Die Prediger warnten: Reichtum gefährdet das Seelenheil
Die Sozialfürsorge in vormodernen Zeiten

Im Mittelalter und bis in die frühe Neuzeit hinein gehörte Armut ganz selbstverständlich zum Leben der unteren Bevölkerungsschichten, Sozialstaat und Sozialpolitik waren noch nicht "erfunden". Die Kirche sah es jedoch als ihre Aufgabe an, auch weltliche Güter umzuverteilen - solange bis im 15., 16. Jahrhundert der Gedanke aufkam, eher Arbeitszwang anzuwenden als mildtätige Almosen. > mehr




"Wir wehren uns"
Freiheit und Verantwortung - 499 Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag


„In Fragen von Glauben und Gewissen ist jeder Mensch frei. Für diese Grundüberzeugung steht die Reformation, steht der Reformator Martin Luther.“ Sätze, die wir bis zum großen Reformationsjubiläum in einem Jahr sicherlich noch in zahllosen Festreden hören werden. Ob alle Redner dann so ehrlich sind, gleich anzufügen, was Margot Käßmann, „Botschafterin“ der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Jubiläum, in ihrem Beitrag zu dem neu erschienenen Sammelband „Freiheit und Verantwortung“ dem Reformator kritisch attestiert? Luther „selbst hat diese These leider nicht in Praxis umgesetzt – intolerant war er gegenüber Andersdenkenden, obwohl er Glaubens- und Gewissensfreiheit für sich selbst einklagte.“ Der Schriftsteller Wilhelm Genazino hat 95 mehr oder weniger prominente Zeitgenossen gebeten, auf ein oder zwei, vielleicht auch drei Seiten ihre Gedanken über das Thema „Freiheit und Verantwortung“ niederzulegen. > mehr



Christus mit Gasmaske, Koran auf Toilettenpapier
Aus der Geschichte des Umgangs mit - wirklicher oder vermeintlicher - Gotteslästerung und Religionsbeschimpfung


„Always look on the bride sight of life“, ließen die Monty Pythons 1979 in der Schlussszene ihres Films „Das Leben des Brian“ eine Gruppe von Gekreuzigten singen. Eine respektlose Verhöhnung des christlichen Glaubens, wie viele damals meinten? Heute wird der Song gern bei Begräbnissen gespielt; aber damals war in manchen Ländern eine Aufführung des Films gar nicht erst möglich. Eine Blasphemie-Affaire, bei der immerhin niemand an Leib und Leben geschädigt wurde. Eine uralte Tradition in vielen Religionen will es jedoch anders. 399 v. Chr. wurde Sokrates zum Tod verurteilt, weil er angeblich die Götter, die in Athen heilig gehalten wurden, nicht akzeptierte und etwas anderes an ihre Stelle setzen wollte. Im 3. Buch Moses heißt es: „Wer den Namen des Herrn schmäht, wird mit dem Tod bestraft, die ganze Gemeinde soll ihn steinigen.“ > mehr




"Als ob's der Tabernakel wär"
Zweieinhalbtausend Jahre Theologie der Märkte

Eine riesige Glocke senkt sich über die Stadt Springfield und eine Stimme von oben verkündet, in einer Stunde werde die Welt untergehen; man solle sich gut überlegen, was in der verbleibenden Frist zu tun sei. Panisch rennen die Leute aus der Bar in die benachbarte Kirche – und die Gottesdienstbesucher aus der Kirche in die Bar. Der „Simpsons“-Kinofilm von 2007 brachte die ökonomische Erwartungstheorie, die vor einem halben Jahrtausend der italienische Dominikanergelehrte Thomas Cajetan entwickelt hat, auf die Leinwand: Wenn Güter knapp zu werden drohen, dann setzt ein Run ein; wer glaubt, dass morgen sein Leben oder die ganze Welt zu Ende geht, handelt anders als derjenige, der meint, dass es damit noch eine Weile Zeit hat. Ist es bloß ein Simpsons-Gag, dass mit Erlösungshoffnungen für das Jenseits nach denselben Kriterien „gehandelt“ wird wie mit Gütern unserer irdischen Ökonomie? Keineswegs, antwortet der Mannheimer Germanist und Medienwissenschaftler Jochen Hörisch in seinem neuen Buch über die „Theologie der Märkte“. > mehr



Wie das Christentum sich mit den Bankgeschäften versöhnte
Eine Geschichte des Geldes im Mittelalter

„Wer weiß nicht, dass Betrug, Diebstahl, Raub, Streit, Tumult, Beleidigung, Empörung, Totschlag, Verrat und Giftmord aussterben würden, wenn das Geld erwürgt wäre?“ schrieb Thomas Morus 1516 in seiner „Utopia“, „Kein so schmählich Übel, wie des Geldes Wert, erwuchs den Menschen“, hatte beinahe zwei Jahrtausende zuvor Sophokles in seiner „Antigone“ gedichtet. Womöglich noch ausgeprägter als in Antike und früher Neuzeit war die Verurteilung des Geldes – im Grunde sogar des weltlichen Besitzes ganz allgemein, vor allem aber des in Gold und Silber gemünzten Geldes – im Mittelalter. Der französische Historiker Jacques Le Goff hat jetzt eine Geschichte des Geldes im Mittelalter vorgelegt.
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"... und es herrscht der Erde Gott, das Geld"
Kapitalismus als Religion, Antikapitalismus als Gegenwehr?"

