Dossier
Christentum in der antiken Welt

 

Grauenvolle Heimat, selige Fremde
Ein frühchristlicher "Ketzer" in der politischen Theorie des 20. Jahrhunderts

"Wir alle sind, was wir gelesen", heißt es bei Joseph von Eichendorff. Ein Soziologe der Freien Universität Berlin zeigt: Zwei ansonsten höchst unterschiedliche Theoretiker der Politik im 20. Jahrhundert, Ernst Bloch und Carl Schmitt, haben sich durch dieselbe Lektüre inspirieren lassen, die Gedanken des frühchristlichen Denkers Marcion. 1920 war Marcions Theologie, die fast zweitausend Jahre lang als "Erzketzerei" gegolten hatte, von dem Berliner Universitätsprofessor Adolf von Harnack rekonstruiert worden. > mehr



Vom Menschen Jesus zur zweiten Person der göttlichen Trinität
Der Religionshistoriker Geza Vermes über die Entwicklung des christlichen Dogmas


Moses, erzählt eine Legende im Babylonischen Talmud, hörte bei seiner Ankunft im Himmel Gott die Weisheit des Rabbi Akiba preisen, der erst lange nach seiner eigenen Zeit geboren wurde. Neugierig geworden, bat er um die Erlaubnis, einer Vorlesung dieses Rabbi beizuwohnen. Tatsächlich erhielt er die Gelegenheit, verstand von dem Ganzen jedoch kein Wort – bis Akiba auf die Frage eines seiner Schüler erklärte, genau das sei doch der Inhalt der Lehre, die Moses einst von Gott am Berg Sinai empfangen hatte. Natürlich wollten die jüdischen Gelehrten die sich diese Anekdote einfallen ließen, nicht etwa die Legitimität ihrer eigenen Auslegungsarbeit an der Thora in Frage stellen. Doch ihnen war bewusst, dass da ein Problem lag: Der Interpret eines alten Textes kann mehr herausholen, als der Verfasser selbst hineinlegen wollte. > mehr



"Diesen Jesus hat Gott auferweckt ..."
Vom Pfingstwunder zu den ersten Konzilien - die Entwicklung des christlichen Glaubensbekenntnisses

„Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dafür sind wir alle Zeugen.“ So lautet der zentrale Satz der Pfingstpredigt des Apostels Petrus; in den folgenden Kapiteln der Apostelgeschichte wird er oft wiederholt und variiert. Petrus und die Apostel vor dem jüdischen Hohen Rat: „Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr an das Holz gehängt und getötet habt, den hat Gott durch seine rechte Hand zum Fürsten und Heiland erhöht, um Israel Umkehr und Vergebung der Sünden zu gewähren.“ Viele Exegeten unterstellen heute, dass der Verfasser der Apostelgeschichte, als er in den 90er Jahren, etwa sechs Jahrzehnte nach Jesu Tod, sein Werk schrieb, mehr als Theologe denn als Historiker arbeitete; der Text gibt nicht Satz für Satz das wider, was „wirklich“ geschehen ist. Aber in diesem Punkt traf seine Darstellung zweifellos auch rein historisch das Richtige: Am Anfang der christlichen Mission standen der Glaube an die Auferweckung des gekreuzigten Jesus und das Bekenntnis dieses Glaubens. > mehr



Kaiser, Gott und Sterne
"Was gut und wahr ist" - Der Christenverfolger Diokletian als Lehrer des Abendlandess

Die Christenverfolgung des 4. Jahrhunderts hat in unserem Namenskalender Spuren hinterlassen: Dutzende von Heiligen, die damals ihr Leben lassen mussten. Kaiser Diokletian machte aber noch in ganz anderer Hinsicht Schule..> mehr



Toleranz wider Willen
Vor 1.700 Jahren erklärte Kaiser Galerius das Christentum zur "erlaubten Religion" im Römischen Reich

Welcher Kaiser beendete die Christenverfolgung im Römischen Reich? Nein, es war nicht Konstantin der Große, wie alle Welt glaubt. Als sich Konstantin im Februar des Jahres 313 im sogenannten "Toleranzedikt von Mailand" mit seinem Kaiserkollegen Licinius darauf einigte, alle Religionen zuzulassen, lagen im größten Teil des Römischen Reiches die letzten Verfolgungen fast zwei Jahre zurück. Am 30. April 311, vor genau 1.700 Jahren, hatte Kaiser Galerius das Christentum zur "erlaubten Religion" erklärt. "In Anbetracht unserer umfassenden Milde", verkündete Galerius im Edikt von Serdica, dem heutigen Sofia, dürften die Christen "wieder Christen sein und ihre Versammlungsstätten wieder aufbauen", unter der Voraussetzung, "dass sie nichts gegen die öffentliche Ordnung unternehmen" > mehr




