Dossier
Magie, Esoterik, Mystik

 

Wenn Skepsis und Sehnsucht sich begatten ...
Natur und Mystik, ein schwieriges Verhältnis

„Als ich einmal eine Spinne erschlagen, dacht ich, ob ich das wohl gesollt? Hat Gott ihr doch wie mir gewollt einen Anteil an diesen Tagen.“ Für solche „anderen“ Haltungen zur Natur, jenseits des technischem Bezwingen- und des wissenschaftlichen Erkennen-wollens ist das Wort „Mystik“ gebräuchlich geworden. „Mystik und Natur“ – der österreichische Historiker Peter Dinzelbacher hat eine Forschergruppe versammelt, um die Geschichte dieses Verhältnisses seit der späten Antike aufzuarbeiten. > mehr

 


Wenn Augen töten können
"Malocchio" und "Jettatori" - der Glaube an den Bösen Blick


Im Sommer 2011 wollte das österreichische Bundesheer auf dem Militärflugplatz Hinterstoisser in der Steiermark eine Flugschau abhalten. Leider hatten dort 25 Weißstörche ihren Futterplatz gefunden und konnten selbst durch größten Lärm nicht vergrault werden. Wer weiß, vielleicht ließen sich die Organisatoren ja durchs Kino inspirieren, als sie endlich auf die rettende Idee kamen. 2009 hatte George Clooney in der amerikanischen Filmsatire „Männer, die auf Ziegen starren“ eine Ziege so lange aggressiv fixiert, bis sie tot umfiel. 1986 war Paul Hogan einem angriffsbereiten Bullen entgegengetreten und hatte ihn durch die Kraft seines Blickes gezwungen, sich niederzulegen. Das Bundesheer ordnete zwei Dutzend Soldaten ab, die den Vögeln mit stechenden Blicken so viel Angst einjagten, dass sie tatsächlich das Weite suchten. > mehr


Nicht nur Goldmacherei: Das Geheimnis der Verwandlung
Quadriennale Düsseldorf präsentiert Geschichte der Alchemie


In der Mitte des Bildes hockt eine verhärmte Frau, die dem Betrachter, wie um Hilfe bittend, einen entleerten Geldbeutel vorweist; im Hintergrund spielen die Kinder in den leeren Schränken. Derweil sitzt der Ehemann und Vater an seinem Experimentiertisch und wirft gerade eine Münze - vermutlich seine letzte - in einen Schmelztiegel. Rechts finden sich zwei Figuren, die das Geschehen jeweils auf ihre Weise kommentieren: ein Narr, der mit seinem Blasebalg den Hausherrn nachäfft, und ein Gelehrter, der in seinem aufgeschlagenen Buch auf die Worte "Alghemist" weist - ein Wortspiel mit der Berufsbezeichnung "Alchemist" und dem niederländischen Ausdruck für "Alles ist verloren". Der Ruin einer Familie durch das törichte Streben des Vaters nach schnellem Reichtum: Dutzende von Gemälden und Kupferstichen widmeten holländische Künstler wie etwa Pieter Brueghel d. J. in seinem Bild aus der Zeit um 1600 diesem Thema. Ein Stück Realismus, wie man annehmen darf, und von moralisch belehrender Malerei: "Alles ist verloren". Die holländischen Sittenbilder bilden einen der Schwerpunkte in der großen Ausstellung, die das Museum Kunstpalast in Düsseldorf im Rahmen der Quadriennale 2014, dem alle vier Jahre stattfindenden Festival der Bildenden Kunst in der Rheinmetropole, der Alchemie widmet. > mehr




Zugänge zu einem besseren und höheren Menschsein
Meditation - von der mittelalterlichen Mystik zur psychedelischen Bewegung


Der Mensch sei aus so krummem Holz gemacht, dass nichts Gerades daraus geschnitzt werden könne, seufzte einst Immanuel Kant. Vielleicht gehörte es ja immer schon zum Dasein des Menschen dazu, dass er mit seiner Natur unzufrieden war – und dass er diese unzulängliche Natur übersteigen wollte „Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll“, träumte Friedrich Nietzsches Zarathustra. Leo Trotzki erwartete als Ergebnis der bolschewistischen Revolution, dass der Mensch „unvergleichlich stärker, klüger, feiner“ werden müsste. Seit einigen Jahren ist die Parole der „Selbstoptimierung“ allgegenwärtig, diesmal im Sinne einer besseren Selbstverwertung am Arbeitsmarkt. Meditation ist eine der Praktiken, mit denen Menschen seit Jahrhunderten versuchen, zu einem neuen, besseren Menschsein vorzustoßen. Oder nur vermeintlich besseren? Der Wiener Religionswissenschaftler Karl Baier hat die Geschichte der Meditation im Abendland seit dem hohen Mittelalter in einer umfangreichen Monographie dargestellt. > mehr



