Dossier
Wunder und "Wunder"

 

Spontanheilungen und blutende Hostien
Das schwierige Phänomen der Wunder, gestern und heute

"Santo subito!", Heiligsprechung sofort, verlangten Sprechchöre auf dem Petersplatz beim Begräbnis von Papst Johannes Paul II. Inzwischen liegt auch ein erster möglicher Fall eines Wunders vor, wie es vom Gesetzbuch der katholischen Kirche für eine Heiligsprechung gefordert wird: Im Juni 2005 verschwand bei einer französischen Nonne, die an der Parkinson-Krankheit litt, ohne ärztliche Zutun die Schüttellähmung. Eine Konstanzer Mediävistin hat jetzt eine historische Phänomenologie des Wunders vorgelegt. > mehr




"Wesensmäßige Verwandlung von Brot und Wein"
Vor 800 Jahren beschloss das IV. Laterankonzil das Transsubstantiationsdogma


Einem so ernsthaften Philosophen wie Hegel fiel es schwer, sich über dieses Thema nicht lustig zu machen. „In der Kirche des Mittelalters, in der katholischen Kirche überhaupt“, sagte er 1826 in einer Vorlesung, „ist die Hostie auch als äußerliches Ding verehrt, so dass, wenn eine Maus eine Hostie gefressen hat, die Maus zu verehren ist und ihre Exkremente.“ Die Äußerung erregte Skandal; der Kaplan der katholischen Hedwigkathedrale in Berlin beschwerte sich beim preußischen Kultusminister. Doch der Satz war in der Welt. Hegel, der größte Philosoph seiner Zeit und für weite Teile des deutschen Protestantismus damals so etwas wie ein moderner Kirchenvater, hatte die katholische Lehre vom Abendmahlssakrament für eine Form der Verdinglichung, ja des magischen Aberglaubens erklärt. > mehr




Das Ereigniswerden des Unmöglichen
Über den Umgang mit Wundern in der Gegenwart

„Wunder gibt es immer wieder“, sang einst Katja Ebstein, und die Meinungsumfragen geben ihr Recht: Bei einer Allensbach-Untersuchung 2006 in Deutschland versicherten 56 Prozent aller Befragten, an Wunder zu glauben. Boulevardzeitungen bringen in ihren Schlagzeilen gern das Wort „Wunder“ unter und selbst in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, ergab jetzt eine Auszählung, trugen zwischen 1949 und 2010 nicht weniger als 30.082 Artikel den Begriff „Wunder“ im Titel. Unsere Gegenwart – eine Zeit der Wunder? Zwei Historiker haben den Umgang der Öffentlichkeit in unserer Gegenwart mit allerlei staunenswerten Ereignissen analysiert. Ihr Ergebnis: „Das 20. Jahrhundert entwickelte sich zum Zeitalter der Wunder par excellence.“ > mehr




Wunderbare Heilungen und verbogene Gabeln
Die Deichtorhallen Hamburg zeigen einen Streifzug durch die Welt der Wunder

„Etwa 15 Minuten nach 17 Uhr30 stellten meine Oma, meine Mutter und meine Schwester fest, dass die Gabel butterweich war und sich nach allen Seiten biegen ließ.“ Viele hundert solcher Zuschriften erreichten die Zeitungsredaktionen, nachdem der 28-jährige Zauberkünstler Uri Geller im Januar 1974 im Fernsehen aufgetreten war. In den Deichtorhallen Hamburg ist jetzt eine große Ausstellung zur Kulturgeschichte rund um das Wunderbare zu sehen. Da finden sich Bilder von den Wundern Christi im Neuen Testament neben dem Pokal der Fußballweltmeisterschaft 1954 („Das Wunder von Bern“), der Kessel, in dem bei „Asterix und Obelix gegen Caesar“ 1999 der Zaubertrank gebraut wurde, neben einer Raketenspitze der „Wunderwaffe“ V2. > mehr




Riesengroße Hirsche vor dem Pflug und Heiligenzähne aus den Meerestiefen
Ein neuer Sammelband mittelalterlicher Mirakelberichte


"Sie rissen das Behältnis aus dem Grab, in dem die heiligsten Reliquien Martins aufbewahrt wurden, und stellten es auf dem Stadttor auf ... Die Dänen ergriff heftiges Staunen, eine unerträgliche Scheu, der Wahnsinn ... Also begriffen die Bewohner, dass Christus auf Martins Bitte hin ihre Rettung war, und machten einen Ausfall, verfolgten die Feinde, von denen sie insgesamt beinahe neunhundert töteten ..." Der Bischof Radbod von Utrecht Anfang des 9. Jahrhunderts über die wunderbare Rettung der Stadt Tour vor den Normannen im Sommer 903. In der "Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe" ist jetzt ein Quellenband mit Mirakelberichten des frühen und hohen Mittelalters herausgekommen. > mehr  > me > mehr





