herz und eine Seele"
Schwierigkeiten mit der Ökumene - ein Blick auf die Urgeschichte des Christentums

„Ich ermahne euch, liebe Brüder“, schrieb der Apostel Paulus in seinem 1. Brief an die Korinther, „im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle einmütig seid und keine Spaltungen unter euch aufkommen lasst!“ Die Historiker datieren diese Worte auf die Mitte der 50er Jahre. Seit dem Tode Jesu war also kaum ein Vierteljahrhundert vergangen, und die erste Christengeneration hatte damals bereits Probleme mit dem, was wir heute „Ökumene“ nennen würden. Zum Ökumenischen Kirchentag und zum Pfingstfest ein Blick auf die divergierenden Strömungen im Urchristentum. > mehr



Fliegende Zauberer und fromme Löwen
Über die "verborgenen" Bücher am Rande des Neuen Testaments

Jesus war mit Maria Magdalena verheiratet, das wissen wir seit Dan Browns "Da-Vinci-Code". Aber vielleicht war Jesus ja schwul oder mindestens bisexuell; das lesen manche Interpreten in ein "geheimes Evangelium" hinein. Zwei Beispiele für das, was breite Leserschichten heutzutage in den sogenannten "Apokryphen" suchen: Aufschluss über die privaten Seiten in Jesu Leben. Der Neutestamentler Hans-Josef Klauck von der University of Chicago setzt solchen Spekulationen eine sachliche Darstellung dieses weitverzweigten Schriftums am Rande der christlichen Bibel entgegengesetzt. > mehr





Nichts Neues über den Mann aus Nazareth ...
... aber viel Aufschluss über das frühe Christentum - das Judasevangelium aus der ägyptischen Wüste

Im April 2006 verkündete eine weltweit ausgestrahlte Fernsehdokumentation, das 1978 in Mittelägypten entdeckte „Evangelium des Judas“ sei nun endlich rekonstruiert worden. Ein Evangelium, abgefasst von Judas Iskariot, dem Verräter Jesu, wie in den Evangelien zu lesen ist? Jetzt liegt, aus der Feder zweier amerikanischer Religions- und Kirchenhistorikerinnen, der Text dieses Evangeliums mit ausführlichem Kommentar und historischer Einleitung in deutscher Sprache vor. > mehr




Erlösung von der Welt als Leiche
Das "Evangelium des Zwillings", ein Fazit von sechs Jahrzehnten Forschungsgeschichte zum Thomasevangelium

1945 wurden im oberägyptischen Nag Hammadi bislang unbekannte Texte aus frühchristlicher Zeit gefunden, Vor allem eine dieser Schriften hat seitdem als "fünftes Evangelium" Furore gemacht, das sogenannte "Thomasevangelium". "Dies sind die verborgenen Worte, die der lebendige Jesus sagte, und Didymus Judas Thomas schrieb sie auf" - ein solcher Satz lässt jedes Esoterikerherz höher schlagen. Eine Forschergruppe um Theologen der Universität Jena hat dieses Evangelium in den Kontext der spätantiken, frühchristlichen Literatur- und Religionsgeschichte hineingestellt. > mehr