Vom Maler Lukas zum Priester Raffael
Als die Bilder noch verehrt wurden - und manchmal in den Krieg zogen

Der byzantinische Krieg gegen die Normannen im Jahre 1107 stand unter einem unguten Stern. Kaiser Alexios verließ die Stadt voll Unruhe: Das Madonnenbild in der Blachernen-Kirche, wo der Mantel Mariens aufbewahrt wurde, hatte das übliche Wunder verweigert. Sonst pflegte sich während der Freitagsvesper der Vorhang vor der Ikone von selbst zu heben ... Wir blicken zurück auf die Zeit, wo Bilder nicht "bloß" Kunst waren. > mehr



Wiegen für das Jesuskind
Eine Ausstellung im Frankfurter Liebieghaus zeigt die Weihnachtsgeschichte im Spiegel der Kunst


In der aktuellen Ausstellung des Liebieghauses in Frankfurt am Main sind zwei alte Kinderwiegen zu sehen, die eine aus Eichenholz, gefertigt in Köln um die Mitte des 14. Jahrhunderts, die andere aus vergoldetem Kupfer. Diese zweite kommt aus Friedberg in der Wetterau, die Kunsthistoriker datieren sie etwa ein Jahrhundert später. Selbst für Neugeborene sind die beiden Wiegen mit 20 oder 24 cm Länge jedoch viel zu klein. Eine Spielzeugausstellung? Nicht doch, es geht um die Weihnachtsgeschichte und ihre Spiegelung in der Kunst des Mittelalters. > mehr



7 Todsünden - von der Trägheit bis zur Wollust
Die Karriere eines theologischen Denkschemas in der säkularisierten Welt


Als die australische Speiseeisfirma Streets im Jahr 2002 sieben neue Eissorten auf den Markt brachte, gab sie der Serie den Titel „Magnum 7 Deadly Sins“. Die Firma konnte darauf vertrauen, dass der Ausdruck „Todsünden“ beim breiten Publikum verkaufsfördernde Assoziationen wecken würde – nicht gerade an ewige Höllenstrafen, eher an Lüste mit unwiderstehlicher Verführungskraft. Und natürlich in der Siebenerzahl, wie sie seit dem späten Mittelalter sprichwörtlich geworden ist. Die „Sieben Todsünden“ faszinieren auch heute noch, stellen die Mitarbeiter des „Internationalen Kollegs Morphomata“ an der Universität Köln in dem Sammelband fest, den das Kolleg jetzt zu diesem scheinbar veralteten Denkschema herausgebracht hat. > mehr


"Die hochheilige Stätte des Todes und der Auferstehung des Erlösers"
Geschichte, Legende, Verehrung - die Grabeskirche in Jerusalem


Es soll um 325 n. Chr. gewesen sein, zwölf Jahre zuvor hatte Kaiser Konstantin das Christentum unter staatlichen Schutz gestellt, da machte sich Konstantins Mutter Helena, die seit langem Christin war, zu einer Pilgerreise ins Heilige Land auf. In Jerusalem suchte sie nach der Stätte, wo einst Jesus gekreuzigt worden war, und kam zu dem Schluss, es müsse dort sein, wo Kaiser Hadrian etwa hundert Jahre nach Jesu Tod einen Tempel der Göttin Venus hatte errichten lassen. Dort waren in früherer Zeit die Hinrichtungen vollzogen worden. Die Kaiserinmutter führte Grabungen durch und fand tatsächlich drei Kreuze. Konstantin kam dem Wunsch seiner Mutter nach und errichtete an dieser Stelle die Grabeskirche. > mehr




"Ein Greuel und des Satans Werk"
Bilderfeindlichkeit in Judentum, Christentum und Islam


„Stellt Bilder auf, und ihr werdet sehen, die Bräuche der Heiden tun den Rest!“ Nein, das stammt nicht von einem islamistischen Eiferer irgendwo im nördlichen Irak oder in Mali oder in Afghanistan, so warnte um 400 n. Chr. der christliche Bischof Epiphanios von Salamis seine Schäflein. Ein Jahrhundert zuvor hatte eine Kirchenversammlung im spanischen Elvira beschlossen: „Das Anbringen von Gemälden in der Kirche soll verboten werden.“ Mehr als zwölf Jahrhunderte später, Bilder von Christus, von der göttlichen Trinität und von den Heiligen waren in den Kirchen des Abendlandes längst allgegenwärtig, wiederholte sich die Diskussion. Martin Luther zeigte sich gegenüber Bildern in der Kirche eher gleichgültig; radikalere Kräfte in der Reformation dagegen griffen das Verbot von Elvira wieder auf. An manchen Orten wurden die Kunstwerke von aufgebrachen Volksmengen zerstört, in anderen Städten nahm der Stadtrat die „Reinigung“ der Kirchen und der öffentlichen Plätze in die Hand. „Wir haben dem Aberglauben abgeschworen und die heilige Religion Christi in den Urzustand zurückversetzt“, war früher am Genfer Rathaus zur Erinnerung an den Bildersturm von 1535 zu lesen. > mehr




