Dossier
Antike Literatur

 

Am Anfang war Homer
Ein amerikanischer Altphilologe stellt unser gängiges Geschichtsbild in Frage

Wozu eigentlich haben die alten Griechen ihr Alphabet erfunden? Um mit den Städten Phöniziens leichter Handel treiben zu können, lautet die gängige Antwort. Dummerweise kommt in den ältesten Inschriften das Thema „Kommerz“ gar nicht vor; Inhalt sind vielmehr: Sex und Poesie ... Das hat einen amerikanischen Altphilologen auf eine überraschende Hypothese gebracht: Die Griechen wollten mit ihrer neuerfunden Schrift Homers Epen festhalten  > mehr





Lesen Sie Homer, dann ist alles klar
Der Mythos von Troia - eine Ausstellung in Mannheim

Das Gymnasium Casimirianum in Coburg wollte es genau wissen: "Was sagt dir/Ihnen der Name Homer?", wurden Schüler des Hauses und Bewohner der fränkischen Kleinstadt befragt. Immerhin 70 Prozent der Gymnasiasten und Realschüler antworteten "griechischer Dichter", auch noch 45 Prozent der Bevölkerung. Aber 15 Prozent der Schüler konterten mit "der Alte aus den Simpsons". Eine große Ausstellung in Mannheim will jetzt für die Erzählkunst des alten Griechen sensibilisieren, erlebbar machen, wie wenig fremd Homer uns eigentlich doch ist. > mehr





Steine, Verse und ein Krieg
Aus der aktuellen Forschung über Troia, Homer und die griechische Frühgeschichte

Ob mal jemand versucht hat, das Hexenhäuschen von Hänsel und Gretel ausfindig zu machen? Eher nicht; der märchenhafte Charakter ist doch allzu offensichtlich. Dagegen will es uns nicht so recht in den Kopf, dass hinter Homers „Ilias" womöglich bloß poetische Phantasie steht. Hat Heinrich Schliemann nicht den handfesten Beleg geliefert, dass Troia wirklich existiert und dass der Trojanische Krieg wirklich stattgefunden hat? Aus Anlass der großen Homer-Ausstellung in Mannheim ein Blick auf den aktuellen Forschungsstand über die "Trojanische" und die "Homerische Frage." > mehr




Wenn der Traum sich in Stein auflöst
Historiker gehen dem Mythos "Troia" auf den Grund

"Was als Sage und Mythos gegolten hatte, zugeschrieben der Phantasie des Dichters, war bewiesen worden in seiner Existenz!" Ein Satz, der für ganze Lesergenerationen am Anfang ihrer Interessen an Archäologie und alter Geschichte gestanden hat: C. W. Ceram über Heinrich Schliemann, den Ausgräber Troias. Eine Münchner Ringvorlesung ist einem Mythos auf den Grund gegangen, der die Geistesgeschichte Europas mitgeprägt hat. Jüngste Variante: Troia und der Beitritt der Türkei zur Europäischen Union. > mehr





Freie Menschen und freie Götter
Eine Destruktion des Schicksalsbegriffs in Homers Epen

"Trotz dem Schicksal", diese Formel kommt in der klassischen deutschen Homer-Übersetzung von Johann Heinrich Voß des öfteren vor. Zum Beispiel macht Göttervater Zeus sich Sorgen, der Held Achilleus könnte die Stadt Troja vorzeitig erobern, "trotz dem Schicksal". Aber kann das eigentlich sein, dass ein einzelner Mensch den schicksalhaft vorgegebenen Verlauf der Dinge ändert? Oder leitet uns der Übersetzer in die Irre? Ein Nachwuchsforscher an der Freien Universität Berlin, hat diese Frage neu aufgegriffen. > mehr



Wenn ein Possenreißer vom idealen Staat erzählt
Vor 500 Jahren erschien die "Utopia" des Thomas More

Wenn da nicht im entscheidenden Moment jemand gehustet hätte … Ja, vielleicht wüssten wir dann, wo sie eigentlich liegt, jene Insel „Utopia“, von der die Menschheit träumt, seit der englische Gelehrte Thomas Morus Ende 1516, vor 500 Jahren, sein berühmtes Buch herausbrachte. In einem der Briefe, die in den Text eingestreut sind, fragt Morus einen Freund, ob er von dem Berichterstatter, dem vielgereisten „Raphael Hythlodeus“, nichts über die Lage der Insel in Erfahrung gebracht habe; er selbst habe leider vergessen, Hythlodeus danach zu fragen. Der Freund – es ist Petrus Aegidius, der Stadtschreiber von Antwerpen, dem Morus das Büchlein zugeeignet hat - muss passen: Als Hythlodeus dazu genauere Angaben machte, habe jemand gehustet, seine Ausführungen seien untergegangen. Das nennt man einen Wink mit dem Zaunpfahl. Die allermeisten von Morus‘ frühen Lesern werden bereits aus dem Namen der Insel erschlossen haben, dass es sich um ein literarisches Spiel handelte: „Utopia“ heißt übersetzt so viel wie „Unort“ oder „Nirgendwo“. > mehr



Lachen, lachen und nichts als Lachen
Mehr Muppet schow als Littérature engagée - eine neuer Blick auf die Komödien des Aristophanes

Lysistrata – das war doch jene Bühnenfigur des griechischen Dichters Aristophanes, die im Peloponnesischen Krieg Athens Frauen dazu anstachelte, in einen Liebesstreik zu treten ... Der Dichter wollte die imperialistische Politik Athens aufs Korn nehmen, so oder so ähnlich ist es immer wieder zu lesen. Ein Münchner Philologe ist zu einem völlig anderen Schluss gekommen: Das Bild von Aristophanes als einem politisch engagierten Dichter sei ein modernes Missverständnis. Das Publikum seiner Komödien wollte „lachen, lachen und nochmals lachen, sogar über sich selbst“, weitab von all dem, was wir heute „Systemkritik“ oder politisches Engagement nennen würden. > mehr




 
Unser Vergnügen am Grausigen
Berliner Philologen bemühen sich um ein neues Verständnis des Aristoteles

Lessing glaubte, durch die Tragödie würden unsere natürlichen Leidenschaften in Tugenden verwandelt, Schadewaldt dachte vielmehr daran, dass die schrecklichen Geschehnisse auf der Bühne beim Zuschauer Gänsehaut und feuchte Augen hervorrufen und er am Ende dennoch wohlig erfrischt nach Hause geht ... Was Aristoteles in seiner Tragödienschrift sagen wollte, ist nach wie vor umstritten. Jetzt wagen die Philologen der FU Berlin einen neuen Anlauf.  >mehr




Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu ...
Eine neue Übersetzung von Ovids "Kunst der Verführung" - scienzz communication sprach mit dem Übersetzer

Ovids "Kunst der Verführung" ... Ein Lehrbuch, dem äußeren Anschein nach. Und für ein modernes Publikum schon wegen der vielen mythologischen und historischen Anspielungen kein ganz leichter Lesestoff. Für die alten Römer jedoch muss es ein höchst amüsantes Lesevrgnügen gewesen sein, ein frivoles Spiel mit der ernsthaften Form des Lehrbuches ... Ein Berliner Historiker hat jetzt eine neue Übersetzung vorgelegt, die eine Alternative zu den gängigen wissenschaftlichen Ausgaben bieten woll - als Wiedergewinnung des Buches für ein breites Publikum. scienzz communication führte ein Interview mit dem Übersetzer. > mehr