Im Schatten der Aufklärung
Die Erfolgsgeschichte des Okkulten - von Gutenberg bis zum World Wide Web

Die "Kornkreise" sind eine der erfolgreichsten Phantasmagorien unserer Zeit. Allein in englischer Sprache finden die Suchmaschinen im Internet mehr als 700.000 Belege. Da hilft es nichts, dass sich schon vor Jahren zwei kauzige Künstler dazu bekannten, die ersten Landeplätze für Außerirdische in Südengland angelegt zu haben, mit einfachen Hilfsmitteln wie Stock und Schnur ... Eine Augsburger Ethnologin hat die Erfolgsgeschichte des Okkulten im Schatten der Aufklärung unter die Lupe genommen. > mehr




Wenn Stechmücken aus Staub hervorgehen
Erst seit dem 19. Jahrhundert gilt die Entstehung von einfachem Leben als göttlicher Schöpfungsakt

Es ist beinahe schon reflexhaft: Wenn etwa vom Craig Venter Institute, das durch die erste vollständige Entschlüsselung des menschlichen Genoms bekannt wurde, neue Fortschritte gemeldet werden, finden sich auf den Titelseiten unserer Zeitungen, von der „Bild“ über die „Welt“ und den „Spiegel“ bis zur FAZ und zur „Zeit“, regelmäßig Überschriften wie „Schöpfung im Labor“ oder „Spielen die Forscher Gott?“. Und in den Kommentaren wird den Wissenschaftlern mit Berufung auf die Bibel dann gern vorgeworfen, dem Schöpfergott ins Handwerk pfuschen zu wollen. „Gott spielen“ ... Der Philosoph und Chemiker Joachim Schummer, Wissenschaftsforscher an der Universität Bielefeld, ist der Geschichte dieses Vorwurf gegen die „Synthetische Biologie“ nachgegangen. > mehr





Ungeduldiges Warten auf den großen Wandel
Zwischen Albert Schweitzer und Carl Schmitt - eschatologisches Denken im 20. Jahrhundert

1892 trat der Göttinger Theologe Johannes Weiß mit der These vor die Fachwelt, Jesus habe keineswegs auf eine immer und überall gleich geltende Ethik hinausgewollt, sondern ein aktuell bevorstehendes Ereignis im Sinn gehabt, ein Ende oder eine Verwandlung der Welt durch göttliches Eingreifen. Laienhaft zusammengefasst: Zwei Jahrtausende christlich-abendländischer Glaubens- und Moralentwicklung waren auf einer historisch irrigen Grundlage aufgebaut. Ein Würzburger Forscher hat dem Widerhall dieser Entdeckung nachgespürt - in Theologie, Kulturphilosophie und politischer Theorie des 20. Jahrhunderts. > mehr





Apokalypse mit Western-Plot
Endzeiterwartungen - von der Bibel bis zur amerikanischen Nahostpolitik


Die Rede vom Weltende steht wieder auf der Tagesordnung, spätestens seit "Nine eleven" und den jüngsten Prognosen zum Klimawandel. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen haben den aktuellen Diskurs in die mehr als zweitausendjährige Tradition der Apokalyptik hineingestellt. Ein Blick in die amerikanische Populärkultur zeigt, dass die Diskussion dort beunruhigend anders verläuft als hierzulande: Apokalypse als Verheißung eines besseren Weltzustandes. > mehr





"Wie soll das geschehen?"
Die jungfräuliche Geburt Jesu - eine sehr unmoderne Seite der Weihnachtsgeschichte

„Wie könnte ich einen Sohn bekommen, wo mich kein Mann berührt hat und ich nicht unkeusch gewesen bin?“ Der Engel antwortete: „Also sprach dein Herr: Das ist mir ein leichtes." Unverkennbar eine Weihnachtsgeschichte; tatsächlich geht es um Maria und die bevorstehende Geburt Jesu. Aber der Text stammt nicht aus dem Neuen Testament, er stammt überhaupt nicht aus einer christlichen Quelle, sondern aus dem Koran, dem heiligen Buch der Muslime. Der Islam lehnt zwar die Lehre von Jesus als dem Sohn Gottes ab, lehrt aber die jungfräuliche Geburt dieses Propheten. Zum Weihnachtsfest ein Blick auf zweitusend Jahre Diskussion um die jungfräuliche Geburt Jesu. > mehr