Verstreutes Salz und Zeigefinger nach unten
Das Joanneum in Graz präsentiert eine Ausstellung über die "Kulturtechnik Aberglaube"


Vor einigen Jahren ging eine Fotografie aus dem ukrainischen Kernkraftwerk Saporischschja um die Welt. Zu sehen war eine Steuerkonsole mit allerlei Messanzeigen, um den Betrieb der Anlage ablesen und notfalls eingreifen zu können - und mitten darunter eine Ikone der Muttergottes mit dem Jesuskind. Beim westlichen Publikum löste das Bild Irritationen aus: War die Ikone Restbestand eines alten Schutzzaubers, der sich in unsere moderne Welt hinüber gerettet hat - obwohl wir eigentlich doch wissen (oder zu wissen glauben), dass er im Vergleich mit der Technik noch viel weniger bewirkt, nämlich gar nichts? Oder dürfen wir in dem Muttergottesbild einen ironischen Hinweis sehen, dass auch der moderne Glaube an die Beherrschbarkeit der Technik womöglich ein Religionsersatz ist? "Aberglaube" sagt man so leichthin, oder, mit Bemühen um wissenschaftliche Distanz, "Superstition". Aber was heißt das eigentlich? Aberglaube ist ein "Saugwort", stellt der Marburger Ethnologe Martin Scharfe fest: Das Wort bezeichnet jeweils den Glauben der anderen, den man selbst für abwegig oder lächerlich hält. Vor allem der Wortbestandteil "Glaube" führe in die Irre, meint Scharfe. Eher als mit der Religion sei der Aberglaube mit der Technik verwandt: Hinter dem einen wie der anderen stehe die "Idee von der Beherrschbarkeit der Welt". Vom 28. März bis zum 30. November 2014 präsentiert das Landesmuseum Joanneum in Graz eine große Ausstellung über die "Kulturtechnik Aberglaube". > mehr




Die fünfte Kolonne des Teufels
Ein Wahn und seine Logik - die Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit

Im Sommer 1935 rief Heinrich Himmler ein ehrgeiziges Forschungsprojekt ins Leben. Millionen Fälle von Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit sollten aufgelistet und untersucht werden; von dem Ergebnis versprach sich der Reichsführer-SS Argumentationshilfe für seinen Kampf gegen die christlichen Kirchen. Aber die Erwartungen wurden enttäuscht. Statt der Millionen fanden die Historiker in der Zeit vom 15. bis zum 18. Jahrhundert in Deutschland und Österreich gerade einmal 33.846 Gerichtsfälle Was viel schlimmer war: Es zeigte sich, dass die eifrigsten Hexenbekämpfer nicht etwa geistliche Inquisitoren gewesen waren, die man als „undeutsch“ hätte verdächtigen können, sondern ganz gewöhnliche Deutsche. 1943 wurden die Arbeiten als nicht kriegswichtig eingestellt. Hexen, Hexenwahn, Hexenverfolgung – die Literatur füllt ganze Bibliotheken; seit dem 19. Jahrhundert haben sich Forschung und Öffentlichkeit mit viel Begierde auf die Prozessakten gestürzt, nicht immer mit streng wissenschaftlichem Interesse. Lässt sich da überhaupt noch etwas Neues schreiben? Man kann, zeigt Malcolm Gaskill, Historiker an der University of East Anglia in Norwich. Gaskill geht es darum, die Logik zu verstehen, die sich im Hexenwahn ausdrückte, sozusagen den „Sinn“, den die Menschen der frühen Neuzeit damit verbanden. > mehr



Hufeisen helfen auch, wenn man nicht an sie glaubt
Allerlei Vorzeichen kommenden Glücks