Echte Bilder und wahre Zeichen
Der Wiener Kunstwissenschaftler Hans Belting über "Bildfragen als Glaubensfragen"

Im Jahr 2000 zeigte die National Gallery London Kunstwerke aus eigenen Beständen, die über das Christentum informierten. Es kamen über eine halbe Million Besucher: den Umfragen zufolge viele, die noch nie ein Kunstmuseum betreten hatten, auch manche, die in den Kirchen keine Bilder von dem vorfanden, woran sie glaubten. Der Wiener Kunstwissenschaftler Hans Belting forscht über "Bildfragen als Glaubensfragen". > mehr



Sensenmann und Schlafes Bruder
Personifikationen des Todes in Kunst und Literatur


Im Lande des Prinzen Prospero wütet eine grauenhafte Seuche, die bereits die Hälfte der Bevölkerung hinweggerafft hat. Prospero versucht, sich mit seinem Hofstaat von jedem Kontakt mit der Umwelt abzuschließen, und feiert ein rauschendes Maskenfest. Als die Uhr um Mitternacht zwölf Mal schlägt, bemerken die Feiernden, dass sich ein Fremder Zutritt verschafft hat, eine grässliche Totenlarve in wallenden Leichengewändern. „Und Dunkelheit und Verfall und der Rote Tod traten ihre unumschränkte Herrschaft an“, schließt Edgar Allan Poes Kurzgeschichte von der „Maske des Roten Todes“, 1842. Eines von tausenden und abertausenden Beispielen, dass Literatur, Kunst und Film den Tod in menschlicher Gestalt auftreten lassen, beinahe wie unsereins. Einer der jüngsten Fälle, nicht so grauenerregend wie bei Poe: der Film „Rendezvous mit Joe Black“ von 1998, mit Brad Pitt in der Rolle des Todes. > mehr




Nicht darstellbar oder nicht darstellungswürdig?
Ansichten Christi im Kölner Wallraf-Richartz-Museum

Ein mit Pusteln bedecktes Haupt und ein gliedloser Rumpf, der "wie eine Garbe in einem tiefen Gefäß steckt, dessen Ränder ihm bis an den Mund reichen", aufgestellt vor einem Gasthaus, in einer verkehrsarmen Straße, nahe dem Schlachthof. Die Gasthausbesitzerin wirft eine Plane darüber, wenn es schneit ... Ein Christusbild, grausam verstümmelt, aus Samuel Becketts Roman "Der Namenlose". "Ansichten Christi" aus der europäischen Kunst seit der Spätantike zeigt das Kölner Wallraf-Richartz-Museum anlässlich des Weltjugendtages. > mehrREISENJerusalem liegt in PolenEin Tag im Weltkulturerbe von Kalwaria Zebrzydowska Dreißig Kilometer südwestlich von Krakau liegt Jerusalem - ein polnische Jerusalem, im 17. Jahrhundert durch die Stiftung einer wohlhabenden Familien den originalen Stätten der Passionsgeschichte im Heiligen Land nachgebaut. Wir bringen einen Reisebericht aus dieser berühmten Wallfahrtsstätte, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. > mehr



Mit Vollbart und langem Haar
Die Entstehung des Christusporträts am römischen und byzantinischen Kaiserhof

Jesus trug Vollbart und langes Haar, so kennen wir es von Hunderten und Tausenden frommer Bilder, so präsentieren es auch die Bibelfilme aus Hollywood ihrem Publikum. Ausgerechnet von einer Person, die zu Lebzeiten sicherlich niemals porträtiert worden ist, haben wir eine recht festumrissene, quasi porträthafte Vorstellung. Ein Frankfurter Kunsthistoriker ist der Frage nachgegangen, wie dieses "Christusporträt" entstanden ist. > mehr




Pizzabäcker in Bethlehem
Ein Gang durch die Krippenausstellung im Bayerischen Nationalmuseum München

Bayern zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Unter dem Eindruck der Französischen Revolution hatte sich die Regierung eine gründliche Reform des Staates zur Aufgabe gesetzt. Die hergebrachten Frömmigkeitsformen des bayerischen Volkes galten als hinderlich in diesem Prozess der Reform, nicht zuletzt die Weihnachtskrippen. Als der Münchner Bankier Max Schmederer in den 1880er Jahren daran ging, in großem Stil Krippenfiguren zu sammeln, hatte er bereits große Schwierigkeiten, vollständige Ensembles zusammenzustellen. Heute bildet seine Sammlung die größte Attraktion des Bayerischen Nationalmuseums in München: Weihnachtskrippen aus Bayern und Tirol, vor allem aber aus Neapel und Sizilien. > mehr




Jerusalem liegt in Polen
Ein Tag im Weltkulturerbe von Kalwaria Zebrzydowska

Dreißig Kilometer südwestlich von Krakau liegt Jerusalem - ein polnische Jerusalem, im 17. Jahrhundert durch die Stiftung einer wohlhabenden Familien den originalen Stätten der Passionsgeschichte im Heiligen Land nachgebaut. Wir bringen einen Reisebericht aus dieser berühmten Wallfahrtsstätte, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. > mehr