Ja, das Geld regiert die Welt", singt Mephisto. Kernaussagen des Neuen Testamentes, auch die Lehren anderer Weltreligionen haben sich gegen den "Mammon" gewandt - mit begrenztem Erfolg, wie die kapitalistische Entwicklung gerade des christlichen Abendlandes zeigt. Theologen der Berliner Humboldt-Universität bemühen sich um neue Sichtweisen.  >mehr






Asymmetrischer Krieg der Zeichen
Der säkulare Staat zwischen den Weltreligionen

"Der Aufstieg der Götter eines ungezügelten Vergnügens und des übersteigerten Wohllebens als letzte Werte war in der Geschichte regelmäßig ein Wendezeichen des Niedergangs, aber auch ein Nährboden für neue oder alte religiöse Weltdeutungen." Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio beim Bonner Forschungsprojekt "Krieg der Zeichen?" Geistes- und Sozialwissenschaftler haben sich mit der Interaktion zwischen den Weltreligionen und dem säkularen Staat befasst.  > mehr





Feinde des Reiches oder Feinde der Wahrheit?
Religiöser Fundamentalismus in der römischen Kaiserzeit

Als 2001 die afghanischen Taliban die weltberühmten Buddhastatuen von Bamiyan sprengten, wollten sie ein Zeichen setzen: Die Welt sollte begreifen, dass der Islam – als Religion, als Kultur, als Gesellschaftsordnung – den „Heiden“ überlegen sei. Kein Einzelfall in der Religionsgeschichte. Haben wir es hier mit einer Konstante der zu tun, die es immer schon gegeben hat? Oder sind manche Religionen sozusagen von Natur aus tolerant, andere eher intolerant ? Eine Tagung an der Universität Potsdam hat sich vor zwei Jahren mit einem Ausschnitt der Religionsgeschichte befasst, der späten Antike: Damals erstritten die frühen Christen zunächst im Martyrium die Duldung ihrer Religion und setzten dann in weniger als einem Jahrhundert – und keineswegs ohne Gewalt – seine Alleinherrschaft durch. > mehr





Vollständig niederkämpfen und in Fesseln legen?
Zur Diskussion um Gewalt und Religion, Gewalt und Islam

"Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten." Als Papst Benedikt XVI. diese Äußerung eines byzantinischen Kaisers unlängst zitierte, hagelte es Proteste in der islamischen Welt. Dabei steht das Thema Gewalt und Religion, Gewalt und Islam bereits seit dem 11.9.2001 in der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit ganz oben an. > mehr





Doppelte Wahrheit und universale Toleranz
Vor 300 Jahren verstarb der Aufklärer Pierre Bayle

Dieser Philosoph habe "alle Metaphysik theoretisch um ihren Kredit gebracht", schrieb Karl Marx. Vor genau 300 Jahren ist der Aufklärer Pierre Bayle, von dem der junge Marx so begeistert war, in Rotterdam gestorben. Berühmt wurde er mit einem noch heute vergünglich zu lesenden Buch über ein astronomisches Ereignis: den Kometen, der Ende 1680 Europa in Schrecken versetzte. Bayle nahm den Schweifstern zum Anlass einer umfassenden Polemik gegen jede Art von Aberglauben. > mehr





Das Innere und der Nächste
Eine Religionshistorikerin erzählt vom Ursprung unserer ethischen Werte

Die Frage nach einer Gemeinsamkeit der großen Weltkulturen gewinnt in unseren Tagen ungeahnte Aktualität. Vor nunmehr 60 Jahren hat der Philosoph Karl Jaspers die Vorstellung aufgebracht, dass um die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. durch Gestalten wie Sokrates, Buddha und Konfuzius die Ursprünge unseres ethischen Bewusstseins gelegt wurden. Eine englische Religionshistorikerin hat es unternommen, Jaspers' Idee neu zu formulieren. > mehr





Das Recht auf den eigenen Himmel ...
... und auf die eigene Hölle: Toleranz und Intoleranz von Elias bis Voltaire

"Ungläubige kommen in die Hölle." Hierzulande und heuzutage fällt so etwas wohl unter den Begriff "Hasspredigt", im Rückblick auf einige Jahrtausende Religionsgeschichte ist es nicht so ungewöhnlich. Nach irdischen Maßstäben gefährlich wird es, > mehr





Karikierte Propheten - gekränkte Gläubige
Aus der Kulturgeschichte von Blasphemie und Intoleranz

"Stop, stop, die Jungfrauen sind aus!", ruft der Prophet den Selbstmordattentätern an der Paradiesespforte zu. Eine Anspielung des dänischen Karikaturisten Julius auf die Jungfrauen, die dem muslimischen Märtyrer im Koran als himmlischer Lohn verheißen werden. Aus Anlass der Aufregung um die Karikaturen in "Jyllands Posten" blicken wir zurück auf die Kulturgeschichte der religiösen Kränkung. > mehr