"In diesem Zeichen siege!"
Vor 1.700 Jahren fand die Schlacht an der Milvischen Brücke vor Rom statt

Die Milvische Brücke über den Tiber – heute ist sie international vor allem durch die Vorhängeschlösser bekannt, die Liebende, zum Ärger der Stadtverwaltung, gern an der Brückenlaterne anbringen. Früher war sie das Haupteinfallstor für alle Reisenden aus dem Norden – nicht zuletzt für die deutschen Könige, die sich vom Papst zum römischen Kaiser krönen lassen wollten. Sie alle werden verehrungsvoll daran gedacht haben, dass vor dieser Brücke jenes welthistorische Ereignis stattfand, ohne das der Durchbruch des Christentums und ihre eigene Herrschaft nicht möglich gewesen wäre. Hier traf Kaiser Konstantin, der bislang vor allem über Gallien und Britannien geherrscht hatte, im Jahr 312 mit seinem Heer auf seinen Kollegen und Rivalen Maxentius. Der Sieg öffnete ihm den Weg nach Rom und langfristig zur Alleinherrschaft im Römischen Reich. > mehr




Ein Visionär auf dem Kaiserthron
Französischer Althistoriker präsentiert eine neue Sicht auf Kaiser Konstantin

Was kann man eigentlich von einem Menschen wissen? Von einem Menschen, den von uns einige Jahrhunderte trennen? Der römische Kaiser Konstantin "sah sich durch göttliches Dekret dazu auserwählt und bestimmt, eine Schicksalsrolle in der Jahrtausende umspannenden Heilsökonomie zu spielen", schreibt der französische Historiker Paul Veyne in seiner neuen Studie. Vermessenheit? Größenwahnsinn? Veynes Antwort: "Es kommt vor, dass ein politischer Führer sich berufen glaubt, die Menschheit zu retten oder den Lauf der Welt zu revolutionieren; es wäre ein grober Irrtum, dessen jeweilige Aufrichtigkeit in Zweifel zu ziehen." > mehr



Silvester - ein Papst mit dem richtigen Todesdatum
Allerlei Legenden - und die spektakulärste Fälschung der Weltgeschichte

Auch so kann man seinem Namen die Unsterblichkeit sichern: indem man sich den richtigen Tag zu sterben aussucht. Der dreiundreißigste Bischof von Rom verstarb am 31. Dezember 335. Bald wurde er als Heiliger verehrt, sein Name in den Kirchenkalender aufgenommen. Folge: Der letzte Tag des Jahres ist heute in aller Welt als "Silvester" bekannt. Zum Jahreswechsel allerlei von einem Papst, der weniger durch seine Taten in die Gechichte eingegangen ist als durch die Legenden, die sich an seinen Namen geheftet haben, darunter eine Urkundenfälschung, die Jahrhunderte lang Geschichte gemacht hat.  > mehr




Einsam in der Wüste, versucht von Dämonen
Vor 1650 Jahren starb der "Vater der Mönche"

Von allen Heiligen hat er die vielleicht farbigsten Legenden zu bieten: Versuchungen durch schreckliche Dämonen, hässliche Tiergestalten, verführerische Frauen ... Dankbare Motive für die Malerei, zum Beispiel Mathis Grünewalds "Isenheimer Altar" oder auch Salvador Dalí und Max Ernst. Am 17. Januar 356, vor 1650 Jahren, soll Antonius der Große, der "Vater des Mönchtums", gestorben sein. > mehr




Der reuige Schächer im Norden
Die Ursprünge des Eurozentrismus in der späten Antike

"Welche Verkettung von Umständen", fragte Max Weber, "hat dazu geführt, dass gerade auf dem Boden des Okzidents, und nur hier, Kulturerscheinungen auftraten, welche doch – wie wenigstens wir uns gern vorstellen – in einer Eintwicklungsrichtung von universeller Bedeutung und Gültigkeit lagen?" Einen Mosaikstein zur Beantwortung hat jetzt ein Mainzer Theologe beigetragen: Das entstehende Europa hat sich in seinem Selbstverständnis auch am reuigen Schächer des Lukasevangeliums orientiert. > mehr