Dossier
Christentum in der Neuzeit

 

Konfuzius - der bessere Platon
Eine Ausstellung über den Jesuitenmissionar Matteo Ricci im Museum für Ostasiatische Kunst Berlin

Eines schönen Tages 1678 kam der flämische Jesuit Ferdinand Verbiest, der seit 18 Jahren unter dem Namen Nan Huairen am chinesischen Hof lebte, auf die Idee, zum Amüsement des Kaisers ein ganz besonderes Spielzeug zu konstruieren, ein dampfgetriebenes Automobil! Der Wagen konnte, so Verbiest, "eine Stunde und länger, solange nämlich der Wind heftig aus der Dampfkugel austrat, in nicht gerade langsamer Bewegung bleiben".– Eine Fußnote aus der Technikgeschichte und aus der Geschichte der chinesischen Jesuitenmission, aufgelesen in der Ausstellung "Matteo Ricci" im Museum für Ostasiatische Kunst in Berlin-Dahlem. > mehr



"Wenn Raffael der Priester ist"
Zwei Jahrhunderte "Kunstreligion" von der Frühromantik zur Popkultur


Wer weiß, vielleicht wäre die Ideengeschichte ein wenig anders verlaufen, hätte Kurfürst August III. von Sachsen nicht 1754 Raffaels „Sixtinische Madonna“ erworben. Viele der Kunstfreunde, die nach Dresden kamen, um das Gemälde zu sehen, waren Protestanten, die Tradition der katholischen Kirchenkunst war ihnen unbekannt. So konnte Raffaels Bild bei ihnen eine weltanschauliche Krise auslösen. 1799 veröffentlichte der Schriftsteller August Wilhelm Schlegel in der Zeitschrift „Athenaeum“ einen Text, der davon einen Eindruck vermittelt. Eine gewisse Louise erzählt dort, beim Anblick der Madonna sei „ein sanfter Schauer“ über sie gekommen, ihre Augen seien „nass geworden“. Darauf reagiert ihr Gesprächspartner mit den Worten: „Sie sind in Gefahr, katholisch zu werden.“ Louise antwortet: „Es ist keine Gefahr dabei, wenn Raffael der Priester ist.“ > mehr



Doppelte Wahrheit und universale Toleranz
Vor 300 Jahren verstarb der Aufklärer Pierre Bayle

Dieser Philosoph habe "alle Metaphysik theoretisch um ihren Kredit gebracht", schrieb Karl Marx. Vor genau 300 Jahren ist der Aufklärer Pierre Bayle, von dem der junge Marx so begeistert war, in Rotterdam gestorben. Berühmt wurde er mit einem noch heute vergünglich zu lesenden Buch über ein astronomisches Ereignis: den Kometen, der Ende 1680 Europa in Schrecken versetzte. Bayle nahm den Schweifstern zum Anlass einer umfassenden Polemik gegen jede Art von Aberglauben. > mehr



"... und es herrscht der Erde Gott, das Geld"
Kapitalismus als Religion, Antikapitalismus als Gegenwehr?

"Ja, das Geld regiert die Welt", singt Mephisto. Kernaussagen des Neuen Testamentes, auch die Lehren anderer Weltreligionen haben sich gegen den "Mammon" gewandt - mit begrenztem Erfolg, wie die kapitalistische Entwicklung gerade des christlichen Abendlandes zeigt. Theologen der Berliner Humboldt-Universität bemühen sich um neue Sichtweisen. > mehr




Emanzipation der Pfarrerssöhne
Als das Karussell der Ersatzreligionen seinen Anfang nahm

Was haben Lessing und Herder und Wieland, Lichtenberg und Claudius gemeinsam? Sie alle stammten aus protestantischen Pfarrhäusern. Und damit waren sie unter den deutschen Schriftstellern in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts längst nicht die einzigen. Auch Gellert, Lenz, Jean Paul und Hölderlin waren Söhne von Geistlichen. Die deutsche Literatur von der Aufklärung bis zum Anbruch der Romantik entstand großenteils als Werk von Pfarrerssöhnen, als Frucht der Bildung in protestantischen Pfarrhäusern. Eine Forschergruppe um die Germanisten der Universität Halle-Wittenberg hat diese Beobachtung aufgegriffen und unter verschiedenen Aspekten neu beleuchtet. > mehr



Die Religion der Familienwerte
Nordamerika von der "Mayflower" bis zur Krise der Christlichen Rechten

Die „neofundamentalistische Welle“ im amerikanischen Christentum, glaubt der Münchner Kulturhistoriker Michael Hochgeschwender, sei im Abflauen, nicht zuletzt aufgrund der Einsicht, dass die Anhänger von den Eliten der Republikanischen Partei als Stimmvieh benutzt wurden. Seine Prognose: Das enthusiastische Christentum der "Pfingstbewegung" könnte sich aus der "eisernen Umklammerung" des Fundamentalismus und Neokonservatismus lösen. Der Forscher hat einen Überblick über die amerikanische Religionsgeschichte seit den Puritanern vorgelegt. > mehr




Eine Insel der Wahrheit im Meere des Irrtums
Vor 100 Jahren führte die katholische Kirche den Antimodernisteneid ein

Am 1. September 1910 verkündete Papst Pius X., von allen Klerikern der katholischen Kirche sei nunmehr ein Eid zu verlangen: "Ich nehme an alles und jedes Einzelne, was vom irrtumslosen Lehramt der Kirche bestimmt, aufgestellt und erklärt ist, besonders die Hauptstücke ihrer Lehre, die unmittelbar den Irrtümern der Gegenwart entgegen sind." "Modernismus", das war der Inbegriff aller Phänomene des modernen Denkens, die – zu Recht oder zu Unrecht – als Bedrohung des Glaubens wahrgenommen wurden: von der kritisch-historischen Bibelwissenschaft über die zeitgenössische Philosophie bis zum weltanschaulichen Pluralismus. > mehr