Was an Rekorden nicht so alles gezählt und aufgelistet wird ... 2008 meldete das "Guinness-Buch" den Fund eines 18-blättrigen Kleeblattes. Ob da jemandem das viereinhalbfache Glücksquantum dessen zufiel, worauf Finder von bloß vierblättrigem Klee "Anspruch" haben? Wahrscheinlich nicht; Klee, der über die Blätterzahl vier hinausgeht, klären die Handbücher des Volksglaubens auf, bringt gar kein Glück. Im übrigen - man darf die seltenen, glückverheißenden Kleeblätter nicht suchen, man muss sie finden, einfach so, ohne Absicht. Dann allerdings zeitigen sie erstaunliche Wirkungen. Unters Kopfkissen gelegt, heißt es, zeigen sie Mädchen im Schlaf ihren Zukünftigen; beim Kirchgang mitgeführt, machten sie dazu fähig, Hexen zu erkennen - auch ein "Glück", dann kann man die geeigneten Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Wie kam es eigentlich dazu, dass gerade der vierblättrige Klee das beliebteste aller Glückssymbole wurde? > mehr




Unregelmäßigkeiten im magnetischen Feld
Ein Streifzug durch Theorie und Praxis des Paranormalen

„Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumt, Horatio“, heißt es in Shakespeares „Hamlet“: Der Prinz versucht seinem skeptischen Freund die Einsicht nahe zu bringen, dass die Erscheinung des toten Königs vielleicht doch etwas anderes sein könnte als bloß eine Sinnestäuschung. Die Frage ist heute ebenso in der Diskussion wie vor vierhundert Jahren, als Shakespeare sein Stück schrieb. Im Jahr 2000, berichtet die Schweizer Schriftstellerin Olivia Natascha Kleinknecht in ihrem jetzt erschienen Buch über die „Macht der Dinge“, versuchte der englische Psychologe Richard Wiseman die berühmten Spukerscheinungen in Hampton Court, einer früheren königlichen Residenz bei London, aufzuklären. > mehr

 


 Kräuterheilkunde und paramilitärische Übungen
Ein Blick in die Szene des "Neuheidentums"

Dass jemand vom Christentum zum Islam oder zum Buddhismus übertritt, kommt in einer weltanschaulich pluralistischen Gesellschaft vor. Dass Menschen von heute zum alten Germanentum "konvertieren“, ist schwerer vorstellbar, aber gelegentlich wohl ebenfalls Realität. Wir blicken auf eine Szene im Halbdunkel zwischen authentischer Religion und Folklore, mit fließendem Übergang zu völkischen und rassistischen Ideologien. > mehr

 




Vorsicht, schwarze Katze von links!
Ein Streifzug durch die Welt der Magie


Wahrsagerei sei eine zulässige wirtschaftliche Tätigkeit, entschied vor elf Jahren der Bundesgerichtshof, man dürfe Geld dafür verlangen. Eine Kartenleserin im Schwäbischen hatte geklagt, weil einer ihrer Kunden das vereinbarte Honorar nicht zahlen wollte. Die Richter vermerkten achselzuckend, die von der Klägerin versprochene Leistung sei zwar "objektiv", also nach den Naturgesetzen, unmöglich. Aber daraus folge nicht zwingend, dass es keinen Anspruch auf Vergütung gebe. Schließlich hätten sich die Parteien doch vertraglich darauf geeinigt. Und eine Täuschung war der Klägerin nicht nachzuweisen; offenbar glaubte sie selbst an ihre Fähigkeiten. Ein Streifzug durch eine Kunst, die heute so aktuell ist wie eh und je. > mehr

 

 



Mit Karten und Kerzen zu Gesundheit und Erfolg
Magisches in der Religiosität unserer Gegenwart

Hand aufs Herz: Benutzen Sie schützende Amulette? wirkkräftige Spruchformeln? oder setzen Ihre Hoffnung womöglich in zaubermächtige Liebestränke? Magische Bräuche sind in unserer modernen, angeblich doch durch und durch "rationalen" Gesellschaft viel mehr verbreitet, als wir uns selbst eingestehen möchten. Allein in der Bundeshauptstadt soll es mehr als 300 praktizierende Hexer und Hexen geben, eine eigene "Hexenschule" - vorläufig noch ohne staatliche Anerkennung - bietet Kurse an, in denen sich mittels Karten oder Kerzen der Zugang zu Gesundheit und Erfolg öffnen lässt. Modernität und Magie schließen einander keineswegs aus, weder technisch noch betriebswirtschaftlich: Man wirbt übers Internet und nimmt Gebühren. > mehr




Im Schatten der Aufklärung
Die Erfolgssgeschichte des Okkulten in der Neuzeit


Die "Kornkreise" sind eine der erfolgreichsten Phantasmagorien unserer Zeit. Allein in englischer Sprache finden die Suchmaschinen im Internet mehr als 700.000 Belege. Da hilft es nichts, dass sich schon vor Jahren zwei kauzige Künstler dazu bekannten, die ersten Landeplätze für Außerirdische in Südengland angelegt zu haben, mit einfachen Hilfsmitteln wie Stock und Schnur ... Eine Augsburger Ethnologin hat die Erfolgsgeschichte des Okkulten im Schatten der Aufklärung unter die Lupe genommen. > mehr

 


Wettstreit im Dämonenaustreiben
Exorzismus in den Glaubenskämpfen der Reformationszeit


Hierzlande, heutzutage wird den meisten Kirchenvertretern, evangelischen wie katholischen, unbehaglich zu Mute, wenn in der Zeitung zu lesen ist, dass sich jemand als Exorzist betätigt hat, um Dämonen auszutreiben. Aus der Reformationszeit wird erzählt, dass sich die Theologen beider Konfessionen öffentliche Wettkämpfe in dieser Kunst lieferten. Ein Münsteraner Theologe hat die Entwicklung nachgezeichnet. > mehr




Das Gold und die ewige Jugend
Das Berliner Kupferstichkabinett zeigt den "Sonnenglanz"

Die Chemie ist aus der Alchemie entstanden, ebenso wie die Astronomie aus der Astrologie. Eine geläufige Einsicht und doch immer wieder befremdlich. Eines muss man der alten Alchemistenkunst aber lassen: Ein so prachtvolles Lehrbuch, wie es zur Zeit das Berliner Kupferstichkabinett zeigt, hat die moderne Chemie vermutlich nicht hervorgebracht. Erstmals wird die Handschrift „Splendor Solis oder Sonnenglanz“ von 1531/32 in originalgetreuen Faksimilia vollständig ausgestellt. > mehr




Blei gießen, Sterne beobachten, Träume deuten
Allerlei Methoden, in die Zukunft zu schauen

„Helft mir armem Mann! Was fange ich Silvester an?“, seufzte einst Kurt Tucholsky. Eine seiner Erwägungen: Bleigießen. Bis heute eine beliebte Option; schließlich will man wissen, was das neue Jahr bringen könnte. Statt des flüssigen Bleis kippen Gesundheitsbewusste Zinn oder Wachs in eine Schale mit kaltem Wasser. Das ist nicht giftig; aber das Prinzip bleibt dasselbe: Die Figuren, die sich am Grund der Schale bilden, dürfen gedeutet werden. Ein Herz kündigt neue Liebe an, eine Glocke Nachwuchs, eine Leiter beruflichen Aufstieg usw. usf. Zum Jahreswechsel ein Blick auf allerlei Methoden, in die Zukunft zu schauen, von den antiken Orakeln bis zur sozialwissenschaftlichen Prognose von heute. > mehr > mehr

 


Mit Engelnamen zum Pferderennen
Das berühmteste Handbuch der jüdischen Magie


Das berühmteste Handbuch jüdischer Magie erscheint erstmals in einer wissenschaftlich exakten Edition. Die Judaisten der FU Berlin haben haben die wichtigsten Fassungen und Übersetzungen des Textes, der etwa im 7. oder 8. Jahrhundert entstanden sein soll, in einer Synopse zusammengestellt. Falls sich jemand ganz praktisch an diesen Zauberformeln versuchen will: Wir bringen zwei Proben im Wortlaut. > mehr




"Fasst ihn nicht an! Er ist gefährlich!"
Das Stuttgarter Linden-Museum zeigt eine Ausstellung über die Schamanen Sibiriens

Niemand im Westen habe geahnt, was für Schätze das Russische Ethnographische Museum in St. Petersburg in seinen Magazinen berge, seufzt der Direktor des Linden-Museums. Jetzt konnte eine Auswahl aus der sibirischen Sammlung im Westen gezeigt werden, über ein Phänomen, das auch für die aktuelle Populärkultur Bedeutung hat, die Schamanen. Stuttgart steuert eine eigene kleine Sensation bei. Die Stücke, die das Museum Anfang des 20. Jahrhunderts in Ostsibirien gesammelt hatte, waren im Zweiten Weltkrieg verschollen. Vor drei Jahren wurden sie in falsch beschrifteten Kästen wiederentdeckt. > mehr